20/06/2017
Der Adventskalender ist eine liebgewonnene Tradition in der Vorweihnachtszeit, die ursprünglich aus Deutschland stammt. Er dient dazu, die Tage des Advents in Erwartung von Weihnachten zu zählen und die Wartezeit bis zum Fest zu verkürzen. Viele kennen ihn als eine rechteckige Karte mit kleinen Klappen oder Türchen, die man Tag für Tag öffnet. Doch eine Frage taucht immer wieder auf: Hat ein Adventskalender nun 24 oder 25 Tage?
Die klassische Form des Adventskalenders, wie wir sie heute meist kennen, beginnt am 1. Dezember und endet am 24. Dezember, dem Heiligen Abend. Diese Variante zählt die Tage des Dezembers, die dem Weihnachtstag vorausgehen. Der 24. Dezember ist dabei oft durch ein größeres Türchen oder ein besonderes Motiv hervorgehoben, das die Krippenszene oder einen Weihnachtsbaum zeigt.

Historisch gab es jedoch viele verschiedene Methoden, die Tage bis Weihnachten zu zählen. Bevor sich der gedruckte Kalender mit Türchen durchsetzte, nutzten Familien andere kreative Wege. Man malte beispielsweise täglich Kreidestriche an die Tür und wischte jeden Tag einen weg, wobei die Sonntage oft durch längere Striche markiert wurden. Auch das Aufhängen von 24 Bildern mit weihnachtlichen Motiven an die Wand war eine frühe Form des Adventskalenders. Adventsbäumchen, oft selbstgebastelte Holzgestelle, wurden genutzt, um täglich eine kleine Fahne oder einen Stern mit Bibelversen daran zu stecken. Manchmal wurde zusätzlich eine Kerze angezündet, deren zunehmendes Licht die bevorstehende Ankunft des Lichts der Welt symbolisierte.
In katholischen Familien gab es die Tradition, dass Kinder für gutes Benehmen täglich einen Strohhalm in die Krippe legen durften, um das Jesuskind weich zu betten – ebenfalls eine Form des täglichen Zählens. In Österreich entwickelte sich die "Himmelsleiter", bei der das Christkind täglich eine Sprosse abwärts bewegt wurde, um die Menschwerdung Gottes zu verdeutlichen. Im skandinavischen Raum war die Adventskerze mit 24 Abschnitten verbreitet, die jeden Tag bis zur nächsten Markierung abbrannte. Ende des 19. Jahrhunderts kamen "Weihnachtsuhren" auf, bei denen ein Zeiger täglich auf einer Scheibe mit 12 oder 24 Abschnitten weitergestellt wurde.
Die Idee, hinter 24 kleinen Türchen Bilder oder Symbole zu verstecken, wird einem protestantischen Pfarrer zugeschrieben. Diese Form des Kalenders, die am 1. Dezember beginnt und 24 Türchen hat, wurde vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg weithin akzeptiert und zum Standard.
Nach 1945, mit der Sehnsucht nach einer "idealen Welt", begann in Deutschland wieder die Produktion von Adventskalendern in allen Besatzungszonen. Zunächst basierten die Entwürfe oft auf süßen Designs aus der Zeit um 1930. Verlage wie Erika in Heidenau legten ältere Werke neu auf, wobei die Nachkriegskalender oft nur durch die geringere Papier- und Druckqualität von den älteren Exemplaren zu unterscheiden waren. Dies war auch eine Frage der Kosten. Einige der vor dem Krieg aktiven Designer setzten ihre Arbeit fort. Zunächst waren Abrisskalender sehr beliebt.

Das Richard Sellmer Verlagshaus erhielt im Dezember 1945 in Stuttgart von den amerikanischen Besatzern die Lizenz zum Druck von Adventskalendern. Mit Papier aus der französischen Zone konnten 50.000 Kalender gedruckt werden. Richard Sellmer produzierte den Aufstellkalender „Die kleine Stadt“, entworfen von Elisabeth Lörcher. Er präsentierte ihn auf der Frankfurter Messe und suchte gezielt Kunden in den USA. Schon der erste Kalender war auf Englisch und Schwedisch gestaltet. Die Ausrichtung auf den internationalen Verkauf war von Anfang an klar. Anleitungen auf Englisch und Französisch wurden bereits seit 1948 den Kalendern „Alt-Stuttgart“ beigelegt. Heimkehrende US-Soldaten halfen bei der Verbreitung, was Sellmer einen Großauftrag über 50.000 Kalender von einer Hilfsorganisation für Epileptiker einbrachte. Nachdem die Zeitschrift Newsweek im Dezember 1953 ein Bild von Eisenhowers Enkel auf einem Adventskalender zeigte, stieg die Nachfrage massiv an. Für 1954 wurde der Kalender „White House“ produziert, der das Weiße Haus als zentrales Motiv zeigte, umgeben von Cowboys, Planwagen und Landyachten. Dieser Kalender wurde ebenso wie der „Fairy Tales“-Kalender aus demselben Jahr speziell für den US-Markt in Auftrag gegeben. Andere Produzenten folgten dem Erfolgstrend. So zeigte der Kalender „Bastelhaus“ bzw. „Children Workshop“ von Ulla Wittkuhn zwei unterschiedliche Motive für den 24. Dezember: einen Weihnachtsbaum und Maria mit Kind für deutsche Kinder, einen brennenden Kamin für Kinder in den USA.
Zwischen 1946 und 1998 produzierte das Sellmer Verlagshaus über 230 verschiedene Adventskalender. Das Unternehmen wird heute in dritter Generation als Familienbetrieb geführt und bot um 2010 rund 100 verschiedene Motive pro Jahr an. Viele Kalender spiegeln die unterschiedlichen Traditionen der Länder wider, für die sie produziert werden. Zum Beispiel lassen Kalender für die Schweiz den Heiligen Nikolaus weg, Engel in den USA haben keine Flügel, und religiöse Themen werden im Vereinigten Königreich bevorzugt.
Auch andere Verlage nahmen 1946 die Produktion wieder auf. Für einige Jahre waren Abrisskalender weit verbreitet, wurden aber um 1950 weitgehend durch Kalender mit Falt-Türchen ersetzt. Der Ars Sacra Verlag in München produzierte sorgfältig gestaltete Kalender voller kleiner Details, immer mit Fokus auf religiöse Themen. Zwischen 1954 und 1976 war Gudrun Keussen hauptsächlich für die Gestaltung der rund 30 Kalender des Verlags verantwortlich. Nach der Umbenennung in arsEdition im Jahr 1980 verschob sich der Inhalt von religiösen Themen zu familienorientierten. Kalender, die von ostdeutschen Künstlern wie Kurt Brandes und Fritz Baumgarten entworfen wurden, gehörten zu denen, die der Korsch Verlag in München, gegründet 1951, druckte. Der Korsch Verlag kaufte viele seiner Designs von anderen Verlagen und bietet noch heute viele der älteren Designs an. Korsch setzte auch Marketingstrategien um, wie das Aufdrucken von Firmennamen. Korsch ist einer der wichtigsten und erfolgreichsten Verlage seiner Art.
Obwohl die klassische Form 24 Türchen hat, die am 1. Dezember beginnen, gab es und gibt es Varianten. Manche Kalender hatten mehr als ein Türchen pro Datum, wobei der 24. Dezember oft dazu gehörte. Auch die Adventssonntage konnten zusätzliche Fenster haben, insbesondere wenn sie außerhalb der 24 Tage lagen. Zudem gibt es, wie eingangs erwähnt, tatsächlich Adventskalender, die bis zum 25. Dezember reichen und somit 25 Türchen besitzen. Dies ist vor allem bei Kalendern der Fall, die stärker auf den Weihnachtstag (Christmas Day) selbst ausgerichtet sind. Ein Beispiel für eine längere Zählung sind die sogenannten Dreikönigskalender, wie der von Paula Jordan entworfene „Das Geheimnis von Weihnachten“. Diese reichten sogar bis zum 6. Januar, dem Tag der Heiligen Drei Könige. Solche Kalender wurden insbesondere von religiösen Verlagen angeboten und bis in die 1960er Jahre verkauft. Seit 1995 gibt die ökumenische Organisation Andere Zeiten den Kalender „Der Andere Advent“ heraus, der sich am Kirchenjahr orientiert und ebenfalls bis zum 6. Januar reicht. Seit 2017 gibt es auch eine Ausgabe für Kinder.

In den 1950er Jahren erlangte der Adventskalender als Massenartikel landesweite Popularität und wurde zu einem erschwinglichen Preis angeboten. Die Designs zeigten hauptsächlich Szenen aus romantischen, schneebedeckten Kleinstädten. Das große Fenster des 24. Dezembers verbarg meist eine Krippenszene. Es gab auch handbemalte Adventskalender von verschiedenen Künstlern, beispielsweise die Leipziger Adventskalender.
Hinter den Türchen befanden sich früher oft Bilder mit biblischen Szenen oder weihnachtlichen Motiven, Gedichte, Sprüche oder Bibelverse. Später wurden kleine Geschenke wie Spielzeug oder Süßigkeiten wie Schokolade üblich. Heute gibt es Adventskalender mit den unterschiedlichsten Inhalten, von Kosmetik (Beauty-Adventskalender) über Tee, Gewürze, Wein bis hin zu Spielzeug und vielem mehr. Oft sind in christlichen Kalendern auch heute noch Bibelverse und christliche Gebete abgedruckt, die Teil der täglichen Adventsandachten sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die gängigste und am weitesten verbreitete Form des Adventskalenders 24 Türchen hat und die Tage vom 1. bis zum 24. Dezember zählt, um die Wartezeit auf Heiligabend zu verkürzen. Doch die Tradition ist vielfältig, und es gibt durchaus Varianten, die bis zum 25. Dezember oder sogar bis zum 6. Januar reichen. Unabhängig von der genauen Anzahl der Tage ist der Adventskalender eine wundervolle Möglichkeit, die Vorfreude auf Weihnachten Tag für Tag zu steigern und die Zeit bis zum Fest bewusst zu erleben.
Häufig gestellte Fragen zum Adventskalender
- Wann beginnt ein Adventskalender?
Die meisten Adventskalender beginnen am 1. Dezember. Manche, insbesondere solche, die sich streng am Kirchenjahr orientieren, beginnen auch am ersten Adventssonntag, der zwischen dem 27. November und dem 3. Dezember liegen kann. - Warum haben die meisten Adventskalender 24 Türchen?
Die 24 Türchen zählen die Tage vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend am 24. Dezember, dem Tag vor Weihnachten. - Gibt es Adventskalender mit mehr als 24 Tagen?
Ja. Einige Kalender reichen bis zum 25. Dezember, dem Weihnachtstag. Religiöse Kalender, sogenannte Dreikönigskalender, können sogar bis zum 6. Januar (Epiphanias) reichen. Historisch gab es auch Kalender mit zusätzlichen Fenstern für die Adventssonntage. - Was war früher in Adventskalendern, bevor es Süßigkeiten gab?
Früher befanden sich oft Bilder mit biblischen Szenen oder weihnachtlichen Motiven, Gedichte, Sprüche oder Bibelverse hinter den Türchen. Auch symbolische Handlungen wie das Legen von Strohhalmen in eine Krippe oder das Weiterbewegen einer Figur auf einer Leiter dienten als tägliches Zählen. - Sind Adventskalender immer religiös?
Ursprünglich hatten Adventskalender oft einen starken religiösen Bezug und zeigten biblische Szenen oder enthielten Bibelverse und Gebete. Heute gibt es Adventskalender mit den unterschiedlichsten Themen und Inhalten, von Spielzeug und Schokolade bis hin zu Kosmetik und anderen Artikeln, die oft keinen direkten religiösen Bezug mehr haben.
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