Was hat Alfred Wegener alles entdeckt?

Alfred Wegener: Entdecker der Kontinente

27/01/2017

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Alfred Wegener war eine herausragende Figur der Wissenschaft im frühen 20. Jahrhundert. Bekannt als deutscher Meteorologe, Polarwissenschaftler, Astronom und Geowissenschaftler, hinterließ er ein reiches Erbe an Erkenntnissen, die unser Verständnis von der Erde und ihrer Atmosphäre maßgeblich prägten. Sein Name ist untrennbar mit einer der wichtigsten geowissenschaftlichen Theorien verbunden: der Theorie der Kontinentalverschiebung. Doch Wegeners Arbeit ging weit darüber hinaus und umfasste eine beeindruckende Bandbreite an Forschungsgebieten, von der Erforschung eisiger Polarregionen bis hin zur Beobachtung ferner Himmelskörper.

Was hat Alfred Wegener geleistet?
Wegener baute die erste meteorologische Station in Grönland bei Danmarkshavn, wo er Drachen und Fesselballons für meteorologische Messungen im arktischen Klima aufsteigen ließ. Er nahm an Schlittenreisen teil, die ihn bis auf 81° Nord führten.

Geboren am 1. November 1880 in Berlin, zeigte Wegener schon früh ein breites Interesse an den Naturwissenschaften. Er studierte Physik, Meteorologie und Astronomie an den Universitäten in Berlin, Heidelberg und Innsbruck. Obwohl er 1905 in Astronomie promovierte, galt sein Hauptinteresse schon bald der aufstrebenden Meteorologie und Klimatologie. Diese Leidenschaft sollte ihn zu bahnbrechenden Erkenntnissen führen und ihn zu einem Pionier auf mehreren Gebieten machen.

Übersicht

Die Theorie der Kontinentalverschiebung

Alfred Wegeners berühmteste und revolutionärste Idee war zweifellos seine Theorie der Kontinentalverschiebung. Diese entstand aus einer einfachen, aber tiefgreifenden Beobachtung: Passt die Ostküste Südamerikas nicht auffällig gut zur Westküste Afrikas? Diese Frage beschäftigte ihn ab 1910 und führte zu der kühnen Annahme, dass die heute getrennten Kontinente einst einen zusammenhängenden Superkontinent bildeten, der im Laufe der Erdgeschichte auseinandergebrochen ist und dessen Teile seitdem langsam über die Erdoberfläche driften.

Am 6. Januar 1912 präsentierte Wegener seine Hypothese erstmals vor der Geologischen Vereinigung in Frankfurt am Main. Später veröffentlichte er seine Ideen in seinem Hauptwerk „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“. Seine Theorie besagte, dass die feste äußere Schicht der Erde, die Lithosphäre, in große Platten zerteilt ist, die auf dem zähflüssigen Erdmantel „schwimmen“ und sich so bewegen können. Diese Bewegung erklärte nicht nur die scheinbare Passform der Kontinente, sondern auch die Verteilung von Gebirgszügen, Erdbeben und Vulkanen.

Obwohl Wegeners Idee heute als Grundlage der modernen Plattentektonik gilt, stieß sie zu seinen Lebzeiten auf breite Skepsis und Ablehnung in der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Ein Hauptgrund war, dass Wegener zwar überzeugende Indizien für die Verschiebung vorlegen konnte – wie die Übereinstimmung von Gesteinsformationen und Fossilien auf weit voneinander entfernten Kontinenten (z.B. gleiche Steinarten im Osten Südamerikas und Westen Afrikas) – ihm aber ein plausibler Mechanismus für die Bewegung fehlte. Zudem hätte die Akzeptanz seiner Theorie bedeutet, dass viele etablierte geologische Vorstellungen aufgegeben und die Forschung bei null hätte beginnen müssen. Viele Experten lehnten seine Ideen schroff ab.

Erst Jahrzehnte nach Wegeners Tod, ab den 1950er Jahren, lieferten neue technologische Fortschritte und Forschungsergebnisse, insbesondere im Bereich des Paläomagnetismus und der Meeresbodenforschung, die fehlenden Beweise für die Kontinentalverschiebung. Die Entdeckung von Mittelozeanischen Rücken, Tiefseegräben und der Streifenmusterung des Erdmagnetfeldes auf dem Meeresboden bestätigten Wegeners Vision eindrucksvoll. Heute ist die Kontinentalverschiebung eine unumstößliche Tatsache und die Grundlage für das moderne Modell der Plattentektonik, das die Dynamik unseres Planeten erklärt.

Die Grönlandexpeditionen

Neben seiner Arbeit an der Kontinentalverschiebung war Alfred Wegener ein leidenschaftlicher Polarforscher. Er nahm insgesamt an vier Expeditionen nach Grönland teil, die für seine wissenschaftliche Entwicklung und sein Leben prägend waren.

Was hat Alfred Wegener alles entdeckt?
Alfred Wegener hat herausgefunden, dass die oberste Schicht der Erde - die Erdkruste - in Platten aufgeteilt ist. Diese schwimmen auf dem flüssigen Erdmantel und können sich dadurch bewegen. Er entdeckte also, dass die Kontinente sich im Laufe der Zeit bewegt haben.

Erste Grönlandexpedition (1906-1908)

Wegener begleitete den Dänen Ludvig Mylius Erichsen auf dieser Expedition zur Erforschung der noch unbekannten Nordostküste Grönlands. Hier richtete Wegener die erste meteorologische Station in Grönland ein und führte meteorologische Messungen mit Drachen und Fesselballons durch. Diese Erfahrung in der arktischen Klimazone war für ihn von großer Bedeutung und weckte sein tiefes Interesse an der Polarforschung. Er erlebte auch erstmals die Gefahren der Eiswildnis, als der Expeditionsleiter und zwei Kollegen ums Leben kamen.

Zweite Grönlandexpedition (1912-1913)

Diese Expedition unter der Leitung von Johan Peter Koch hatte das ehrgeizige Ziel, Grönland komplett von Ost nach West zu durchqueren. Wegener und drei weitere Forscher überwinterten als Erste auf dem grönländischen Inlandeis. Sie führten Bohrungen im Eis durch und sammelten wertvolle Daten über das Klima und die Beschaffenheit des Eises (z.B. durch Bodenproben). Diese Daten flossen später in seine Bücher ein. Die Durchquerung des Inlandeises war extrem anstrengend und gefährlich. Nur wenige Kilometer vor der Westküste ging der Expedition die Nahrung aus, aber sie wurden glücklicherweise im letzten Moment gerettet.

Dritte Grönlandexpedition (1929)

Diese kürzere Expedition diente der Vorbereitung der großen Grönlandexpedition von 1930-1931. Es wurden Vorarbeiten geleistet und die logistischen Grundlagen für die geplante wissenschaftliche Arbeit geschaffen.

Vierte Grönlandexpedition (1930-1931)

Diese letzte und tragische Expedition sollte Alfred Wegeners Lebenswerk krönen. Das Hauptziel war die Einrichtung von drei dauerhaften Messstationen auf Grönland, um ganzjährige meteorologische Beobachtungen durchzuführen und die Dicke des Eisschildes zu messen. Die Expedition nutzte innovative Motorschlitten, aber auch Ponys und Hundeschlitten für den Transport.

Die Expedition sah sich großen Herausforderungen gegenüber, darunter ein verspätetes Tauwetter und extrem dicke Schneedecken. Ein Versorgungstransport zur zentralen Station „Eismitte“ wurde kritisch, da die dort überwinternden Forscher nicht genügend Brennstoff hatten. Trotz der schwierigen Bedingungen und Temperaturen von bis zu -60 °C machte sich Wegener am 24. September 1930 mit 13 Grönländern und seinem Meteorologen Fritz Loewe auf den Weg, um die Station zu versorgen. Loewe erlitt schwere Erfrierungen, und die meisten Grönländer kehrten um.

Am 19. Oktober erreichten Wegener, Loewe und Rasmus Villumsen die Station Eismitte. Da die Vorräte knapp bemessen waren, beschlossen Wegener und der 27-jährige Grönländer Rasmus Villumsen, zum Basislager an der Westküste zurückzukehren, um die Anzahl der zu versorgenden Personen in Eismitte zu reduzieren. Sie nahmen keine Nahrung für die Hunde mit, sondern töteten sie nacheinander, um die übrigen zu füttern. Während Villumsen auf dem Schlitten fuhr, musste Wegener auf Skiern gehen. Sie erreichten das Lager nie.

Was war das Werk von Alfred Wegener?
Zu Lebzeiten war er vor allem für seine Leistungen in der Meteorologie und als Pionier der Polarforschung bekannt, heute ist er jedoch vor allem als Begründer der Hypothese der Kontinentalverschiebung in Erinnerung geblieben, da er 1912 die These aufstellte, dass die Kontinente langsam um die Erde driften (deutsch: Kontinentalverschiebung).

Alfred Wegener starb auf dieser Rückreise, vermutlich am 1. November 1930, seinem 50. Geburtstag. Seine Leiche wurde sechs Monate später gefunden, sorgfältig von Villumsen im Eis begraben, mit seinen Skiern als Grabmarkierung. Es wird angenommen, dass er an Herzversagen starb, bedingt durch die extreme Anstrengung. Rasmus Villumsen kehrte ebenfalls nicht zurück und blieb verschollen, mit ihm Wegeners Tagebuch und viele wertvolle Aufzeichnungen. Kurt Wegener, sein Bruder, übernahm nach Alfreds Tod die Leitung der Expedition.

Weitere Forschungsgebiete und Leistungen

Alfred Wegener war ein vielseitiger Wissenschaftler, dessen Arbeit weit über die Kontinentalverschiebung und Polarforschung hinausging.

Meteorologie und Physik der Atmosphäre

Als ausgebildeter Meteorologe leistete Wegener bedeutende Beiträge zur Wetterkunde. Er interessierte sich besonders für die Physik der Atmosphäre und untersuchte Prozesse, die in der Luftschicht der Erde stattfinden. Er war der Erste, der das Konzept der Turbulenz in die Meteorologie einführte und das Modell einer geschichteten Atmosphäre entwickelte. Seine Forschungen umfassten auch das Studium verschiedener Wolkenarten und außergewöhnlicher Lichtphänomene wie Polarlichter und Fata Morganas. Letzteres Phänomen beschrieb er als Erster korrekt als Lichtspiegelung an der Grenze zwischen Luftschichten unterschiedlicher Dichte. Auch die Entstehung von Haareis auf Totholz, die er einem Pilz zuschrieb (was später bestätigt wurde), und die Untersuchung von Tornados fielen in sein Forschungsgebiet. Er veröffentlichte die erste gründliche europäische Tornadoklimatologie.

Astronomie und Impaktforschung

Wegener war auch auf dem Gebiet der Astronomie und später der Impaktforschung tätig. 1916 wurde ein Meteoriteneinschlag in Kurhessen (Meteorit von Treysa) erwartet. Wegener berechnete die voraussichtliche Einschlagstelle und die Bahndaten des Meteoriten, basierend auf Augenzeugenberichten. Seine Berechnungen erwiesen sich bei der späteren Auffindung des Meteoriten als bemerkenswert genau, auch wenn die genaue Einschlagstelle leicht abwich. Dieses Ereignis weckte sein Interesse an Einschlagkratern.

Er untersuchte die Entstehung von Mondkratern und vertrat, gegen die vorherrschende Meinung seiner Zeit, die Ansicht, dass diese hauptsächlich durch Meteoriteneinschläge entstanden sind. Er führte Experimente durch, bei denen er Mörtelklumpen in Zementpulver fallen ließ, um die Kraterbildung zu simulieren. Wegener war seiner Zeit voraus, als er 1921 prognostizierte, dass noch viele Meteoritenkrater auf der Erde entdeckt würden. Zu dieser Zeit war nur der Barringer-Krater in Arizona bekannt, der auch erst später allgemein als Einschlagskrater anerkannt wurde. Wegener selbst identifizierte und beschrieb 1927 den Kaali-Krater auf der Insel Saaremaa (Estland), der damals weltweit erst der vierte bekannte Meteoritenkrater war.

Wegeners Vermächtnis

Obwohl Alfred Wegeners Theorie der Kontinentalverschiebung zu seinen Lebzeiten auf große Ablehnung stieß, wird er heute als einer der bedeutendsten Geowissenschaftler gefeiert. Seine Vision revolutionierte unser Verständnis der Erdgeschichte und bildete die Grundlage für die moderne Plattentektonik. Seine Arbeit in der Meteorologie und Polarforschung war ebenfalls wegweisend. Sein unermüdlicher Forschergeist und sein Mut, kühne Hypothesen aufzustellen und durch Expeditionen zu untermauern, machen ihn zu einem bleibenden Vorbild. Viele Schulen und Straßen sind heute nach ihm benannt, um sein Andenken zu ehren.

Welche neue Erkenntnisse hatte Alfred Wegener?
Wegener (1880 - 1930) seine Theorie der Kontinentalverschiebung. Demnach verbleiben die Kontinente nicht an der gleichen Stelle, sondern bewegen sich über die Erdoberfläche. Vor rund 250 Mio. Jahren, im Zeitalter Perm, gab es nach Wegener nur einen großen Kontinent auf der Erde, Pangaea.

Häufig gestellte Fragen zu Alfred Wegener

Was hat Alfred Wegener alles entdeckt?

Alfred Wegener ist vor allem für seine Theorie der Kontinentalverschiebung bekannt. Er leistete aber auch bedeutende Beiträge in der Meteorologie (z.B. Turbulenz, geschichtete Atmosphäre, Fata Morgana, Haareis) und der Impaktforschung (Entstehung von Mondkratern durch Meteoriten, Berechnung von Meteoritenbahnen, Identifizierung von Meteoritenkratern auf der Erde).

Wer war Alfred Wegener?

Alfred Wegener (1880-1930) war ein deutscher Meteorologe, Polarwissenschaftler, Astronom und Geowissenschaftler. Er ist der Begründer der Theorie der Kontinentalverschiebung und nahm an mehreren bedeutenden Grönlandexpeditionen teil.

Was war das Werk von Alfred Wegener?

Alfred Wegeners wichtigstes Werk ist „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“, in dem er seine Theorie der Kontinentalverschiebung darlegte und begründete. Er veröffentlichte auch wichtige Werke zur Thermodynamik der Atmosphäre, zu seinen Grönlandexpeditionen, zur Meteorologie und zur Impaktforschung.

Welche neue Erkenntnisse hatte Alfred Wegener?

Seine revolutionärste neue Erkenntnis war die Idee, dass die Kontinente nicht fest verankert sind, sondern sich über geologische Zeiträume hinweg bewegen. Weitere neue Erkenntnisse betrafen die Physik der Atmosphäre (z.B. Turbulenzkonzept), die Entstehung von Mondkratern und die Möglichkeit, Meteoritenkrater auf der Erde zu finden.

Was hat Alfred Wegener geleistet?

Alfred Wegener leistete Pionierarbeit in mehreren wissenschaftlichen Disziplinen. Er formulierte die Theorie der Kontinentalverschiebung, die die Grundlage der modernen Plattentektonik bildet. Er führte bahnbrechende meteorologische und glaziologische Forschungen in Grönland durch. Zudem war er ein früher Verfechter der Impakttheorie für Mondkrater und trug zur Meteoritenforschung bei.

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