13/07/2022
Sonneberg, eine Stadt im südlichen Thüringen, grenzt an das Thüringer Schiefergebirge und den Frankenwald. Sie liegt in den Tälern der Flüsse Röthen und Steinach, nahe der thüringisch-bayerischen Landesgrenze. Bekanntheit erlangte Sonneberg vor allem als „Weltspielwarenstadt“, ein Titel, der heute durch das beeindruckende Deutsche Spielzeugmuseum gewürdigt wird. Doch Sonneberg ist mehr als nur Spielzeug; es ist eine Stadt mit einer langen, facettenreichen Geschichte, die von wirtschaftlichem Aufstieg, sozialen Herausforderungen, politischen Umbrüchen und stetiger Wandlung geprägt ist. Neben der Spielzeugtradition ist die Stadt auch in Fachkreisen durch die 1925 gegründete Sternwarte Sonneberg bekannt.

Die Geschichte Sonnebergs reicht weit zurück. Der Name Sonneberg wurde erstmals im Jahr 1207 urkundlich erwähnt. Er ist eng mit dem Adelsgeschlecht der Herren von Sonneberg verbunden, die im 12. und 13. Jahrhundert in Erscheinung traten. Unterhalb ihrer Burg Sonneberg, die in alten Dokumenten auch als „Schloss Sonneberg“ oder „Haus zu Sonneberg“ bezeichnet wurde, gründeten sie eine Siedlung. Diese bestand ursprünglich aus einem Gutshof und zwei kleineren Weilern. Die Herren von Sonneberg dienten als Ministerialen den Herzögen von Andechs-Meranien, einem bayerischen Adelsgeschlecht, das in der Region um Sonneberg und Coburg eine Herrschaftsverwaltung aufbaute. Nach dem Ende des Herzogtums Meranien erwarb Heinrich II. von Sonneberg beträchtlichen Besitz in der Umgebung und stiftete 1252 das Kloster Sonnefeld. Nach dem Aussterben der männlichen Linie des Geschlechts der Sonneberger im Jahr 1310 fiel die kleine Herrschaft 1317 an die Grafen von Henneberg. Nur wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1353, kam Sonneberg zusammen mit dem nahegelegenen Coburg an die Wettiner. Die Stadt, die an der wichtigen Straße von Coburg nach Saalfeld lag, war zu dieser Zeit bereits ummauert und verfügte über eine Johanniskirche. Das städtische Recht wurde 1349 von der Regentin Jutta von Henneberg bestätigt und erweitert.
Die Reformation erreichte Sonneberg im Jahr 1526. Bald darauf wurde eine Lateinschule eröffnet. Die territoriale Zugehörigkeit Sonnebergs wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach innerhalb der verschiedenen Linien des Hauses Wettin, darunter Sachsen-Coburg, Sachsen-Eisenach, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Gotha. Erst 1826 wurde die Stadt endgültig in das Herzogtum Sachsen-Meiningen eingegliedert.
Der Aufstieg zur Weltspielwarenstadt
Neben der Landwirtschaft und dem frühen Bergbau (Wetzsteine, Schiefer ab 1500) entwickelte sich in Sonneberg ab dem 16. Jahrhundert eine bedeutende Holzwarenherstellung. Aus dieser Tradition ging die Produktion von Spielzeug hervor, das zunächst als „Nürnberger Tand“ bekannt war. Um 1700 wurde mit der Firma Dressel (später Cuno & Otto Dressel) einer der größten Spielwarenhersteller und -exporteure in Sonneberg gegründet. Ein entscheidender Impuls für die Spielzeugproduktion war die Einführung des Papiermachés im Jahr 1805, die Sonneberg zu einem Zentrum der Puppenherstellung von Weltgeltung machte. Ein schwerer Rückschlag war der Stadtbrand von 1840, der das alte Stadtzentrum zerstörte. Der Wiederaufbau veränderte das Stadtbild.
Die Bedeutung der Spielzeugindustrie wuchs stetig. Im Jahr 1883 wurde die Industrieschule eröffnet, die künstlerische Porzellan-, Glas- und Spielzeuggestaltung lehrte und damit den dringend benötigten Nachwuchs für die Branche ausbildete. Diese Schule spielte eine wichtige Rolle für die Innovationsfähigkeit der lokalen Betriebe. Um 1913 wurde der Begriff Weltspielwarenstadt geprägt, da der Raum Sonneberg vor dem Ersten Weltkrieg rund 20 % der weltweit gehandelten Spielwaren produzierte. Sonneberg wurde auch zur „Werkstatt des Weihnachtsmannes“.
Die Struktur der Spielwarenindustrie in Sonneberg war jedoch besonders. Auf die wachsende Nachfrage und sinkende Preise reagierte man nicht primär mit großindustrieller Fertigung, sondern mit einer enormen Zunahme von Klein- und Kleinstbetrieben sowie einem hohen Anteil an Heimarbeit. Noch 1880 hatten 85 % der Betriebe nicht mehr als vier Mitarbeiter. Die Zahl der Unternehmen stieg von 321 im Jahr 1880 auf 2395 im Jahr 1899. Diese Kooperation vieler kleiner, spezialisierter Firmen und angeschlossener Heimarbeiter ermöglichte eine effektive und kostengünstige Produktion von Puppen und anderem Spielzeug ohne teure Investitionen. Allerdings führte dieses System zu massivem Kostendruck auf die Arbeiter, insbesondere auf die Heimarbeiter und ihre Familien. Um das Überleben zu sichern, musste oft die gesamte Familie, einschließlich der Kinder, lange Stunden arbeiten. Trotz behördlicher Versuche konnte die weit verbreitete Kinderarbeit und die Missachtung der Schulpflicht nie vollständig eingedämmt werden. Viele Arbeiter verdienten extrem wenig, und die Lebensbedingungen waren prekär. Das ungesunde Arbeitsumfeld, beengte Wohnverhältnisse und mangelhafte Ernährung trugen zu einer deutlich höheren Tuberkulose-Rate bei als im Reichsdurchschnitt.
Die sozialen Missstände hatten auch politische Folgen. Sozialdemokraten und später Kommunisten erhielten in Sonneberg überdurchschnittlich viele Stimmen. 1913 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen protestierenden Heimarbeitern und der Polizei. Die Lebensverhältnisse blieben für viele Heimarbeiter bis in die späten 1920er Jahre schwierig.

Entwicklung im 20. Jahrhundert und Umbrüche
Trotz der sozialen Probleme gab es auch positive Entwicklungen. 1901 wurde das Spielzeugmuseum eröffnet. Seit 1919 wurden umliegende Vororte eingemeindet, was das Stadtgebiet vergrößerte. Wichtige Infrastrukturverbesserungen waren die Bahnverbindungen, die ab 1858 (nach Coburg) entstanden und Sonneberg besser an das Umland anbanden. Der alte Bahnhof von 1858 wurde 1907 durch einen neuen ersetzt, der dem gestiegenen Güter- und Personenverkehr besser gerecht wurde und zum zentralen Umschlagplatz für Spielwarenexporte wurde.
In den 1920er Jahren erlebte die Spielwarenindustrie noch einmal eine Blütezeit, die sich im Bau repräsentativer Gebäude am Bahnhofsplatz widerspiegelte, darunter das AOK-Gebäude, Handelshäuser amerikanischer Firmen wie Woolworth und Kresge sowie das Neue Rathaus mit seinem markanten Turm. 1925 wurde die Sternwarte Sonneberg durch Cuno Hoffmeister gegründet.
Doch die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf Sonneberg hart. Die Stadt wurde zahlungsunfähig und unter Zwangsverwaltung gestellt. Insbesondere die exportorientierte Spielwarenindustrie litt unter sinkender Nachfrage (besonders in den USA), wachsender Konkurrenz (z.B. aus Japan) und Managementfehlern. Die Arbeitslosenquote erreichte in Sonneberg mit 50 % einen extrem hohen Wert. Diese wirtschaftliche Notlage trug dazu bei, dass Teile der Bevölkerung anfällig für die Propaganda der Nationalsozialisten wurden. Die NSDAP gewann bei Wahlen eine absolute Mehrheit der Stimmen, auch bei Arbeitern, die zuvor SPD oder KPD gewählt hatten.
Während der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu politischer, rassistischer und religiöser Verfolgung. Menschen wurden inhaftiert, deportiert oder ermordet. Es gab Widerstand, auch aus evangelischen Kirchenkreisen. Ab 1935 wurden Rüstungsbetriebe in Sonneberg angesiedelt, darunter die Thüringer Zahnradwerke und Zweigwerke von Siemens-Schuckert und J. C. Eckardt. Die Spielzeugfabrik Robert Hartwig stellte nun Lastensegler her. Das Luftwaffenbekleidungsamt wurde 1937 in einem großen Neubaukomplex untergebracht, der auch zivile Betriebe wie Cuno & Otto Dressel zur Uniformschneiderei nutzte. Während des Zweiten Weltkriegs mussten etwa 4300 Menschen Zwangsarbeit leisten, viele davon in der Rüstungsproduktion. Auf dem Gelände der Reinhardt-Werke wurde im September 1944 ein Außenkommando des KZ Buchenwald eingerichtet, in dem Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Viele kamen im April 1945 auf einem Todesmarsch ums Leben.
Gegen Kriegsende wurde Sonneberg am 14. Februar 1945 von US-Bombern angegriffen, was zu Zerstörungen und Opfern führte. Nach Kriegsende kam es zu umstrittenen Urteilen sowjetischer Militärtribunale, bei denen Jugendliche und Erwachsene unter oft fragwürdigen Anschuldigungen verurteilt und teils hingerichtet wurden.
Sonneberg in der DDR und nach der Wende
Nach der Teilung Deutschlands gehörte Sonneberg zur DDR. 1952 wurde das Land Thüringen aufgelöst, und Sonneberg wurde Teil des Bezirks Suhl. Ehemalige Rüstungsbetriebe wurden zu Volkseigenen Betrieben (VEB) umgewandelt und stellten nun zivile Güter her, wie Herrenkonfektion (VEB Herko), Radiogehäuse (VEB Radiogehäuse, früher Hartwig), elektrische Haushaltsgeräte (VEB IKA Oberlind, früher Siemens-Schuckert) oder feinmechanische Geräte (VEB Feinmechanik, früher Eckardt). Die Spielzeugindustrie wurde ebenfalls in VEBs organisiert, wie VEB Stern-Radio Sonneberg und VEB Vereinigte Spielwarenwerke Sonneberg „sonni“, die später im „Kombinat Spielwaren Sonneberg – sonni“ zusammengefasst wurden. Auch andere Branchen wie Kunststoffverarbeitung (Plasta Werke) und Elektrokeramik wurden in Kombinaten zusammengefasst.

Die Lage Sonnebergs unmittelbar an der innerdeutschen Grenze wirkte sich negativ aus, insbesondere zwischen 1961 und 1972, als das Stadtgebiet Grenzsperrgebiet war. Die erzwungene Trennung von den eng verbundenen Regionen Oberfrankens wurde von der Bevölkerung nicht leicht akzeptiert. Zudem kam es in der DDR zu Zwangsmaßnahmen wie der „Aktion Ungeziefer“ (1952 und 1961), bei denen zahlreiche Bürger, oft unter fragwürdigen Vorwänden, aus ihrer Heimat umgesiedelt wurden. Viele Sonneberger flohen in den Westen.
Mit der Wende 1989/90 erlebte Sonneberg grundlegende Veränderungen. Am 18. Februar 1990 wurde hier als erste in der noch bestehenden DDR die Arbeiterwohlfahrt wiedergegründet. Die Abschaffung der Grenzkontrollen wurde am 1. Juli 1990 an der Gebrannten Brücke bei Sonneberg besiegelt. Nach der Wiedervereinigung wurden die Spielwarenbetriebe, soweit sie noch existierten, privatisiert oder reprivatisiert. Viele traditionsreiche Unternehmen konnten jedoch nicht überleben.
Das moderne Sonneberg: Diversifizierung und Zukunftsperspektiven
Heute hat sich die Wirtschaftsstruktur Sonnebergs stark diversifiziert. Während die traditionelle Spielzeugindustrie nicht mehr die dominierende Rolle spielt, sind neue und alte Branchen gewachsen. Die Porzellanindustrie, einst Zulieferer, gewann durch die Elektrokeramik an Bedeutung. Kunststoffverarbeitung, Werkzeug- und Maschinenbau, Möbelindustrie, Brauereigewerbe und Druckindustrie prägen das Bild. Auch die Bauwirtschaft und florierende Handelsunternehmen sind wichtige Säulen. Der Tourismus gewinnt ebenfalls an Bedeutung.
Ein besonderer Fokus liegt auf neuen Technologien. Sonneberg ist eng mit Wasserstoffinitiativen vernetzt und Mitglied der Metropolregion Nürnberg und Mitteldeutschland. Das HySon-Institut für Angewandte Wasserstoffforschung, hervorgegangen aus einem Netzwerk von Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft, arbeitet daran, die Lücke zwischen Forschung und Anwendung zu schließen. Damit entwickelt sich Sonneberg wieder zu einem Wissenschaftsstandort.
Ein weiteres wichtiges Zukunftsthema ist die Förderung naturwissenschaftlich-technischer Fachkräfte. Mit der Initiative „MINT-freundliche Stadt Sonneberg“ und dem geförderten Cluster „MINT-SON“ steuert die Stadt dem Fachkräftemangel entgegen und möchte junge Menschen für MINT-Themen begeistern.
Sonneberg blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Viele historische Bauten zeugen von dieser Vergangenheit, darunter die Stadtkirche St. Peter, das Alte Rathaus am Marktplatz oder Villen aus der Blütezeit der Spielzeugindustrie. Ein Rundgang auf der „Historischen Meile“ führt zu wichtigen Stationen der Stadtgeschichte und der Spielzeugindustrie.

Ist Sonneberg fränkisch?
Obwohl Sonneberg heute politisch zu Thüringen gehört, ist seine kulturelle Identität eng mit Franken verbunden. Die Menschen sprechen traditionell einen fränkischen Dialekt, und die Region gehörte historisch lange zu Herrschaftsgebieten, die eng mit Franken (insbesondere Coburg und Oberfranken) verbunden waren. Der „Tag der Franken“ wurde 2019 erstmals länderübergreifend gemeinsam mit Sonneberg und Neustadt bei Coburg gefeiert, was die regionale Verbundenheit unterstreicht. Geographisch am Nordrand des Obermainischen Hügellands gelegen, fühlt sich die Bevölkerung oft als Teil des fränkischen Kulturraums, trotz der jahrzehntelangen Trennung durch die innerdeutsche Grenze.
Wirtschaftlicher Wandel im Vergleich
Die Wirtschaftsgeschichte Sonnebergs ist eine Geschichte des Wandels. Hier ein einfacher Vergleich:
| Merkmal | Frühe „Weltspielwarenstadt“ (ca. 1900) | Modernes Sonneberg (ca. 2020) |
|---|---|---|
| Dominante Branche | Spielzeugindustrie (Puppen) | Diversifiziert (Maschinenbau, Kunststoff, Elektrokeramik, etc.) |
| Produktionsweise | Hoher Anteil an Heimarbeit, viele Kleinbetriebe | Industrielle Fertigung, mittelständische Unternehmen |
| Arbeitsbedingungen | Oft prekär, Kinderarbeit, niedrige Löhne | Verbessert, Fokus auf Fachkräfte |
| Exportmärkte | Weltweit (v.a. USA) | National und international |
| Zukunftsbereiche | Innovationen bei Materialien (Papiermaché) | Wasserstoffforschung, MINT-Bildung |
Häufig gestellte Fragen zu Sonneberg
Für was ist Sonneberg berühmt?
Sonneberg ist vor allem als „Weltspielwarenstadt“ bekannt, was auf seine historische Bedeutung als Zentrum der Spielzeugproduktion zurückgeht. Auch das Deutsche Spielzeugmuseum und die Sternwarte Sonneberg sind bekannte Einrichtungen.
Was wird heute in Sonneberg hergestellt?
Die Wirtschaft ist diversifiziert. Neben verbliebenen Teilen der Spielzeugindustrie werden heute unter anderem Produkte aus Porzellan und Elektrokeramik, Kunststoffe, Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Maschinen und Druckerzeugnisse hergestellt. Neue Bereiche wie die Wasserstoffforschung gewinnen an Bedeutung.
Wie alt ist Sonneberg?
Der Name Sonneberg wurde erstmals 1207 urkundlich erwähnt, was bedeutet, dass die Stadt auf eine über 800-jährige Geschichte zurückblicken kann.
Ist Sonneberg fränkisch?
Obwohl Sonneberg politisch in Thüringen liegt, hat die Stadt starke historische und kulturelle Verbindungen zu Franken. Die Bevölkerung spricht traditionell einen fränkischen Dialekt, und die Region ist Teil des fränkischen Kulturraums, was sich auch in Veranstaltungen wie dem grenzübergreifenden „Tag der Franken“ zeigt.
Sonneberg bleibt eine Stadt im Wandel, die ihre reiche Geschichte nicht vergisst, während sie sich neuen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Herausforderungen stellt.
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