05/11/2018
Die heutige Kurstadt Bad Homburg vor der Höhe blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück, die weit vor ihrer heutigen Bekanntheit als mondäner Kurort und ehemalige kaiserliche Sommerresidenz begann. Die Frage, wie die Stadt früher hieß, führt uns zurück in das frühe Mittelalter, als die erste urkundliche Erwähnung einen ganz anderen Namen trug und den Grundstein für die spätere Entwicklung legte.

Die allererste bekannte Nennung des Ortes findet sich im berühmten Lorscher Codex. Im Jahr 782 wurde hier eine Siedlung namens Villa Tidenheim erwähnt. Dieser Name bezieht sich auf das heutige Dietigheim, ein Gebiet, das als Ursprung des späteren Homburg gilt. Es war eine bescheidene Ansiedlung, deren Existenz in den Annalen festgehalten wurde und damit den Beginn der schriftlich dokumentierten Geschichte markierte. Die Bezeichnung 'Villa' deutet auf einen Gutshof oder eine größere ländliche Siedlung hin, während 'Tidenheim' vermutlich auf den Namen eines fränkischen Siedlers zurückgeht.
- Vom Gutshof zur Burgsiedlung
- Die Ära der Landgrafen
- Kulturelles Leben und erste Publikationen
- Der Aufstieg zum Kurort
- Politische Umwälzungen und kaiserliche Sommerresidenz
- Städtisches Wachstum und Infrastruktur
- Der Name 'Bad Homburg vor der Höhe'
- Neuere Geschichte
- Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Bad Homburgs
- Zusammenfassung
Vom Gutshof zur Burgsiedlung
Über die Jahrhunderte entwickelte sich das Gebiet weiter. Eine entscheidende Wende in der Geschichte der Siedlung war der Bau der Burg Homburg. Im 12. Jahrhundert wurde auf dem Gelände des heutigen Schlosshofes die erste Burg errichtet. Burgen waren in dieser Zeit nicht nur militärische Stützpunkte, sondern auch Zentren der Verwaltung und des aufkeimenden Handels. Die Existenz einer Burg zog Menschen an und förderte das Wachstum der umliegenden Siedlung. Diese Siedlung begann nun, sich nach der Burg zu benennen: Homburg.
Die Bedeutung von Homburg wuchs stetig. Um 1330 erlangte der Ort die Marktrechte. Dies war ein Privileg von enormer Wichtigkeit, da es Homburg offiziell zu einem Handelsplatz und einer Rechtsstätte machte. Märkte zogen Händler und Käufer aus der Umgebung an, was die Wirtschaft belebte und die Bevölkerungszahl erhöhte. Homburg entwickelte sich von einer einfachen Siedlung zu einem regionalen Zentrum.
Die Ära der Landgrafen
Ein weiterer Meilenstein war die Begründung des Homburger Burggrafengeschlechts durch Johann Brendel im Jahr 1354. Die Burggrafen spielten eine wichtige Rolle in der Verwaltung und Verteidigung der Burg und des umliegenden Gebiets.
Noch bedeutender für die spätere Geschichte wurde die Begründung des Landgrafengeschlechts Hessen-Homburg im Jahr 1622 durch Friedrich I. Dies schuf eine eigenständige Linie des Hauses Hessen, die Homburg zu ihrer Residenz machte. Die Landgrafen prägten die Stadt über Jahrhunderte und förderten ihren Ausbau und ihre Entwicklung. Das Landgrafenschloss, dessen Grundsteinlegung im Jahr 1680 erfolgte, ist bis heute das markanteste Wahrzeichen der Stadt und zeugt von der einstigen Bedeutung als Residenzstadt.
Unter der Herrschaft der Landgrafen erlebte Homburg eine Phase des Wachstums und der Modernisierung. Im Jahr 1684 wurde die erste Homburger Apotheke eröffnet, ein Zeichen für die zunehmende Versorgung und Infrastruktur der Stadt. 1685 gründete Landgraf Friedrich II. die Homburger Neustadt. Dies war eine gezielte Maßnahme zur Stadterweiterung und Ansiedlung neuer Bürger, was das Wachstum weiter vorantrieb.
Kulturelles Leben und erste Publikationen
Homburg zog auch bekannte Persönlichkeiten an. Im Jahr 1771 weilte Johann Wolfgang von Goethe in Homburg, ein Aufenthalt, der ihn zu seinem Gedicht „Pilgers Morgenlied“ inspirierte. Solche Besuche trugen zur kulturellen Bekanntheit der Stadt bei.
Die Kommunikation und Information der Bürger verbesserte sich ebenfalls. 1789 erschien die erste Ausgabe der „Hochfürstlichen Hessen Homburg privilegierte wöchentliche Staatszeitung und Konversationsnachrichten“. Dies war ein wichtiger Schritt zur Etablierung einer regelmäßigen Presse und zur Verbreitung von Nachrichten und amtlichen Bekanntmachungen.
Der Aufstieg zum Kurort
Die Entdeckung von Heilquellen war der entscheidende Faktor, der Homburg von einer Residenzstadt zu einem weltberühmten Kurort verwandelte. Im Jahr 1834 entdeckte Dr. Chr. E. Trapp den Elisabethenbrunnen. Die heilende Wirkung dieser Quelle sprach sich schnell herum und zog erste Kurgäste an. Dies war der Beginn des Kurbetriebs in Homburg.
Um den wachsenden Zustrom von Kurgästen zu bewältigen und ihnen angemessene Einrichtungen zu bieten, wurden wichtige Bauprojekte in Angriff genommen. 1841 errichteten die Gebrüder Blanc das erste Kursaalgebäude. Ein Jahr später, im Jahr 1842, folgte die Gründung der ersten Spielbank durch dieselben Gebrüder Blanc. Die Spielbank wurde schnell zu einem Magneten für wohlhabende Besucher aus ganz Europa und trug maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung und zur internationalen Bekanntheit Homburgs bei. Sie war ein Symbol für den mondänen Lebensstil, der den Kurort prägte.
Die verbesserte Infrastruktur war ebenfalls entscheidend für den Erfolg als Kurort. Im Jahr 1859 wurde die Bahnlinie nach Frankfurt eröffnet. Dies erleichterte die Anreise für Kurgäste erheblich und band Homburg enger an die Metropole Frankfurt an. 1863 wurde das zweite Kurhaus fertiggestellt, ein weiteres Zeichen für das anhaltende Wachstum des Kurbetriebs.
Politische Umwälzungen und kaiserliche Sommerresidenz
Die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte auch politische Veränderungen. Im Jahr 1866 starb der letzte Landgraf, und die Landgrafschaft ging zunächst an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt über. Doch noch im gleichen Jahr wurde Homburg in das Königreich Preußen eingegliedert. Dies markierte das Ende der Eigenständigkeit als Landgrafschaft.
Trotz dieser politischen Umwälzungen setzte sich die Entwicklung Homburgs fort. 1866 wurde die neue Synagoge geweiht, und 1867 wurde das Amt Homburg in den neugeschaffenen Obertaunuskreis eingegliedert. Im selben Jahr besuchte König Wilhelm I. von Preußen erstmalig Homburg, was die Bedeutung der Stadt als potenzieller königlicher Aufenthaltsort unterstrich. 1868 wurde die Englische Kirche geweiht, was die internationale Ausrichtung des Kurortes und die Anwesenheit vieler britischer Gäste widerspiegelte.
Im Jahr 1872 wurde die Spielbank vorübergehend geschlossen, und der Kurbetrieb ging in städtische Regie über. Dies änderte jedoch nichts an der grundlegenden Ausrichtung der Stadt als Kurort. Die städtische Verwaltung übernahm die Verantwortung für die Weiterentwicklung der Kureinrichtungen.
Die Verbindung zum preußischen Königshaus vertiefte sich in den folgenden Jahren. Im Jahr 1888 erklärte Kaiser Wilhelm II. Homburg offiziell zu seiner Sommerresidenz. Dies war eine enorme Ehre und zog den Hofstaat sowie viele weitere hochrangige Persönlichkeiten in die Stadt. Die Anwesenheit des Kaisers festigte den Ruf Homburgs als 'Kaiserbad'. Die Stadt erhielt im Jahr 1890 die Selbstverwaltung, ein wichtiger Schritt hin zu größerer kommunaler Autonomie.
Städtisches Wachstum und Infrastruktur
Das Ende des 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts waren geprägt von weiterem Wachstum und der Verbesserung der Infrastruktur. 1895 wurde die katholische Marienkirche geweiht, und 1899 folgte die Weihe der Russischen Kapelle, ein Geschenk des russischen Zaren Nikolaus II., dessen Frau eine Enkelin des Landgrafen Friedrich Wilhelm war. Dies unterstrich die engen dynastischen Verbindungen und die internationale Klientel des Kurortes.
Im Jahr 1899 wurde die elektrische Straßenbahn in Betrieb genommen, die wichtige Stadtteile und umliegende Orte verband. 1901 wurde Kirdorf eingemeindet, was das Stadtgebiet vergrößerte. Es folgten die Eröffnung des Krankenhauses (1904) und die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs (1907), der den gestiegenen Verkehr bewältigen konnte. Ebenfalls 1907 wurde eine Sparkasse gegründet.
Die Anziehungskraft Homburgs als Kurort reichte weit über Europa hinaus. Im Jahr 1907 verbrachte der thailändische König Chulalongkorn (Rama V. von Siam) einen Kuraufenthalt in Homburg, ein Ereignis, das bis heute in der Stadt präsent ist, unter anderem durch die nach ihm benannte Quelle und die Sala Thai im Kurpark.
Im Jahr 1908 wurde die evangelische Erlöserkirche geweiht, ein weiteres architektonisches Meisterwerk der Zeit.
Der Name 'Bad Homburg vor der Höhe'
Der endgültige Schritt zur offiziellen Anerkennung als Kurort fand im Jahr 1912 statt. In diesem Jahr wurde die amtliche Bezeichnung Bad Homburg vor der Höhe eingeführt. Das Prädikat 'Bad' durfte nur von Städten geführt werden, die nachweislich einen bedeutenden Kurbetrieb unterhielten. Der Zusatz 'vor der Höhe' diente der Unterscheidung von anderen Orten namens Homburg und bezieht sich auf die Lage am Fuße des Taunus.

Neuere Geschichte
Die Zeit nach der offiziellen Namensgebung brachte weitere Entwicklungen. Im Jahr 1927 wurde das Seedamm-Freibad gebaut, das auch für die lokale Bevölkerung eine wichtige Freizeiteinrichtung darstellte. 1935 fand das erste Laternenfest statt, das sich zu einem der bekanntesten Feste der Stadt entwickelte.
Die Eingemeindung von Gonzenheim erfolgte 1937. Die dunklen Jahre des Nationalsozialismus hinterließen auch in Bad Homburg Spuren, wie die Zerstörung der Synagoge im Jahr 1938 zeigt.
Der Zweite Weltkrieg brachte Zerstörung. Im Jahr 1945 erlebte Bad Homburg einen schweren Bombenangriff, bei dem unter anderem das Kurhaus zerstört wurde.
Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. Im Jahr 1952 wurde das neue Kurhaus eingeweiht, ein Symbol für den Neuanfang des Kurbetriebs. Die Stadt übernahm 1953 die Patenschaft für Marienbad, eine Partnerstadt in der Tschechischen Republik, die ebenfalls eine bedeutende Kurtradition hat. 1956 wurde der Partnerschaftsring mit fünf Partnerstädten gegründet, was die internationale Ausrichtung der Stadt unterstrich.
Die Mobilität innerhalb der Stadt verbesserte sich mit der Einführung des Stadtbusverkehrs im Jahr 1958. Bad Homburg wurde für seine Bemühungen um europäische Zusammenarbeit im Jahr 1965 mit der Verleihung der Europafahne geehrt.
Im Zuge der Gebietsreformen in Hessen wurden im Jahr 1972 Ober-Eschbach, Ober-Erlenbach und Dornholzhausen durch freiwillige Grenzänderungsverträge eingegliedert, wodurch das heutige Stadtgebiet entstand.
Die Kureinrichtungen wurden weiter modernisiert und erweitert. Im Jahr 1980 wurde das Thermalbad „Taunus-Therme“ eröffnet. 1982 feierte die Stadt ihr 1200-jähriges Bestehen, basierend auf der ersten Erwähnung als Villa Tidenheim.
1984 wurde ein Weltrekord mit „Die längste Festtafel der Welt“ aufgestellt, und das Kur- und Kongreß-Zentrum entstand anstelle des Kurhauses von 1952, um den modernen Anforderungen gerecht zu werden.
Die Verbindung zu Thailand wurde 2007 mit der Einweihung der zweiten Sala-Thai im Kurpark an der Chulalongkorn-Quelle erneuert. Im Jahr 2012 feierte die Stadt 100 Jahre „Bad“ im Namen.
Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Bad Homburgs
Wann wurde Bad Homburg zum ersten Mal erwähnt und wie hieß es da?
Die erste urkundliche Erwähnung war im Jahr 782 im Lorscher Codex. Die Siedlung hieß damals Villa Tidenheim.
Wann wurde die Burg Homburg gebaut?
Die Burg wurde im 12. Jahrhundert errichtet.
Wann erhielt Homburg die Marktrechte?
Homburg erlangte die Marktrechte um 1330.
Wann wurde das Landgrafengeschlecht Hessen-Homburg begründet?
Das Geschlecht wurde 1622 durch Friedrich I. begründet.
Wann wurde der Elisabethenbrunnen entdeckt und der Kurbetrieb begann?
Der Elisabethenbrunnen wurde 1834 entdeckt, was den Beginn des Kurbetriebs markierte.
Wann wurde die erste Spielbank in Homburg gegründet?
Die erste Spielbank wurde 1842 gegründet.
Wann wurde Homburg preußisch?
Homburg wurde 1866 in das Königreich Preußen eingegliedert, nachdem die Landgrafschaft an Hessen-Darmstadt übergegangen war.
Wann wurde Homburg kaiserliche Sommerresidenz?
Kaiser Wilhelm II. erklärte Homburg 1888 zu seiner Sommerresidenz.
Wann erhielt die Stadt offiziell den Namen Bad Homburg vor der Höhe?
Die amtliche Bezeichnung Bad Homburg vor der Höhe wurde 1912 eingeführt.
Wann feierte Bad Homburg 1200 Jahre?
Das 1200-jährige Bestehen, bezogen auf die erste Erwähnung, wurde 1982 gefeiert.
Zusammenfassung
Die Geschichte von Bad Homburg vor der Höhe ist eine faszinierende Reise von der bescheidenen Villa Tidenheim im 8. Jahrhundert über die mittelalterliche Burgsiedlung Homburg, die Residenzstadt der Landgrafen von Hessen-Homburg, bis hin zum weltberühmten Kurort und der kaiserlichen Sommerresidenz. Die Entdeckung der Heilquellen und die Gründung der Spielbank waren entscheidende Impulse für die Entwicklung. Mit der Einführung des Namens Bad Homburg vor der Höhe im Jahr 1912 wurde die Bedeutung als Kurort auch offiziell im Namen verankert. Die Stadt hat viele politische und gesellschaftliche Veränderungen durchlebt, aber ihre reiche Geschichte und ihr Erbe als Kur- und Residenzstadt sind bis heute lebendig.
Wenn du mehr spannende Artikel wie „Von Tidenheim zu Bad Homburg: Eine Geschichte“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!
