Wie kann ich mein Hörgerät leiser stellen?

Hörgeräte optimal einstellen & Probleme

18/11/2025

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Hörgeräte sind kleine Wunderwerke der Technik, die darauf abzielen, Menschen mit Hörminderung ein besseres und volleres Hörerlebnis zu ermöglichen. Sie kompensieren nicht einfach nur Lautstärke, sondern verarbeiten Klänge intelligent, um Sprache verständlicher und Umgebungsgeräusche angenehmer zu gestalten. Doch selbst die fortschrittlichsten Geräte benötigen oft eine individuelle Anpassung, um perfekt auf die Bedürfnisse und die jeweilige Hörumgebung des Trägers zugeschnitten zu sein. Die Möglichkeit, Einstellungen wie die Lautstärke selbst zu beeinflussen, ist dabei ein wichtiger Faktor für den Komfort und die Akzeptanz.

Kann man die Frequenz eines Hörgeräts einstellen?
Der Grad der Frequenzabsenkung und die Lautstärke der hochfrequenten Töne können angepasst werden, sobald sich der Patient an die Hörgeräte gewöhnt hat . Es gibt Fälle, in denen sich der Patient nie an die Hörgeräte gewöhnt; das ist jedoch selten, da verschiedene Hörgerätehersteller unterschiedliche Optionen zur Frequenzabsenkung anbieten.
Übersicht

Lautstärke des Hörgeräts einstellen: Mehr als nur lauter oder leiser

Moderne Hörgeräte verfügen in der Regel über eine automatische Anpassung der Lautstärke an die jeweilige akustische Umgebung. Leise Töne werden dabei stärker verstärkt, um sie überhaupt hörbar zu machen, während laute Töne gedämpft werden, um das Gehör nicht zu überlasten. Diese Automatik funktioniert in vielen Situationen sehr gut, aber es gibt immer wieder Momente, in denen eine manuelle Anpassung gewünscht oder notwendig ist.

Manuelle Lautstärkeregelung: Ihre Optionen

Die Hersteller von Hörgeräten bieten verschiedene Wege an, wie Nutzer die Lautstärke ihrer Geräte selbst beeinflussen können. Die gängigsten Methoden sind:

Direkt am Hörgerät

Die meisten Hörgeräte, insbesondere Hinter-dem-Ohr-Modelle, verfügen über einen physischen Regler am Gerät selbst. Dies kann ein kleiner Knopf, eine Wipptaste oder ein Rädchen sein. Die genaue Funktion dieser Bedienelemente wird von Ihrem Akustiker während der Anpassung festgelegt. Oft sind die Knöpfe standardmäßig für die Lautstärke oder den Programmwechsel programmiert.

  • Bedienung: Typischerweise erhöhen Sie die Lautstärke, indem Sie den oberen Teil einer Wipptaste drücken oder ein Rädchen nach oben drehen. Um die Lautstärke zu verringern, drücken Sie den unteren Teil oder drehen das Rädchen nach unten.
  • Handhabungstipp: Um das Gerät während der Bedienung zu stabilisieren, kann es hilfreich sein, es mit dem Daumen hinter dem Ohr zu fixieren und den Zeigefinger für die Bedienung des Reglers zu verwenden.
  • Akustisches Feedback: Lautstärkeänderungen werden oft von einem Signalton begleitet. Dieser Ton wird ebenfalls lauter oder leiser, je nachdem, wie Sie die Lautstärke anpassen. Wenn die maximale oder minimale Lautstärkestufe erreicht ist, signalisiert dies oft ein längerer Ton oder eine Abfolge von Tönen.

Es ist wichtig zu wissen, dass die Einstellung der Knöpfe oder Rädchen von Ihrem Akustiker individuell vorgenommen wird. Sprechen Sie bei der Anpassung genau durch, welche Funktion welchem Bedienelement zugewiesen ist und wie Sie es korrekt verwenden.

Per Fernbedienung

Viele namhafte Hersteller bieten separate Fernbedienungen für ihre Hörgeräte an. Diese kleinen Geräte ermöglichen es Ihnen, Einstellungen vorzunehmen, ohne das Hörgerät direkt berühren zu müssen. Neben dem Wechsel zwischen verschiedenen Hörprogrammen können Sie auch die Lautstärke bequem per Knopfdruck regulieren.

  • Tasten: Fernbedienungen sind meist intuitiv mit „+“ und „-“ Tasten gekennzeichnet. „+“ erhöht die Lautstärke, „-“ verringert sie.
  • Vorteil: Eine Fernbedienung kann diskreter und einfacher zu bedienen sein, besonders für Personen mit eingeschränkter Feinmotorik.

Per Smartphone-App

Eine immer beliebtere Methode zur Steuerung von Hörgeräten ist die Nutzung einer speziellen App auf dem Smartphone. Fast alle modernen Hörgeräte lassen sich über Bluetooth mit einem Smartphone verbinden und mit der herstellereigenen App steuern. Diese Apps bieten oft eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten, darunter auch die Lautstärkeregelung.

  • Bedienung: In der App können Sie die Lautstärke meist über Schieberegler oder durch einfaches Tippen auf Symbole anpassen.
  • Vorteil: Für technikaffine Nutzer ist dies eine sehr komfortable Option, da kein zusätzliches Gerät (wie eine Fernbedienung) mitgeführt werden muss. Die App kann zudem oft detailliertere Einstellungen und Informationen bieten.

Wichtiger Hinweis: Beachten Sie, dass manuelle Lautstärkeeinstellungen in der Regel zurückgesetzt werden, wenn Sie das Hörgerät aus- und wieder einschalten oder das Hörprogramm wechseln. Die Geräte kehren dann zu den Standardeinstellungen des jeweiligen Programms zurück.

Frequenzanpassung bei Hörgeräten: Wenn Hören allein nicht reicht

Viele Menschen mit Hörminderung kennen das Problem: Sie hören, dass jemand spricht, aber sie verstehen nicht, was gesagt wird. Dies liegt oft daran, dass der Hörverlust bestimmte Frequenzbereiche stärker betrifft als andere. Besonders häufig ist der Hörverlust in den hohen Frequenzen. Genau in diesem Bereich liegen aber wichtige Konsonantenlaute wie /s/, /f/, /t/ oder /k/, die für die Sprachverständlichkeit entscheidend sind. Vokale liegen eher in den tieferen Frequenzen und können oft noch gut gehört werden. Das führt zu dem Gefühl, dass alle „nuscheln“.

Stellen Sie sich Wörter wie „passen“, „fassen“, „essen“ vor. Wenn Sie die hohen Frequenzen nicht hören, klingen diese Wörter sehr ähnlich. Auch das Lippenlesen hilft hier nur bedingt, da zum Beispiel „fassen“ und „passen“ beim Ablesen der Lippen fast identisch aussehen können.

Wie kann ich mein Hörgerät leiser stellen?
Klassischerweise erhöhen Sie die Lautstärke, indem Sie oben auf den Lautstärkeregler drücken oder entsprechend das Rädchen nach oben drehen. Zur besseren Stabilisation empfiehlt es sich, das Hörgerät mit dem Daumen abzustützen und den Zeigefinger zur Lautstärkeregelung zu verwenden.

Herausforderungen bei hochfrequentem Hörverlust

Bei einem starken Hörverlust in den hohen Frequenzen stoßen auch Hörgeräte an ihre Grenzen. Es ist nicht immer möglich, diese Frequenzen einfach nur lauter zu machen, bis sie wieder deutlich hörbar sind. Dafür gibt es zwei Hauptgründe:

  1. Die Schaltkreise von Hörgeräten können nicht immer den gesamten Frequenzbereich verarbeiten, den ein gesundes Ohr wahrnehmen kann.
  2. Studien deuten darauf hin, dass bei stark geschädigtem Gehör die für hohe Frequenzen zuständigen Haarzellen im Innenohr möglicherweise nicht mehr funktionsfähig sind. Selbst wenn der Ton verstärkt ankommt, kann er vom Gehirn nicht mehr sinnvoll verarbeitet werden.

Frequenzabsenkung (Frequency Lowering): Eine technologische Lösung

Um dieses Problem zu adressieren, haben Hörgerätehersteller die Technologie der Frequenzabsenkung (auch Frequenzverschiebung oder Frequenzkompression genannt) entwickelt. Hörgeräte mit dieser Funktion sind in der Lage, hochfrequente Klänge zu erfassen und sie in tiefere Frequenzbereiche zu verschieben, anstatt sie nur zu verstärken. Dadurch können hochfrequente Sprachlaute in einem Bereich gehört werden, in dem das Gehör des Trägers noch besser funktioniert.

Viele Menschen profitieren sofort von der Frequenzabsenkung, aber bei einigen kann eine Eingewöhnungszeit notwendig sein. Wenn man bestimmte Konsonanten wie das /s/ jahrelang nicht oder nur sehr gedämpft gehört hat, kann es ungewohnt sein, sie plötzlich wieder wahrzunehmen – besonders, wenn sie in einen tieferen Frequenzbereich verschoben wurden. Manche Nutzer berichten anfangs, dass die Sprache dadurch leicht verfälscht klingt oder Sprecher „lispeln“ würden.

In der Regel gewöhnt sich das Gehirn jedoch innerhalb weniger Wochen an die neue Verarbeitung der Klänge. Das anfängliche „Lispeln“ verschwindet, und die wichtigen Konsonanten werden klarer wahrgenommen, was das Sprachverstehen erheblich verbessert. Die Intensität der Frequenzabsenkung und die Lautstärke der verschobenen Frequenzen können vom Akustiker individuell angepasst werden, während sich der Nutzer an die Geräte gewöhnt.

Es gibt seltene Fälle, in denen sich jemand nicht an die Frequenzabsenkung gewöhnt. Da verschiedene Hersteller unterschiedliche Ansätze für diese Technologie haben, kann es sich lohnen, verschiedene Modelle auszuprobieren. Falls eine Anpassung nicht gelingt, kann die Frequenzabsenkung in der Regel auch einfach deaktiviert werden.

Testen Sie Hörgeräte mit Frequenzabsenkung

Die Eignung von Hörgeräten mit Frequenzabsenkung hängt stark vom individuellen Hörverlustprofil ab. Ein erfahrener Akustiker kann feststellen, ob diese Technologie für Sie von Vorteil wäre. Viele Akustiker bieten eine Testphase an (oft 30 Tage), in der Sie die Hörgeräte im Alltag ausprobieren können. Nutzen Sie diese Möglichkeit, um zu erleben, wie sich die Frequenzabsenkung auf Ihr Sprachverstehen auswirkt und ob Sie sich daran gewöhnen können.

Häufige Probleme und die Eingewöhnung an Hörgeräte

Die Hauptaufgabe eines Hörgerätes ist es, den individuellen Hörverlust auszugleichen und das Hören wieder zu ermöglichen oder zu verbessern. Dies geschieht hauptsächlich durch die selektive Verstärkung von Tönen in den Frequenzbereichen, in denen das Gehör geschwächt ist, während gleichzeitig störende Hintergrundgeräusche so weit wie möglich unterdrückt werden. Die Anpassung eines Hörgerätes ist ein komplexer Prozess, der immer auf einer ärztlichen Diagnose (HNO-Arzt) und der individuellen Einstellung durch einen qualifizierten Hörgeräteakustiker basieren sollte.

Trotz sorgfältiger Anpassung kann der Beginn der Nutzung von Hörgeräten mit einer Eingewöhnungsphase verbunden sein, in der es zu ungewohnten Wahrnehmungen und anfänglichen „Problemen“ kommen kann. Diese sind oft keine Fehlfunktionen der Geräte, sondern Reaktionen des Gehirns und des Gehörs auf die neuen akustischen Eindrücke.

Die Eingewöhnungsphase: Wenn die Welt (und die eigene Stimme) anders klingt

Nachdem man längere Zeit schlechter gehört hat, empfindet das Gehirn die „neue“ Lautstärke und Vielfalt der Geräusche zunächst als ungewohnt oder sogar überwältigend. Geräusche, die man vorher kaum oder gar nicht wahrgenommen hat, sind plötzlich wieder da. Dies kann dazu führen, dass die gewohnte Umgebung auf einmal deutlich lauter und vielleicht auch anstrengender erscheint.

Was ist das häufigste Problem mit Hörgeräten?
Ohrenschmerzen und Jucken im Ohr Wenn man ein Hörgerät braucht, ist es wichtig dieses so häufig wie möglich zu tragen. Es ist möglich Ohrenschmerzen durch Hörgeräte zu bekommen. Durch das ständige Tragen kann es passieren, dass das Ohrpassstück für Feuchtigkeit im Gehörgang sorgt und somit die Haut aufweicht.

Auch die eigene Stimme kann sich durch das Tragen von Hörgeräten anders anhören. Manche Menschen empfinden sie zunächst als lauter, dumpfer oder einfach „fremd“. Dieses Phänomen, bekannt als Okklusionseffekt (besonders bei Im-Ohr-Geräten oder Otoplastiken, die den Gehörgang stark verschließen), oder einfach die ungewohnte Rückkopplung der eigenen, nun verstärkten Stimme, kann anfangs irritierend sein.

Diese anfänglichen Wahrnehmungen sind völlig normal und Teil des Anpassungsprozesses. Das Gehirn muss lernen, die neuen Informationen zu verarbeiten und unwichtige Geräusche wieder auszublenden. Dies braucht Zeit und Geduld.

Weitere mögliche Wahrnehmungen oder Herausforderungen

Während der Eingewöhnung oder auch später können weitere Aspekte auftreten, die als Probleme empfunden werden:

  • Rückkopplung (Pfeifen): Ein klassisches Problem, das auftritt, wenn verstärkter Schall aus dem Ohr „entweicht“ und vom Mikrofon des Hörgeräts wieder aufgenommen wird. Dies kann durch eine nicht perfekt sitzende Otoplastik/Schale, zu hohe Lautstärke oder Ohrenschmalz verursacht werden. Ein Akustiker kann die Ursache beheben.
  • Unangenehme Lautstärke in bestimmten Situationen: Trotz Automatik kann es in sehr lauten oder komplexen Geräuschumgebungen (z.B. Restaurant, Bahnhof) schwierig sein, Sprache zu verstehen, oder die Geräusche erscheinen unangenehm laut. Hier kann die Anpassung von Hörprogrammen durch den Akustiker oder die Nutzung spezieller Funktionen (z.B. Richtmikrofone) helfen.
  • Sitz und Komfort: Besonders bei neuen oder ungewohnten Geräten kann der Sitz im Ohr oder hinter dem Ohr zunächst unangenehm sein oder Druckstellen verursachen. Der Akustiker kann den Sitz optimieren.
  • Batterieprobleme oder Aufladen: Die Lebensdauer der Batterien oder die korrekte Handhabung des Ladevorgangs bei Akku-Geräten kann anfangs Fragen aufwerfen.
  • Wartung und Reinigung: Hörgeräte benötigen regelmäßige Reinigung, um einwandfrei zu funktionieren. Eine unsachgemäße Reinigung kann zu Problemen führen.

Es ist entscheidend, bei anhaltenden Problemen oder Unsicherheiten immer den Hörgeräteakustiker zu konsultieren. Er ist der Experte, der das Gerät überprüfen, die Einstellungen anpassen oder weitere Tipps zur Handhabung geben kann.

Die Rolle des Hörgeräteakustikers

Der Hörgeräteakustiker spielt eine zentrale Rolle für den Erfolg und die Zufriedenheit mit Ihren Hörgeräten. Er führt nicht nur die notwendigen Messungen durch und wählt basierend auf dem Audiogramm und Ihren Bedürfnissen ein passendes Gerät aus, sondern nimmt auch die Feineinstellungen vor. Die erste Anpassung ist dabei nur der Anfang. Oft sind mehrere Termine notwendig, um die Einstellungen schrittweise zu optimieren, während Sie sich an das Hören mit den Geräten gewöhnen.

Scheuen Sie sich nicht, Ihrem Akustiker genau zu beschreiben, welche Situationen Ihnen Schwierigkeiten bereiten oder welche Geräusche als unangenehm empfunden werden. Nur mit Ihrem Feedback kann er die Einstellungen gezielt anpassen, sei es die Gesamtverstärkung, die Kompression in bestimmten Frequenzen oder die Aktivierung und Anpassung von Sonderfunktionen wie der Frequenzabsenkung.

Eine gute Kommunikation mit Ihrem Akustiker und Geduld während der Eingewöhnungsphase sind Schlüssel für ein optimales Hörerlebnis.

Fazit

Hörgeräte sind leistungsfähige Hilfsmittel, die die Lebensqualität deutlich verbessern können. Die Möglichkeit, die Lautstärke anzupassen – sei es automatisch, am Gerät, per Fernbedienung oder App – gibt Ihnen Kontrolle über Ihr Hörerlebnis in verschiedenen Situationen. Technologien wie die Frequenzabsenkung bieten Lösungen für spezifische Hörverlustmuster, erfordern aber möglicherweise eine gewisse Eingewöhnungszeit.

Anfängliche Schwierigkeiten oder ungewohnte Höreindrücke während der Eingewöhnungsphase sind normal und meist durch Anpassungen oder Gewöhnung zu beheben. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihrem Hörgeräteakustiker und regelmäßige Kontrolltermine sind essenziell, um sicherzustellen, dass Ihre Hörgeräte optimal eingestellt sind und Sie das bestmögliche Hörergebnis erzielen. Haben Sie Geduld mit sich und Ihren neuen Ohren – es lohnt sich!

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