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Der Space Pen: Entwicklung, Kosten und Mythos

17/10/2014

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Wenn es um die Raumfahrt geht, kursieren viele Geschichten und Legenden. Eine der bekanntesten betrifft die Entwicklung eines speziellen Stiftes, der in der Schwerelosigkeit schreiben kann – des sogenannten Space Pen. Die populäre Erzählung besagt, dass die NASA Millionen von Dollar aus Steuergeldern investierte, um dieses Problem zu lösen, während die pragmatischen Sowjets einfach Bleistifte benutzten. Diese Geschichte, die oft als Beispiel für Bürokratieversagen und amerikanische Verschwendung herangezogen wird, ist weit verbreitet, selbst in Fernsehserien. Doch wie so oft steckt hinter dem Mythos eine ganz andere, weitaus faszinierendere Wahrheit.

Die Frage, wie man im Weltraum schreibt, war tatsächlich eine Herausforderung. Normale Kugelschreiber funktionieren in der Schwerelosigkeit nicht zuverlässig, da die Tinte durch die Schwerkraft zur Spitze fließen muss. Bleistifte scheinen auf den ersten Blick eine einfache Lösung zu sein. Und tatsächlich griffen sowohl amerikanische Astronauten als auch sowjetische Kosmonauten zunächst auf Bleistifte zurück.

Wie viel hat die Entwicklung des Space Pen gekostet?
Paul C. Fisher und sein Unternehmen, die Fisher Pen Company, investierten Berichten zufolge eine Million Dollar in die Entwicklung des heute als Weltraumstift bekannten Stifts. Keiner dieser Gelder stammte aus der Kasse der NASA – die Behörde beteiligte sich erst, nachdem der Stift ins Leben gerufen worden war.
Übersicht

Bleistifte im All: Eine einfache, aber problematische Lösung

Zu Beginn des Raumfahrtprogramms nutzte die NASA, ähnlich wie ihre sowjetischen Kollegen, Bleistifte für Notizen und Aufzeichnungen. Dies war eine naheliegende Wahl, da Bleistifte keine Schwerkraft benötigen, um zu funktionieren. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass Bleistifte im Weltraum nicht die ideale Lösung waren. Es gab mehrere erhebliche Nachteile.

Erstens brachen die Spitzen von Bleistiften leicht ab. Diese kleinen Graphitpartikel und Holzsplitter schwebten dann frei in der Schwerelosigkeit umher. In einer geschlossenen Raumkapsel oder Raumstation, gefüllt mit empfindlicher Elektronik und lebenserhaltenden Systemen, stellten diese umherschwebenden Partikel ein ernsthaftes Risiko dar. Sie konnten in Geräte eindringen, Kurzschlüsse verursachen oder sogar von den Astronauten eingeatmet werden, was gesundheitliche Probleme nach sich ziehen könnte.

Zweitens sind Bleistifte, insbesondere das Holz, aus dem sie gefertigt sind, entflammbar. Nach der tragischen Apollo-1-Katastrophe im Jahr 1967, bei der drei Astronauten bei einem Brand während eines Bodentests ums Leben kamen, wurde die Sicherheit an Bord von Raumfahrzeugen drastisch erhöht. Die NASA begann, alle Materialien an Bord streng auf ihre Entflammbarkeit zu prüfen und entflammbare Gegenstände möglichst zu vermeiden. Bleistifte passten nicht gut in dieses neue, sicherheitsorientierte Konzept.

Hinzu kam ein eher unerwarteter Aspekt: die Kosten der anfänglich von der NASA beschafften Bleistifte. Im Jahr 1965 bestellte die NASA 34 mechanische Bleistifte von einem Unternehmen in Houston. Der Gesamtpreis betrug 4.382,50 US-Dollar, was unglaublichen 128,89 US-Dollar pro Bleistift entsprach. Als diese Preise öffentlich wurden, gab es einen Aufschrei in der Öffentlichkeit. Die NASA sah sich unter Druck gesetzt, eine kostengünstigere Lösung für ihre Astronauten zu finden.

Die wahre Geschichte: Paul Fisher und seine Millionen-Investition

Die Lösung für das Schreibproblem im Weltraum kam nicht von der NASA oder dem sowjetischen Raumfahrtprogramm, sondern von einem amerikanischen Privatunternehmer: Paul C. Fisher, dem Gründer der Fisher Pen Company. Fisher war fasziniert von der Herausforderung des Schreibens in der Schwerelosigkeit und machte es sich zur Aufgabe, einen Stift zu entwickeln, der unter extremen Bedingungen funktionieren würde.

Entgegen dem weit verbreiteten Mythos investierte die NASA keine Steuergelder in die Entwicklung des Space Pen. Es war Paul Fisher selbst und seine Firma, die die gesamte Entwicklungsarbeit und die damit verbundenen Kosten trugen. Berichten zufolge investierte Paul Fisher rund 1 Million US-Dollar aus eigenen Mitteln in die Forschung und Entwicklung, um den perfekten Weltraumstift zu schaffen. Diese beträchtliche Summe floss in die Entwicklung einer bahnbrechenden Technologie, die es einem Stift ermöglichen sollte, unter Bedingungen zu schreiben, die weit über die Anforderungen auf der Erde hinausgingen.

Im Jahr 1965, nach Jahren der Entwicklung und erheblicher Investitionen, patentierte Fisher seinen innovativen Stift. Dieser Stift war nicht nur in der Lage, in Schwerelosigkeit zu schreiben, sondern auch kopfüber, unter extremen Temperaturen (von -50°F / ca. -45°C bis 400°F / ca. 204°C), unter Wasser und sogar durch Fett. Die einzige Einschränkung bei extrem hoher Hitze war, dass sich die Farbe der Tinte von Blau zu Grün ändern konnte.

Der Fisher Space Pen: Technologie, die den Unterschied macht

Was machte Fishers Stift so besonders und geeignet für den Einsatz im Weltraum? Der Schlüssel lag in seiner einzigartigen Technologie, die sich grundlegend von herkömmlichen Kugelschreibern unterschied.

Im Gegensatz zu Standard-Kugelschreibern, die auf die Schwerkraft angewiesen sind, um die Tinte zur Spitze zu leiten, verwendet der Fisher Space Pen eine unter Druck stehende Patrone. Die Tinte wird durch Stickstoffgas, das mit einem Druck von etwa 35 psi (Pfund pro Quadratzoll) in der Patrone eingeschlossen ist, aktiv zur Schreibspitze gedrückt. Dieser Druck stellt sicher, dass die Tinte kontinuierlich und zuverlässig fließt, unabhängig von der Ausrichtung des Stiftes oder dem Vorhandensein von Schwerkraft.

Auch die Tinte selbst war eine Spezialentwicklung. Fisher verwendete eine thixotrope Tinte. Das bedeutet, dass die Tinte im Ruhezustand eine gelartige, fast feste Konsistenz hat. Erst durch die Scherwirkung der rotierenden Wolframkarbidkugel an der Spitze des Stiftes wird die Tinte verflüssigt und auf das Papier übertragen. Diese Eigenschaft verhindert nicht nur das Auslaufen der Tinte, sondern ermöglicht auch das Schreiben auf einer Vielzahl von Oberflächen und unter extremen Bedingungen.

Der Druck in der Patrone hatte einen weiteren Vorteil: Er verhinderte das Eindringen von Luft in die Tinte. Dadurch konnte die Tinte weder verdunsten noch oxidieren, was die Haltbarkeit des Stiftes erheblich verlängerte. Ein Fisher Space Pen kann Berichten zufolge über viele Jahre gelagert werden und ist sofort einsatzbereit.

Von der privaten Innovation zur offiziellen Ausrüstung

Nachdem Paul Fisher seinen Space Pen entwickelt und patentiert hatte, bot er den AG-7 („Anti-Gravity“) Space Pen im Jahr 1965 der NASA an. Angesichts des öffentlichen Aufschreis über die teuren mechanischen Bleistifte war die NASA zunächst zögerlich, eine weitere teure Schreiblösung zu übernehmen – auch wenn die Entwicklungskosten nicht bei ihnen lagen.

Die NASA unterzog den Fisher Space Pen jedoch intensiven Tests. Die Tests bestätigten die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Stiftes unter den simulierten Weltraumbedingungen. Er erfüllte alle Anforderungen an Zuverlässigkeit, Sicherheit (keine Partikel, geringe Entflammbarkeit) und Funktionalität. Beeindruckt von der Leistung des Stiftes entschied sich die NASA schließlich, ihn für ihre Raumflüge zu verwenden. Ab 1967 wurde der Fisher Space Pen Teil der Standardausrüstung an Bord amerikanischer Raumfahrzeuge.

Die Anschaffung der Stifte für das Apollo-Programm war dann tatsächlich ein Kostenpunkt für die NASA, aber weit entfernt von den Millionen, die der Mythos behauptet. Laut einem Bericht der Associated Press aus dem Februar 1968 bestellte die NASA 400 Fisher AG-7 Stifte für das Apollo-Programm. Ein Jahr später erkannte auch die Sowjetunion die Vorteile des Fisher Space Pen. Die United Press International berichtete, dass die Sowjetunion 100 Stifte und 1.000 Tintenpatronen für ihre Sojus-Missionen bestellte.

Das Interessante an diesen Bestellungen war der Preis. Beide Raumfahrtagenturen, die NASA und die sowjetische Raumfahrtagentur, erhielten aufgrund des Großeinkaufs einen Rabatt von 40 %. Anstatt des regulären Einzelhandelspreises von 3,98 US-Dollar pro Stift zahlten beide Agenturen nur 2,39 US-Dollar pro Stift. Dies war deutlich günstiger als die zuvor gekauften mechanischen Bleistifte.

Mehr als nur ein Schreibgerät

Der Fisher Space Pen hat sich im Laufe der Raumfahrtgeschichte als äußerst nützlich erwiesen. Seine Einsatzfähigkeit in der Schwerelosigkeit war sein primärer Zweck, aber seine Robustheit und Zuverlässigkeit machten ihn zu einem wertvollen Werkzeug. Eine bemerkenswerte Anekdote betrifft die Apollo-11-Mission. Laut der Fisher Space Pen Company wurde der Stift verwendet, um einen defekten Schalter zu reparieren, der für die Zündung des Aufstiegsmoduls auf dem Mond benötigt wurde. Diese improvisierte Reparatur trug dazu bei, dass die Astronauten sicher zur Erde zurückkehren konnten.

Seit den späten 1960er Jahren sind Fisher Pens die bevorzugten Schreibgeräte sowohl für amerikanische Astronauten als auch für russische Kosmonauten. Fisher hat im Laufe der Jahre eine ganze Produktlinie von Space Pens entwickelt, darunter den Shuttle Pen, der auf den NASA-Space Shuttles und der russischen Raumstation Mir eingesetzt wurde.

Die Geschichte des Space Pen ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eine private Innovation eine öffentliche Herausforderung lösen kann. Sie zeigt, dass nicht immer staatliche Großprojekte die effizientesten Lösungen hervorbringen. Paul Fishers Investition von 1 Million US-Dollar führte zur Entwicklung eines Produkts, das sich als so überlegen erwies, dass es von beiden Seiten des Kalten Krieges gleichermaßen geschätzt und genutzt wurde.

Heute ist der Fisher Space Pen nicht nur ein Stück Raumfahrtgeschichte, sondern auch ein beliebtes Schreibgerät für jedermann. Seine Fähigkeit, unter extremen Bedingungen zu schreiben, macht ihn ideal für Outdoor-Enthusiasten, Reisende oder einfach für Menschen, die einen zuverlässigen und langlebigen Stift suchen. Sie müssen nicht ins All fliegen, um einen zu besitzen; er ist weltweit erhältlich, oft für einen Preis um die 50 US-Dollar, je nach Modell.

Vergleich: Bleistift vs. Fisher Space Pen im All

Um die Vorteile des Fisher Space Pen besser zu verstehen, lohnt sich ein direkter Vergleich mit den anfänglich verwendeten Bleistiften:

MerkmalBleistift (mechanisch)Fisher Space Pen
Schreibfähigkeit im AllJa (benötigt keine Schwerkraft)Ja (benötigt keine Schwerkraft, durch Druck)
Erzeugung von PartikelnJa (Graphitpartikel, Holzsplitter) - GefahrNein
EntflammbarkeitJa (Holz ist entflammbar) - Risiko nach Apollo 1Gering (Materialien sind schwer entflammbar)
SchreibwinkelBeliebigBeliebig (kopfüber, etc.)
TemperaturenNormalbereichExtrembereich (-45°C bis +204°C) - Vielseitig
Unter Wasser schreibenNeinJa
Haltbarkeit der TinteUnbegrenzt (Graphit)Sehr lange (versiegelte, unter Druck stehende Patrone)
Entwicklungskosten (NASA)0 USD0 USD (privat finanziert)
Anschaffungskosten pro Stück (NASA/Sowjet)128,89 USD (anfänglich)2,39 USD (später im Großeinkauf) - Günstiger
EntwicklerDiverse HerstellerPaul C. Fisher / Fisher Pen Company
Entwicklungskosten (Gesamt)N/ACa. 1 Million USD (privat)

Häufig gestellte Fragen zum Space Pen

Hier sind Antworten auf einige häufige Fragen zum Fisher Space Pen und seiner Geschichte:

Wer hat den Space Pen entwickelt?

Der Space Pen wurde von Paul C. Fisher und seiner Firma, der Fisher Pen Company, entwickelt. Es war eine private Initiative.

Wie viel hat die Entwicklung des Space Pen gekostet?

Die Entwicklung kostete laut Berichten etwa 1 Million US-Dollar. Diese Kosten wurden vollständig von Paul Fisher getragen, nicht von der NASA oder Steuerzahlern.

Hat die NASA für die Entwicklung des Space Pen bezahlt?

Nein, die NASA hat nicht für die Entwicklung des Space Pen bezahlt. Sie wurde erst aktiv, nachdem der Stift bereits entwickelt und patentiert war, und kaufte ihn dann ein.

Wie viel hat die NASA für die Space Pens bezahlt, die sie benutzt hat?

Beim Großeinkauf für das Apollo-Programm zahlte die NASA 2,39 US-Dollar pro Stift. Dies war deutlich günstiger als die zuvor gekauften mechanischen Bleistifte.

Warum haben die Astronauten nicht einfach Bleistifte benutzt?

Obwohl Bleistifte anfänglich verwendet wurden, hatten sie erhebliche Nachteile. Dazu gehörten das Abbrechen von Partikeln (Gefahr für Ausrüstung und Gesundheit) und die Entflammbarkeit des Holzes, was nach dem Apollo-1-Feuer ein großes Sicherheitsrisiko darstellte. Der Fisher Space Pen war eine sicherere und zuverlässigere Alternative.

Wird der Space Pen heute noch in der Raumfahrt verwendet?

Ja, Fisher Space Pens werden seit den späten 1960er Jahren kontinuierlich von amerikanischen Astronauten und russischen Kosmonauten auf verschiedenen Missionen und Raumstationen verwendet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Geschichte des Space Pen nicht die Geschichte von bürokratischer Verschwendung ist, sondern die Geschichte von privatem Erfindergeist und einer Investition, die ein echtes Problem löste und sowohl die amerikanische als auch die sowjetische Raumfahrt begeisterte.

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