DaWanda & Etsy: Das Ende einer Ära?

16/06/2021

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Im digitalen Zeitalter haben sich Online-Marktplätze als zentrale Anlaufstellen für den Handel etabliert. Während globale Giganten den Massenmarkt bedienen, entstanden auch spezialisierte Plattformen, die sich bestimmten Nischen widmeten. Eine solche Plattform in Deutschland war DaWanda, die sich auf handgemachte Produkte, Unikate und Vintage-Artikel konzentrierte. Sie bot Kreativen und kleinen Unternehmen eine Bühne, ihre einzigartigen Waren einem breiten Publikum anzubieten. Doch trotz einer treuen Community und anfänglichem Wachstum sah sich DaWanda im Laufe der Jahre mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, die letztendlich zu einer bedeutenden Entscheidung führten – der Schließung der Plattform und der Empfehlung an ihre Nutzer, zu einem internationalen Konkurrenten zu wechseln: Etsy. Diese Entwicklung markierte das Ende einer Ära für viele deutsche Kreative und Käufer.

Ist Wanda jetzt Etsy?
Die Website von DaWanda leitet nun auf Etsy um.

Die Frage, die sich viele stellten und immer noch stellen, lautet: Was genau geschah mit DaWanda, und in welcher Beziehung steht die Plattform heute zu Etsy? Oft hört man die Frage, ob DaWanda einfach zu Etsy geworden sei. Die Antwort ist nicht ganz so einfach, aber basierend auf den verfügbaren Informationen lässt sich die Geschichte und die Verbindung zwischen diesen beiden Marktplätzen detailliert nachzeichnen.

Übersicht

Die Anfänge von DaWanda: Eine Plattform für das Besondere

DaWanda wurde im Jahr 2006 von Claudia Helming und Michael Pütz ins Leben gerufen. Die Vision war klar: einen Online-Marktplatz zu schaffen, der sich explizit von Massenangeboten abhebt. Hier sollten Käufer Produkte direkt von den Herstellern oder Designern erwerben können. Der Fokus lag auf Produkten, die mit Liebe und Sorgfalt gefertigt wurden – handgemacht, individualisiert, aufgearbeitet, restauriert, veredelt oder nach Maß angefertigt. Darüber hinaus öffnete sich DaWanda auch für „Vintage-Artikel“, allerdings mit einer klaren Definition: Diese Produkte mussten mindestens 20 Jahre alt sein und von hoher Qualität. Diese strenge Kuratierung des Angebots sollte die Einzigartigkeit und den besonderen Charakter der Plattform sichern.

Das Geschäftsmodell basierte auf der Erhebung von Gebühren von den Verkäufern. Für jedes verkaufte Produkt erhielt DaWanda eine Provision. Ursprünglich lag diese Provision bei 5 Prozent des Verkaufspreises, wobei die Versandkosten nicht berücksichtigt wurden. Zusätzlich wurde eine Einstellgebühr für jedes Produkt erhoben, die je nach Preis des Artikels zwischen 10 und 30 Cent variierte. Dieses Modell sollte sicherstellen, dass DaWanda an den erfolgreichen Verkäufen partizipierte, während die Einstellgebühren eine gewisse Hürde für das Einstellen von Artikeln darstellten und potenziell die Qualität des Angebots fördern sollten.

Das Geschäftsmodell im Detail: Provisionen und Einstellgebühren

Das finanzielle Fundament von DaWanda ruhte, wie bei vielen Online-Marktplätzen, auf einem Gebührenmodell für die Verkäufer. Es war ein System, das Anreize setzen und gleichzeitig den Betrieb der Plattform finanzieren sollte.

Zunächst erhob DaWanda eine Verkaufsprovision in Höhe von 5 Prozent des Verkaufspreises. Diese Provision wurde nur fällig, wenn ein Artikel tatsächlich verkauft wurde. Die Idee dahinter war, dass die Plattform nur dann verdiente, wenn auch die Verkäufer erfolgreich waren. Dies schuf eine gewisse Partnerschaft: Der Erfolg der Verkäufer war direkt mit dem Erfolg von DaWanda verbunden. Die Versandkosten wurden bei der Berechnung der Provision ausdrücklich ausgenommen, was für Verkäufer, die oft individuelle oder empfindliche Artikel versendeten, von Bedeutung war.

Neben der Provision gab es die Einstellgebühr. Diese Gebühr wurde erhoben, wenn ein Verkäufer einen Artikel auf der Plattform einstellte, unabhängig davon, ob dieser verkauft wurde oder nicht. Die Höhe der Einstellgebühr war gestaffelt und hing vom Preis des angebotenen Produkts ab. Sie bewegte sich zwischen 10 und 30 Cent. Diese Gebühr diente dazu, die Kosten für das Hosting und die Präsentation der Artikel zu decken und möglicherweise auch eine gewisse Schwelle zu schaffen, die Verkäufer dazu anhielt, nur ernsthaft zum Verkauf bestimmte und gut präsentierte Produkte einzustellen.

Im Laufe der Jahre, genauer gesagt ab Januar 2017, passte DaWanda sein Provisionsmodell an. Die Verkaufsprovision wurde deutlich erhöht, von 5 Prozent auf 9,5 Prozent. Diese Erhöhung war ein signifikanter Schritt und könnte auf den Bedarf an höheren Einnahmen hindeuten, möglicherweise um Betriebskosten zu decken oder in die Weiterentwicklung der Plattform zu investieren. Solche Anpassungen der Gebührenmodelle sind auf Online-Marktplätzen nicht unüblich, können aber für die darauf tätigen Verkäufer erhebliche Auswirkungen haben und die Rentabilität ihrer eigenen Geschäfte beeinflussen.

Die Kombination aus Einstellgebühren und Verkaufsprovision war das Herzstück des finanziellen Modells von DaWanda und spiegelte den Versuch wider, sowohl von der Präsenz der Produkte als auch von deren erfolgreichem Verkauf zu profitieren.

Entwicklung und finanzielle Turbulenzen

Obwohl DaWanda eine starke Nische besetzte und eine engagierte Nutzerbasis aufbaute, war der Weg zum nachhaltigen Erfolg steinig. In den frühen Jahren verzeichnete das Unternehmen durchaus positive Entwicklungen. Im Jahr 2010 schrieb der Online-Marktplatz erstmals schwarze Zahlen, ein wichtiger Meilenstein für ein Startup. Medienberichte aus dem Jahr 2011 sprachen von einem Umsatz von bis zu 5 Millionen Euro, was auf ein gesundes Wachstum hindeutete.

Doch trotz des Wachstums und der Umsätze kämpfte DaWanda offenbar mit der Profitabilität. Bilanzberichte aus den Jahren 2012 und 2013 zeigten kumulierte Verluste von rund 8,4 Millionen Euro (4,9 Mio. in 2012 und 3,5 Mio. in 2013). Auch für das Jahr 2014 wurde laut DaWanda ein negatives Ergebnis erwartet. Diese Verluste deuteten darauf hin, dass die Einnahmen aus Provisionen und Gebühren nicht ausreichten, um die Betriebskosten, Investitionen in Technologie, Marketing und Personal zu decken.

Um das Wachstum voranzutreiben und die finanzielle Situation zu stärken, nahm DaWanda mehrere Finanzierungsrunden auf. Im November 2011 erhielt das Unternehmen vier Millionen Euro von Venture-Capital-Gesellschaften wie Vorwerk Direct Selling Ventures und Piton Capital. Weitere Gesellschafter waren unter anderem Holtzbrinck Ventures, Team Europe Ventures, der European Founders Fund und Point Nine Capital. Diese Investitionen sollten es DaWanda ermöglichen, weiter zu expandieren, möglicherweise auch international, wie Pläne zur Eröffnung von Büros in anderen europäischen Ländern im Jahr 2012 zeigten.

Ein bedeutender Wandel in der Eigentümerstruktur ereignete sich im Januar 2015, als der US-Investor Insight Venture Partners die Mehrheit am Unternehmen übernahm. Insight Venture Partners war zu dieser Zeit auch stark in andere Online-Plattformen investiert, wie beispielsweise Kleiderkreisel. Im Zuge dieser Übernahme stiegen frühere Investoren wie Vorwerk Ventures und Holtzbrinck Ventures bei DaWanda aus. Insight Venture Partners hielt danach eine Mehrheitsbeteiligung von 55,7 Prozent. Ein solcher Wechsel des Hauptinvestors kann neue strategische Ausrichtungen und einen erhöhten Druck auf die Erreichung von Profitabilität mit sich bringen.

Trotz der Investitionen und des Wachstums blieben die finanziellen Herausforderungen bestehen. Im Jahr 2016 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von 4,2 Millionen Euro vor Steuern. Im gleichen Jahr verließ Mitgründer Michael Pütz die Plattform, ein weiterer Hinweis auf interne Veränderungen oder Schwierigkeiten.

Die finanzielle Situation führte zu einschneidenden Maßnahmen. Im Juni 2017 wurde bekannt gegeben, dass DaWanda rund 60 seiner damals 230 Mitarbeiter entlassen musste. Betroffen waren der Hauptsitz in Berlin sowie die Niederlassungen in Polen und Spanien. Als Grund nannte Geschäftsführerin Claudia Helming die Notwendigkeit, sich stärker auf die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells und die „Werttreiber“ zu konzentrieren. Solche Restrukturierungen sind oft ein Zeichen dafür, dass ein Unternehmen versucht, seine Kostenstruktur zu optimieren und den Weg zur Rentabilität zu finden.

Das Jahr 2017 zeigte zwar ein starkes Umsatzwachstum von 21,4 Prozent auf 16,4 Millionen Euro, aber gleichzeitig verzeichnete DaWanda immer noch einen operativen Verlust von fast einer Million Euro. Es gab jedoch auch positive Anzeichen: Im letzten Quartal des Jahres 2017 konnte erstmals operativ ein Gewinn erzielt werden. Dies ließ vielleicht auf eine positive Trendwende hoffen.

Das Ende von DaWanda und die Empfehlung von Etsy

Trotz der positiven Entwicklung im letzten Quartal 2017 kam im Juni 2018 die überraschende Nachricht: deutsche-startups.de meldete, dass DaWanda abgewickelt werde. Nur einen Tag später wurde bestätigt, dass die Plattform Ende August 2018 offline gehen sollte. Diese Entscheidung war für die zahlreichen Verkäufer und Käufer, die eine starke Bindung zu der Plattform aufgebaut hatten, ein Schock.

Ist Wanda jetzt Etsy?
Die Website von DaWanda leitet nun auf Etsy um.

Gleichzeitig mit der Ankündigung der Schließung gab es eine wichtige Klarstellung bezüglich des Mitbewerbers Etsy. Etsy kündigte an, dass das Unternehmen DaWanda selbst nicht übernehmen werde. Es gab also keine Fusion oder Akquisition im klassischen Sinne. Vielmehr signalisierte Etsy sein Interesse daran, die Verkäufer von DaWanda auf seiner eigenen Plattform willkommen zu heißen. Dies war ein strategischer Schritt von Etsy, um von der etablierten Community und dem Angebot von DaWanda zu profitieren, ohne die komplexe Struktur des Unternehmens übernehmen zu müssen.

DaWanda selbst unterstützte diesen Übergang aktiv. Anstatt die Nutzer einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen, empfahl die Plattform ihren Käufern und Verkäufern explizit, zu dem US-amerikanischen Portal Etsy zu wechseln. Um diesen Wechsel so einfach wie möglich zu gestalten, stellte DaWanda ein Tool zur Verfügung. Mit diesem Tool konnten Nutzer (laut Angaben von DaWanda bis zum 30. August 2018) mit wenigen Klicks ihre Produktlisten und Bewertungen nach Etsy exportieren. Dies war ein entscheidender Faktor, um den Verkäufern den Umzug zu erleichtern und ihnen zu helfen, ihre über Jahre auf DaWanda aufgebaute Präsenz und ihren Ruf zu erhalten.

Neben der Empfehlung von Etsy gab es auch eine alternative Option für den Datenexport. Nutzer hatten ebenfalls die Möglichkeit, ihre Daten zu Fairmondo zu exportieren, einer Plattform-Kooperative. Dies bot eine zusätzliche Wahlmöglichkeit für diejenigen, die vielleicht eine Alternative zu Etsy suchten.

Die Website von DaWanda leitet heute direkt auf Etsy um. Dies ist das sichtbare Zeichen der engen Verbindung, die durch die Schließung und die Empfehlung entstanden ist. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Weiterleitung und die Empfehlung kein Ergebnis einer Übernahme sind, sondern eine bewusste Entscheidung von DaWanda, seinen Nutzern eine klare Perspektive und eine alternative Heimat für ihre kreativen Geschäfte zu bieten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Nein, DaWanda ist nicht zu Etsy geworden im Sinne einer Übernahme. DaWanda hat seinen Betrieb eingestellt und seinen Nutzern aktiv empfohlen und ermöglicht, zu Etsy zu wechseln. Etsy hat diese Gelegenheit genutzt, um seine Position im Markt für Handgemachtes und Vintage zu stärken, indem es die DaWanda-Community aufnahm.

Vergleich: DaWanda vs. Etsy (Basierend auf verfügbaren Infos)

Auch wenn keine direkte Übernahme stattfand, waren DaWanda und Etsy Wettbewerber im selben Marktsegment. Ein kurzer Vergleich der Gebührenmodelle, basierend auf den im Text genannten Informationen zu DaWanda, kann die Unterschiede oder Ähnlichkeiten aufzeigen, die für Verkäufer relevant waren.

DaWanda (Anfangsphase):

  • Provision: 5% des Verkaufspreises (ohne Versand)
  • Einstellgebühr: 10-30 Cent pro Artikel (je nach Preis)

DaWanda (ab Jan. 2017):

  • Provision: 9,5% des Verkaufspreises (ohne Versand)
  • Einstellgebühr: 10-30 Cent pro Artikel (je nach Preis)

Die Informationen im Text liefern keine genauen Details zu Etsys Gebührenmodell, um einen direkten Vergleich zu erstellen. Es wird lediglich erwähnt, dass Etsy ein Mitbewerber ist und die Verkäufer von DaWanda aufnehmen wollte. Man kann jedoch festhalten, dass DaWanda sein Provisionsmodell signifikant angepasst hat, was die finanzielle Strategie des Unternehmens im Laufe der Zeit widerspiegelt.

Der Hauptunterschied lag wohl weniger in den genauen Gebühren (da Etsys nicht detailliert genannt sind) als vielmehr in der Reichweite und der internationalen Präsenz. Etsy war und ist eine global agierende Plattform, während DaWanda primär im deutschsprachigen Raum stark war, auch wenn es europäische Expansionspläne gab.

Häufig gestellte Fragen zum Thema DaWanda und Etsy

Die Schließung von DaWanda und die anschließende Empfehlung von Etsy warf viele Fragen auf. Hier beantworten wir einige davon basierend auf den uns vorliegenden Informationen.

Hat Etsy DaWanda gekauft?

Nein, das ist nicht korrekt. Laut den uns vorliegenden Informationen hat Etsy angekündigt, dass das Unternehmen DaWanda selbst nicht übernehmen werde. Es gab keine Akquisition. DaWanda stellte seinen Betrieb ein und empfahl seinen Nutzern den Wechsel zu Etsy, wobei Etsy die Aufnahme der Verkäufer begrüßte.

Warum hat DaWanda geschlossen?

Die genauen Gründe sind vielschichtig. Die uns vorliegenden Informationen deuten auf anhaltende finanzielle Schwierigkeiten hin. Trotz Umsatzwachstums verzeichnete DaWanda über mehrere Jahre erhebliche Verluste. Investorenwechsel, Restrukturierungen und Entlassungen waren Anzeichen für den Druck, profitabel zu werden. Obwohl im letzten Quartal 2017 ein operativer Gewinn erzielt wurde, reichte dies offenbar nicht aus, um den langfristigen Fortbestand der Plattform zu sichern.

Was ist mit den Verkäufern und ihren Shops auf DaWanda passiert?

DaWanda empfahl seinen Verkäufern den Wechsel zu Etsy. Es wurde ein spezielles Tool angeboten, das es den Verkäufern ermöglichte, ihre Produkte und Bewertungen relativ einfach nach Etsy zu exportieren. Dies sollte den Übergang erleichtern und ihnen helfen, ihr Geschäft auf einer neuen Plattform fortzuführen.

Leitet die DaWanda-Website heute noch auf Etsy um?

Ja, laut den uns vorliegenden Informationen leitet die ehemalige Website von DaWanda heute direkt auf die Etsy-Website um. Dies ist ein sichtbares Zeichen der empfohlenen Migration der Nutzerbasis.

Konnten alle Daten von DaWanda nach Etsy übertragen werden?

DaWanda bot ein Tool an, das den Export von Produkten und Bewertungen nach Etsy ermöglichte. Laut Angaben von DaWanda war dies bis zum 30. August 2018 möglich. Es ist anzunehmen, dass dieses Tool die wesentlichen Informationen für einen Neustart auf Etsy umfasste, aber die vollständige Übertragung aller jemals auf DaWanda vorhandenen Daten oder Funktionen ist nicht explizit beschrieben.

Gab es Alternativen zu Etsy für die DaWanda-Nutzer?

Ja, neben der Empfehlung von Etsy bot DaWanda auch die Möglichkeit, die Daten zu Fairmondo, einer Plattform-Kooperative, zu exportieren. Dies gab den Nutzern eine zusätzliche Option für ihre Zukunft.

Die Geschichte von DaWanda ist ein Beispiel für die Herausforderungen, denen sich spezialisierte Online-Marktplätze gegenübersehen können, selbst mit einem klaren Fokus und einer engagierten Community. Die Schließung war zweifellos schmerzhaft für viele Beteiligte, aber die Möglichkeit des Übergangs zu Etsy bot zumindest für einen Teil der Nutzer eine Fortsetzung ihrer kreativen oder geschäftlichen Aktivitäten im Online-Handel.

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