13/09/2018
Andy Warhol, geboren als Andrew Warhola in Pittsburgh, USA, war eine der prägendsten Figuren der Pop Art und ein Künstler, dessen Einfluss bis heute spürbar ist. Sein Leben war so farbenreich und vielschichtig wie seine berühmten Siebdrucke, geprägt von kreativem Schaffen, unerwarteten Wendungen und einem dramatischen Ereignis, das ihn fast das Leben kostete.

Warhol, Sohn osteuropäischer Einwanderer, wurde am 6. August 1928 geboren, ein Datum, das er später gern geheim hielt und sich mitunter jünger machte. Eine einschneidende Erfahrung seiner Kindheit war die Erkrankung an Chorea minor, auch bekannt als Veitstanz, im Alter von nur acht Jahren. Dieses Nervenleiden zwang ihn zu langer Bettlägerigkeit. Während dieser Zeit entwickelte sich nicht nur eine enge Bindung zu seiner Mutter Julia, die selbst künstlerisch begabt war, sondern auch eine tiefe Beschäftigung mit visuellen Medien. Er vertiefte sich in Comics und Filme, schnitt Figuren aus und begann, eigene Szenen zu zeichnen. Dieses erwachte Kunstinteresse führte ihn später, im Jahr 1945, an die Carnegie Mellon University, wo er Malerei und Design studierte und 1949 seinen Abschluss machte.
Nach seinem Studium zog Andy Warhol, gemeinsam mit dem befreundeten Künstler Philip Pearlstein, nach New York City. Dort begann er zunächst, seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten zu verdienen, unter anderem in einer Schuhfabrik. Doch sein Talent als Grafiker wurde schnell erkannt. Unter dem Namen Andy Warhol, den er sich in New York gab, veröffentlichte er 1950 erste Zeichnungen in der Zeitschrift »Mademoiselle«. Er arbeitete eng mit der Designerin Suzie Frankfurt zusammen und schuf grafische Beiträge für diverse Magazine, Grußkarten, Werbeartikel und sogar Kochbücher. Seine Kreativität und sein einzigartiger Stil brachten ihm schnell Erfolg ein. Oft skizzierte er seine Motive nur grob und ließ sie dann bei sogenannten »Colouring Partys« von Freunden und Bekannten ausmalen. Als Industrie- und Werbegrafiker stieg er rasch auf und zählte bereits Ende der 1950er-Jahre zu den bestbezahlten Kräften seines Fachs.
Trotz seines kommerziellen Erfolgs strebte Warhol danach, auch als bildender Künstler anerkannt zu werden. Sein Ansatz war innovativ und mutig: Er wählte Sujets aus der trivialen Popkultur. Hollywoodstars, berühmte Comicfiguren wie Micky Maus oder Superman wurden zu Motiven seiner Kunst. Da jedoch auch andere Künstler wie Robert Rauschenberg oder Roy Lichtenstein ähnliche Themen bearbeiteten, wandte sich Warhol einem Medium zu, das für ihn charakteristisch werden sollte: dem Siebdruck. Diese Technik ermöglichte ihm die serielle Fertigung von Kunstwerken und passte perfekt zu seinem Interesse an Massenproduktion und Konsumkultur. Anfangs stieß dieser neue Stil auf wenig Gegenliebe; bei einer ersten Präsentation fanden sich nur wenige Käufer, darunter der Schauspieler Dennis Hopper.

Ein Wendepunkt in Warhols Karriere und ein Werk, das ihn weltberühmt machte, war das Bild »Marilyn Diptych«. Basierend auf einem Szenenfoto aus dem Film »Niagara« mit Marilyn Monroe schuf Warhol dieses Motiv immer wieder in verschiedenen Farbvariationen. Es wurde zu einem ikonischen Symbol der Pop Art und ihres berühmtesten Vertreters. Im Jahr 1962 hob Warhol seine Idee der gemeinschaftlichen Kunstproduktion auf eine neue Ebene, indem er die »Factory« gründete. Diese »Kunstfabrik« in New York war ein Zentrum der Kreativität, ein Treffpunkt für Künstler, Musiker und Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Hier konnte Warhol seine Experimentierfreude voll ausleben. In mehreren Ateliers wurden Warhol-Siebdrucke in Serie angefertigt, und die Factory wurde zu einem Schmelztiegel der damaligen Gegenkultur. Neben der bildenden Kunst widmete sich Warhol in der Factory auch seiner zweiten großen Leidenschaft: dem Filmen.
Das Leben Andy Warhols nahm 1968 eine dramatische Wendung, als er nur knapp einem Mordanschlag entging. Die Attentäterin war Valerie Solanas, eine radikalfeministische Schriftstellerin, bekannt als Autorin des SCUM Manifesto. Valerie Jean Solanas, geboren 1936, hatte eine schwierige Kindheit und Jugend, geprägt von familiären Problemen und Missbrauch. Sie studierte Psychologie, brach jedoch ihren Masterstudiengang ab. Mitte der 1960er Jahre lebte sie obdachlos in Greenwich Village, New York, und verkaufte ihr Manifest von Hand. Sie lernte Andy Warhol kennen und wurde gelegentlich Gast in der Factory. Zuvor hatte sie ihm das Manuskript ihres Theaterstücks »Up your Ass« zugesandt. Warhol zeigte Interesse, aber das Manuskript ging in der Factory verloren. Solanas entwickelte zunehmend Wahnvorstellungen und wurde überzeugt, dass Warhol ihr Stück gestohlen hatte. Sie fühlte sich von ihm und der Hierarchie in der Factory ausgenutzt, insbesondere nach einer Rolle in Warhols Film »I, A Man«, für die sie eine höhere Gage forderte und daraufhin von der Factory ausgeschlossen wurde. Verzweifelt und wütend, begann sie an eine Verschwörung zwischen Warhol und ihrem Verleger Maurice Girodias zu glauben, der die Rechte an ihrem SCUM Manifesto gekauft hatte.
Am 3. Juni 1968 passte Valerie Solanas Warhol vor den neuen Räumen der Factory ab. Sie schoss dreimal auf ihn. Andy Warhol wurde schwer verletzt, Organe wie Milz, Bauch, Leber und Speiseröhre waren getroffen. Solanas schoss auch den Kunstkritiker Mario Amaya in die Hüfte und versuchte, Warhols Manager Fred Hughes zu treffen, doch ihre Pistole blockierte. Warhol wurde umgehend ins Krankenhaus gebracht und musste sich einer fünfstündigen, lebensrettenden Operation unterziehen. Er überlebte, trug aber lebenslange Folgen von den Verletzungen davon. Valerie Solanas wurde festgenommen. Maurice Girodias nutzte die durch das Attentat ausgelöste öffentliche Aufmerksamkeit, um Solanas' SCUM Manifesto zu veröffentlichen. Solanas wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie in einer Anstalt für kriminelle Geisteskranke verbrachte. Nach ihrer Entlassung 1971 war sie meist obdachlos und starb 1988 in San Francisco an einem Lungenemphysem. Die Geschichte von Solanas und dem Attentat wurde 1997 unter dem Titel »I Shot Andy Warhol« verfilmt.

Nach dem Attentat und seiner Genesung zog sich Andy Warhol zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Er mied große Auftritte und schickte sogar einen Doppelgänger zu einer Vorlesungsreihe an US-Colleges, was jedoch schnell aufflog und für einen weiteren Skandal sorgte. Obwohl er die Öffentlichkeit scheute, blieb er kreativ und einflussreich.
Andy Warhol starb am 22. Februar 1987 in New York. Sein Tod, im Alter von 58 Jahren, erfolgte unerwartet an Komplikationen nach einer Gallenoperation. Sein Tod markierte das Ende einer Ära, doch sein künstlerisches Erbe lebt weiter.
Auch Jahre nach seinem Tod erzielen Werke von Andy Warhol auf dem Kunstmarkt schwindelerregende Preise. Dies unterstreicht seine anhaltende Bedeutung und Beliebtheit. Die Faszination für seine Arbeiten ist ungebrochen, ebenso wie das Interesse an seiner schillernden Persönlichkeit und den dramatischen Ereignissen seines Lebens, wie dem Attentat.

Sein ikonisches Porträt von Marilyn Monroe, die Campbell's Suppendosen, Brillo-Boxen oder Cola-Flaschen sind tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Andy Warhol hat es geschafft, Kunst und Kommerz auf eine Weise zu verbinden, die das Publikum zugleich faszinierte und polarisierte.
Hier ist eine kurze Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse in Andy Warhols Leben, basierend auf den vorliegenden Informationen:
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1928 | Geburt in Pittsburgh |
| ca. 1936 | Erkrankung an Chorea minor (Veitstanz) |
| 1949 | Umzug nach New York City |
| 1950 | Erste Veröffentlichungen in »Mademoiselle« |
| 1952 | Erste Einzelausstellung (vermittelt durch Alexander Iolas) |
| 1962 | Gründung der »Factory« |
| 1968 | Attentat durch Valerie Solanas |
| 1987 | Tod in New York |
Häufig gestellte Fragen zu Andy Warhol
Welches Syndrom hatte Andy Warhol in seiner Kindheit?
In seiner Kindheit erkrankte Andy Warhol im Alter von acht Jahren an Chorea minor, auch bekannt als Veitstanz. Diese Nervenkrankheit führte dazu, dass er für mehrere Monate bettlägerig war.
Wer hat Andy Warhol erschossen?
Andy Warhol wurde am 3. Juni 1968 von Valerie Solanas angeschossen. Sie war eine radikalfeministische Schriftstellerin und Autorin des SCUM Manifesto. Warhol überlebte das Attentat schwer verletzt.

Wieso starb Andy Warhol?
Andy Warhol starb am 22. Februar 1987 in New York an Komplikationen, die nach einer Gallenoperation auftraten.
Was war die Factory?
Die Factory war Andy Warhols berühmtes Studio in New York, das er 1962 gründete. Sie diente als »Kunstfabrik« für die serielle Produktion seiner Siebdrucke, als Atelier für seine Filmprojekte und als Treffpunkt für Künstler, Musiker und Persönlichkeiten der damaligen Zeit.
Andy Warhols Leben war ein Spiegelbild der sich wandelnden amerikanischen Gesellschaft und Kultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Kunst, sein Lebensstil und die Ereignisse, die sein Leben prägten, machen ihn zu einer der faszinierendsten und meistdiskutierten Figuren der modernen Kunstgeschichte.
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