Bauhaus Stil: Merkmale und Kosten

15/12/2015

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Der Bauhaus-Stil, entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland, ist weit mehr als nur eine architektonische Modeerscheinung. Er ist eine Philosophie, eine radikale Abkehr von überkommenen Traditionen und ein Bekenntnis zur Funktionalität und Klarheit. Schlichte, geometrische Grundformen bildeten nicht nur die Grundlage für funktionales Handwerk und zeitloses Produktdesign, sondern revolutionierten auch die Welt der Architektur. Das Bauhaus verhalf dem Bauwesen zum entscheidenden Durchbruch in die Moderne und prägt bis heute unser Verständnis von Ästhetik und Wohnraum.

Was ist typisch für Bauhaus?
Typische Merkmale der Bauhaus-Architektur sind flache Dächer, große Fensterflächen, weiße Fassaden und eine kubische, schlichte Bauform. Die Gebäude wirken oft sachlich und reduziert, wobei Ästhetik und Funktion eine Einheit bilden.

Die Bauhaus-Architektur brach bewusst mit dekorativen Elementen und den traditionellen, oft verschnörkelten Baustilen vergangener Epochen. Anstelle opulenter Verzierungen und historischer Formen trat der Fokus auf den Menschen und seine Bedürfnisse im Raum. Funktionalität wurde zum obersten Gebot. Dies äußerte sich in funktionalen Raumkonzepten, oft offenen Grundrissen, die Licht und Luft maximierten, sowie im bewussten Einsatz moderner Baumaterialien, die damals als revolutionär galten: Stahl, Glas und Beton.

Architekten von Weltrang, wie der Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, sowie Hannes Meyer oder Ludwig Mies van der Rohe, entwickelten Gebäude, die auf maximale Effizienz, optimalen Lichteinfall und unmissverständliche Klarheit ausgelegt waren. Ihre Vision war es, Gebäude zu schaffen, die nicht nur schön, sondern vor allem nützlich und erschwinglich waren, um so zu einer besseren Gesellschaft und einer neuen, zukunftsorientierten Lebensweise beizutragen. Diese Architektur wurde schnell zum Symbol für Fortschritt und Modernität und strahlte weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Übersicht

Typische Merkmale der Bauhaus-Architektur

Die Merkmale der Bauhaus-Architektur sind unverkennbar und haben sich über Jahrzehnte als zeitlos erwiesen. Eines der prägnantesten Kennzeichen sind die flachen Dächer, die nicht nur eine moderne Ästhetik schaffen, sondern auch die kubische Grundform der Gebäude betonen. Große Fensterflächen, oft als Fensterbänder oder über Eck laufend, sind ein weiteres zentrales Element. Sie fluten die Innenräume mit Licht und stellen eine Verbindung zwischen Innen und Außen her, was dem Gefühl von Offenheit und Großzügigkeit dient.

Weiße Fassaden sind ebenfalls typisch für viele Bauhaus-Gebäude. Die weiße Farbe unterstreicht die klaren Linien und geometrischen Formen, lässt das Licht auf der Oberfläche spielen und verleiht den Bauten eine sachliche Eleganz und Reinheit. Die Bauform selbst ist oft kubisch und schlicht, reduziert auf das Wesentliche. Die Gebäude wirken dadurch oft sachlich und aufgeräumt, fast industriell in ihrer Präzision. Doch gerade in dieser Reduktion liegt eine tiefe Ästhetik. Das Bauhaus verfolgte das Ideal, dass Ästhetik und Funktion eine untrennbare Einheit bilden müssen – „Form Follows Function“ (Die Form folgt der Funktion) ist ein oft zitierter Leitspruch, der die Philosophie treffend beschreibt, auch wenn er nicht direkt aus dem Bauhaus stammt, sondern von Louis Sullivan geprägt wurde und im Bauhaus adaptiert wurde. Ornamente und jegliche Art von überflüssigem Dekor wurden bewusst vermieden. Stattdessen stand die reine Logik des Bauens im Vordergrund, die Konstruktion selbst wurde zum Gestaltungselement.

Weitere charakteristische Elemente dieser Stilrichtung sind modulare Strukturen, die eine flexible Raumgestaltung und Erweiterung ermöglichen, sowie asymmetrische Kompositionen. Diese Asymmetrie verleiht den oft strengen Baukörpern eine gewisse Spannung und Dynamik, die sie von symmetrischen, klassizistischen Bauten unterscheidet. Die Integration moderner Technologien, soweit sie damals verfügbar waren (z.B. Zentralheizung, Stahlbetonkonstruktionen), zählte ebenfalls zur Bauhaus-Idee, um den Wohnkomfort und die Effizienz zu steigern.

Einblicke und Erlebnisse: Bauhaus-Stätten

Wer die Bauhaus-Architektur und ihre Geschichte hautnah erleben möchte, findet in Deutschland bedeutende Stätten, die einen Besuch wert sind. Die Bauhausstätten in Weimar, dem Gründungsort, und Dessau, wo die Schule ihre Blütezeit erlebte, zählen heute zum UNESCO-Welterbe. Ein Ausflug dorthin bietet die Möglichkeit, die originalen Gebäude, Meisterhäuser und Werkstätten zu besichtigen und die Atmosphäre dieser revolutionären Kunst- und Architekturschule zu spüren.

Warum wurde das Bauhaus 1933 verboten?
1932 bis 1933 – Berlin 1932 wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin-Lankwitz verlegt; aber schon 1933 wurde die Institution von den Nationalsozialisten durch Repressionen wie Hausdurchsuchungen, Versiegelung der Räume und Verhaftung von Studenten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

Das Bauhaus Museum Dessau bietet beispielsweise eine kostenfreie App an, mit der Sie die berühmten Meisterhäuser, die historischen Werkstätten und die Lehrstuben bei einer digitalen Tour erkunden können. Solche Besuche vertiefen das Verständnis für die Prinzipien und die Auswirkungen des Bauhausstils auf die moderne Welt.

Was kostet ein Haus im Bauhausstil?

Die Frage nach den Kosten für ein Massiv- oder Fertighaus im Bauhausstil ist komplex. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die geradlinige Schlichtheit und der Verzicht auf aufwendige Ornamente die Baukosten senken. Tatsächlich spricht die Simplizität und die hohe Alltagstauglichkeit dieses Stils dafür, dass die reinen Baukörper im Vergleich zu traditionell aufwendig gestalteten Häusern potenziell günstiger sein könnten. Der Fokus auf Funktionalität und Effizienz in der Planung kann ebenfalls zur Kosteneinsparung beitragen, da unnötige Komplexität vermieden wird.

Allerdings gibt es Faktoren, die die Kosten für ein Bauhaus-Haus wieder deutlich steigern können. Oft kommen bei modernen Interpretationen des Bauhausstils fortschrittlichste Materialien, innovative Technologien für Energieeffizienz und Haustechnik sowie modernste Ausstattung zum Einsatz. Große, oft bodentiefe oder sogar über Eck geführte Glasfronten sind ein typisches Merkmal und gleichzeitig ein erheblicher Kostenfaktor, sowohl in der Anschaffung als auch in Bezug auf die Anforderungen an Statik und Wärmedämmung. Die Verwendung von hochwertigem Stahl, speziellem Glas für große Flächen und die präzise Verarbeitung von Beton, die für die klaren Linien erforderlich ist, können die Material- und Arbeitskosten in die Höhe treiben.

Die Kosten werden also maßgeblich von folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Materialwahl: Die Entscheidung für Standardmaterialien oder hochwertige, vielleicht sogar speziell angefertigte Bauelemente wie große Glasflächen oder spezielle Fassadensysteme.
  • Technologie und Ausstattung: Der Grad der Integration innovativer Haustechnik (Smart Home, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, spezielle Heizsysteme) und die Qualität der Innenausstattung.
  • Komplexität der Ausführung: Obwohl der Stil schlicht wirkt, erfordert die präzise Umsetzung der klaren Linien, scharfen Kanten und großen Spannweiten oft spezialisiertes Handwerk und eine sehr genaue Planung.
  • Größe und Grundriss: Wie bei jedem Haus beeinflusst die reine Wohnfläche und die Komplexität des Grundrisses die Kosten. Offene Grundrisse können zwar effizient sein, erfordern aber oft spezielle statische Lösungen (z.B. weniger tragende Wände, größere Spannweiten).
  • Energieeffizienz: Moderne Bauhaus-Häuser werden oft mit sehr hohen Standards an Energieeffizienz gebaut, was zusätzliche Dämmung, spezielle Fenster und aufwendige Haustechnik erfordert.

Es ist daher schwierig, pauschale Preisangaben zu machen. Die Kosten variieren stark je nach individueller Planung, den gewählten Materialien, dem Grad der technischen Ausstattung und dem Bauunternehmen. Ein Fertighaus im Bauhausstil kann im Vergleich zu einem individuell geplanten Massivhaus eventuell Kostenvorteile bieten, da hier auf standardisierte Module und Prozesse zurückgegriffen wird. Doch auch hier gibt es große Unterschiede je nach Hersteller und Ausbaustufe (schlüsselfertig, Bausatzhaus etc.).

Um die genauen Kosten für Ihr spezifisches Bauvorhaben zu ermitteln, ist es unerlässlich, detaillierte Angebote von verschiedenen Bauunternehmen einzuholen und die Leistungen genau zu vergleichen. Achten Sie dabei auf die Spezifikation der Materialien, die enthaltene Technik und den Umfang der Leistungen bis zur schlüsselfertigen Übergabe.

FAQs zum Bauhausstil

Hier beantworten wir einige häufig gestellte Fragen zum Bauhausstil:

Was bedeutet Bauhaus?

Bauhaus bezieht sich auf das Staatliche Bauhaus, eine Kunstschule, die 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet wurde. Der Stil, der sich dort entwickelte, beeinflusste Architektur, Design, Kunst und Handwerk weltweit.

Warum wurde das Bauhaus 1933 verboten?
1932 bis 1933 – Berlin 1932 wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin-Lankwitz verlegt; aber schon 1933 wurde die Institution von den Nationalsozialisten durch Repressionen wie Hausdurchsuchungen, Versiegelung der Räume und Verhaftung von Studenten endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

Was sind die Kernprinzipien des Bauhausstils?

Die Kernprinzipien sind die Einheit von Kunst und Handwerk, der Fokus auf Funktionalität, die Reduktion auf geometrische Grundformen, die Verwendung moderner Materialien und das Streben nach einem besseren, funktionaleren Wohnen für alle.

Ist ein Haus im Bauhausstil immer ein Neubau?

Ja, der Bauhausstil ist eine moderne Architekturrichtung. Bestehende Gebäude können im Stil umgebaut werden, aber ein echtes Bauhaus-Haus wird nach den Prinzipien dieses Stils neu geplant und gebaut.

Warum sind große Fenster so wichtig im Bauhaus?

Große Fenster fluten die Innenräume mit natürlichem Licht, was für die Funktionalität und Wohnqualität zentral ist. Sie betonen auch die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum und tragen zur klaren, offenen Ästhetik bei.

Sind Bauhaus-Häuser energiesparend?

Moderne Häuser, die im Bauhausstil gebaut werden, nutzen oft die klaren Formen und die Möglichkeit, große Fensterflächen optimal nach Süden auszurichten, um passive Solarenergie zu nutzen. In Kombination mit moderner Dämmung und Technik können sie sehr energieeffizient sein, auch wenn die großen Glasflächen eine Herausforderung darstellen können.

Kann man ein Bauhaus-Haus selbst bauen?

Aufgrund der Präzision und der oft komplexen Konstruktionen (z.B. bei großen Spannweiten oder Flachdächern) ist der Bau eines Bauhaus-Hauses anspruchsvoll und erfordert in der Regel die Expertise von erfahrenen Architekten und Bauunternehmen. Fertighausanbieter im Bauhausstil bieten jedoch standardisierte Lösungen an.

Der Bauhausstil bleibt auch über 100 Jahre nach seiner Entstehung relevant und beliebt. Seine zeitlose Ästhetik, der Fokus auf Funktionalität und die klaren Linien sprechen viele Menschen an, die modernes, reduziertes Wohnen schätzen. Die potenziellen Kosten hängen, wie bei jedem Bauprojekt, stark von den individuellen Entscheidungen bei Materialien, Ausstattung und Bauweise ab, aber die spezifischen Anforderungen des Stils, insbesondere große Glasflächen und hochwertige Materialien, können den Preis beeinflussen.

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