19/04/2019
Köpenick, im Südosten Berlins am Zusammenfluss von Spree und Dahme gelegen, ist weit mehr als nur ein Stadtteil – es ist ein Ort mit einer tief verwurzelten Geschichte, einem einzigartigen Charme und einer beeindruckenden Naturlandschaft. Als einer der ältesten Siedlungsplätze im Berliner Raum bietet Köpenick eine faszinierende Mischung aus historischem Erbe und naturnaher Erholung.

Die Geschichte Köpenicks reicht weit zurück. Schon zur Zeit der Slawen, die dem Ort mit 'Copnic' (Inselort) seinen Namen gaben, bestand hier eine Burg. Archäologische Funde zeigen sogar Besiedlung in der Bronzezeit. Das älteste Dendrodatum für den slawischen Burgbereich datiert auf das Jahr 849. Mitte des 12. Jahrhunderts war Köpenick die Hauptburg und Siedlung des slawischen Stammes der Sprewanen unter Fürst Jaxa von Köpenick. Die erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen 'Copenic' findet sich im Jahr 1209. Um 1232 erhielt Köpenick das Stadtrecht. Nach dem Teltow-Krieg 1245 übernahmen die askanischen Markgrafen die Burg, und Köpenick gehörte fortan zur Mark Brandenburg.
Ein historischer Überblick
Die mittelalterliche Stadt Köpenick, ähnlich wie Spandau am westlichen Rand Berlins, kann auf eine eigenständige Stadttradition zurückblicken. Beide Orte entwickelten sich aus slawischen Burgwällen, erhielten früh Stadtrecht und verfügen bis heute über gut erhaltene Altstadtkerne und eigene Vororte. Das Rathaus von Köpenick, im Stil der märkischen Backsteingotik erbaut, gehört zu den schönsten Rathäusern Berlins und steht unter Denkmalschutz. Es ist auch untrennbar mit einer der bekanntesten Geschichten des Ortes verbunden.
Die mittelalterliche Stadt umfasste neben der Köpenicker Insel (mit der Altstadt) auch die Schlossinsel und den Kietz, jeweils mit unterschiedlicher Rechtsstellung. Im späten 19. Jahrhundert entstanden Vorstädte außerhalb der Altstadtinsel, wie die Dammvorstadt, die Kietzer Vorstadt und die Köllnische Vorstadt, sowie die Villenkolonie Wendenschloß. In DDR-Zeiten wurde das Salvador-Allende-Viertel als großes Neubaugebiet errichtet.
Die Köpenicker Burg wurde 1558 durch ein Jagdschloss ersetzt. Kurprinz Friedrich initiierte 1688 den Bau des heutigen Schlosses Köpenick auf der Schlossinsel. Im Wappensaal dieses Schlosses fand 1730 der Hochverratsprozess gegen den späteren König Friedrich II. statt. Die wirtschaftliche Entwicklung im 18. Jahrhundert wurde maßgeblich durch die Ansiedlung von Textil-, Seidenspinnerei- und Wäschereibetrieben geprägt.
Ein einschneidendes und die Stadt weltberühmt machendes Ereignis war die sogenannte Köpenickiade am 16. Oktober 1906. Der arbeitslose Schuster Friedrich Wilhelm Voigt, bekannt als der Hauptmann von Köpenick, besetzte in einer aufsehenerregenden Aktion das Rathaus, ließ den Bürgermeister verhaften und entwendete die Stadtkasse. Obwohl er zehn Tage später gefasst wurde, machte diese Tat die damalige Stadt Cöpenick (bei Berlin) schlagartig bekannt. Eine Bronzestatue des Hauptmanns erinnert heute vor dem Rathaus an dieses Ereignis.
Mit dem Groß-Berlin-Gesetz wurde Cöpenick am 1. Oktober 1920 Teil Berlins und dessen 16. Verwaltungsbezirk. Die offizielle Schreibweise änderte sich 1931 von Cöpenick zu Köpenick, obwohl die Schreibung mit 'K' inoffiziell schon länger üblich war.
Die Zeit des Nationalsozialismus brachte auch über Köpenick Leid. Während der sogenannten Köpenicker Blutwoche im Juni 1933 wurden Gegner des Regimes verhaftet, misshandelt und getötet. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge zerstört. Ein Mahnmal und Stolpersteine erinnern heute an die Opfer des NS-Regimes.
Am 23. April 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Köpenick mit dem Einmarsch der Roten Armee. Zu DDR-Zeiten war Köpenick ein Stadtbezirk Ost-Berlins. Die Errichtung der Neubaugebiete Allende-Viertel I und II in den 1970er und 1980er Jahren führte zu einem bedeutenden Einwohnerzuwachs.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 kam es zu radikalen Veränderungen. Große Arbeitgeber hatten Schwierigkeiten, was zu Arbeitslosigkeit und Abwanderung führte. Immobilien gingen an Investoren. Der Bezirk Köpenick wurde 2001 im Zuge der Berliner Verwaltungsreform mit Treptow zum heutigen Bezirk Treptow-Köpenick zusammengelegt.
Sehenswürdigkeiten und Highlights
Köpenick ist ein beliebtes Ausflugsziel, nicht zuletzt wegen seiner charmanten Altstadt. Hier kann man durch historische Gassen spazieren, Natur- und Kulturdenkmäler bestaunen und in kleinen Geschäften stöbern. Die Altstadt wird oft als 'schnuckelig' beschrieben und lädt zum Flanieren ein. Die schönen Altbaufassaden tragen zum besonderen Flair bei.
Das Schloss Köpenick auf der Schlossinsel ist ein architektonisches Highlight. Es beherbergt heute ein Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Lage auf der Insel, umgeben von Wasser, macht es besonders reizvoll.
Das Rathaus von Köpenick, mit seiner markanten Backsteinoptik, ist nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch ein architektonisches Schmuckstück. Vor seinem Eingang steht die Bronzestatue des Hauptmann von Köpenick, eine ständige Erinnerung an die berühmte Geschichte.
Der größte See Berlins, der Müggelsee, grenzt an Köpenick und ist ein Zentrum für Wassersportler. Hier kann man segeln, schwimmen oder einfach am Ufer entspannen. Auch die Spree und Dahme laden zu Aktivitäten auf dem Wasser ein. Ausflugsdampfer bieten Touren an, sei es durch die Berliner Innenstadt oder rund um die Müggelberge.
Die Müggelberge sind mit 114,7 Metern über NHN die höchste natürliche Erhebung Berlins und ein ideales Gebiet für Spaziergänger und Wanderer. Verschiedene Routen führen durch die Wälder. Wer den Aufstieg auf den Müggelturm wagt, wird mit einer fantastischen Aussicht über die Umgebung belohnt.
Für Fußballfans ist das Stadion An der Alten Försterei ein Muss. Hier trägt der 1. FC Union Berlin seine Heimspiele aus. Das Stadion ist bekannt für seine besondere Atmosphäre, insbesondere beim jährlichen Weihnachtssingen.
Auf dem Schlossplatz findet zweimal wöchentlich ein Wochenmarkt statt. Er bietet frische Produkte wie Obst, Gemüse, Brot, Fleisch, Käse und Fisch und macht einen Ausflug in die Altstadt noch attraktiver.
Naturerlebnisse in und um Köpenick
Die Lage Köpenicks mitten im Berliner Urstromtal an der Mündung der Dahme in die Spree prägt seine Landschaft. Die Spree verbindet Köpenick mit dem Müggelsee im Osten und der Berliner Innenstadt im Westen. Diese Wasserwege sind nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch wichtige Verkehrsadern für die Freizeitschifffahrt. Der Müggelsee bietet umfangreiche Möglichkeiten für Wassersport aller Art.

Die Müggelberge im Südosten bieten ein Kontrastprogramm zum Wasser. Hier können Besucher wandern, joggen oder einfach die Ruhe des Waldes genießen. Der Müggelturm auf dem Gipfel ist ein beliebtes Ziel und bietet einen Panoramablick, der die Weitläufigkeit der Köpenicker Natur verdeutlicht.
Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung
Köpenick ist nicht nur Wohnort und Ausflugsziel, sondern auch ein Wirtschaftsstandort. Der Innovationspark Wuhlheide, gegründet bereits 1990, ist ein Technologie- und Gründerzentrum, das rund 200 Unternehmen beherbergt.
Die Bahnhofstraße ist die Hauptgeschäftsstraße Köpenicks und beherbergt unter anderem das Einkaufszentrum Forum Köpenick.
Verkehrstechnisch ist Köpenick gut angebunden. Der Bahnhof Köpenick liegt an der Strecke Berlin–Frankfurt (Oder). Seit 1928 verkehrt hier die S-Bahn mit Haltepunkten in Wuhlheide und Köpenick (Linie S3). Es gibt Pläne, den Bahnhof Köpenick zu einem Regionalbahnhof auszubauen. Die Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Köpenick ist eng mit der Straßenbahn verbunden. Die 1882 gegründete Pferdebahn wurde 1903 elektrifiziert und entwickelte sich zu einem umfangreichen Netz, das auch umliegende Orte erschloss. Das Köpenicker Straßenbahnnetz, das heute vom Straßenbahnhof Köpenick bedient wird, ist bis heute zu großen Teilen in Betrieb und leistet einen erheblichen Beitrag zur Betriebsleistung der Berliner Straßenbahn. Zusätzlich sorgen mehrere Buslinien der BVG für Verbindungen in die umliegenden Ortsteile.
Die Altstadt von Köpenick ist über Brücken wie die Dammbrücke und die Lange Brücke mit den umliegenden Ortslagen verbunden.
Das Krankenhaus Köpenick, Teil der DRK Kliniken Berlin, wurde 1914 eröffnet und ist mit zahlreichen Fachabteilungen und Betten ein wichtiger Bestandteil der lokalen Gesundheitsversorgung.
In Köpenick gibt es eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen, darunter mehrere Grundschulen (z.B. Amtsfeld-Grundschule, Hauptmann-von-Köpenick-Grundschule), Sekundarschulen (z.B. Flatow-Oberschule) und Gymnasien (z.B. Alexander-von-Humboldt-Gymnasium).
Sport und Kultur
Neben dem bekannten 1. FC Union Berlin, dessen Heimstadion An der Alten Försterei in Köpenick liegt, war der Ort auch Heimat des ehemaligen Frauen-Volleyball-Erstligisten Köpenicker SC.

Das kulturelle Angebot umfasst mehrere Theater, wie das Schlossplatztheater Köpenick und das Stadttheater Cöpenick, sowie Klangkörper wie das Köpenicker Zupforchester. Eine besondere Attraktion ist der Schmetterlingshorst, der eine der größten Schmetterlingsausstellungen in Deutschland beherbergt.
Das Wappen von Köpenick
Das Wappen Köpenicks spiegelt die frühere Bedeutung des Fischfangs für den Ort wider. Es zeigt auf blauem Grund, der das Wasser symbolisiert, zwei Fische. Der Schlüssel verweist auf den Heiligen Petrus, den Schutzpatron der Fischer. Die sieben Sterne werden oft als Darstellung des Siebengestirns (Plejaden) interpretiert, das ebenfalls einen Bezug zum Fischfang haben soll, möglicherweise indem es eine für die Seefahrt gefährliche Jahreszeit markierte. Eine andere Deutung sieht darin das Sternbild Orion.
Häufig gestellte Fragen zu Berlin Köpenick
Ist Berlin Köpenick ein guter Stadtteil? Ist Berlin Köpenick schön?
Nach den Beschreibungen im vorliegenden Text ist Köpenick ein sehr attraktiver Stadtteil, insbesondere für Besucher. Die Altstadt wird als 'schnuckelig' und schön beschrieben, mit sehenswerten Altbaufassaden. Das Rathaus zählt zu den schönsten Berlins. Die Kombination aus historischem Charme, weitläufiger Natur (See, Berge, Flüsse) und Freizeitmöglichkeiten macht es zu einem lohnenswerten Ziel.
Was kann man in Berlin Köpenick unternehmen?
Die Möglichkeiten sind vielfältig: Spaziergänge durch die historische Altstadt, Besichtigung des Schlosses Köpenick und des Rathauses, eine Dampferfahrt auf Spree oder Dahme, Wandern oder Klettern in den Müggelbergen, den Müggelturm besteigen für die Aussicht, Wassersport auf dem Müggelsee, Besuch eines Spiels des 1. FC Union Berlin, Einkaufen auf dem Wochenmarkt oder im Forum Köpenick, Besuch eines Theaters oder der Schmetterlingsausstellung im Schmetterlingshorst.
Wo liegt Köpenick?
Köpenick liegt im Südosten Berlins und ist Teil des Bezirks Treptow-Köpenick. Geographisch befindet sich der Ortsteil am Zusammenfluss von Spree und Dahme. Die Altstadt und das Schloss liegen jeweils auf Inseln. Köpenick ist flächenmäßig der größte Ortsteil Berlins und liegt mitten im Berliner Urstromtal, mit den Müggelbergen als höchster Erhebung Berlins im Südosten.
Wer war der Hauptmann von Köpenick?
Der Hauptmann von Köpenick war Friedrich Wilhelm Voigt, ein arbeitsloser Schuster. Er erlangte Berühmtheit durch seine 'Köpenickiade' im Jahr 1906, bei der er in einer improvisierten Uniform das Rathaus besetzte, den Bürgermeister verhaften ließ und die Stadtkasse an sich nahm. Er wurde zehn Tage nach der Tat gefasst. Seine Geschichte inspirierte zahlreiche literarische und theatralische Werke.
Was symbolisiert das Wappen von Köpenick?
Das Wappen leitet sich vom historischen Fischfang ab. Es zeigt zwei Fische auf blauem Grund (Wasser), einen Schlüssel als Verweis auf den Heiligen Petrus (Schutzpatron der Fischer) und sieben Sterne, die das Siebengestirn (Plejaden) oder das Sternbild Orion darstellen könnten und ebenfalls einen Bezug zum Fischfang und der Seefahrt haben.
Ob für Geschichtsinteressierte, Naturliebhaber, Sportfans oder einfach für einen entspannten Ausflug – Berlin Köpenick bietet eine einzigartige Kombination, die Besucher immer wieder aufs Neue begeistert.
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