30/10/2015
Die Galeries Lafayette sind weit mehr als nur ein Kaufhaus; sie sind eine Institution, insbesondere in Paris. Bekannt für ihre prachtvolle Architektur und ihr schier endloses Angebot, ziehen sie täglich Zehntausende Besucher an. Doch wer steckt hinter diesem Giganten des Einzelhandels, was kann man dort finden und welche Geschichten verbergen sich hinter den Kulissen?
- Das Herzstück: Galeries Lafayette Paris Haussmann
- Ein Familienunternehmen: Die Eigentümer der Galeries Lafayette
- Die Geschichte: Von der kleinen Wäschemodegeschäft zum Weltkonzern
- Ein Blick über Paris hinaus: Die Galeries Lafayette Champs-Élysées
- Vergleich mit anderen Pariser Kaufhäusern
- Das Ende einer Ära: Die Schließung in Berlin
- Häufig gestellte Fragen
Das Herzstück: Galeries Lafayette Paris Haussmann
Am Boulevard Haussmann im 9. Arrondissement von Paris steht das berühmteste Kaufhaus der Kette. Auf fast 70.000 Quadratmetern Fläche verteilt auf drei Gebäude bietet es ein Einkaufserlebnis der Superlative. Die Architektur allein ist eine Attraktion: Der imposante Jugendstil prägt das Erscheinungsbild, gekrönt von der atemberaubenden Glaskuppel, die zu den Wahrzeichen von Paris zählt.

Was kann man in den Galeries Lafayette kaufen?
Das Angebot ist riesig und deckt nahezu jeden Wunsch ab. Von Mode über Kosmetik, Parfum, Wohnaccessoires bis hin zu Spielzeug und Souvenirs findet man hier alles. Im Gegensatz zu einigen anderen Pariser Luxuskaufhäusern wie Le Bon Marché bieten die Galeries Lafayette nicht ausschließlich Designermarken, sondern auch Mode zu erschwinglicheren Preisen. Dennoch sind die aktuellen Kollektionen französischer und internationaler Modeschöpfer prominent vertreten. Für besondere Wünsche stehen Shopping-Experten bereit, die eine Stilberatung anbieten und individuelle Einkaufstouren zusammenstellen.
Die drei Hauptgebäude sind thematisch unterteilt:
- Lafayette Homme: Exklusiv für Herrenbekleidung.
- Lafayette Gourmet & Maison: Hier findet man alles für Zuhause, von Einrichtung bis hin zu einer beeindruckenden Feinkostabteilung.
- Das Hauptwarenhaus: Vor allem für Damenbekleidung, Kosmetik, Accessoires und die berühmte Kuppel.
Besondere Attraktionen und Erlebnisse
Neben dem Einkaufen bieten die Galeries Lafayette Haussmann eine Reihe von Erlebnissen:
- Die Glaskuppel: Ein Meisterwerk aus Schmiedeeisen und Buntglas, 43 Meter hoch, geschaffen vom Glasmaler Jacques Grüber im neobyzantinischen Stil.
- Der Glasswalk: Ein gläserner Laufsteg im 3. Stock auf 16 Metern Höhe, der einen spektakulären Blick auf die Kuppel und die darunter liegenden Stockwerke ermöglicht.
- Die Dachterrasse: Im 8. Stock gelegen und kostenfrei zugänglich, bietet sie einen fantastischen Panoramablick über Paris, einschließlich Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm, dem Triumphbogen und dem Centre Pompidou. Ideal für eine Pause mit Aussicht.
- Die Feinkostabteilung: Auf zwei Etagen erstreckt sich ein Paradies für Feinschmecker mit französischen und internationalen Spezialitäten. Besonders hervorzuheben ist die Bordeauthèque mit 1500 verschiedenen Bordeaux-Weinen.
- Events: Regelmäßige Modenschauen, kleine Ausstellungen zu Mode, Kunst und Design sowie spezielle Veranstaltungen wie die prächtige Weihnachtsdekoration machen den Besuch das ganze Jahr über besonders.
Ein Familienunternehmen: Die Eigentümer der Galeries Lafayette
Die Galeries Lafayette sind fest in Familienhand. Das Mutterunternehmen ist die Motier-Gruppe, die sich zu hundert Prozent im Besitz der Familie Moulin befindet. Lange stand die 97-jährige Ginette Moulin an der Spitze des Konzerns. Kürzlich gab sie ihren Posten ab, um die Führung an die vierte und fünfte Generation der Familie zu übergeben.
Neuer Vorsitzender der Motier-Gruppe ist nun Philippe Houzé, der Schwiegersohn von Ginette Moulin. Er ist nun dafür zuständig, „die Entwicklung der Vermögenswerte der Familie Moulin zu überwachen“. Unterstützt wird er dabei von seinen Söhnen Nicolas und Guillaume Houzé sowie seinem Neffen Arthur Lemoine. Diese drei sind die Urenkel des Mitbegründers Théophile Bader und die Enkel von Ginette Moulin. Nicolas Houzé übernahm zudem den Vorstandsvorsitz der Gruppe Galeries Lafayette, während er Generaldirektor bleibt. Diese Entwicklung war lange vorbereitet und markiert einen schrittweisen Übergang.
Die Motier-Holding verwaltet neben den Galeries Lafayette und ihren anderen Vermögenswerten (wie La Redoute und eine Beteiligung an Carrefour) auch den Investmentfonds Motier Ventures und Motier Domaines, zu dem Weingüter gehören.
Die Geschichte: Von der kleinen Wäschemodegeschäft zum Weltkonzern
Die Geschichte der Galeries Lafayette begann bescheiden im Jahr 1894. Der elsässische Kaufmann Théophile Bader eröffnete zusammen mit seinem Vetter Alphonse Kahn in der Rue La Fayette Nr. 1 in Paris ein kleines Geschäft für Wäschemode. Die Lage in der Nähe der Opéra National de Paris war exzellent. Das Geschäft erhielt den Namen „Aux Galeries Lafayette“.

Bereits 1895 kauften die Unternehmer das gesamte Gebäude und expandierten schnell. Aus dem kleinen Laden wurde ein Kaufhaus mit fünf Etagen. Durch den Kauf weiterer Gebäude konnte das Angebot kontinuierlich ausgebaut werden. Architekten wie Georges Chedanne und Ferdinand Chanut gestalteten den Gebäudekomplex im frühen 20. Jahrhundert neu und gaben ihm seine heutige Form. Schon 1907 beschäftigten die Galeries Lafayette über 750 Angestellte.
Die Expansion setzte sich fort. Ab 1912 wurden Filialen in kleineren französischen Städten eröffnet. Internationale Standorte folgten in Nizza (1916), London (Anfang 20er), Bukarest (1931). Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich das Unternehmen und setzte seine Expansion fort. Bis in die 70er-Jahre entstanden Filialen in fast allen französischen Städten. 1996 folgte die Eröffnung einer Filiale in Berlin.
Ein Blick über Paris hinaus: Die Galeries Lafayette Champs-Élysées
Neben dem Stammhaus am Boulevard Haussmann gibt es in Paris eine weitere bemerkenswerte Filiale auf der berühmten Avenue des Champs-Élysées. Diese ist kleiner als das Haus Haussmann und verfolgt ein anderes Konzept. Sie konzentriert sich auf eine spezielle Auswahl von Marken, von führenden Namen über kleine Modehäuser bis hin zu aufstrebenden Designern. Das Einkaufserlebnis ist intimer und lokaler, mit einem personalisierten Service. Die Gestaltung ist modern und das Angebot oft geschlechtsneutral präsentiert. Auch hier gibt es einen Bereich für Feinkost und Gastronomie.
Vergleich mit anderen Pariser Kaufhäusern
Paris ist bekannt für seine „Grands Magasins“. Die Galeries Lafayette gehören neben Printemps, Le Bon Marché, La Samaritaine und BHV Marais zu den bekanntesten. Während Le Bon Marché (das älteste, gegründet 1852) oft für seine exklusive Auswahl und Gourmet-Abteilung bekannt ist und Printemps ein direkter Rivale am Boulevard Haussmann ist, positionieren sich die Galeries Lafayette Haussmann als Ikone der französischen Mode mit einer breiten Palette von Preispunkten und einem beeindruckenden architektonischen Erlebnis. La Samaritaine, nach langer Schließung wiedereröffnet, und BHV Marais im Marais-Viertel bieten ebenfalls einzigartige Einkaufserlebnisse mit unterschiedlichem Fokus.
| Kaufhaus | Gründung | Standort / Fokus | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Galeries Lafayette Haussmann | 1894 | Boulevard Haussmann | Jugendstil-Kuppel, Glasswalk, breites Sortiment (Luxus & erschwinglich), größte Schuhabteilung Europas, Dachterrasse |
| Printemps Haussmann | 1865 | Boulevard Haussmann | Historisches Monument, Fokus auf Luxus, große Beauty-Abteilung, Dachterrasse |
| Le Bon Marché Rive Gauche | 1852 | Saint-Germain-des-Prés | Erstes Kaufhaus in Paris, sehr luxuriös und exklusiv, berühmte Gourmet-Abteilung (La Grande Épicerie) |
| La Samaritaine | 1870 (Neueröffnung 2021) | Pont Neuf (Zentrum) | Art Déco & Art Nouveau Architektur, Luxusfokus, integriertes Hotel, Restaurants mit Seine-Blick |
| BHV Marais | 1856 | Hôtel de Ville (Marais) | Lifestyle-Fokus, beliebter Treffpunkt, große DIY-Abteilung, legere Atmosphäre |
Das Ende einer Ära: Die Schließung in Berlin
Während die Galeries Lafayette in Paris florieren, musste das Unternehmen eine bedeutende Entscheidung für seinen einzigen deutschen Standort treffen. Die Filiale in der Friedrichstraße in Berlin, 1996 eröffnet, schloss bereits Ende Juli 2024 und damit früher als ursprünglich geplant (Ende 2024). Die Gründe für diese Schließung sind vielfältig.

Das Unternehmen begründete das Ende mit veränderten Konsumgewohnheiten der Kunden und der Überzeugung, dass das Konzept der Galeries Lafayette „nicht gut geeignet ist, auf diesem Markt weiter tätig zu sein“. Die Berliner Filiale hatte in den letzten Jahren mit sinkenden Kundenzahlen zu kämpfen und sah sich starker Konkurrenz durch das KaDeWe und die nahegelegene Mall of Berlin gegenüber. Auch der zunehmende Leerstand in der Friedrichstraße trug zur unattraktiveren Lage bei.
Die Schließung in Berlin ist kein Einzelfall. Zuvor wurden bereits internationale Standorte in New York City, London, Istanbul, Singapur und Casablanca mangels Erfolg geschlossen. Das Unternehmen konzentriert sich stattdessen auf die Expansion in Asien, mit Neueröffnungen unter anderem in Doha, Shenzhen und Shanghai sowie geplanten Standorten in Neu-Delhi und Mumbai.
Das Gebäude in Berlin, ein auffälliger Glaspalast, wurde 2022 verkauft. Nach dem Auszug der Galeries Lafayette ist das Gebäude als möglicher neuer Standort für die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) im Gespräch.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist der aktuelle Eigentümer der Galeries Lafayette?
Die Galeries Lafayette gehören zu hundert Prozent der Motier-Gruppe, die sich im Besitz der Familie Moulin befindet. Aktueller Vorsitzender der Motier-Gruppe ist Philippe Houzé.
Was ist das Besondere an den Galeries Lafayette Paris Haussmann?
Das Kaufhaus ist bekannt für seine beeindruckende Jugendstil-Architektur, insbesondere die Glaskuppel und den Glasswalk. Es bietet ein sehr breites Sortiment von Luxus bis erschwinglicher Mode, eine riesige Schuhabteilung und eine Dachterrasse mit Panoramablick.

Kann man in den Galeries Lafayette nur Luxusartikel kaufen?
Nein, die Galeries Lafayette bieten eine Mischung aus Luxusmarken, internationalen Designern und Mode zu erschwinglicheren Preisen. Das Sortiment deckt viele Preissegmente ab.
Warum wurde die Filiale in Berlin geschlossen?
Die Schließung wurde mit veränderten Konsumgewohnheiten, sinkenden Kundenzahlen, starker Konkurrenz und der strategischen Entscheidung begründet, dass das Konzept in diesem Markt nicht mehr als passend angesehen wurde. Das Unternehmen konzentriert sich stattdessen auf den asiatischen Markt.
Gibt es nur ein Galeries Lafayette in Paris?
Nein, neben dem berühmten Stammhaus am Boulevard Haussmann gibt es auch eine Filiale auf der Champs-Élysées mit einem anderen, intimeren Konzept.
Die Galeries Lafayette bleiben, insbesondere das historische Haus in Paris, ein faszinierendes Ziel, das Shopping, Architektur und Geschichte auf einzigartige Weise verbindet. Trotz strategischer Anpassungen auf internationalen Märkten bleibt das Unternehmen in Frankreich ein bedeutender Akteur, fest verwurzelt in seiner Familiengeschichte.
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