07/11/2017
Der Citroën Berlingo hat sich seit seiner Einführung als äußerst praktischer und vielseitiger Hochdachkombi etabliert. Bekannt für sein enormes Platzangebot und seine Funktionalität, spricht er sowohl Familien als auch Gewerbetreibende an. Doch was macht den Berlingo aus, welche Generationen gab es, und welche Probleme können auftreten? Dieser Artikel beleuchtet den Berlingo von seinen Anfängen bis zur neuesten Generation und gibt einen umfassenden Überblick.

Der Citroën Berlingo: Ein Hochdachkombi mit Tradition
Der Citroën Berlingo, baugleich mit dem Peugeot Partner (später Rifter) und in neueren Generationen auch mit Opel Combo, Fiat Doblò und Toyota Proace City, begründete Ende 1996 eine neue Fahrzeugklasse. Er bot erstmals die Geräumigkeit eines Kastenwagens ohne optische Trennung zum Fahrgastraum, kombiniert mit einer erhöhten Sitzposition und Abmessungen, die denen eines Kompaktwagens ähneln. Der Name Berlingo leitet sich vom französischen Wort „Berlingot“ ab, einer verkürzten Form der Kutschenform „Berline“.
Die Generationen im Überblick
Berlingo I (1996–2009)
Die erste Generation des Berlingo basierte auf der Bodengruppe des Citroën ZX bzw. des Peugeot 306. Sie kam Ende 1996 auf den Markt und war zunächst mit zwei Ottomotoren (1,1 und 1,4 Liter) und einem Dieselmotor (1,9 Liter) erhältlich. Im Laufe der Produktionszeit kamen weitere Motorisierungen hinzu, darunter der 2,0 HDi Diesel mit Common-Rail-Einspritzung. Der Berlingo I war als Kastenwagen und als Pkw-Version (Multispace) verfügbar. Praktische Features wie die optionale Schiebetür (zunächst rechts, später auch links) und das Multifunktionsdach Modutop trugen zur Beliebtheit bei. Eine Besonderheit war der ab Werk erhältliche Faltdach. Bis Ende 2009 wurde die erste Generation in Deutschland unter dem Namen „Berlingo First“ parallel zur zweiten Generation angeboten.
Versionsgeschichte Berlingo I
- September 1996: Vorstellung auf der IAA Nutzfahrzeuge.
- November 1996: Markteinführung mit 1,1 (nur Kastenwagen) und 1,4 Liter Ottomotoren.
- Januar 1997: Einführung des 1,9 Liter Diesel.
- März 1997: Modell Multispace mit optionalem elektrischem Faltschiebedach.
- April 1999: Einführung der Schiebetür auf der rechten Seite.
- September 1999: Sondermodell Ocean mit Klimaanlage, Zentralverriegelung u.v.m.
- November 1999: Einführung des 2,0 HDi Diesel.
- Mai 2000: Einführung der Schiebetür auf der linken Seite und des Multiplex-Systems.
- Dezember 2000: Einführung des Multifunktionsdachs Modutop.
- Oktober 2002: Facelift mit neuer Frontpartie und überarbeitetem Cockpit.
- Juni 2004: Straffung des Modellprogramms, Einführung des Sondermodells XTR (nicht in Deutschland).
- Juli 2005: Ersetzung des 2,0 HDi durch den 1,6 HDi 90.
- Oktober 2005: Leichte Überarbeitung (Schiebetüren, Innenausstattung, Beleuchtung), Einführung des 1,6 HDi 75 als Ersatz für den 1,9 D.
- Juni 2008: Einführung des Berlingo First als Einsteigermodell parallel zur zweiten Generation.
- Ende 2009: Produktionsende für den deutschen Markt.
Motoren des Berlingo I (Auswahl)
| Modell | Bauzeitraum | Hubraum | max. Leistung | max. Drehmoment |
|---|---|---|---|---|
| 1.4i | 1996–2001 | 1361 cm³ | 55 kW (75 PS) | 111 Nm |
| 1.6i 16V | 2001–2008 | 1587 cm³ | 80 kW (109 PS) | 147 Nm |
| 1.9 D | 1996–2005 | 1905/1868 cm³ | 50–51 kW (68–69 PS) | 120–128 Nm |
| 2.0 HDi | 1999–2005 | 1997 cm³ | 66 kW (90 PS) | 205 Nm |
| 1.6 HDi | 2005–2009 | 1560 cm³ | 55 kW (75 PS) / 66 kW (90 PS) | 170 Nm / 215 Nm |
Berlingo II (B9; 2008–2018)
Die zweite Generation, intern B9 genannt, wurde auf dem Genfer Auto-Salon 2008 vorgestellt und kam im Juni 2008 auf den deutschen Markt. Sie war deutlich größer als der Vorgänger (ca. 20 cm länger) und teilte sich die Bodengruppe mit dem Citroën C4 Picasso. Dies führte zu verbessertem Fahrkomfort und mehr Platz. Der Berlingo II bot erstmals Features wie höhenverstellbaren Fahrersitz, klappbare Beifahrersitzlehne und längsverstellbare Lenksäule. Optional gab es drei herausnehmbare Einzelsitze im Fond und eine separat aufklappbare Heckscheibe. Die Sicherheitsausstattung wurde mit serienmäßigem ABS, ESP sowie Front- und Seitenairbags verbessert.
Die Motorenpalette umfasste ausschließlich 1,6-Liter-Motoren, sowohl Benziner (72 kW, 88 kW) als auch Diesel (55 kW, 66 kW, 68 kW, 73 kW, 80 kW, 82 kW, 84 kW, 88 kW). Ab 2013 gab es auch eine batterieelektrische Variante mit 49 kW Motorleistung und 22,5 kWh Batteriekapazität.
Facelifts gab es im April 2012 (neues Logo, überarbeitete Scheinwerfer/Heckleuchten, optional LED-Tagfahrlicht) und im März 2015 (7-Zoll-Touchscreen, Aktiv-Bremssystem, Einparksensoren, Rückfahrkamera, Euro-6-Diesel). Der Berlingo II war auch als Nutzfahrzeugvariante mit vergrößertem Ladevolumen und optional drei Sitzplätzen vorne erhältlich.
Motoren des Berlingo II
| Modell | Bauzeitraum | Hubraum | max. Leistung | max. Drehmoment |
|---|---|---|---|---|
| 1.6 VTi 95 | 2010–2018 | 1598 cm³ | 72 kW (98 PS) | 152 Nm |
| 1.6 VTi 120 | 2009–2016 | 1598 cm³ | 88 kW (120 PS) | 160 Nm |
| 1.6 HDi 75 | 2008–2015 | 1560 cm³ | 55 kW (75 PS) | 185 Nm |
| 1.6 BlueHDi 100 | 2015–2018 | 1560 cm³ | 73 kW (99 PS) | 254 Nm |
| 1.6 BlueHDi 120 | 2015–2018 | 1560 cm³ | 88 kW (120 PS) | 300 Nm |
| Electric | seit 2014 | — | 49 kW (67 PS) | 200 Nm |
Berlingo III (K9; seit 2018)
Die dritte Generation (intern K9) wurde im März 2018 vorgestellt und kam im Juni desselben Jahres auf den Markt. Sie basiert auf der modernen EMP2-Plattform und teilt sich die technische Basis mit einer Reihe anderer Modelle des PSA-Konzerns (mittlerweile Stellantis), darunter Peugeot Rifter, Opel Combo und Fiat Doblò sowie Toyota Proace City. Der Berlingo III ist in zwei Längen erhältlich: M (4,40 m) und XL (4,75 m), wobei die XL-Version optional eine dritte Sitzreihe ermöglicht.
Die Motorenpalette umfasste zum Start einen 1,2-Liter-Ottomotor (81 kW) und einen 1,5-Liter-Dieselmotor (75 kW, 96 kW). Später kam eine stärkere Ottomotor-Variante hinzu. Alle Motoren erfüllten die aktuellen Abgasnormen (Euro 6d-TEMP, später Euro 6d/e). Seit 2021 wird auch eine vollelektrische Variante, der ë-Berlingo, mit 100 kW Leistung und einer Reichweite von bis zu 280 km (WLTP) angeboten. Anfang 2022 wurden die Verbrennungsmotoren für die Pkw-Variante kurzzeitig eingestellt, aber im Sommer 2022 für die kurze Version wieder eingeführt. Eine überarbeitete Version des Berlingo III wurde Ende 2023 vorgestellt und ist seit März 2024 erhältlich.
Besonderheiten der dritten Generation sind das modernere Design (insbesondere bei der Pkw-Variante) und die Möglichkeit, die Nutzfahrzeugvariante mit drei Sitzplätzen in der ersten Reihe auszustatten. Im Euro-NCAP-Crashtest 2018 erhielt der Berlingo vier von fünf Sternen.

Motoren des Berlingo III (Auswahl)
| Modell | Bauzeitraum | Hubraum | max. Leistung | max. Drehmoment |
|---|---|---|---|---|
| PureTech 110 | seit 09/2018 | 1199 cm³ | 81 kW (110 PS) | 205 Nm |
| PureTech 130 EAT8 | seit 05/2019 | 1199 cm³ | 96 kW (131 PS) | 230 Nm |
| BlueHDi 100 | seit 09/2018 | 1499 cm³ | 75 kW (102 PS) | 250 Nm |
| BlueHDi 130 | seit 09/2018 | 1499 cm³ | 96 kW (130 PS) | 300 Nm |
| ë-Berlingo | seit 06/2021 | — | 100 kW (136 PS) | 260/270 Nm |
Platz und Vielseitigkeit: Die Stärken des Berlingo
Der Berlingo ist ein Paradebeispiel für einen Hochdachkombi, der mit seinem Raumangebot glänzt. Die enorme Innenraumhöhe und die großen Fensterflächen schaffen ein luftiges Raumgefühl. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Sitzreihe gibt es viel Platz. Die optionale dritte Sitzreihe ist eher für kürzere Strecken oder kleinere Personen gedacht.
Ein entscheidender Vorteil ist der riesige Kofferraum. In der M-Version fasst er 597 Liter, im XL sogar 850 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzen steigt das Volumen auf bis zu 2.126 bzw. 2.693 Liter. Klappt man zusätzlich den Beifahrersitz um, lassen sich Gegenstände von über 3 Metern Länge transportieren und das Ladevolumen kann auf bis zu 4.000 Liter anwachsen. Dies ist im Vergleich zur Konkurrenz ein Spitzenwert.
Die großen vorderen Türen und die praktischen Schiebetüren im Fond (oft optional oder serienmäßig je nach Ausstattung) ermöglichen einen sehr bequemen Zustieg. Besonders praktisch sind die optionalen Einzelsitze in der zweiten Reihe, die sich einzeln herausnehmen lassen und auf denen oft drei Kindersitze nebeneinander Platz finden.
Neben dem Kofferraumvolumen ist der Berlingo auch ein „Weltmeister der Ablagen“. Zahlreiche Staufächer finden sich am Dachhimmel, unter dem Fahrzeugboden, im Kofferraum und an vielen weiteren Stellen, was ihn zum idealen Fahrzeug für Familien oder den Transport vieler kleinerer Gegenstände macht.
Fahreigenschaften und Komfort
Die Federung des Berlingo ist ausgewogen und für die Fahrzeugklasse komfortabel abgestimmt. Sie schluckt Unebenheiten gut weg und sorgt für ein angenehmes Fahrgefühl, das eher auf Komfort als auf Sportlichkeit ausgelegt ist. Die Sitze werden oft als durchschnittlich bequem beschrieben. Die verwendeten Materialien im Innenraum sind eher einfach gehalten und können kratzempfindlich sein, aber die Verarbeitung ist insgesamt zufriedenstellend.
Häufige Probleme und Schwachstellen
Die zweite Generation des Citroën Berlingo (2008-2018) schneidet laut TÜV-Report nur unterdurchschnittlich ab. Bestimmte Bereiche zeigen überdurchschnittlich oft Mängel.
Die häufigsten Probleme betreffen:
- Bremsen: Überdurchschnittlicher Verschleiß und Mängel an der Bremsanlage werden oft bemängelt.
- Beleuchtung: Probleme mit der Beleuchtung sind ebenfalls eine wiederkehrende Schwachstelle.
- Ölverlust: Der Verlust von Motor- oder Getriebeöl tritt beim Berlingo häufiger auf als bei vielen anderen Modellen.
- Motoren (Diesel): Bei den Diesel-Motorisierungen der zweiten Generation sorgen defekte Turbolader und Injektoren immer wieder für Verdruss bei den Besitzern.
Auch in der ADAC Pannenstatistik erreicht der Berlingo der unteren Mittelklasse keine Spitzenwerte, was auf eine erhöhte Pannenanfälligkeit in bestimmten Bereichen hindeutet.
Es ist wichtig anzumerken, dass diese Probleme vor allem die zweite Generation betreffen. Neuere Modelle (Berlingo III) zeigen sich in vielen Bereichen verbessert, auch wenn Langzeitstatistiken hier noch im Aufbau sind.

Fazit: Ein praktischer Allrounder mit bekannten Schwächen
Der Citroën Berlingo ist ein überaus praktisches und vielseitiges Fahrzeug, das mit seinem riesigen Platzangebot, der hohen Flexibilität und der bequemen Zugänglichkeit überzeugt. Er ist ideal für alle, die viel Raum benötigen, sei es für die Familie, den Transport von Hobbymaterial oder gewerbliche Zwecke. Die dritte Generation bietet zudem modernere Technik und Komfortmerkmale.
Allerdings sollte man bei älteren Modellen, insbesondere der zweiten Generation, die bekannten Schwachstellen im Auge behalten. Probleme mit Bremsen, Beleuchtung, Ölverlust sowie potenziellen Motorproblemen (Turbolader, Injektoren bei Dieselmotoren) sind bei der Gebrauchtwagensuche und im laufenden Betrieb zu berücksichtigen. Eine gründliche Prüfung vor dem Kauf und regelmäßige Wartung sind ratsam, um die Freude an diesem praktischen „Raumwunder“ lange zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen zum Citroën Berlingo
Was bedeutet der Name Berlingo?
Der Name Berlingo leitet sich vom französischen Wort „Berlingot“ ab, einer verkürzten Form der Kutschenform „Berline“. Er wurde gewählt, um die neue Fahrzeugklasse der Hochdachkombis zu kennzeichnen.
Ist der Citroën Berlingo ein gutes Auto?
Der Berlingo ist ein sehr gutes Auto für alle, die Wert auf Platz, Flexibilität und Vielseitigkeit legen. Er bietet Eigenschaften, die SUVs oder klassische Kombis oft nicht erreichen. Allerdings hat er, insbesondere in älteren Generationen, bekannte Schwächen bei bestimmten Bauteilen wie Bremsen, Beleuchtung und potenziellen Motorproblemen, die seine Zuverlässigkeitsbilanz im Vergleich zu anderen Fahrzeugen beeinträchtigen können.
Welche Generationen des Berlingo gibt es?
Es gibt drei Hauptgenerationen des Citroën Berlingo:
- Berlingo I (1996–2009)
- Berlingo II (2008–2018)
- Berlingo III (seit 2018)
Die zweite und dritte Generation wurden jeweils mit Facelifts aktualisiert.
Wie viel Platz bietet der Citroën Berlingo im Kofferraum?
Der Kofferraum ist eine der größten Stärken des Berlingo. In der kurzen Version (M) bietet er 597 Liter, in der langen Version (XL) sogar 850 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzen steigt das Volumen erheblich an, in der XL-Version auf bis zu 2.693 Liter.
Gibt es den Citroën Berlingo auch als Elektroauto?
Ja, es gab bereits in der ersten Generation eine Elektro-Variante (Berlingo Electrique). Eine modernere Elektroversion wurde ab 2013 für die zweite Generation angeboten (Berlingo Electric / E-Berlingo Multispace). Für die aktuelle dritte Generation gibt es den vollelektrischen Citroën ë-Berlingo.
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