08/03/2018
Libro ist eine feste Größe im österreichischen Handel, bekannt für sein Sortiment an Bürobedarf, Schreibwaren, Schulartikeln und Medienprodukten. Doch das Unternehmen, das auf eine bewegte Geschichte zurückblickt, steht erneut vor signifikanten Herausforderungen und einer strategischen Neuausrichtung. Die Nachricht von bevorstehenden Filialschließungen hat in den letzten Wochen für Aufsehen gesorgt und wirft ein Schlaglicht auf die schwierige Lage im stationären Einzelhandel.

Die Entscheidung, die nun im Raum steht, betrifft die Schließung von 34 der aktuell noch rund 180 Filialen. Dies ist ein drastischer Schritt, der tiefgreifende Auswirkungen auf das Unternehmen, seine Mitarbeiter und die lokale Handelslandschaft haben wird. Rund 120 Mitarbeiter sind von diesen Plänen direkt betroffen, auch wenn Hoffnung besteht, dass viele von ihnen in anderen Teilen der MTH Retail Group, zu der Libro gehört, unterkommen könnten.
Die Gründe für die weitreichenden Schließungen
Die Hauptursachen für diese rigiden Einsparungsmaßnahmen sind vielfältig und spiegeln die generellen Schwierigkeiten wider, mit denen Handelsunternehmen derzeit konfrontiert sind. Laut Konzernleitung sind viele der betroffenen Libro-Filialen schlichtweg zu klein und verursachen im Verhältnis zu ihrem Umsatz zu hohe Kosten. Sie rechnen sich unter den aktuellen Bedingungen kaum noch. Hinzu kommen die branchenüblichen Probleme: hohe Kosten für Personal und Mieten belasten die Margen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die derzeitige Konsumlaune. Verbraucher halten sich mit Ausgaben zurück, was sich direkt auf die Umsätze im Einzelhandel auswirkt.
Zusätzlich zu den österreichischen Standorten zieht sich Libro offenbar auch komplett aus Deutschland zurück, was die Fokussierung auf den Kernmarkt Österreich und die strategische Neuausrichtung unterstreicht.
Strategische Neuausrichtung: Fokus auf Pagro
Die MTH Retail Group, Eigentümerin von Libro, setzt künftig verstärkt auf die Marke Pagro. Pagro, ebenfalls im Bereich Bürobedarf und Schreibwaren tätig, soll weiter stark wachsen. Allein im vergangenen Jahr konnte Pagro 90 neue Standorte gewinnen. Diese strategische Entscheidung bedeutet eine klare Priorisierung innerhalb des Konzerns. Während Libro schrumpft und sich neu positioniert, wird Pagro als Wachstumsträger ausgebaut. Dies erklärt auch, warum für einige der von den Libro-Schließungen betroffenen Mitarbeiter die Möglichkeit besteht, bei Pagro eine neue Anstellung zu finden.
Ein Blick auf die bewegte Geschichte von Libro
Die Geschichte von Libro ist eine Achterbahnfahrt durch den österreichischen Handel. Gegründet wurde das Unternehmen 1978 von Karl Wlaschek, dem Gründer der Billa-Supermärkte. Unter seiner Führung und später unter anderen Eigentümern expandierte Libro stark und erreichte in seiner Glanzzeit bis zu 250 Standorte in ganz Österreich. Es war lange Zeit die führende Kette im Bereich Bürobedarf und Schreibwaren.

Nach einer Phase der Expansion folgte eine Zeit der Schwierigkeiten. Das Unternehmen benötigte eine Sanierung und geriet Ende der 1990er Jahre unter das Dach der deutschen Rewe. Ein Wendepunkt war die Übernahme durch den langjährigen Libro-Manager Andre Rettberg und Investoren im Jahr 1997. Rettberg baute das Unternehmen weiter aus, ging an die Börse und gründete eine Internet-Tochter. Doch dieser Höhenflug endete abrupt. Im Jahr 2001 schlitterte Libro in den Ausgleich, gefolgt vom Konkurs im Jahr 2002. Die Pleite zog auch rechtliche Konsequenzen nach sich, unter anderem für Andre Rettberg, der später wegen Untreue und Betrug verurteilt wurde.
Aus der Konkursmasse wurde das stark verkleinerte Unternehmen 2002 von Josef Taus, einem bekannten Industriellen und ehemaligen Politiker, übernommen. Unter dem Dach der MTH Retail Group, die von Taus gegründet wurde und heute unter der Führung von Martin Waldhäusl steht, gehört Libro nun seit über 20 Jahren zum Konzern. In dieser Zeit gab es immer wieder Anpassungen an das sich wandelnde Marktumfeld.
Was bedeutet „Libro“ eigentlich?
Der Name „Libro“ stammt aus dem Spanischen und bedeutet „Buch“. Auch wenn Bücher lange Zeit ein wichtiger Teil des Sortiments waren und es immer noch sind, hat sich Libro stets als Anbieter von einem breiteren Spektrum an Produkten positioniert. Neben Büchern umfasst das Angebot klassische Büroartikel, Schreibwaren, Schulbedarf, Spiele, Geschenkartikel und mehr. Der Name ist somit eher historisch zu sehen und deckt das heutige Sortiment nur teilweise ab.
Herausforderungen im modernen Einzelhandel
Die Probleme, mit denen Libro kämpft, sind symptomatisch für viele stationäre Handelsketten. Der Wettbewerb durch den Online-Handel ist immens. Kunden kaufen immer häufiger Bürobedarf, Bücher und andere Artikel bequem von zu Hause aus. Dies setzt die traditionellen Geschäfte unter Druck. Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssen Filialen attraktiv gestaltet, gut gelegen und effizient geführt sein. Kleinere, ältere Standorte, die nicht mehr den modernen Anforderungen entsprechen und hohe Betriebskosten verursachen, werden zunehmend zu einer Last.
Die Strategie der MTH Retail Group, sich auf profitable Standorte zu konzentrieren und gleichzeitig in die Wachstumsmarke Pagro zu investieren, ist eine Reaktion auf diese Marktbedingungen. Es ist ein Versuch, die Gesamtposition des Konzerns im Bürobedarfs- und Schreibwarenmarkt zu stärken, auch wenn dies schmerzhafte Einschnitte bei einer etablierten Marke wie Libro bedeutet.

Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Zukunft von Libro wird kleiner, aber potenziell profitabler sein. Mit einer optimierten Filialstruktur, die sich auf die leistungsfähigsten Standorte konzentriert, hofft das Unternehmen, die Rentabilität zu steigern. Gleichzeitig soll die Marke Pagro die Expansion vorantreiben und neue Marktanteile gewinnen. Für die Mitarbeiter, die von den Schließungen betroffen sind, bleibt die Situation zunächst unsicher, auch wenn die Möglichkeit der Übernahme durch Pagro eine Perspektive bietet.
Die Geschichte von Libro zeigt, wie dynamisch und herausfordernd der Handel ist. Ständige Anpassung an Marktbedingungen, technologische Entwicklungen und das Konsumentenverhalten sind überlebenswichtig. Die aktuellen Schließungen sind ein weiterer Schritt in der langen Geschichte von Libro und markieren das Ende einer Ära für viele Standorte, während gleichzeitig der Weg für eine neu ausgerichtete Strategie unter dem Dach der MTH Retail Group geebnet wird.
Historische Entwicklung der Filialanzahl (ca.)
| Zeitraum | Ungefähre Filialanzahl |
|---|---|
| Glanzzeit (vor 2000) | bis zu 250 |
| Vor den aktuellen Schließungen | ca. 180 |
| Nach den geplanten Schließungen | ca. 146 |
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Filialen schließt Libro?
Es ist geplant, 34 Filialen zu schließen.
Wie viele Mitarbeiter sind betroffen?
Rund 120 Mitarbeiter sind von den Schließungen betroffen.
Warum werden die Filialen geschlossen?
Hauptgründe sind, dass viele Filialen zu klein und zu teuer sind. Hinzu kommen hohe Betriebs- und Personalkosten sowie eine allgemeine Konsumflaute.

Wem gehört Libro?
Libro gehört zur MTH Retail Group.
Was passiert mit den betroffenen Mitarbeitern?
Es besteht die Hoffnung, dass viele der betroffenen Mitarbeiter bei der Schwestergesellschaft Pagro unterkommen können, die stark wächst.
Zieht sich Libro aus Deutschland zurück?
Ja, laut Berichten zieht sich Libro komplett aus dem deutschen Markt zurück.
Was ist die MTH Retail Group?
Die MTH Retail Group ist ein Handelskonzern, dem unter anderem Libro und Pagro gehören. Sie wurde von Josef Taus gegründet und wird aktuell von Martin Waldhäusl geführt.
Wird die Marke Pagro ausgebaut?
Ja, die MTH Retail Group setzt strategisch auf das Wachstum der Marke Pagro.
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