15/06/2022
Die korrekte Kommasetzung im Deutschen stellt viele vor eine Herausforderung. Regeln, die man einst in der Schule lernte, geraten schnell in Vergessenheit. Doch gerade in der schriftlichen Kommunikation, sei es im Beruf oder im Alltag, ist eine präzise Zeichensetzung entscheidend für die Klarheit und Verständlichkeit Ihrer Texte. Dieser Artikel beleuchtet einige der wichtigsten Regeln der Kommasetzung, basierend auf häufigen Anwendungsfällen, um Ihnen zu helfen, Fehler zu vermeiden und Ihre Sätze korrekt zu strukturieren.

Wir konzentrieren uns auf die Grundlagen, wie sie auch im schulischen Kontext vermittelt und für die alltägliche Korrespondenz benötigt werden. Die Regeln für Kommas bei Aufzählungen, vor bestimmten Konjunktionen und zur Abgrenzung von Nebensätzen sind essenziell und decken einen Großteil der Anwendungsfälle ab.
Kommasetzung bei Aufzählungen
Eine der grundlegendsten Regeln betrifft die Kommasetzung bei Aufzählungen. Wenn Sie mehrere gleichartige Satzglieder – seien es Substantive, Adjektive, Verben oder ganze Wortgruppen – nebeneinanderreihen, werden diese in der Regel durch Kommas voneinander getrennt. Dies dient der Übersichtlichkeit und Strukturierung der genannten Elemente.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht dies:
In meinem Rucksack sind mein Laptop, Stifte, Lippenpflege und ein Block.
Hier werden die einzelnen Gegenstände (Laptop, Stifte, Lippenpflege, Block) aufgezählt. Die ersten drei Elemente sind durch Kommas getrennt. Vor dem letzten Element, das durch die Konjunktion „und“ angeschlossen wird, steht kein Komma. Dies ist eine wichtige Ausnahme: Werden Elemente einer Aufzählung durch „und“ oder „oder“ verbunden, wird in der Regel kein Komma davor gesetzt.
Betrachten wir ein weiteres Beispiel mit Adjektiven:
Die beste Freundin meiner besten Freundin ist die schönste, klügste, witzigste Person überhaupt.
Die Adjektive „schönste“, „klügste“, „witzigste“ beschreiben die Person und sind gleichwertig. Sie könnten die Kommas hier theoretisch durch „und“ ersetzen („die schönste und klügste und witzigste Person“), auch wenn das stilistisch nicht immer elegant wäre. Die Regel besagt, dass bei gleichwertigen Teilen einer Aufzählung, die nicht durch „und“ oder „oder“ verbunden sind, ein Komma gesetzt wird.
Gleichwertige versus nicht gleichwertige Satzteile
Es gibt jedoch Fälle, in denen Satzteile zwar hintereinanderstehen, aber nicht als klassische Aufzählung behandelt werden, weil sie nicht gleichwertig sind. Dies ist oft bei aufeinanderfolgenden Adjektiven der Fall, wenn das eine Adjektiv nicht das Substantiv allein, sondern die Kombination aus dem anderen Adjektiv und dem Substantiv näher bestimmt.
Ein Beispiel aus dem bereitgestellten Text verdeutlicht diesen Unterschied:
- Gleichwertig: Die lange, schwierige Klausur steckt mir in den Knochen. (Die Klausur ist lang UND schwierig. Sie könnten sagen: Die lange und schwierige Klausur.)
- Nicht gleichwertig: Wir haben die schwerste erste Klausur überhaupt geschrieben. („schwerste“ bezieht sich hier auf die Einheit „erste Klausur“, nicht nur auf „Klausur“. Sie könnten nicht sagen: die schwerste und erste Klausur.)
In diesem zweiten Fall der nicht gleichwertigen Adjektive wird kein Komma gesetzt. Das Erkennen der Gleichwertigkeit kann manchmal knifflig sein, aber die „Ersetzbarkeit durch und“-Probe ist oft hilfreich.
Kommasetzung vor Konjunktionen wie „als“, „wie“ oder „denn“
Die Kommasetzung vor den Konjunktionen „als“, „wie“ und „denn“ führt ebenfalls häufig zu Unsicherheiten. Die entscheidende Frage hierbei ist, ob die Konjunktion lediglich Satzteile verbindet oder einen vollständigen Nebensatz einleitet.
Konjunktionen im Allgemeinen dienen dazu, Wörter, Wortgruppen oder Sätze miteinander zu verbinden. Man unterscheidet nebenordnende Konjunktionen (wie „und“, „oder“, „aber“, „denn“) und unterordnende Konjunktionen (wie „dass“, „ob“, „weil“, „wenn“, „als“, „wie“). Die Kommasetzung hängt stark von dieser Unterscheidung und der Art des verbundenen Satzteils ab.
Kommasetzung vor „als“ und „wie“
Bei „als“ und „wie“ gilt die Regel, dass kein Komma gesetzt wird, wenn sie lediglich Satzteile, aber keinen Nebensatz verbinden. Dies ist oft bei Vergleichen der Fall.
Beispiel:
Er ist größer als sie.
Hier wird „als sie“ als verkürzter Vergleichssatzteil verstanden (eigentlich: „als sie groß ist“), aber da nur „sie“ angefügt ist, wird kein Komma gesetzt.
Anders verhält es sich, wenn „als“ oder „wie“ einen vollständigen Nebensatz einleiten. Ein Nebensatz ist ein Satz, der nicht alleine stehen kann, vom Hauptsatz abhängt und in der Regel mit einer einleitenden Konjunktion oder einem Relativpronomen beginnt und dessen konjugiertes Verb am Ende steht (siehe Abschnitt zu Nebensätzen).
Beispiele aus dem Text zeigen den Unterschied:
- Er hat schon immer mehr gegessen als andere. (Kein Komma, da nur Satzteil „andere“ angefügt)
- Er hat schon immer mehr gegessen, als andere in seinem Alter zu sich nehmen konnten. (Komma, da „als andere in seinem Alter zu sich nehmen konnten“ ein vollständiger Nebensatz ist)
Auch bei erweiterten Infinitivgruppen mit „zu“, die mit „als“ eingeleitet werden, wird ein Komma gesetzt:
Was gibt es Schöneres, als am Sonntag gemütlich mit der ganzen Familie zu brunchen?
Die Gruppe „als am Sonntag gemütlich mit der ganzen Familie zu brunchen“ ist eine erweiterte Infinitivgruppe, die durch „als“ eingeleitet wird und vom Hauptsatz abhängt. Solche Strukturen werden durch Komma abgetrennt.
Kommasetzung vor „denn“
Die Konjunktion „denn“ ist eine nebenordnende Konjunktion, die einen Grund angibt. Sie verbindet zwei Hauptsätze oder gleichwertige Satzteile. Nach neuer deutscher Rechtschreibung wird vor „denn“ immer ein Komma gesetzt, da es einen eigenständigen Gedanken (einen Hauptsatz) einleitet, der den vorherigen erklärt.

Beispiel (nicht explizit im Text, aber abgeleitet von der Klassifizierung als nebenordnende Konjunktion):
Ich kann heute nicht kommen, denn ich bin krank.
Kommasetzung vor „und“, „oder“, „sowie“ und ähnlichen Konjunktionen
Die Konjunktionen „und“, „oder“, „sowie“, „beziehungsweise“ (bzw.), „entweder … oder“, „weder … noch“, „sowohl … als auch“, „nicht … noch“, „wie“ (im Sinne von „und“) sind nebenordnende Konjunktionen, die gleichrangige Satzteile oder Hauptsätze verbinden. Nach den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung wird vor diesen Konjunktionen in der Regel *kein* Komma gesetzt.
Beispiele aus dem Text:
- Sie packte ihre Sachen und ging. (Verbindet zwei Hauptsätze oder gleichrangige Satzteile)
- Bring bitte Brot, Käse, Joghurt oder Quark mit. (Verbindet Elemente einer Aufzählung, das letzte Element wird mit „oder“ angeschlossen)
- Er hat ihr das Buch geschenkt beziehungsweise überlassen. (Verbindet gleichrangige Satzteile)
- Man muss sich entweder für das Volksbegehren entscheiden oder dagegen. (Verbindet gleichrangige Satzteile im Rahmen der „entweder…oder“-Konstruktion)
- Ich werde nicht rasten noch ruhen. (Verbindet gleichrangige Satzteile im Rahmen der „nicht…noch“-Konstruktion)
- Die Chefin sowie der Hausmeister haben einen Schlüssel dafür. (Verbindet gleichrangige Subjekte)
- Wir haben das Modell sowohl in blau als auch in weiß. (Verbindet gleichrangige Satzteile im Rahmen der „sowohl…als auch“-Konstruktion)
- Man weiß weder seinen Namen noch seine Adresse. (Verbindet gleichrangige Satzteile im Rahmen der „weder…noch“-Konstruktion)
- Die Tasse ist innen wie außen beschichtet. (Verbindet gleichrangige Satzteile, „wie“ hier im Sinne von „und“)
Diese Regel ist relativ einfach: Stehen „und“, „oder“, „sowie“ etc. zwischen gleichrangigen Elementen, kommt kein Komma.
Ausnahme: Komma vor „und“, „oder“, „sowie“ bei Einschüben oder Nebensätzen
Die Regel, dass vor „und“, „oder“, „sowie“ kein Komma steht, hat eine wichtige Ausnahme: Wenn die Konjunktion einen Satzteil oder Satz anschließt, der *nach* einem Nebensatz oder einem anderen Einschub folgt. In diesem Fall trennt das Komma nicht die Konjunktion selbst ab, sondern schließt den vorangehenden Nebensatz oder Einschub ab.
Beispiele aus dem Text:
- Wir hoffen, dass wir alle Fragen zur Rechtschreibung klären konnten, und verabschieden uns.
- Wir hoffen, alle Fragen zur Rechtschreibung geklärt zu haben, und verabschieden uns.
Im ersten Satz schließt das Komma den Nebensatz „dass wir alle Fragen zur Rechtschreibung klären konnten“ ab. Das „und verabschieden uns“ folgt auf diesen Nebensatz und wird daher durch das Komma vom Rest des Satzes getrennt. Das Komma steht also *vor* dem „und“, aber seine Funktion ist es, den Nebensatz abzugrenzen. Im zweiten Satz schließt das Komma die erweiterte Infinitivgruppe „alle Fragen zur Rechtschreibung geklärt zu haben“ ab.
Kommasetzung bei Nebensätzen
Wie bereits erwähnt, ist die Unterscheidung zwischen Hauptsatz und Nebensatz zentral für viele Kommaregeln. Ein Nebensatz wird immer durch ein Komma vom übergeordneten Satz (Hauptsatz oder einem anderen Nebensatz) abgetrennt. Dies gilt unabhängig davon, ob der Nebensatz vor, nach oder eingeschoben im Hauptsatz steht.
Was ist ein Nebensatz?
Ein Nebensatz kann im Gegensatz zu einem Hauptsatz nicht alleine stehen, da sein Inhalt vom Hauptsatz abhängt oder diesen näher erläutert. Nebensätze werden oft durch spezifische Wörter eingeleitet:
- Unterordnende Konjunktionen: „dass“, „ob“, „weil“, „wenn“, „als“, „wie“, „damit“, „so dass“, „nachdem“, „während“, „obwohl“, „sobald“, „solange“, „ehe“, „bevor“, „falls“, „sofern“, „soweit“ usw.
- Relativpronomen: „der“, „die“, „das“, „welcher“, „welche“, „welches“, „wer“, „was“.
- Interrogativpronomen oder -adverbien in indirekten Fragesätzen: „wer“, „was“, „wo“, „wann“, „warum“, „wie“, „ob“.
Ein weiteres, oft sehr hilfreiches Merkmal von Nebensätzen ist die Stellung des konjugierten Verbs. In einem deutschen Nebensatz steht das finite (konjugierte) Verb in der Regel am Ende des Satzes.
Beispiele aus dem Text und weitere:
- Sie schreiben (Hauptsatz), dass es draußen windig wird (Nebensatz, eingeleitet durch „dass“, Verb „wird“ am Ende).
- ich freue mich (Hauptsatz), dass Sie mir glauben (Nebensatz, eingeleitet durch „dass“, Verb „glauben“ am Ende).
- Das Anwesen war das Haus (Hauptsatz), das seiner Großmutter gehörte (Nebensatz, eingeleitet durch Relativpronomen „das“, Verb „gehörte“ am Ende).
- Er fragte (Hauptsatz), ob ich kommen könnte (Nebensatz, eingeleitet durch „ob“, Verb „könnte“ am Ende).
- Wir wissen nicht (Hauptsatz), wann er zurückkommt (Nebensatz, eingeleitet durch „wann“, Verb „zurückkommt“ am Ende).
Die Struktur Hauptsatz + Nebensatz oder Nebensatz + Hauptsatz erfordert immer ein Komma an der Nahtstelle. Auch wenn ein Nebensatz in einen Hauptsatz eingeschoben ist, wird er durch Kommas abgetrennt.
Beispiel für einen eingeschobenen Nebensatz:
Der Bericht, den ich gestern fertiggestellt habe, liegt auf Ihrem Schreibtisch.
Der Nebensatz „den ich gestern fertiggestellt habe“ ist in den Hauptsatz „Der Bericht liegt auf Ihrem Schreibtisch“ eingeschoben und wird links und rechts mit Kommas abgetrennt.
Zusammenfassende Übersicht wichtiger Kommaregeln
Um die wichtigsten Punkte festzuhalten, hier eine knappe Zusammenfassung der Regeln, die auf den bereitgestellten Informationen basieren:
- Aufzählungen: Gleichwertige Wörter oder Wortgruppen werden durch Kommas getrennt, es sei denn, sie sind mit „und“ oder „oder“ verbunden. Bei nicht gleichwertigen Adjektiven in einer Reihe wird kein Komma gesetzt.
- Vor „als“ und „wie“: Kein Komma, wenn sie nur Satzteile verbinden (Vergleiche). Komma, wenn sie einen Nebensatz oder eine erweiterte Infinitivgruppe mit „zu“ einleiten.
- Vor „denn“: Immer ein Komma.
- Vor „und“, „oder“, „sowie“ (und ähnlichen nebenordnenden Konjunktionen): In der Regel kein Komma, wenn sie gleichrangige Satzteile oder Hauptsätze verbinden. Komma, wenn sie nach einem Nebensatz oder Einschub stehen und diesen anschließen.
- Nebensätze: Werden immer durch Kommas vom übergeordneten Satz abgetrennt. Sie sind oft an ihrer Einleitung (Konjunktion, Relativpronomen etc.) und der Verbendstellung erkennbar.
Das Beherrschen dieser Regeln trägt maßgeblich zur Klarheit und Professionalität Ihrer Texte bei. Auch wenn die Kommasetzung komplex erscheinen mag, decken diese grundlegenden Prinzipien viele alltägliche Fälle ab.
Häufig gestellte Fragen zur Kommasetzung
Muss vor „usw.“ ein Komma gesetzt werden?
Ja, „usw.“ (und so weiter) wird als Teil einer Aufzählung verstanden und in der Regel durch ein Komma vom vorhergehenden Element abgetrennt, sofern es nicht das erste Element ist. Beispiel: Wir brauchen Stifte, Papier, Umschläge, usw.
Woran erkenne ich sicher einen Nebensatz?
Ein sicheres Zeichen für einen Nebensatz ist oft die Stellung des finiten (konjugierten) Verbs am Ende des Satzes. Zudem kann ein Nebensatz nicht alleine stehen und wird meist durch spezifische Einleitewörter (Konjunktionen, Relativpronomen) begonnen.
Gibt es Ausnahmen von der Kommaregel bei Nebensätzen?
Nach der aktuellen Rechtschreibung werden Nebensätze grundsätzlich immer durch Kommas abgetrennt. Es gibt keine allgemeinen Ausnahmen, die es erlauben würden, ein Komma vor oder nach einem Nebensatz wegzulassen.
Die Anwendung der Kommaregeln erfordert Übung und Aufmerksamkeit, aber mit einem klaren Verständnis der grundlegenden Prinzipien, wie sie hier dargestellt wurden, können Sie Ihre schriftlichen Fähigkeiten deutlich verbessern.
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