Wieso schließt Karstadt?

Karstadt Lübeck: Das unerwartete Ende

13/07/2013

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Das Kaufhaus Karstadt am Schrangen in Lübeck hat seine Türen endgültig geschlossen. Ursprünglich war das Ende für Ende Januar 2024 vorgesehen, doch der Abschied kam schneller als erwartet. Bereits am Dienstagabend, dem 16. Januar 2024, war Schluss. Ein rascher Ausverkauf hatte die Regale geleert, und ohne Ware lohnte sich der Betrieb des großen Warenhauses einfach nicht mehr. Dieses vorzeitige Ende markiert das Aus für eine Institution, die 140 Jahre lang das Bild der Hansestadt mitprägte.

Hat Karstadt Lübeck noch geöffnet?
Im Herbst 2020 wurde die Karstadt Sport Filiale in Lübeck geschlossen, während wenige Wochen später das Karstadt Warenhaus entgegen den ursprünglichen Planungen des Konzerns am Standort Lübeck gehalten werden konnte. Seither steht das sogenannte Haus B am Lübecker Schrangen leer.29. Nov. 2022

Die Nachricht von der Schließung war im Grunde schon seit Oktober 2022 besiegelt, als der Mutterkonzern Galeria Karstadt Kaufhof zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Insolvenz anmeldete. Diese Entwicklung traf die Filiale in Lübeck hart und stellte die rund 110 Angestellten vor die Notwendigkeit, sich beruflich neu zu orientieren. Die Insolvenz des Konzerns wurde damals mit stark gestiegenen Kosten, insbesondere Energiepreisen, und einer allgemeinen Konsumflaute infolge der Corona-Pandemie begründet. Trotz staatlicher Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 680 Millionen Euro konnte der Niedergang nicht aufgehalten werden.

Übersicht

Die Gründe für das vorzeitige Aus

Während das offizielle Enddatum für Ende Januar festgelegt war, kursierten in den Tagen vor der tatsächlichen Schließung bereits Gerüchte über ein früheres Ende. Diese Spekulationen wurden durch Bilder in den sozialen Medien angeheizt, die völlig leergeräumte Regale zeigten. Auch am letzten Tag des Betriebs war die Situation dieselbe: Durch die Schaufenster waren nur noch lange Reihen leerer Regale zu sehen. Es gab schlichtweg kaum noch Waren zu verkaufen.

Der Grund für diesen Mangel an Ware war paradoxerweise der Erfolg des Ausverkaufs. Die Schnäppchenpreise, zu denen die verbliebenen Artikel angeboten wurden, fanden reißenden Absatz. Zuletzt kamen zwar weniger Kunden, aber diejenigen, die kamen, kauften gezielt die reduzierten Artikel. Der Ausverkauf bei Karstadt in Lübeck lief offenbar so gut, dass die Filiale deutlich schneller als erwartet keine nennenswerte Ware mehr hatte. Ein Weiterbetrieb des großen Kaufhauses ohne entsprechendes Angebot war wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll. So fiel die Entscheidung, bereits am Dienstag um 18 Uhr endgültig zu schließen, anstatt den Betrieb noch anderthalb Wochen fortzuführen.

Ein Abschied mit gemischten Gefühlen

Für die verbliebenen Mitarbeitenden, die bis zuletzt in der Filiale arbeiteten, soll es nach der Schließung noch eine kleine Abschiedsfeier geben, wie eine ehemalige Angestellte berichtete. Offiziell wollte sich am letzten Tag niemand mehr zum Ende von Karstadt äußern. Die Trauer über das Aus der Traditionsfiliale sitzt tief. 140 Jahre lang war Karstadt ein fester Bestandteil der Lübecker Innenstadt, ein Ort, der für viele Generationen zum Einkaufen gehörte.

Auch unter den Passanten in der Stadt wurde die Schließung mit unterschiedlichen Gefühlen aufgenommen. Viele äußerten Bedauern und das Gefühl, dass ihnen etwas in der Innenstadt fehlen werde. Besonders ältere Menschen, die Karstadt vielleicht über Jahrzehnte hinweg frequentiert hatten, sahen das Ende mit Wehmut. Für sie war das Kaufhaus oft mehr als nur ein Geschäft; es war ein Treffpunkt und Teil ihrer Einkaufsgewohnheiten.

Jüngere Passanten zeigten dagegen oft mehr Verständnis für das Aus. Sie verwiesen auf den zunehmenden Online-Handel und die veränderten Einkaufsgewohnheiten, die es großen Warenhäusern wie Karstadt schwer machen. Für sie hatte das klassische Kaufhaus-Konzept offenbar an Attraktivität verloren. Diese unterschiedlichen Reaktionen spiegeln den Wandel im Einzelhandel wider, der durch die Digitalisierung und neue Konsumtrends vorangetrieben wird.

Die Zukunft der Karstadt-Gebäude am Schrangen

Die Geschichte der Karstadt-Immobilien am Schrangen in Lübeck ist komplex und hat bereits einige Wendungen genommen, noch bevor das Hauptkaufhaus schloss. Bereits im Herbst 2020 wurde die Karstadt Sport Filiale in Lübeck geschlossen. Das sogenannte Haus B am Lübecker Schrangen, in dem sich Karstadt Sport befand, steht seither leer. Das Hauptwarenhaus blieb entgegen ursprünglicher Pläne damals noch geöffnet.

Für das leerstehende Haus B entwickelte die Stadt Lübeck unter Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) Pläne. Im März 2021 wurde vorgeschlagen, das Gebäude zu erwerben und zu einem „Mixed-Use“-Konzept zu entwickeln. Die Idee war, das Haus B mit unterschiedlichen, öffentlichen Nutzungen zu füllen. Dazu sollten zusätzliche Schulräume für die Innenstadt-Gymnasien, Pop-Up-Geschäfte, Start-Ups sowie Flächen für die Hochschulen gehören. Insbesondere die unteren Geschosse sollten öffentlich zugänglich bleiben und so zur Belebung der Innenstadt beitragen.

Die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck stimmte dem Ankauf des Gebäudes im September 2021 zu. Nach Verhandlungen mit der derzeitigen Eigentümerin, die zur RFR-Gruppe gehört, konnte der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Der Übergang der Immobilie an die Hansestadt Lübeck war für voraussichtlich Anfang 2023 geplant, vorbehaltlich der üblichen vertraglichen Voraussetzungen. Das benachbarte Warenhaus, das nun geschlossen ist, verbleibt weiterhin im Eigentum der RFR Gruppe.

Bei der Übernahme und den Planungen für Haus B gab und gibt es technische und rechtliche Herausforderungen. Die beiden Gebäude am Schrangen sind technisch miteinander verbunden, und es wurden sogar noch Flächen im Haus B von Galeria-Karstadt genutzt. Zudem mussten die Flurstücke rechtlich getrennt werden.

Bürgermeister Jan Lindenau zeigte sich erfreut über den Ankauf von Haus B durch die Stadt. Er betonte die einmalige Chance, einen neuen attraktiven Innenstadt-Magneten zu entwickeln. Ziel sei es, die beiden Immobilien trotz unterschiedlicher Eigentümer unterirdisch verbunden zu halten, um Handel mit Bildung und Wissenschaft zu verknüpfen und die Innenstadt in bisher einmaliger Form neu zu beleben.

Bis diese Vision Realität wird, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Die technische Trennung der Gebäude muss baulich umgesetzt und das Haus B für die neuen Nutzungen umgebaut werden. Die Stadt plant, die Planungs- und Bauvorbereitungsphase zu nutzen, um das Gebäude nicht leer stehen zu lassen. Bereits im Frühjahr 2023 sollten Planungs- und Beteiligungsworkshops mit zukünftigen Nutzern wie den Innenstadt-Gymnasien, den Hochschulen und interessierten Lübeckern im Gebäude stattfinden.

Warum schließt Karstadt Lübeck?
Nach schnellem Ausverkauf hatte die Filiale nahezu keine Ware mehr. Im Oktober 2022 hatte der Konzern Galeria Karstadt Kaufhof Insolvenz angemeldet. Damit war auch das Ende der Filiale in Lübeck so gut wie besiegelt. Für etwa 110 Angestellte bedeutete das, dass sie sich neu orientieren mussten.

Bausenatorin Joanna Hagen beschrieb das Projekt als einen neuen Weg. Die Entwicklung des Projekts beginne nun mit der Erarbeitung der konkreten Nutzungsbedarfe, was bei einem Mixed-Use-Konzept eine komplexe Aufgabe sei. Ein integrativer Prozess solle den besonderen Mehrwert eines solchen Konzepts in den Vordergrund rücken. Analysen der Funktionsaufnahme zukünftiger Räume, Überprüfung von Abläufen, Auslastungsanalysen und statistische Daten sollen in neue Raumkonzepte und Nutzungsszenarien münden, die einem Nutzerbedarfsprogramm dargestellt werden und Architekten Grundlagen für die weitere Planung liefern.

Zusätzlich zu den Planungen für Haus B startete im Jahr 2023 das Projekt INNOVATIONSKONTOR zur Stärkung der Innenstadt. Dieses Projekt soll ebenfalls zur Belebung des Hauses B beitragen. Die Wirtschaftsförderung Lübeck initiierte das Teilprojekt IMPULS.RAUM Lübeck. Dieses Teilprojekt geht über das ehemalige Karstadt Haus B hinaus und befasst sich generell mit der Anmietung und Aktivierung von Leerstandsimmobilien in der Innenstadt.

Im Fokus stehen dabei größere Erdgeschossflächen, die durch modularen Ladenbau unterteilt und in kleineren Einheiten an Nutzer entsprechend ihres Flächenbedarfs untervermietet werden können. Laut Projektmanagerin Linda Osterloh soll so aktuellem Leerstand entgegengewirkt und die Innenstadt mit neuen Verbindungen von regionaler, innenstadtaffiner Manufaktur, Kreativität, Kultur und Handel belebt werden. Ziel ist es, neue Erlebnisse für Akteure wie Besucher der Innenstadt zu schaffen. Das ehemalige Karstadt Haus B spielt bei diesen Plänen eine zentrale Rolle als potenzieller Ankerpunkt für die Belebung.

Chronologie der Ereignisse

Um die Entwicklungen rund um Karstadt in Lübeck besser zu verstehen, ist ein Blick auf die wichtigsten Daten hilfreich:

  • Herbst 2020: Karstadt Sport Filiale (Haus B) schließt. Das Hauptwarenhaus bleibt entgegen erster Pläne geöffnet.
  • März 2021: Bürgermeister Lindenau schlägt den Ankauf von Haus B durch die Stadt für ein Mixed-Use-Konzept vor.
  • September 2021: Die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck stimmt dem Ankauf von Haus B zu.
  • Oktober 2022: Der Mutterkonzern Galeria Karstadt Kaufhof meldet zum zweiten Mal Insolvenz an. Das Ende der Filiale in Lübeck wird absehbar.
  • Anfang 2023 (geplant): Übergang der Immobilie Haus B an die Hansestadt Lübeck nach Unterzeichnung des Kaufvertrags.
  • Frühjahr 2023: Start von Planungs- und Beteiligungsworkshops für die zukünftige Nutzung von Haus B im Gebäude.
  • 2023: Start des Projekts INNOVATIONSKONTOR und des Teilprojekts IMPULS.RAUM Lübeck zur Innenstadtbelebung, auch unter Einbeziehung von Haus B.
  • Ende Januar 2024 (ursprünglich geplant): Offizielles Schließungsdatum für das Karstadt Warenhaus.
  • 16. Januar 2024: Endgültige und vorzeitige Schließung des Karstadt Warenhauses um 18 Uhr aufgrund von Warenmangel nach erfolgreichem Ausverkauf.

Diese Chronologie zeigt, dass die Schließung des Hauptwarenhauses zwar ein trauriger Schlusspunkt ist, aber gleichzeitig bereits seit einiger Zeit Pläne für die Neugestaltung der ehemaligen Karstadt-Flächen, insbesondere von Haus B, existieren.

Häufig gestellte Fragen zur Karstadt Schließung in Lübeck

Die Schließung eines so traditionsreichen Kaufhauses wirft viele Fragen auf. Hier beantworten wir einige davon basierend auf den verfügbaren Informationen:

Warum hat Karstadt in Lübeck geschlossen?

Die Schließung ist eine direkte Folge der Insolvenz des Mutterkonzerns Galeria Karstadt Kaufhof, der mit gestiegenen Kosten (wie Energiepreisen) und einer Konsumflaute zu kämpfen hatte. Dies führte zur Entscheidung, zahlreiche Filialen, darunter auch die in Lübeck, zu schließen.

Wann genau hat Karstadt in Lübeck geschlossen?

Das Karstadt Warenhaus in Lübeck hat am Dienstag, dem 16. Januar 2024, um 18:00 Uhr endgültig geschlossen. Dies war früher als das ursprünglich geplante Datum Ende Januar 2024.

Warum wurde die Filiale früher geschlossen als geplant?

Die vorzeitige Schließung erfolgte, weil der Ausverkauf so erfolgreich war, dass die Filiale bereits deutlich vor dem geplanten Datum keine nennenswerte Ware mehr hatte. Ein Weiterbetrieb ohne Ware lohnte sich nicht mehr.

Was passiert mit den Mitarbeitenden?

Etwa 110 Angestellte waren von der Schließung betroffen. Sie mussten sich beruflich neu orientieren. Für die zuletzt verbliebenen Mitarbeitenden soll es eine Abschiedsfeier geben.

Was passiert mit dem Gebäude am Schrangen?

Die Situation ist zweigeteilt. Das ehemalige Karstadt Sport Gebäude (Haus B) wurde von der Hansestadt Lübeck gekauft und soll zu einem "Mixed-Use"-Gebäude mit öffentlichen Nutzungen (Schule, Hochschulen, Pop-Ups, Start-Ups) umgebaut werden. Das Hauptwarenhaus, das nun geschlossen ist, verbleibt im Eigentum der RFR Gruppe. Pläne für dessen zukünftige Nutzung wurden in den bereitgestellten Informationen nicht detailliert genannt, abgesehen davon, dass eine unterirdische Verbindung zu Haus B angestrebt wird.

Wie reagieren die Lübecker auf die Schließung?

Die Reaktionen sind gemischt. Viele ältere Einwohner bedauern das Ende des traditionellen Kaufhauses. Jüngere Einwohner zeigen oft mehr Verständnis und verweisen auf die Veränderungen im Einzelhandel durch den Online-Handel.

Welche Pläne gibt es für die Belebung der Innenstadt nach der Karstadt-Schließung?

Die Stadt Lübeck verfolgt aktiv Pläne zur Belebung der Innenstadt. Dazu gehört die Entwicklung des Haus B zu einem attraktiven Anziehungspunkt sowie das Projekt INNOVATIONSKONTOR und das Teilprojekt IMPULS.RAUM Lübeck, das sich generell mit der Aktivierung von Leerstandsimmobilien durch flexible Mietmodelle beschäftigt.

Das Ende von Karstadt in Lübeck ist zweifellos ein signifikanter Einschnitt für die Stadt und ihre Bewohner. Es markiert das Ende einer langen Geschichte und stellt eine Herausforderung für die Belebung der Innenstadt dar. Gleichzeitig eröffnen die Pläne der Stadt für die ehemaligen Karstadt-Immobilien, insbesondere für Haus B, neue Perspektiven für die zukünftige Nutzung und Entwicklung dieses zentralen Bereichs der Hansestadt.

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