Ist Nissan ein japanisches Auto?

Die Geschichte von Nissan: Namen & Anfänge

23/09/2015

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Die Geschichte großer Automobilhersteller ist oft komplex und von vielen Veränderungen geprägt. So auch bei der japanischen Marke Nissan. Wenn Sie sich fragen, wie das Unternehmen hieß, bevor es den Namen Nissan Motor Co., Ltd. trug, begeben wir uns auf eine Reise durch mehr als ein Jahrhundert Unternehmensgeschichte, die von Innovation, strategischen Partnerschaften und verschiedenen Namensänderungen gekennzeichnet war.

Wie hiess Nissan früher?
Datsun: Bis 1983 wurden Nissan-Fahrzeuge in den meisten Exportmärkten unter der Marke „Datsun“ verkauft. 1984 trugen alle Fahrzeuge sowohl das Datsun- als auch das Nissan-Signet, 1985 war der Name Datsun komplett verschwunden und durch die Marke Nissan ersetzt.
Übersicht

Die frühen Wurzeln: Von Kaishinsha zu DAT

Die Ursprünge des heutigen Nissan Konzerns reichen weit zurück, genauer gesagt bis ins Jahr 1911. In Tokio gründete Masujirō Hashimoto die Firma Kaishinsha Motorcar Works. Dieses Unternehmen legte den Grundstein für die zukünftige Automobilproduktion in Japan. Im Jahr 1914 baute Kaishinsha seinen ersten Personenkraftwagen. Dieses erste Fahrzeug erhielt den Namen „DAT“. Der Name war eine Hommage an die drei Investoren Kenjiro Den, Rokuro Aoyama und Aketaro Takeuchi, deren Anfangsbuchstaben (D, A, T) den Namen bildeten und die den Bau des Wagens ermöglichten.

Zu dieser Zeit war der Markt für private Pkw in Japan praktisch nicht existent. Es gab weder eine nennenswerte Nachfrage nach solchen Luxusgütern noch die notwendige Infrastruktur für deren Betrieb. Infolgedessen änderte das Unternehmen, das 1918 in Kwaishinsha Motorcar Co. umbenannt wurde, seinen Fokus. Eine neue Subventionsregelung der japanischen Regierung für den Lastwagenbau führte dazu, dass sich die Firma fortan hauptsächlich auf die Produktion von Lkw konzentrierte, insbesondere für die Kaiserlich Japanische Armee. Diese frühe Phase war entscheidend für die Entwicklung des Unternehmens und seine Ausrichtung auf Nutzfahrzeuge.

Fusionen und die Entstehung der Marke Datsun

In den 1920er-Jahren sah sich das Unternehmen mit sinkenden Absatzzahlen konfrontiert. Dies führte im Jahr 1926 zu einer wichtigen Fusion mit dem Lastwagenhersteller Jitsuyō Motors. Aus diesem Zusammenschluss ging die DAT Automobile Manufacturing Co., Ltd. hervor. Dieser Schritt festigte die Position des Unternehmens im Nutzfahrzeugsegment.

Ein bedeutender Wendepunkt für den Pkw-Markt kam 1930 mit der Einführung des Datson 10. Dieser kleine Personenkraftwagen mit einem Hubraum von 495 cm³ war stark vom britischen Austin 7 inspiriert und zielte auf ein breiteres Publikum ab. Der Name „Datson“ war eine bewusste Anlehnung an das Englische und sollte „Sohn von DAT“ bedeuten, da DAT bislang eher größere und luxuriere Fahrzeuge herstellte. Interessanterweise bedeutet „son“ im Japanischen aber auch „Nachteil“ oder „Verlust“. Ein Hurrikan zerstörte 1931 das Werk, in dem der Datson 10 montiert wurde. Nach dem Wiederaufbau des Werks traf man eine weitreichende Entscheidung: den Namen zu ändern. So wurde aus Datson die Marke Datsun. Das englische Wort „sun“ (Sonne) war eine positive Konnotation und gleichzeitig eine Anspielung auf Japan als das Land der aufgehenden Sonne. Der nachfolgende Datsun 11 war das erste Pkw-Modell des Unternehmens, das offiziell diesen neuen Namen trug. Im Jahr 1931 übernahm das Automobilzuliefererunternehmen Tobata Casting, das bereits Lieferant für DAT war, die DAT Automobile Manufacturing Co., Ltd.

Was kostet der kleine Nissan?
Die Preisspanne bei Nissan-Neuwagen reicht 2022 von knapp 20.000 Euro für einen kleinen Micra in Basisausstattung bis hin zu knapp 50.000 Euro Neupreis für das Elektro-SUV Nissan Ariya.

Die Gründung von Jidōsha Seizō und die Geburt von Nissan Motor Co., Ltd.

Parallel zu den Entwicklungen bei DAT entstand im Jahr 1928 eine bedeutende Unternehmens-Holding namens Nihon Sangyō (日本産業). Diese Holding, deren Aktien an der japanischen Börse unter dem Kürzel Nissan gehandelt wurden, gehörte Yoshisuke Aikawa. Aikawa war auch Besitzer von Tobata Casting. Im März 1933 erwarb Tobata Casting ein großes Gelände in Yokohama mit dem Ziel, dort eine moderne Automobilfabrik zu errichten. Im selben Jahr, 1933, kam es zur Fusion zwischen Tobata Casting und Nihon Sangyō. Am 26. Dezember 1933 wurde das Unternehmen unter dem Namen Jidōsha Seizō Co., Ltd. neu gegründet. Dieser Name lässt sich wörtlich mit „Automobil-Hersteller“ übersetzen und markierte einen neuen Abschnitt. Die Strategie sah vor, dass die Marke Datsun Fahrzeuge für den Massenmarkt produzieren sollte, während ein neues, noch zu definierendes Markensegment das oberpreisige Segment bedienen sollte.

Für den Bau und Betrieb des geplanten Werks in Yokohama war es notwendig, Know-how und Ausrüstung aus dem Ausland zu beschaffen. Der in Japan lebende amerikanische Ingenieur William R. Gorham, der bereits seit 1921 für Aikawas Konzern tätig war, wurde mit dieser Aufgabe betraut. Gorham gelang es während seiner Reise in die USA, fast neue, stillgelegte Produktionsanlagen des US-Automobilherstellers Graham-Paige zu erwerben – ein Glücksfall für das junge Unternehmen. Im Mai 1934 wurde die Fabrik in Yokohama fertiggestellt. Bemerkenswerterweise befindet sich auch heute noch ein Nissan-Werk an diesem historischen Standort. Im April 1935 war die Montagelinie komplett einsatzbereit, was die Produktion von Fahrzeugen im Fließbandverfahren ermöglichte. Das Werk galt zu dieser Zeit als das größte und modernste seiner Art in ganz Japan. Der erste vollständig in einem Werk in Japan produzierte Wagen, der Datsun 14, lief hier vom Band.

Nachdem die Dachgesellschaft Nihon Sangyō bei der Aktionärsversammlung im Juni 1934 zum Hauptanteilseigner wurde, erhielt das Unternehmen seinen heutigen und weltweit bekannten Namen: Nissan Motor Co., Ltd. Yoshisuke Aikawa übernahm die Position des Unternehmenspräsidenten. Dies war der offizielle Übergang zu dem Namen, unter dem das Unternehmen bis heute bekannt ist, auch wenn die Marke Datsun für lange Zeit, insbesondere im Export, noch dominierend war.

UnternehmensnameZeitraumAnmerkung
Kaishinsha Motorcar Works1911–1918Gründung durch Masujirō Hashimoto
Kwaishinsha Motorcar Co.1918–1926Fokus auf Lkw-Produktion
DAT Automobile Manufacturing Co., Ltd.1926–1933Fusion mit Jitsuyō Motors
Jidōsha Seizō Co., Ltd.1933–1934Neugründung nach Fusion von Tobata Casting und Nihon Sangyō
Nissan Motor Co., Ltd.1934–1944 und 1949–HeuteHeutiger Name
Nissan Heavy Industries, Ltd.1944–1949Name während und kurz nach dem Krieg

Kriegsproduktion und die Nachkriegszeit

Die späten 1930er Jahre waren in Japan von der Vorbereitung auf den Krieg geprägt. Ein Gesetz von 1936 schützte die einheimische Automobilindustrie, indem es ausländische Hersteller wie Ford und General Motors benachteiligte. Mit dem Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs 1937 stieg der Bedarf an Nutzfahrzeugen enorm. Nissan produzierte neben wenigen zivilen Fahrzeugen hauptsächlich Lastwagen und Busse. Man erwarb Lizenzen von Graham-Paige und Krupp, um Modelle wie den Lkw Nissan 80 und das Oberklassemodell Nissan 70 zu bauen – die ersten Fahrzeuge unter dem Markennamen Nissan. Ab 1943 stellte Nissan die Fahrzeugproduktion komplett ein und konzentrierte sich auf Flugzeug- und Bootsmotoren für das Militär. 1944 wurde der Unternehmenshauptsitz nach Tokio verlegt und die Festlandinvestitionen abgetrennt. Infolgedessen änderte sich der Name des Unternehmens zu Nissan Heavy Industries, Ltd., ein Name, der bis 1949 Bestand hatte.

Wie hiess Nissan früher?
Datsun: Bis 1983 wurden Nissan-Fahrzeuge in den meisten Exportmärkten unter der Marke „Datsun“ verkauft. 1984 trugen alle Fahrzeuge sowohl das Datsun- als auch das Nissan-Signet, 1985 war der Name Datsun komplett verschwunden und durch die Marke Nissan ersetzt.

Nach dem Krieg war das Stammwerk in Yokohama beschädigt und stand unter der Kontrolle der Besatzungsmacht. Ende 1945 konnte die Produktion von Nutzfahrzeugen wieder aufgenommen werden, die zunächst den größten Anteil ausmachten und für den Wiederaufbau benötigt wurden. 1946 wurde der Hauptsitz nach Yokohama zurückverlegt. 1947 erlaubte die Besatzungsmacht wieder die Pkw-Fertigung, wenn auch zunächst in sehr geringen Stückzahlen. 1949 erfolgte die Rückbenennung in Nissan Motor Co., Ltd.

Expansion, die Datsun-Marke im Ausland und die Allianz

Nach dem Koreakrieg in den 1950er Jahren profitierte Nissan von Großaufträgen der US-Armee für Lastwagen. Die Einnahmen ermöglichten die Modernisierung der Produktionsanlagen. 1952 schloss Nissan einen Lizenzvertrag mit der britischen Austin Motor Company, um den technologischen Rückstand aufzuholen. Zunächst wurden Austin A40 und später A50 Modelle in Japan montiert, später komplett lokal gefertigt. Diese Lizenzfertigung lief bis 1960. Gleichzeitig entwickelte Nissan eigene Modelle und nutzte Patente von Austin für die Datsun-Produktlinie.

Ab den 1960er Jahren begann die weltweite Expansion. Nissan gründete Niederlassungen und Produktionsstätten in den USA (1960/1980), Australien (1966/1976), Mexiko (1966), Spanien (1980) und England (1984). Für lange Zeit wurde im Export fast ausschließlich der Name Datsun verwendet. Dies lag unter anderem daran, dass man befürchtete, der Name Nissan könnte im Ausland noch mit dem Rüstungskonzern während des Krieges in Verbindung gebracht werden. Erst in den 1980er Jahren entschied sich das Unternehmen, den Markennamen Datsun zugunsten von Nissan weltweit aufzugeben, um Marketingaufwand zu reduzieren und das Image zu vereinheitlichen. Diese Umstellung erfolgte schrittweise zwischen 1982 und 1984.

In den 1990er Jahren geriet Nissan in eine schwere Finanzkrise, ausgelöst durch die japanische Finanzkrise und interne strukturelle Probleme. Dies führte zur Suche nach einem Partner. Im Jahr 1999 bildete Nissan schließlich eine strategische Allianz mit dem französischen Automobilhersteller Renault. Unter der Führung von Carlos Ghosn wurde der Nissan Revival Plan (NRP) umgesetzt, der das Unternehmen sanierte und wieder profitabel machte. Die Allianz ermöglichte die gemeinsame Nutzung von Plattformen, Motoren und Technologien. Beispiele hierfür sind Modelle wie der Micra K12 und der Renault Clio III, die auf derselben Plattform basieren.

Wie heißt der kleine Nissan?
Das kleinste Auto, welches Nissan den Käufern aktuell anbietet, ist ein Nissan Juke. Der Juke ist rund 20 Zentimeter größer als der Micra, aber auch teurer. In der Basis zahlen Kunden rund 28.000 Euro.

Weitere wichtige Entwicklungen waren die Einführung der Luxusmarke Infiniti 1989, die Vorstellung des Elektroautos Leaf 2009 (ein Pionier in der Serienproduktion von E-Autos), die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Mitsubishi Motors im Jahr 2016 (wodurch Mitsubishi Teil der Allianz wurde) und die kurzzeitige Wiedereinführung der Marke Datsun für Schwellenländer von 2014 bis 2022. Aktuelle strategische Anpassungen beinhalten eine Neuausrichtung auf Kernmärkte und die Entflechtung mit Renault ab 2023. Die Geschichte von Nissan ist somit eine dynamische Abfolge von Namensänderungen, strategischen Entscheidungen und der kontinuierlichen Anpassung an globale Märkte und Herausforderungen.

Beliebte Nissan Modelle und ihre Entwicklung

Über die Jahrzehnte hat Nissan zahlreiche Modelle hervorgebracht, die Automobilgeschichte geschrieben haben. Neben den frühen DAT- und Datsun-Modellen sind vor allem die Sportwagen der Z-Serie hervorzuheben. Der Datsun 240Z, eingeführt 1969, war ein weltweiter Erfolg und begründete eine legendäre Modellreihe, die bis heute mit Modellen wie dem Nissan Z (Nachfolger des 370Z) fortgeführt wird. Mit über 1,65 Millionen verkauften Einheiten ist die Z-Reihe eine der erfolgreichsten Sportwagenserien überhaupt.

Im Massenmarkt waren Modelle wie der Datsun Sunny (später Nissan Sunny) und der Nissan Micra (produziert von 1983 bis 2022) sehr erfolgreich, insbesondere im Kleinwagen-Segment. Der Nissan Leaf setzte Maßstäbe als eines der ersten in Serie produzierten Elektroautos. Im SUV- und Crossover-Segment hat sich Nissan mit Modellen wie dem Qashqai und dem Juke stark positioniert, die in Europa zu Bestsellern wurden. Aktuelle Modelle wie der vollelektrische SUV Nissan Ariya zeigen die Ausrichtung des Unternehmens auf Elektromobilität und neue Marktsegmente.

Obwohl Nissan aktuell keinen klassischen Kleinwagen mehr im Programm hat, nachdem die Produktion des Micra eingestellt wurde, bedient der Nissan Juke, der offiziell ein Kompakt-SUV ist, aber von den Abmessungen her noch recht kompakt ist, einen ähnlichen Kundenkreis. Die Modellpalette von Nissan ist vielfältig und reicht von kompakten Stadtautos (wie dem ehemaligen Micra oder dem Juke) über eine breite Palette von SUVs und Crossovern bis hin zu Nutzfahrzeugen und Elektroautos. Die Geschichte der Modelle spiegelt die Entwicklung des Unternehmens und seine Anpassung an die Bedürfnisse des globalen Marktes wider.

Häufig gestellte Fragen

Hier finden Sie Antworten auf einige häufig gestellte Fragen zur Geschichte und den Modellen von Nissan:

  • Ist Nissan ein japanisches Auto?
    Ja, Nissan ist ein japanischer Automobilhersteller. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Japan, wo es 1911 als Kaishinsha Motorcar Works gegründet wurde. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich heute in Yokohama, Japan.
  • Wie heißt der kleine Nissan?
    Früher war das bekannteste kleine Modell von Nissan der Nissan Micra. Die Produktion des Micra wurde jedoch im Jahr 2022 eingestellt. Aktuell bietet Nissan keinen reinen Kleinwagen mehr an. Das kompakteste Modell im aktuellen Angebot, das den Abmessungen eines Kleinwagens am nächsten kommt, ist der Nissan Juke. Dieser wird jedoch offiziell als Kompakt-SUV eingeordnet. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist der Nissan Micra aber weiterhin verfügbar.
  • Wann wurde Nissan gegründet?
    Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis zur Gründung von Kaishinsha Motorcar Works im Jahr 1911 zurück. Der Name Nissan Motor Co., Ltd. wurde im Juni 1934 angenommen, nachdem die Holding Nihon Sangyō die Hauptanteile übernommen hatte.
  • Warum wurde der Name Datsun abgeschafft?
    Der Name Datsun wurde hauptsächlich für den Exportmarkt nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet, da man befürchtete, der Name Nissan könnte im Ausland negativ mit der Kriegsproduktion in Verbindung gebracht werden. In den frühen 1980er Jahren entschied sich das Unternehmen jedoch, den Markennamen weltweit zu vereinheitlichen und unter dem Namen Nissan aufzutreten, um Marketingkosten zu sparen und ein einheitliches globales Image zu schaffen.

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