Warum Füller und kein Tintenroller?

Hochspannung: Definition, Stufen & Transport

07/06/2019

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Strom ist aus unserem modernen Leben nicht wegzudenken. Er versorgt unsere Häuser, Büros und Industrien. Doch wie gelangt dieser Strom über weite Strecken von den Kraftwerken bis zu unseren Steckdosen? Ein Schlüsselkonzept dabei ist die Hochspannung. Obwohl wir sie im Alltag selten direkt wahrnehmen, spielt sie eine absolut entscheidende Rolle in der Energieversorgung.

Wie viel Volt hat Hochspannung?
TransportBezeichnungSpannungNiederspannungbis 1.000 VoltHochspannungMittelspannungüber 1.000 VoltHochspannungüber 30.000 VoltHöchstspannungüber 150.000 Volt

Die Reise des Stroms beginnt oft bei sehr hohen Spannungen. Dies ist nicht zufällig, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklung und Optimierung des Stromnetzes. Der Transport von elektrischer Energie über große Distanzen stellt eine technische Herausforderung dar, bei der Effizienz und minimaler Energieverlust im Vordergrund stehen. Genau hier kommt die Hochspannung ins Spiel.

Übersicht

Was versteht man unter Hochspannung?

Der Begriff Hochspannung bezeichnet elektrische Spannungen, die eine bestimmte Schwelle überschreiten. Diese Schwelle ist abhängig davon, ob es sich um Wechselspannung oder Gleichspannung handelt. Konkret spricht man von Hochspannung, wenn die elektrische Spannung:

  • bei Wechselspannung 1.000 Volt (V) überschreitet.
  • bei Gleichspannung 1.500 Volt (V) überschreitet.

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass der Oberbegriff Hochspannung selbst in verschiedene Kategorien unterteilt wird, die sich an der Höhe der Spannung orientieren:

  • Mittelspannung: Liegt die Spannung zwischen 1.000 Volt (1 kV) und 30.000 Volt (30 kV).
  • Hochspannung (im engeren Sinne): Beträgt die Spannung zwischen 30.000 Volt (30 kV) und 150.000 Volt (150 kV).
  • Höchstspannung: Übersteigt die Spannung 150.000 Volt (150 kV).

Diese Einteilung hilft dabei, die verschiedenen Ebenen des Übertragungsnetzes und ihre jeweiligen Funktionen besser zu verstehen.

Warum Hochspannung für den Stromtransport?

Der Hauptgrund für die Verwendung von Hochspannung beim Stromtransport liegt in der Effizienz. Wenn elektrische Energie über weite Strecken transportiert wird, kommt es zu Energieverlusten, hauptsächlich in Form von Wärme, die durch den elektrischen Widerstand der Leitungen entsteht. Dieser Verlust ist proportional zum Quadrat des Stroms (Verlust = Widerstand × Strom²). Bei einer festen zu übertragenden Leistung (Leistung = Spannung × Strom) bedeutet eine höhere Spannung einen geringeren Strom. Durch die Reduzierung des Stroms bei gleichbleibender Leistung können die Energieverluste auf der Leitung erheblich reduziert werden.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten dieselbe Menge Energie transportieren: Mit niedriger Spannung müssten Sie einen sehr hohen Strom durch die Leitungen schicken, was zu starken Verlusten führen würde. Mit Hochspannung hingegen können Sie dieselbe Energie mit einem deutlich geringeren Strom übertragen, was die Verluste minimiert. Dies macht den Stromtransport über große Distanzen wirtschaftlich und technisch machbar.

Die Spannung kann jedoch nicht unbegrenzt erhöht werden. Sehr hohe Spannungen stellen auch Herausforderungen dar, unter anderem in Bezug auf die Isolation, die Sicherheit und die technischen Anforderungen an die Infrastruktur wie Masten, Isolatoren und Schaltanlagen. Die Festlegung der optimalen Spannungshöhe für eine bestimmte Leitung erfolgt daher basierend auf Faktoren wie der Länge der Übertragungsstrecke und der benötigten Leistung am Zielort.

Spannungsebenen im Stromnetz

Das Stromnetz ist hierarchisch aufgebaut und nutzt verschiedene Spannungsebenen für unterschiedliche Zwecke. Während bei Ihnen zu Hause aus der Steckdose typischerweise eine Niederspannung von 230 Volt kommt, sind die Spannungen im Übertragungsnetz um ein Vielfaches höher.

Überlandleitungen, die den Strom von den großen Kraftwerken über weite Strecken zu den Städten und Ballungsgebieten transportieren, arbeiten oft mit Spannungen von bis zu 380.000 Volt (380 kV). Regionalere Transportnetze und die Versorgung von Industrieanlagen nutzen oft Spannungen um 110.000 Volt (110 kV). Die Mittelspannungsebene (10 kV, 20 kV, 30 kV) dient der Verteilung des Stroms innerhalb von Regionen und Ortschaften, bevor er in den lokalen Verteilernetzen auf die haushaltsübliche Niederspannung von 230/400 Volt transformiert wird.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die typischen Wechselstrom-Spannungsebenen und ihre Hauptanwendungen:

BezeichnungSpannungBeispiel / Anwendung
Niederspannungbis 1.000 Volt230/400 Volt; Haus- und Gewerbeanschlüsse
Mittelspannungüber 1.000 Volt10 Kilovolt, 20 Kilovolt, 30 Kilovolt; örtliche/überörtliche Verteilnetze, Versorgung von Ortschaften und Industrie
Hochspannung (engerer Sinn)über 30.000 Volt110 Kilovolt; Anschluss kleinerer Kraftwerke, regionale Transportnetze, Versorgung von Städten und Großindustrie
Höchstspannungüber 150.000 Volt220 Kilovolt und 380 Kilovolt; Anschluss von Großkraftwerken, überregionale Transportnetze, Stromhandel

Wechselstrom vs. Gleichstrom bei Hochspannung

Historisch gesehen wurden Hochspannungsnetze fast ausschließlich mit Wechselstrom (AC) betrieben. Wechselstrom ändert in Westeuropa 100 Mal pro Sekunde seine Richtung, was einer Frequenz von 50 Hertz (50 Hz) entspricht. Wechselstrom hat den Vorteil, dass sich seine Spannung mithilfe von Transformatoren sehr einfach auf- und abtransformieren lässt, was für die verschiedenen Spannungsebenen im Netz essenziell ist.

In den letzten Jahrzehnten hat jedoch auch die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) an Bedeutung gewonnen. Bei der Übertragung von Gleichstrom (DC) über lange Strecken können bestimmte Energieverluste vermieden werden, die bei Wechselstrom auftreten (z. B. durch kapazitive und induktive Effekte, insbesondere bei Erdkabeln). Für sehr lange Transportstrecken, insbesondere bei Seekabeln oder zur Verbindung nicht synchronisierter Netze, stellt die HGÜ eine sehr effiziente Alternative dar. Der Nachteil ist, dass die Umwandlung von AC zu DC (auf der Sendeseite) und zurück von DC zu AC (auf der Empfangsseite) spezielle und teure Konverterstationen erfordert.

Wie wird Hochspannung transportiert?

Der Transport von Hochspannung erfolgt hauptsächlich über zwei Arten von Leitungen: Freileitungen und Erdkabel.

Wie kann man Hochspannung erzeugen?
In der Regel wird Hochspannung durch Generatoren erzeugt, falls eine besonders hohe Spannung erforderlich ist, auch mittels Transformatoren. Letztere funktionieren allerdings nur dann, wenn es sich um Wechselstrom handelt. Bei Gleichstrom ist der Einsatz von deutlich aufwändigeren Umrichtern erforderlich.

Freileitungen

Freileitungen sind die wohl bekannteste Form des Hochspannungstransports. Sie bestehen aus Leiterseilen, die an Masten aufgehängt sind. Diese Leiterseile sind im Gegensatz zu Kabeln nicht von einer isolierenden Schicht umgeben und müssen daher in ausreichender Höhe über dem Boden geführt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten und sie außerhalb der Reichweite von Personen zu halten.

In Deutschland sind Hoch- und Höchstspannungsleitungen überwiegend als Freileitungen ausgeführt. Auch der regionale Transport erfolgt oft noch über Mittel- oder sogar Niederspannungsfreileitungen, wobei hierfür kleinere Masten verwendet werden als für die höheren Spannungsebenen.

Man kann oft schon anhand der Mastkonstruktion einen ersten Anhaltspunkt dafür erhalten, welche Spannungshöhe eine Freileitung führt:

  • Hoch- und Höchstspannungsleitungen (110 kV und höher) werden üblicherweise an hohen Stahlgittermasten geführt. Diese Masten sind robust und können die schweren Leiterseile über große Spannweiten tragen.
  • Für Nieder- und Mittelspannungsleitungen (bis 30 kV) werden eher kleinere Masten aus Holz, Beton oder Stahlrohr verwendet. Diese sind weniger massiv, da die zu tragenden Lasten und die erforderlichen Sicherheitsabstände geringer sind.

Ein weiterer Hinweis auf die Spannungsebene liefert ein genauer Blick auf die Leiterseile selbst, insbesondere bei Höchstspannungsleitungen:

  • Höchstspannungsleitungen (220 kV und 380 kV): Um den sogenannten Korona-Effekt (elektrische Entladungen an der Oberfläche der Leiter bei sehr hoher Spannung) und die damit verbundenen Verluste zu minimieren, werden bei diesen Spannungen oft gebündelte Leiter verwendet. Bei 220 kV-Leitungen bestehen die Bündel meist aus zwei eng parallel geführten Einzelseilen. Bei 380 kV-Leitungen sind es oft drei oder sogar vier Einzelseile pro Bündel. Zwischen den Einzelseilen innerhalb eines Bündels sind in regelmäßigen Abständen Abstandhalter angebracht, um ihren Abstand konstant zu halten.
  • Hochspannungsleitungen (110 kV): Bei dieser Spannung werden Bündelleitungen deutlich seltener eingesetzt. Oft kommen hier Einzelseile zum Einsatz, oder Bündel mit nur zwei Seilen.

Erdkabel

Erdkabel sind eine Alternative zu Freileitungen, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten oder bei der Querung von Gewässern. Sie werden unterirdisch verlegt und enthalten einen oder mehrere Leiter, die jeweils einzeln durch eine Isolierung voneinander und von der Umgebung geschützt sind. Da die Leiter isoliert sind, können sie in einem viel geringeren Abstand zueinander verlegt werden als bei Freileitungen.

Erdkabel werden traditionell häufig bei niedrigerer Spannung für Haus- und Gewerbeanschlüsse eingesetzt. Sie gewinnen aber auch zunehmend an Bedeutung für den Transport von Hoch- und Höchstspannung über große Entfernungen, da sie das Landschaftsbild nicht beeinträchtigen und weniger anfällig für Witterungseinflüsse sind. Allerdings sind sie in der Verlegung teurer und die Wärmeableitung stellt bei sehr hohen Leistungen eine Herausforderung dar.

Gasisolierte Übertragungsleitungen (GIL)

Eine weitere, wenn auch bisher selten eingesetzte Technologie sind gasisolierte Übertragungsleitungen (GIL). Diese werden in Deutschland bisher nur auf sehr kurzen Strecken verwendet, beispielsweise zur Ausleitung von Strom aus Innenräumen von Schaltanlagen. Eine GIL besteht aus einem inneren Aluminiumleiter, der in regelmäßigen Abständen auf Stütz- oder Scheibenisolatoren in einem äußeren Aluminiumrohr geführt wird. Zur Isolation wird das Rohr mit einem Gas (häufig Schwefelhexafluorid, SF6, oder umweltfreundlichere Alternativen) befüllt. GILs ermöglichen eine sehr kompakte und leistungsfähige Übertragung, sind aber ebenfalls technisch aufwendig und teuer.

Häufig gestellte Fragen zu Hochspannung

Wie kann man Hochspannung erzeugen?

Die bereitgestellten Informationen konzentrieren sich auf die Definition, die Spannungsebenen und den Transport von Hochspannung. Details zur Erzeugung von Hochspannung, beispielsweise durch Generatoren in Kraftwerken oder Transformatoren, sind in diesen Informationen nicht enthalten.

Was versteht man unter Hochspannung?

Unter Hochspannung versteht man elektrische Spannungen, die bei Wechselspannung über 1.000 Volt bzw. bei Gleichspannung über 1.500 Volt liegen. Der Begriff wird weiter unterteilt in Mittelspannung (1 kV bis 30 kV), Hochspannung (30 kV bis 150 kV) und Höchstspannung (über 150 kV).

Wie viel Volt hat Hochspannung?

Die Spannung, die als Hochspannung bezeichnet wird, variiert je nach Kategorie. Mittelspannung liegt zwischen 1.000 V und 30.000 V. Hochspannung (im engeren Sinne) liegt zwischen 30.000 V und 150.000 V. Höchstspannung liegt über 150.000 V, wobei im Übertragungsnetz Spannungen bis zu 380.000 V üblich sind.

Was sind Hochspannungsleitungen?

Hochspannungsleitungen sind die Infrastruktur, die für den Transport elektrischer Energie mit Hochspannung verwendet wird. Dies können Freileitungen sein, bei denen unisoliert Leiterseile an Masten geführt werden, oder Erdkabel, bei denen isolierte Leiter unterirdisch verlegt sind. Sie dienen dazu, große Mengen Strom effizient über weite Strecken zu transportieren, von Kraftwerken zu Verteilzentren oder zwischen Regionen.

Zusammenfassung

Hochspannung ist ein fundamentaler Bestandteil unseres Energiesystems. Sie ermöglicht den effizienten Stromtransport über lange Distanzen, indem sie die Energieverluste minimiert. Das Stromnetz nutzt verschiedene Spannungsebenen – Niederspannung, Mittelspannung, Hochspannung und Höchstspannung – für unterschiedliche Aufgaben, vom überregionalen Transport bis zur Versorgung der Endverbraucher. Der Transport erfolgt hauptsächlich über Freileitungen und Erdkabel, die jeweils eigene technische Merkmale und Anwendungsbereiche haben. Das Verständnis dieser Konzepte hilft, die Komplexität und Bedeutung des Stromnetzes in unserem Alltag zu erkennen.

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