Warum das Bauhaus 1933 geschlossen wurde

23/12/2018

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Das Staatliche Bauhaus, heute meist einfach als Bauhaus bekannt, war eine Kunstschule, die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde. Es war eine Institution, die in ihrer Art und Konzeption damals völlig neu war. Ihre revolutionäre Idee bestand darin, Kunst und Handwerk zusammenzuführen und die traditionell getrennten Bereiche der bildenden, angewandten und darstellenden Künste zu verbinden. Das Bauhaus existierte parallel zur Weimarer Republik von 1919 bis 1933 und wird heute weltweit als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne in Architektur, Kunst und Design betrachtet. Der Einfluss des Bauhauses ist bis heute spürbar und prägt maßgeblich das Bild modernistischer Strömungen.

Warum wurde das Bauhaus 1933 verboten?
1932 bis 1933 – Berlin 1932 wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin-Lankwitz verlegt; aber schon 1933 wurde die Institution von den Nationalsozialisten durch Repressionen wie Hausdurchsuchungen, Versiegelung der Räume und Verhaftung von Studenten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

Das Bauhaus entstand in Weimar aus der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar mit der von Henry van de Velde gegründeten Kunstgewerbeschule. Van de Veldes Schule war der direkte Vorläufer des Bauhauses, das dann in seinen Gebäuden seine Arbeit aufnahm. Die ursprünglichen Intentionen von Henry van de Velde und Walter Gropius waren es, die Kunst von der Industrialisierung zu emanzipieren und das Kunsthandwerk wiederzubeleben. Sie schufen damit einen Gegenentwurf zur Ästhetik des Historismus, in der kunsthandwerklich entwickelte Ornamente durch industrielle Massenproduktion seriell kopiert wurden. Mit der Rückbesinnung auf das Handwerk war die gestalterische Intention verbunden, experimentell und manuell eine neue Formensprache zu entwickeln, die dem industriellen Herstellungsprozess gerecht wird.

Übersicht

Die revolutionären Ideen des Bauhauses

Ein weiteres Grundprinzip des Bauhauses war die Gleichberechtigung von Künstlern und Künstlerinnen. Walter Gropius verkündete bei der Eröffnung im Programm von 1919: „Als Lehrling aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Begabung und Vorbildung vom Meisterrat als ausreichend erachtet wird“. Das Bauhaus zählte damit zu den ersten Institutionen, die Frauen erstmals den kostenfreien Zutritt an einer öffentlichen Kunstschule gewährten, obwohl für Frauen vorrangig „klassische“ Berufe wie Weberei oder Töpferei angedacht waren.

Das „Staatliche Bauhaus“ war als Arbeitsgemeinschaft konzipiert, in der die Unterscheidung zwischen Künstler und Handwerker aufgehoben werden sollte. Die Mitarbeiter des Bauhauses wollten durch ihr Schaffen gesellschaftliche Unterschiede beseitigen und zum Verständnis zwischen den Völkern beitragen. Ein Leitbild war die Verbindung von Architektur als Gesamtkunstwerk mit den anderen Künsten. Das Gründungsmanifest von 1919 verkündete: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“. Im Laufe der Entwicklung resultieren jedoch besonders das heutige Industrie- und Grafikdesign aus diesen Ideen. In der Architektur hat sich das modulare Bauen durchgesetzt, nicht nur bei Industrieanlagen, sondern auch bei der Schaffung günstigen Wohnraums.

Das Bauhaus in Weimar (1919–1925)

Das Staatliche Bauhaus in Weimar entstand offiziell am 12. April 1919. Auf Vorschlag des bisherigen Direktors Henry van de Velde wurde Walter Gropius zu dessen Nachfolger ernannt. Gropius gab der neuen Schule ihren Namen. Er konnte bedeutende Künstler wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Gerhard Marcks, Paul Klee, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky als Lehrer gewinnen. Die Lehre bestand aus dem Vorkurs und der Arbeit in den Werkstätten, geleitet von den „Meistern der Form“ (Künstlern) und Handwerksmeistern. Anfänglich mischten sich romantische Rückwendung in vorindustrielle Produktionsweisen mit modernen gestalterischen Ansätzen. Projekte wie das „Haus Sommerfeld“ waren in dieser Phase noch expressionistisch geprägt.

Einfluss auf die Lehrer und Schüler übte von 1921 bis 1922 der Niederländer Theo van Doesburg aus der „De-Stijl“-Bewegung aus. Er gab Privatkurse über architektonische Gestaltung, da Gropius eine Festanstellung ablehnte. Insbesondere die Rückbesinnung auf einfache kubische Formen ist seinem Wirken zuzuschreiben. 1923 kam der Konstruktivist László Moholy-Nagy als Nachfolger von Johannes Itten. Ebenfalls 1923 wurde Josef Albers Lehrkraft. Der gemeinsame Vorkurs, der Wert auf eine vielseitige und umfassende Ausbildung legte, wurde prägend für Kunst- und Designschulen weltweit. 1920 rief Adolf Meyer eine Architekturabteilung ins Leben, eine systematische Architektenausbildung gab es aber noch nicht.

Das Musterhaus „Am Horn“ in Weimar, 1923 gebaut, war das erste Projekt, das in Architektur und Einrichtung konsequent von der Neuen Sachlichkeit geprägt war. In der Öffentlichkeit galten diese Bauten oft als „kalt“, „karg“ und „maschinell“. Ab 1922 wurde eine erste Ausstellung konzipiert, die 1923 stattfand und große Resonanz fand. Eingeleitet von der Bauhauswoche mit Vorträgen, Ballettaufführungen und Konzerten, zeigte die Ausstellung die bisherigen Ergebnisse der Schule. Ein wichtiger Bestandteil war das Musterhaus „Am Horn“, ein Gemeinschaftswerk aller Werkstätten.

Umzug nach Dessau (1925–1932)

Nachdem sich die Machtverhältnisse nach der Landtagswahl in Thüringen im Februar 1924 geändert hatten, kürzte die neue Regierung den Etat des Bauhauses um 50 Prozent. Unter finanziellem und politischem Druck beschloss der Meisterrat 1925 den Umzug nach Dessau. Dort bot der Flugzeugbauer Hugo Junkers Förderung, und die Industriestadt hatte eine stabile sozialdemokratisch und liberal orientierte Mehrheit. Gropius erstritt sich vor Gericht die Nutzung des Namens Bauhaus am neuen Standort. Zahlreiche Lehrkräfte verließen das Bauhaus nach dem Umzug.

In Dessau entstanden die ersten Möbel aus dem neuartigen Material Stahlrohr. Die Zusammenarbeit mit der Industrie begann. Um die Arbeit des Bauhauses darzustellen, wurde die Buchreihe Bauhausbücher herausgegeben, und seit 1926 erschien die Zeitschrift bauhaus.

Am 4. Dezember 1926 wurde das neue, von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude eingeweiht. Der vollständig verglaste Werkstattflügel und die ebenfalls von Gropius entworfenen „Meisterhäuser“ verkörperten mustergültig die entwickelten Vorstellungen von Wohnen und Arbeiten.

Wer steckt hinter Bauhaus?
Bauhaus ist heute eine (nicht börsennotierte) Aktiengesellschaft. Haupteigentümer der Handelskette war bis zu seinem Tod 2016 der deutsche Milliardär Heinz G. Baus. Bereits in den 1970er-Jahren zog Baus Familie von Mannheim an den Thunersee; der Konzern wird mittlerweile vom Schweizer Kanton Bern aus geleitet.

Am 1. April 1928 trat Gropius als Direktor zurück. Sein Nachfolger wurde der Schweizer Architekt Hannes Meyer, der die Devise „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ ausgab, die Zusammenarbeit mit der Industrie intensivierte und eine Konzentration auf das Fach Architektur bewirkte. Meyer, der linkssozialistische Positionen vertrat, wurde am 1. August 1930 fristlos entlassen. Ab 1930 leitete der Architekt Ludwig Mies van der Rohe das Bauhaus in Dessau.

Die Schließung in Dessau und der Umzug nach Berlin

Die politische Situation begann sich zuzuspitzen. 1931 gewann die NSDAP die Gemeindewahl in Dessau. Dies hatte direkte Auswirkungen auf das Bauhaus. Im Jahr 1932 setzte die NSDAP-Mehrheit im Gemeinderat die Schließung des staatlichen Bauhauses in Dessau durch. Die KPD stimmte dagegen, die SPD enthielt sich. Dies war ein deutliches Zeichen des zunehmenden politischen Drucks auf die Institution, die von den Nationalsozialisten als ideologisch missliebig angesehen wurde. Ludwig Mies van der Rohe versuchte daraufhin, das Bauhaus durch einen Umzug nach Berlin als private Einrichtung fortzuführen.

Das Ende in Berlin (1932–1933)

1932 wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin-Lankwitz verlegt. Unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe versuchte die Schule, in der neuen, feindseligeren politischen Umgebung zu überleben. Doch die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 besiegelte schnell das Schicksal des Bauhauses.

Im Jahr 1933 wurde die Institution von den Nationalsozialisten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen. Dies geschah nicht durch ein einfaches Verbot per Dekret, sondern durch eine Reihe von Repressionen. Dazu gehörten Hausdurchsuchungen, die Versiegelung der Räume der Schule und die Verhaftung von Studenten. Diese Maßnahmen machten einen Weiterbetrieb unmöglich und zwangen die Leitung zur Aufgabe.

Der Hauptgrund für diese Maßnahmen lag in der ideologischen Ablehnung des Bauhauses durch das NS-Regime. Die Nationalsozialisten waren gegen den „Dessauer Modernismus“, wie im Text erwähnt. Sie sahen die moderne Kunst und Architektur, die das Bauhaus vertrat, als „entartet“ und internationalistisch an, was ihren nationalistischen und traditionalistischen Vorstellungen widersprach. Das Bauhaus stand für eine offene, experimentelle und gesellschaftlich engagierte Kunst und Gestaltung, die im Gegensatz zur gewünschten nationalsozialistischen Ästhetik stand.

Ludwig Mies van der Rohe versuchte in dieser Zeit mehrfach, den Schulterschluss mit den Nationalsozialisten zu suchen, um die Einrichtung im NS-Staat weiterbetreiben zu können. Diese Bemühungen blieben jedoch vergeblich. Die ideologischen Gräben waren zu tief, und das Bauhaus passte nicht in das Weltbild des Regimes.

Nachwirkungen und Erbe

Nach der erzwungenen Selbstauflösung emigrierte etwa ein Viertel der Bauhausmitglieder. Diese Emigration trug maßgeblich zur internationalen Verbreitung der Ideen des Bauhauses bei. Viele fanden in den USA eine neue Heimat und prägten dort maßgeblich die Entwicklung von Architektur, Design und Kunstausbildung. Prominente Beispiele sind Josef Albers, Walter Gropius, László Moholy-Nagy und Ludwig Mies van der Rohe selbst, die an wichtigen Institutionen wie der Harvard University oder dem Black Mountain College lehrten und das „New Bauhaus“ in Chicago gründeten.

In Tel Aviv errichteten emigrierte jüdische Bauhaus-Architekten über 4000 Gebäude, die heute als „Weiße Stadt“ UNESCO-Weltkulturerbe sind und die weltweit größte Ansammlung von Gebäuden im Bauhaus-Stil darstellen.

Trotz der Verfolgung durch das NS-Regime gab es auch dunkle Kapitel: Einige Bauhausmitglieder kooperierten mit dem Regime, und viele wurden in Konzentrationslagern umgebracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bauhaus-Gebäude in Dessau rekonstruiert und dient heute als Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau und UNESCO-Weltkulturerbe. Die Ideen und pädagogischen Konzepte des Bauhauses leben in zahlreichen Kunst- und Designschulen weltweit weiter, auch wenn die Hochschule für Gestaltung Ulm später eine ähnliche sachliche Gestaltungsidee verfolgte, sich aber bewusst von der Kunst abgrenzte.

Warum wurde das Bauhaus 1933 verboten?
1932 bis 1933 – Berlin 1932 wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin-Lankwitz verlegt; aber schon 1933 wurde die Institution von den Nationalsozialisten durch Repressionen wie Hausdurchsuchungen, Versiegelung der Räume und Verhaftung von Studenten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

Zusammenfassende Betrachtung der Schließungsgründe

Die Schließung des Bauhauses im Jahr 1933 war das Ergebnis einer gezielten politischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Bereits die Schließung des staatlichen Bauhauses in Dessau im Jahr 1932 durch die dortige NSDAP-Mehrheit zeigte die politische Feindschaft. Der Umzug nach Berlin als private Schule war ein Versuch, dieser Politisierung zu entgehen, aber die landesweite Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 machte dies unmöglich.

Die Gründe basierten auf einer tiefsitzenden ideologischen Ablehnung der modernen Kunst und Architektur, die das Bauhaus vertrat. Das Regime sah darin etwas Fremdes, „Entartetes“ und politisch Unerwünschtes. Anstatt eines formalen Verbots griffen die Nationalsozialisten zu repressiven Maßnahmen wie Hausdurchsuchungen, der Versiegelung der Schulräume und der Verhaftung von Studenten. Diese Methoden zielten darauf ab, den Betrieb der Schule unmöglich zu machen und sie so zur Selbstauflösung zu zwingen.

Die Versuche von Ludwig Mies van der Rohe, eine Koexistenz mit dem Regime zu finden, scheiterten an der kompromisslosen Haltung der Nationalsozialisten gegenüber dem, was sie als „Modernismus“ ablehnten. Die Schließung des Bauhauses war somit ein direkter Akt der politischen und kulturellen Säuberung durch das NS-Regime, das eine Kunstform zerstören wollte, die für Offenheit, Internationalität und soziale Ziele stand, was im Widerspruch zu seinen eigenen totalitären und nationalistischen Idealen stand.

Häufig gestellte Fragen zur Schließung des Bauhauses

Wann genau wurde das Bauhaus endgültig geschlossen?
Das Bauhaus wurde im Jahr 1933 endgültig geschlossen, nachdem es bereits 1932 in Dessau als staatliche Schule geschlossen und daraufhin als private Einrichtung nach Berlin umgezogen war.

Wer war für die Schließung des Bauhauses verantwortlich?
Die Schließung wurde von den Nationalsozialisten erzwungen, die 1933 in Deutschland die Macht übernommen hatten. Bereits die NSDAP-Mehrheit in Dessau hatte 1932 die Schließung des staatlichen Bauhauses dort durchgesetzt.

Warum haben die Nationalsozialisten das Bauhaus geschlossen?
Die Nationalsozialisten lehnten die moderne Kunst und Architektur des Bauhauses ideologisch ab. Sie griffen zu Repressionen wie Hausdurchsuchungen, Versiegelung der Räume und Verhaftung von Studenten, um den Betrieb der Schule unmöglich zu machen und sie zur Selbstauflösung zu zwingen.

Wo befand sich das Bauhaus, als es geschlossen wurde?
Als das Bauhaus 1933 endgültig geschlossen wurde, befand es sich als private Einrichtung in Berlin-Lankwitz.

War das Bauhaus nach 1932 noch eine staatliche Schule?
Nein, nach der Schließung des staatlichen Bauhauses in Dessau im Jahr 1932 wurde die Schule von Ludwig Mies van der Rohe als private Einrichtung in Berlin weitergeführt, bis sie 1933 von den Nationalsozialisten zur Selbstauflösung gezwungen wurde.

Vergleich der Schließungen (Dessau vs. Berlin)

OrtJahr der SchließungStatus der EinrichtungGrund für die Schließung (basierend auf Text)
Dessau1932Staatliches BauhausDurchsetzung der Schließung durch die NSDAP-Mehrheit im Gemeinderat nach Wahlgewinn
Berlin1933Privates BauhausErzwungene Selbstauflösung durch Repressionen der Nationalsozialisten (Hausdurchsuchungen, Versiegelung, Verhaftungen)

Diese Tabelle verdeutlicht, dass die Schließung ein Prozess war, der mit politischem Druck auf lokaler Ebene in Dessau begann und mit staatlicher Repression auf nationaler Ebene in Berlin endete, nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten.

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