Warum heißt es Wolfen?

Wolfen: Geschichte, Wandel und Sehenswürdigkeiten

05/03/2015

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Wolfen ist heute ein bedeutender Stadtteil der im Jahr 2007 neu gegründeten Stadt Bitterfeld-Wolfen im Südosten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Gelegen südlich von Dessau-Roßlau und nordöstlich von Halle (Saale), blickt Wolfen auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück, die eng mit der industriellen Entwicklung Deutschlands verbunden ist.

Welches Bundesland gehört zu Wolfen?
Bitterfeld-Wolfen ist die größte Stadt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Die Stadt liegt im Südosten des Landes Sachsen-Anhalt.

Ursprünglich war Wolfen ein eigenständiges Dorf, dessen erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1400 datiert. In einer Lehensurkunde für das Rittergut Altjeßnitz wurde der Ort damals als „Wulffen“ genannt. Der Name des Ortes wird auf einen frühen Gründer zurückgeführt, dessen Name vermutlich mit „Wolf“ begann. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass das Dorf bereits um 1140/50 als Kolonisationssiedlung angelegt wurde. Im frühen 15. Jahrhundert fiel Wolfen während der spätmittelalterlichen Wüstungsphase wüst, wurde aber um 1550/51 als Dorf mit 21 Hofstellen neu besiedelt. In dieser Zeit war Wolfen hauptsächlich ein Bauern- und Leineweberdorf und gehörte zum kursächsischen Amt Bitterfeld.

Die Zugehörigkeit wechselte im Verlauf der Geschichte. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses gelangte das Amt Bitterfeld und damit auch Wolfen an das Königreich Preußen. Ab 1816 war der Ort Teil des Kreises Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen, die erst 1944 aufgelöst wurde.

Übersicht

Vom Bauerndorf zum Industriestandort

Eine tiefgreifende Veränderung brachte die Entdeckung von Braunkohle in der Umgebung im Jahr 1846 mit sich. Der Abbau dieser Kohle, beispielsweise in der Grube Johannes, legte den Grundstein für die industrielle Entwicklung. Das Tagebaurestloch der Grube Johannes wurde später zwischen 1938 und 1991 mit Abwasser aus der Zelluloseproduktion und anderen chemischen Prozessen geflutet, was dem entstandenen Gewässer im Volksmund den Namen Silbersee einbrachte.

Die Entwicklung zur modernen Chemiestadt verdankt Wolfen jedoch maßgeblich der Filmfabrik Wolfen. Diese wurde im Jahr 1909 von Agfa erbaut und prägte über Jahrzehnte das Leben und Wachstum des Ortes. Die Filmfabrik war nicht nur ein bedeutender Arbeitgeber, sondern auch ein Zentrum technologischer Innovation. Hier wurde im Jahr 1936 der Farbfilm erfunden – eine bahnbrechende Entwicklung. Das Patent für den Farbfilm wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 von amerikanischen Truppen beschlagnahmt und an den US-Konzern Kodak übergeben.

Was sind Wolfen?
die fachsprachliche Bezeichnung für das Zerkleinern mit einem Fleischwolf. die fachsprachliche Bezeichnung für das Aufreißen von Wolle mit einem Krempelwolf. Wolfen (Film), ein US-amerikanischer Horrorfilm des Regisseurs Michael Wadleigh aus dem Jahr 1981. Wolfen (Band), Heavy-Metal-Band aus Köln.

Während des Zweiten Weltkrieges waren die IG-Farben-Werke in Wolfen auch Schauplatz von Zwangsarbeit. Hunderte Frauen, Kinder und Männer aus besetzten Ländern mussten hier unter teils unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Auch Häftlinge des KZ Ravensbrück wurden in der Kunstfaserherstellung (Vistra) eingesetzt und viele verloren dabei ihr Leben.

Nachkriegszeit und die Ära ORWO

Nach Kriegsende wurde die Produktion in der Film- und Faserfabrik zunächst fortgesetzt. Am 31. Dezember 1953 wurde das Werk als VEB Film- und Chemiefaserwerk Agfa Wolfen an die DDR übergeben. Im Jahr 1964 erfolgte eine wichtige Umstellung: Das Warenzeichen Agfa wurde durch ORWO (Original Wolfen) ersetzt. ORWO-Filme erlangten internationale Bekanntheit.

Mit der politischen Wende 1989/90 begann für die Filmfabrik Wolfen eine schwierige Zeit. Die Privatisierung des Gesamtwerkes scheiterte, und 1994 wurde die Liquidation eingeleitet. Dennoch gelang es, Teile des Werkes zu erhalten und zu privatisieren, was zur Gründung von Unternehmen wie der ORWO Net GmbH (ein Foto-Colorlabor) und der FilmoTec GmbH (die weiterhin ORWO-Filme herstellt) führte.

Stadtrecht und Bevölkerungsentwicklung

Am 7. Oktober 1958 wurde der bisherigen Gemeinde Wolfen das Stadtrecht verliehen, ein Zeichen für das Wachstum und die Bedeutung, die der Ort durch die Industrie erlangt hatte.

Die Bevölkerungsentwicklung Wolfens ist ein Spiegelbild der wirtschaftlichen und politischen Veränderungen. Von bescheidenen 220 Einwohnern im Jahr 1834 wuchs die Zahl bis 1900 auf 1.280 an. Mit der Ansiedlung der Industrie und dem Zuzug von Arbeiterfamilien beschleunigte sich das Wachstum in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erheblich. Im Gegensatz zu Bitterfeld wuchs die Bevölkerung Wolfens auch nach 1945 weiter und erreichte Ende der 1980er Jahre ihren Höhepunkt. Nach der Wende setzte jedoch ein gravierender Einbruch ein. Seit 1990 hat die Stadt mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren, was Wolfen zu einer der am stärksten von Abwanderung betroffenen Städte in den neuen Bundesländern macht.

Wie alt ist Wolfen?
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Besonders sichtbar wird dieser Wandel im Stadtteil Wolfen-Nord. Dieser Neubaukomplex wurde in den 1960er bis 1980er Jahren hauptsächlich für die Arbeiter der Filmfabrik und anderer Industrien errichtet und war typisch für eine sogenannte Trabantenstadt der DDR. Seit 1990 ist Wolfen-Nord von Arbeitslosigkeit, starkem Wohnungsleerstand und Abwanderung geprägt. Um dem entgegenzuwirken, wurden und werden umfangreiche Abrissarbeiten durchgeführt.

Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsentwicklung Wolfens anhand der vorliegenden Daten:

JahrEinwohner
1834220
19001.280
19102.548
19275.690
19336.520
19397.934
1946 (29. Okt.)11.458
1950 (31. Aug.)11.750
196012.687
196318.260
198139.131
198441.977
199043.900
199540.889
200031.025
200129.188
200227.844
200326.728
200425.661
200524.908
2008 (30. Jun.)22.764
2015 (31. Mär.)17.497
2017 (30. Jun.)16.449
202115.073

Die Fusion zur Stadt Bitterfeld-Wolfen

Eine wesentliche administrative Veränderung trat am 1. Juli 2007 ein. An diesem Tag fusionierte die eigenständige Stadt Wolfen mit der Nachbarstadt Bitterfeld und den Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim zur neuen Einheitsgemeinde Bitterfeld-Wolfen. Am 1. September 2009 trat auch die Gemeinde Bobbau dieser Fusion bei, wodurch die Stadt Bitterfeld-Wolfen vorübergehend zur viertgrößten Stadt Sachsen-Anhalts wurde. Im Jahr 2012 war sie gemessen an der Einwohnerzahl die fünftgrößte Stadt des Landes. Die Fusion war Teil umfassenderer Gebietsreformen in Sachsen-Anhalt, in deren Zuge auch die Landkreise Bitterfeld und Köthen zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld zusammengelegt wurden.

Die Stadt Bitterfeld-Wolfen liegt im Südosten Sachsen-Anhalts, etwa 25 km nordöstlich von Halle (Saale) und 35 km nördlich von Leipzig. Sie erstreckt sich über etwa zehn Kilometer in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung und liegt im Naturraum Bitterfelder Bergbaurevier. Prägend für die Landschaft sind heute die rekultivierten ehemaligen Tagebaue, die zu Seenlandschaften wurden, wie der Muldestausee im Osten und der Goitzsche-See im Südosten.

Sehenswürdigkeiten und Kulturelles Leben in Bitterfeld-Wolfen

Obwohl Wolfen heute ein Stadtteil ist, gibt es in der gesamten Stadt Bitterfeld-Wolfen zahlreiche interessante Orte, die von der Geschichte und dem Wandel der Region zeugen:

  • Rathaus Bitterfeld-Wolfen: Das heutige Rathaus befindet sich im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Filmfabrik ORWO im Stadtteil Wolfen. Das beeindruckende halbrunde Gebäude mit zwei zentralen Ecktürmen wurde zwischen 1936 und 1939 als Teil der Agfa-Werke errichtet. Nach Kriegsschäden wurde es wieder aufgebaut und diente lange Zeit als zentrales Verwaltungsgebäude der Filmfabrik. Nach der Wende verfiel das Gebäude zunächst, wurde aber im Zuge der Stadtgründung saniert und dient seit 2010 als Sitz der Stadtverwaltung. Eine Frauenplastik vor dem Gebäude erinnert an die Zeit, als die Filmfabrik der größte Frauenbetrieb der DDR war.
  • Städtisches Kulturhaus Bitterfeld-Wolfen: Ebenfalls im Stadtteil Wolfen gelegen, wurde dieses Kulturhaus 1927 von den Agfa-Werken erbaut. Es diente lange als Veranstaltungsort für die Mitarbeiter der Filmfabrik. Nach der Übernahme durch die Stadt Wolfen im Jahr 1991 wurde es für ein breiteres Publikum geöffnet und bietet heute ein vielfältiges kulturelles Programm, von Theater über Konzerte bis zu Kabarett.
  • Industrie- und Filmmuseum Wolfen: Dieses Museum, gelegen im Stadtteil Wolfen im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, widmet sich der reichen Geschichte der Filmfabrik, von Agfa bis ORWO. Es zeigt anhand originaler Maschinen die Herstellung von Rohfilmen und beherbergt regelmäßig Sonderausstellungen zur Fotografie.
  • Freilichtbühne Wolfen: Mitten im Naherholungsgebiet Fuhneaue im Stadtteil Wolfen liegt diese Freilichtbühne, die als größte in Sachsen-Anhalt gilt. Sie liegt auf einer künstlich geschaffenen Insel und ist Veranstaltungsort für Konzerte und andere Events, wie das jährliche „Fuhnespektakel“.
  • Bitterfelder Bogen: Auf dem Bitterfelder Berg im südöstlichen Teil Bitterfelds gelegen, ist der Bitterfelder Bogen eine begehbare Stahlkonstruktion, die 2006 eröffnet wurde. Mit einer Höhe von 28 Metern und einer Länge von 81 Metern bietet er über einen langen Laufsteg eine Aussichtsplattform mit weitem Blick über die rekultivierte Seenlandschaft, die Goitzsche, und bei guter Sicht sogar bis zum Brocken.
  • Pegelturm Bitterfeld: Dieser begehbare Turm schwimmt in der Goitzsche nahe der Bitterfelder Wasserfront. Der 26 Meter hohe Turm ist über eine Seebrücke erreichbar und ein beliebtes Ziel für Touristen, da er eine gute Rundumsicht ermöglicht. Am Abend wird er illuminiert.
  • Rathaus Bitterfeld: Das historische Rathaus im Ortsteil Bitterfeld steht direkt am Marktplatz. Der rote Backsteinbau wurde 1865 fertiggestellt und ist ein markantes Gebäude im Stadtbild Bitterfelds.
  • Kulturpalast Bitterfeld: Zwischen 1952 und 1954 erbaut, diente der Kulturpalast als bedeutende kulturelle Begegnungsstätte. Er ist im neoklassizistischen Stil errichtet und bekannt für den „Bitterfelder Weg“, eine kulturpolitische Konferenz, die hier 1959 stattfand. Obwohl er ab 2015 weitgehend leer stand, wurde 2020 ein Sanierungskonzept vorgelegt, um ihn zu erhalten.
  • Kreismuseum Bitterfeld: Das Museum wurde bereits 1892 gegründet und befindet sich heute noch in der Nähe der Stadtkirche. Es zeigt Dauerausstellungen zur Stadtgeschichte, Naturkunde, Mineralien, Ballonfahrt und Bernstein sowie wechselnde Sonderausstellungen.
  • Wasserzentrum Bitterfeld: Dieses Informations- und Bildungszentrum zum Thema Wasser befindet sich im ehemaligen Wasserwerk Bitterfeld. Es zeigt historische Anlagen zur Wasseraufbereitung und bietet interaktive Experimente.
  • Johanneskirche Wolfen: Die Kirche im Stadtteil Wolfen wurde 1898 erbaut und zuletzt von 1999 bis 2000 saniert.

Diese Orte spiegeln die vielfältige Geschichte der Region wider, von den Anfängen als Dorf über die Blütezeit der Industrie bis hin zum heutigen Wandel zur Seenlandschaft und Kulturregion. Wolfen und die Stadt Bitterfeld-Wolfen bleiben ein Gebiet mit einer spannenden Vergangenheit und einer sich entwickelnden Gegenwart.

Was sind Wolfen?
die fachsprachliche Bezeichnung für das Zerkleinern mit einem Fleischwolf. die fachsprachliche Bezeichnung für das Aufreißen von Wolle mit einem Krempelwolf. Wolfen (Film), ein US-amerikanischer Horrorfilm des Regisseurs Michael Wadleigh aus dem Jahr 1981. Wolfen (Band), Heavy-Metal-Band aus Köln.

Häufig gestellte Fragen zu Wolfen

Hier finden Sie Antworten auf einige oft gestellte Fragen zu Wolfen:

Was sind Wolfen?

Wolfen ist heute ein Stadtteil der Stadt Bitterfeld-Wolfen im Südosten von Sachsen-Anhalt.

Warum heißt es Wolfen?

Der Ortsname Wolfen wird auf einen Gründer zurückgeführt, dessen Name vermutlich mit „Wolf“ begann. Die erste urkundliche Erwähnung als „Wulffen“ stammt aus dem Jahr 1400.

Wie alt ist Wolfen?

Wolfen wurde erstmals im Jahr 1400 urkundlich erwähnt. Basierend auf archäologischen Funden wird die Erstanlage des Dorfes als Kolonisationssiedlung bereits auf die Zeit um 1140/50 datiert.

Welches Bundesland gehört zu Wolfen?

Wolfen gehört heute als Stadtteil zur Stadt Bitterfeld-Wolfen im Bundesland Sachsen-Anhalt.

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