19/02/2018
Pfauenfedern gehören zweifellos zu den auffälligsten und schönsten Kreationen der Natur. Ihre schillernde Pracht hat Menschen seit Jahrhunderten fasziniert und sie zu Objekten der Bewunderung, des Handels und der symbolischen Bedeutung gemacht. Doch neben ihrer unbestreitbaren Schönheit ranken sich auch Mythen und Überzeugungen um diese besonderen Federn, die von Glück bis hin zu Unglück reichen können. Um die Pfauenfeder wirklich zu verstehen, müssen wir ihre einzigartige Struktur, ihre Geschichte als Handelsgut und ihre Rolle in Kunst und Symbolik betrachten.

Die schillernde Struktur einer Pfauenfeder
Das wohl bekannteste Merkmal der Pfauenfeder ist das sogenannte „Auge“. Dieses Muster findet sich auf den Oberschwanzdeckfedern und besteht aus einem tiefblauen Fleck, der von mehreren Ringen umgeben ist. Diese Ringe sind oft leuchtend kobaltblau und bronze-braun, ergänzt durch schmalere goldgrüne und bronze-violette Ringe. Nicht alle Federn weisen dieses Auge auf; die Außenfedern und die längsten Mittelfedern am Ende des Schwanzes haben beispielsweise keines. Die äußeren Federn zeichnen sich stattdessen durch einen dicken, samtigen und blaugrünen Saum aus, während die längsten Mittelfedern mit einem breiten, schwarzen Halbmond abschließen.
Was die Farbe der Pfauenfeder so besonders macht, ist die Art und Weise, wie sie entsteht. Anders als bei den meisten Vögeln, deren Farben durch Pigmente erzeugt werden, enthalten die schillernden Federn des Pfauenmännchens kaum Farbpigmente. Der überwältigende Farbeindruck entsteht durch Interferenzfarbe. Dies bedeutet, dass die Farbe durch die Interferenz von Lichtwellen in mikroskopisch kleinen Strukturen der Feder erzeugt wird. Wissenschaftliche Untersuchungen mithilfe optischer und Rasterelektronenmikroskope haben gezeigt, dass diese Strukturen hochkomplex sind.
Vom Kiel der Feder gehen beidseitig zahlreiche Widerhaken ab. Auf jeder Seite dieser Widerhaken befinden sich flache Erhebungen. Die Oberfläche dieser Erhebungen besteht aus einer zweidimensionalen Kristallstruktur. Diese Struktur wird aus Melanin-Stäbchen gebildet, die durch Keratin zu einem Gitter verbunden sind. Die Anzahl und der Abstand dieser Melanin-Stäbchen variieren entlang der Feder und erzeugen durch ihre spezifische Gitterstruktur die unterschiedlichen Farben, die wir sehen. Das Licht wird an diesen Strukturen gebeugt und überlagert sich, wodurch bestimmte Wellenlängen verstärkt und andere ausgelöscht werden – das Ergebnis ist die schillernde, wechselnde Farbe, je nach Blickwinkel und Beleuchtung. Zerstört man diese mikroskopisch kleinen Luftkammern oder Strukturen, beispielsweise durch Zerdrücken, verliert die Feder ihren Glanz und erscheint dunkelgrau. Der Grundstoff der Feder selbst ist, wie bei allen Federn, Keratin.
Pfauenfedern in Handel und Geschichte
Pfauenfedern waren und sind zusammen mit den Federn anderer Vögel mit attraktivem Gefieder ein bedeutender Handelsartikel. Während Daunenfedern hauptsächlich für Kissen oder zur Wärmeisolation verwendet werden, dienten Pfauenfedern fast ausschließlich zu schmückenden Zwecken. Die Nachfrage nach ihnen schwankte je nach Mode und Zeitgeist.
Bereits im 12. Jahrhundert gelangte die Mode, spitze Krempenhüte mit Pfauenfedern zu verzieren, von London nach Deutschland. Ein Höhepunkt des Handels und der Verwendung von Pfauenfedern war das 19. Jahrhundert und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere zwischen den 1870er und 1920er Jahren. In dieser Zeit schmückten Federn, darunter auch Pfauenfedern, zahllose Damenhüte. Obwohl Straußenfedern in dieser Zeit besonders populär waren, fanden auch Federn von Paradiesvögeln und eben Pfauenfedern breite Anwendung. Manchmal wurden sogar ungerupfte Vogelfelle für Hüte verwendet.
Schedels Warenlexikon aus dem Jahr 1814 belegt den internationalen Handel mit Pfauenfedern. Es wird berichtet, dass in China, Indien und Persien ein wichtiger Handel damit betrieben wurde. Dort dienten die Federn als Sonnenfächer für Frauen, als Kopfputz und für ähnliche Zwecke. Sie wurden paketweise gehandelt.
In Asien werden aus den Federn männlicher Tiere auch hochwertige Stoffe gefertigt. Um 1889 galten die Pfauenfedern aus Aleppo als die wertvollsten, gefolgt von denen aus Benghasi, Tripolis, Tunis, vom Kap, aus Senegal und Algerien, was auf unterschiedliche Qualitäten oder Modetrends hindeutet.
Auch heute noch sind Pfauenfedern im Handel erhältlich, sowohl einzeln als auch gebündelt, oft zu zehn Stück. Sie werden für Dekorationszwecke, Bastelarbeiten und Mode verwendet. Berichte aus dem Jahr 2013 erwähnen sogar Luxusmäntel aus Pfauenfedern mit einem Verkaufspreis von 27.000 Euro. Solche Nachrichten warfen auch ethische Fragen auf, da vermutet wurde, dass die Federn von lebend gerupften Pfauen stammen könnten, was den Tieren Schmerzen zufügt, obwohl die Federn nachwachsen. Beschädigte Pfauenfedern lassen sich übrigens aufbereiten: Sie können zugeschnitten, geradegerichtet, gereinigt und mit Wasserdampf geglättet werden. Voneinander getrennte Federäste lassen sich dank eines klettverschlussähnlichen Mechanismus sogar wieder verbinden.
Symbolik und Verwendung in Kunst und Heraldik
Über ihre rein ästhetische Funktion hinaus haben Pfauenfedern eine tiefe symbolische Bedeutung in verschiedenen Kulturen und Epochen erlangt. Sie finden sich als Motiv in der Kunst, im Kunsthandwerk und insbesondere in der Heraldik.
Nicht nur der Pfau als ganzes Tier dient seit dem 12. Jahrhundert als Wappentier, sondern auch seine Federn finden vielfältige Verwendung in Wappen und Siegeln. Ein Beispiel ist ein Siegelring von Eberhard dem Erlauchten von Württemberg aus dem Jahr 1316, auf dem der Graf einen Helm mit Pfauenfedern trägt. In der Heraldik können Pfauenfedern unterschiedliche Bedeutungen haben, oft symbolisieren sie Stolz, Pracht, Unsterblichkeit oder auch Wachsamkeit (aufgrund der vielen „Augen“).
Ein interessantes Beispiel für die symbolische Verwendung in der Heraldik ist das „neue Stadtwappen“ von Villingen-Schwenningen. Hier soll ein Busch aus Pfauenfedern die Verbundenheit zum österreichischen Kaiserreich ausdrücken. Der Stadt wurde dieses „pompöse Wappen“ am 10. August 1530 vom späteren Kaiser Ferdinand I. verliehen, als Anerkennung für ihre tapfere Haltung während der Bauernkriege von 1524/25. Das Wappen zeigte als Helmzier einen ganzen Pfauenschweif.
Pfauenfedern sind auch in der bildenden Kunst, in Textilien, Schmuck und anderen Formen des Kunsthandwerks zu finden. Ihre einzigartige Schönheit und die Fähigkeit, je nach Lichteinfall die Farbe zu ändern, machen sie zu einem faszinierenden Element für Künstler und Handwerker.
Mythen und Überzeugungen: Glück oder Unglück?
Die Pfauenfeder ist nicht nur ein Objekt der Schönheit und des Handels, sondern auch Trägerin vielfältiger Mythen und Überzeugungen. In vielen Kulturen wird der Pfau und seine Feder positiv gesehen, oft als Symbol für Schönheit, Unsterblichkeit, Wiedergeburt oder sogar den Kosmos. In anderen Traditionen sind jedoch auch negative Konnotationen zu finden.
Die Frage, warum Pfauenfedern manchmal als Unglück bringend gelten, ist komplex und hat verschiedene Ursprünge, die stark von kulturellen und regionalen Überzeugungen abhängen. Eine häufig genannte Begründung, die jedoch nicht wissenschaftlich oder universell belegt ist, bezieht sich auf das „Auge“ der Feder. In manchen Aberglauben wird das Auge als Symbol für den „bösen Blick“ oder als Zeichen des Unglücks interpretiert. Die Vorstellung, von so vielen „Augen“ beobachtet zu werden, kann in bestimmten Kontexten als unheimlich oder bedrohlich empfunden werden.
Es gibt auch historische oder religiöse Interpretationen, die Pfauenfedern mit negativen Ereignissen oder Eigenschaften in Verbindung bringen, obwohl dies nicht pauschal für alle Kulturen gilt. Beispielsweise wurden sie in einigen europäischen Überlieferungen mit Eitelkeit, Stolz oder sogar dem Teufel assoziiert, was möglicherweise auf die prunkvolle Erscheinung des Pfaus zurückzuführen ist. In Theaterkreisen gibt es ebenfalls den Aberglauben, dass Pfauenfedern auf der Bühne Unglück bringen, möglicherweise wegen der Assoziation mit dem „bösen Blick“ oder einfach als Teil einer überlieferten Tradition.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese negativen Überzeugungen nicht universell sind. In vielen Teilen Asiens, wo der Pfau heimisch ist, wird er oft positiv gesehen und als heilig oder glücksbringend betrachtet. Die Feder kann dort ein Symbol für Wohlstand, Glück und Schutz sein.
Die Gründe für die Assoziation mit Unglück sind also vielfältig und nicht einheitlich. Sie wurzeln tief in spezifischen kulturellen Traditionen, Aberglauben und historischen Interpretationen, die sich oft auf das auffällige „Auge“ der Feder oder die allgemeine Symbolik des Pfaus beziehen. Die uns vorliegende Information beschreibt die Existenz dieser Überzeugungen im Rahmen der Mythologie, liefert aber keine detaillierte wissenschaftliche oder historische Erklärung für die Entstehung des Aberglaubens vom Unglück.
Häufig gestellte Fragen zu Pfauenfedern
- Wie entstehen die Farben einer Pfauenfeder?
Die Farben entstehen nicht durch Pigmente, sondern durch die Interferenz von Licht an mikroskopisch kleinen Strukturen aus Melanin-Stäbchen und Keratin in den Federn. Dies wird als Interferenzfarbe bezeichnet. - Wofür wurden Pfauenfedern historisch verwendet?
Sie wurden hauptsächlich zu dekorativen Zwecken genutzt, insbesondere als Schmuck für Hüte, als Fächer oder Kopfputz. - Werden Pfauenfedern heute noch gehandelt?
Ja, Pfauenfedern werden immer noch gehandelt, sowohl für Dekorationszwecke als auch für Kunsthandwerk und Mode. - Können beschädigte Pfauenfedern repariert werden?
Ja, leicht beschädigte Federn können gereinigt, geradegerichtet und geglättet werden. Getrennte Federäste können wieder verbunden werden. - Warum gelten Pfauenfedern manchmal als Unglücksbringer?
Diese Überzeugung basiert auf verschiedenen kulturellen Aberglauben, die oft das „Auge“ der Feder als Symbol für den „bösen Blick“ oder Unglück interpretieren. Die genauen Gründe variieren je nach Tradition und Region.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Pfauenfeder ein faszinierendes Naturphänomen ist, dessen Schönheit auf komplexen physikalischen Strukturen beruht. Sie hat eine reiche Geschichte im Handel und eine vielfältige symbolische Bedeutung in Kunst, Heraldik und Mythologie. Während ihre Pracht unbestritten ist, spiegeln die unterschiedlichen Überzeugungen bezüglich Glück oder Unglück die reiche und manchmal widersprüchliche Art und Weise wider, wie Menschen die Natur interpretieren.
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