20/02/2019
An der Ladenkasse greifen wir immer häufiger zur EC-Karte. Schnell und unkompliziert soll es sein. Doch dann die kleine Unsicherheit: Muss ich jetzt meine Geheimzahl eintippen oder einfach auf dem Beleg unterschreiben? Diese Frage beschäftigt viele Kunden, und die Antwort ist nicht immer offensichtlich. Die Wahl zwischen PIN-Eingabe und Unterschrift hängt von verschiedenen Faktoren ab, die sowohl für den Kunden als auch für den Händler relevant sind. Das Verständnis dieser Mechanismen hilft nicht nur, die Verwirrung an der Kasse zu beseitigen, sondern auch die unterschiedlichen Sicherheitsstufen und finanziellen Abläufe zu verstehen, die dahinterstecken.

Die zwei Wege der EC-Kartenzahlung
Im Grunde gibt es in Deutschland zwei Hauptverfahren, wenn Sie mit Ihrer girocard (oft noch EC-Karte genannt) bezahlen:
- Das electronic cash-Verfahren mit PIN-Eingabe
- Das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) mit Unterschrift
Obwohl beide Methoden die Karte und ein Terminal nutzen, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Abwicklung und der damit verbundenen Sicherheit und Garantie.
Zahlung mit PIN: Das electronic cash-Verfahren
Das electronic cash-Verfahren, bei dem Sie Ihre persönliche Identifikationsnummer (PIN) eingeben, ist das Standardverfahren im deutschen Einzelhandel und gilt als die sicherste Methode der Kartenzahlung. Hierbei kommuniziert das Terminal online mit der Bank des Kunden. Es wird geprüft, ob die PIN korrekt ist und ob das Konto des Kunden über genügend Deckung verfügt. Erst wenn diese Prüfung erfolgreich ist, wird die Zahlung autorisiert.
Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: Für den Händler besteht eine nahezu 100%ige Zahlungsgarantie. Sobald die Transaktion durch die Bank des Kunden freigegeben ist, kann der Betrag nicht einfach zurückgebucht werden (es sei denn, es handelt sich um einen schwerwiegenden Betrugsfall, der aber selten vorkommt). Für den Kunden bietet die PIN-Eingabe ebenfalls hohe Sicherheit, da die Karte bei Verlust oder Diebstahl ohne die korrekte PIN nutzlos ist (abgesehen von kontaktlosen Kleinbetragszahlungen ohne PIN, die aber oft limitiert sind).
Allerdings hat dieses hohe Maß an Sicherheit seinen Preis. Für jede Transaktion im electronic cash-Verfahren fallen für den Händler geringe Gebühren an, oft ein kleiner Prozentsatz des Umsatzes (wie die erwähnten 0,2%), plus eine feste Gebühr pro Transaktion. Diese Kosten sind einer der Gründe, warum Händler manchmal auf das alternative Verfahren ausweichen.
Zahlung mit Unterschrift: Das elektronische Lastschriftverfahren (ELV)
Das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) funktioniert anders. Wenn Sie mit Ihrer Unterschrift bestätigen, erteilen Sie dem Händler eine einmalige Einzugsermächtigung. Der Händler reicht diese Lastschrift bei seiner Bank ein, und der Betrag wird vom Konto des Kunden abgebucht. Wichtig dabei ist: Diese Abbuchung erfolgt offline, das heißt, das Terminal prüft *nicht* online, ob das Konto gedeckt ist oder ob die Karte gesperrt wurde. Es wird lediglich geprüft, ob die Karte gültig ist und nicht auf einer internen Sperrliste des Händlers steht.
Der Hauptvorteil des ELV für den Händler sind die geringeren oder gar nicht vorhandenen Transaktionsgebühren im Vergleich zum electronic cash-Verfahren. Dieses Verfahren ist oft kostengünstiger in der Abwicklung.
Der entscheidende Nachteil und das höhere Risiko liegen jedoch darin, dass keine Zahlungsgarantie besteht. Das Konto könnte nicht gedeckt sein, die Karte könnte gestohlen und die Unterschrift gefälscht sein. In all diesen Fällen hat der Kunde das Recht, der Lastschrift innerhalb einer bestimmten Frist (in der Regel acht Wochen) zu widersprechen und den Betrag zurückbuchen zu lassen. Dieses Lastschriftverfahren birgt also ein Ausfallrisiko für den Händler.
Für den Kunden mag die Unterschrift bequemer erscheinen, wenn die PIN vergessen wurde. Allerdings birgt auch sie Risiken, insbesondere wenn die Karte in falsche Hände gerät. Zudem kann eine zu Unrecht zurückgebuchte Lastschrift zu Ärger mit dem Händler und potenziellen Gebühren führen.
Wer entscheidet, wie bezahlt wird? Die Händler-Wahl
Die eingangs gestellte Frage, ob PIN oder Unterschrift verlangt wird, liegt allein in der Entscheidung des Händlers. Jeder Händler kann in seinen Geschäftsbedingungen festlegen, welche Zahlungsarten er akzeptiert und unter welchen Bedingungen. Dabei wägen Händler verschiedene Faktoren ab:
- Kosten: ELV ist in der Regel günstiger als electronic cash.
- Risiko: Electronic cash bietet Zahlungsgarantie, ELV birgt Ausfallrisiken.
- Transaktionshöhe: Bei höheren Beträgen bevorzugen Händler oft die Sicherheit des PIN-Verfahrens. Bei sehr kleinen Beträgen wird manchmal sogar auf die PIN-Eingabe verzichtet (kontaktloses Bezahlen ohne PIN-Limit).
- Technische Ausstattung: Ältere oder einfachere Terminals unterstützen manchmal nur das ELV.
- Geschäftsmodell: Ein Geschäft mit vielen Kleinstbeträgen (z.B. Bäcker) wählt vielleicht eher ELV wegen der Kostenersparnis, während ein Geschäft mit teuren Artikeln (z.B. Elektronik) die Sicherheit des PIN-Verfahrens bevorzugt.
- Interne Richtlinien: Große Ketten haben oft zentrale Vorgaben, während kleine Geschäfte flexibler entscheiden können.
Manchmal kommt auch ein Zufallsgenerator im Terminal zum Einsatz, der bei kleineren Beträgen ELV wählt und bei höheren oder stichprobenartig das sicherere electronic cash-Verfahren anfordert. Die Vorstellung, dass der Verkäufer aus dem Bauch heraus über die Zahlungsfähigkeit entscheidet, ist eher eine vereinfachte Darstellung; in der Praxis steuern oft die Systeme oder vordefinierte Schwellenwerte die Wahl des Verfahrens.
Geschwindigkeit im Vergleich
Auch die Geschwindigkeit an der Kasse spielt eine Rolle, wenn auch meist eine untergeordnete im Vergleich zu Kosten und Sicherheit. Laut Studien ist die Barzahlung oft am schnellsten, gefolgt von der Kartenzahlung mit PIN. Die Zahlung mit Unterschrift dauert in der Regel am längsten, da das Ausdrucken des Belegs und der Unterschriftsprozess zusätzliche Zeit benötigen.
Vergleichstabelle: PIN vs. Unterschrift
Um die Unterschiede noch deutlicher zu machen, hier ein direkter Vergleich:
| Merkmal | Zahlung mit PIN (electronic cash) | Zahlung mit Unterschrift (ELV) |
|---|---|---|
| Verfahrensart | Online-Autorisierung durch Bank | Offline-Lastschriftverfahren |
| Sicherheit für Kunde | Hoch (PIN erforderlich) | Geringer (Unterschrift kann gefälscht werden) |
| Sicherheit/Garantie für Händler | Sehr hoch (Zahlungsgarantie) | Geringer (keine Zahlungsgarantie, Ausfallrisiko) |
| Kosten für Händler | Geringe prozentuale und/oder fixe Gebühr pro Transaktion | Meist geringere oder keine direkten Transaktionsgebühren |
| Prüfung der Kontodeckung | Ja, online und in Echtzeit | Nein, keine Online-Prüfung |
| Rückbuchung durch Kunde möglich? | Nein (außer bei Betrugsfällen) | Ja, Widerspruchsrecht (meist 8 Wochen) |
| Geschwindigkeit an der Kasse | Mittel | Eher langsam |
| Technik | Erfordert Online-Verbindung des Terminals | Funktioniert auch offline (Prüfung später) |
Was tun, wenn man die PIN vergessen hat?
Wenn Sie an der Kasse stehen und sich plötzlich nicht mehr an Ihre PIN erinnern können, wird es schwierig, wenn der Händler auf dem electronic cash-Verfahren besteht. In diesem Fall kann die Zahlung per Karte nicht durchgeführt werden. Sie müssten dann auf eine andere Zahlungsart ausweichen (z.B. Barzahlung, eine andere Karte, mobiles Bezahlen, falls angeboten). Das Terminal kann nicht einfach auf Unterschrift umschalten, wenn es vom Händler für PIN-Zahlungen konfiguriert ist.
Haben Sie häufiger Probleme, sich Ihre PIN zu merken, sollten Sie sich an Ihre Bank wenden, um eine neue PIN anzufordern. Aus Sicherheitsgründen kann die Bank Ihnen die PIN nicht telefonisch mitteilen oder per E-Mail senden; sie wird in der Regel per Post zugestellt.
Häufig gestellte Fragen zur EC-Zahlung
Kann ich als Kunde wählen, ob ich PIN oder Unterschrift nutzen möchte?
Nein, die Wahl des Verfahrens liegt beim Händler und ist durch dessen Kassensystem und Vertragsbedingungen mit den Zahlungsdienstleistern festgelegt. Sie müssen das Verfahren akzeptieren, das das Terminal anfordert.
Warum verlangen manche kleine Geschäfte immer eine Unterschrift?
Kleine Geschäfte nutzen oft das ELV-Verfahren, weil es für sie potenziell günstiger ist als das electronic cash-Verfahren mit PIN. Sie akzeptieren dafür das höhere Risiko von Zahlungsausfällen.
Ist die Zahlung mit Unterschrift wirklich unsicherer?
Ja, aus Händlersicht deutlich. Es gibt keine Garantie, dass das Konto gedeckt ist, und die Unterschrift kann leichter gefälscht werden als die PIN. Für den Kunden ist das Risiko, dass die Karte nach Diebstahl missbräuchlich verwendet wird, bei Unterschrift ebenfalls höher, da die PIN fehlt.
Ich habe mit Unterschrift bezahlt und mein Konto war nicht gedeckt. Was passiert?
Die Lastschrift kann von Ihrer Bank nicht eingelöst werden (sie platzt). Der Händler wird darüber informiert und muss sich dann direkt an Sie wenden, um den Betrag einzufordern. Zusätzlich können Bankgebühren für die geplatzte Lastschrift anfallen, die Ihnen belastet werden.
Kann ich eine Zahlung mit Unterschrift einfach zurückbuchen lassen?
Sie haben ein gesetzliches Widerspruchsrecht bei Lastschriften, meist innerhalb von acht Wochen ohne Angabe von Gründen. Wenn die Lastschrift jedoch berechtigt war (Sie den Einkauf getätigt haben), sind Sie zur Zahlung verpflichtet. Ein missbräuchlicher Widerspruch kann rechtliche Folgen haben.
Was ist schneller: PIN oder Unterschrift?
Im Durchschnitt ist die Zahlung mit PIN schneller als die mit Unterschrift, da die Online-Autorisierung oft zügiger ist als das Ausdrucken und Unterschreiben des Belegs.
Fazit
Das Rätsel um PIN oder Unterschrift bei der EC-Kartenzahlung lässt sich lösen, indem man die unterschiedlichen Verfahren versteht. Während das electronic cash-Verfahren mit PIN für maximale Sicherheit und Zahlungsgarantie steht, ist das elektronische Lastschriftverfahren mit Unterschrift oft kostengünstiger für den Händler, birgt aber höhere Risiken. Die Entscheidung, welches Verfahren zum Einsatz kommt, liegt beim Geschäftsinhaber und wird meist durch die Konfiguration des Kassensystems und die Art des Geschäfts bestimmt. Für Sie als Kunde bedeutet das, dass Sie sich auf das vom Terminal angeforderte Verfahren einstellen müssen. Ein Verständnis der Hintergründe hilft jedoch, den Prozess nachzuvollziehen und zu wissen, welche Implikationen die jeweilige Methode hat, sowohl in puncto Sicherheit als auch bei möglichen Problemen.
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