Wie nennt man die mittelalterliche Schrift?

Die Frakturschrift: Eine historische Schriftform

03/05/2017

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Wenn von historischen deutschen Schriften die Rede ist, fällt oft der Begriff „Fraktur“. Doch was genau verbirgt sich dahinter und wie ist diese prägnante Schriftform entstanden? Während viele sie intuitiv dem Mittelalter zuordnen, entwickelte sich die Fraktur tatsächlich erst am Anfang des 16. Jahrhunderts und markiert somit den Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit. Sie ist jedoch eng mit den mittelalterlichen Schrifttraditionen verbunden, insbesondere als Weiterentwicklung der Textura, einer gotischen Schriftart. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung, Entwicklung und Besonderheiten der Frakturschrift, basierend auf den uns vorliegenden Informationen.

Wie nennt man die mittelalterliche Schrift?
Fraktur (Schrift) Die Fraktur (von lateinisch fractura „Bruch“, seit Mitte des 15. Jahrhunderts auch „gebrochene Schrift“) ist eine Schriftart aus der Gruppe der gebrochenen Schriften.
Übersicht

Ursprung und frühe Entwicklung der Frakturschrift

Die Frakturtype nahm ihren Anfang zu Beginn des 16. Jahrhunderts und ging aus der mittelalterlichen Textura hervor. Ihre Entstehung ist untrennbar mit Kaiser Maximilian I. verbunden, einem großen Förderer der Künste und des Buchdrucks. Obwohl die genaue Urheberschaft bis heute nicht eindeutig geklärt ist, da Formen, die der Fraktur ähneln, auch in handschriftlichen Urkunden aus dem Umfeld der Wiener Universität und in Nürnberg zu finden sind, gibt es zwei Hauptkandidaten.

Einer der möglichen Schöpfer ist Vinzenz Rockner, ein Sekretär Maximilians I. Rockner überwachte den Druck des berühmten Gebetbuches des Kaisers und lieferte die handschriftlichen Vorlagen für die Drucklettern. Es bleibt jedoch unklar, ob er diese Vorlagen auch selbst entworfen hat.

Der zweite mögliche Urheber ist der Mönch und Schreiber Leonhard Wagner. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts entwickelte Wagner eine Schriftart, die der späteren Fraktur sehr ähnlich war. Allerdings verblieb diese Handschrift in der Bibliothek seines Klosters, wodurch ihr Bekanntheitsgrad außerhalb dieser Mauern ungewiss ist.

Die erste Frakturschrift, die speziell für den Buchdruck entworfen wurde, stammt aus dem Jahr 1513. Sie wurde von Hans Schönsperger in Augsburg geschaffen und unter anderem im bereits erwähnten Gebetbuch Maximilians I. verwendet, das von Albrecht Dürer illustriert wurde. Ein weiteres frühes und wichtiges Beispiel für die Anwendung der Fraktur im Druck ist der „Theuerdank“, ein Versepos, das 1517 in Nürnberg gedruckt wurde.

Ihre ästhetische Vollendung erfuhr die Fraktur im 18. Jahrhundert durch begabte Schriftschneider wie G. I. Breitkopf und J. F. Unger. Nach Rudolf Kautzsch liegt ein wesentlicher Charakter der Frakturschrift in der „geheimen Gegensätzlichkeit zwischen der Gotik ihrer Gemeinen und der Renaissance ihrer Versalien“. Dies beschreibt treffend die Mischung aus den gebrochenen, gotisch anmutenden Kleinbuchstaben und den oft runden, eher an die Renaissance erinnernden Großbuchstaben.

Entwicklung und verschiedene Formen der Fraktur

Ähnlich wie die Antiqua, eine andere wichtige Schriftgattung, hat sich auch die Fraktur im Laufe der Jahrhunderte unter dem Einfluss des jeweiligen Zeitgeistes verändert und angepasst. Man kann verschiedene wichtige Formen der Fraktur unterscheiden, die die Stilepochen widerspiegeln:

  • Renaissance-Fraktur: Diese frühe Form, repräsentiert durch die „Theuerdank-Fraktur“, zeigt noch starke Verbindungen zu ihren gotischen Wurzeln, beginnt aber, eigenständige Merkmale zu entwickeln.
  • Barock-Fraktur: Vertreten durch die „Breitkopf-Fraktur“, zeichnet sich diese Form oft durch eine größere Eleganz und Verfeinerung aus, die dem ästhetischen Empfinden des Barocks entspricht.
  • Klassizistische Fraktur: Formen wie die „Unger-Fraktur“ und die „Walbaum-Fraktur“ zeigen die Einflüsse des Klassizismus, oft mit klareren Linien und einer gewissen Strenge im Vergleich zu barocken Formen.

Diese Entwicklung zeigt, dass die Fraktur keine starre Schriftform war, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelte und an die ästhetischen und praktischen Anforderungen ihrer Zeit anpasste.

Die Fraktur im Wandel der Zeit: Von Büchern zu Formeln

Obwohl die Fraktur in vielen Bereichen des täglichen Drucks durch die Antiqua abgelöst wurde, fand sie in bestimmten Anwendungsgebieten weiterhin Verwendung. Ein bemerkenswertes Beispiel ist der Einsatz der Fraktur im Formelsatz, insbesondere in Mathematik und Physik.

Verwendung im Formelsatz

Wie fast alle typografischen Auszeichnungsmöglichkeiten kann auch Fraktur im Formelsatz eine sinnvolle, d. h. bedeutungstragende, Rolle spielen. Bei handschriftlichen Formeln wurde Fraktur oft durch die deutsche Schreibschrift ersetzt. Es ist wichtig, dass die Frakturbuchstaben auch als alleinstehende Zeichen eindeutig identifizierbar sind, obwohl meist nur wenige verschiedene Frakturbuchstaben in einer Formel vorkommen, was die Verwechslungsgefahr verringert.

In vielen Fällen gilt die Verwendung von Fraktur im Formelsatz heute als veraltet und wurde durch andere typografische Auszeichnungen ersetzt, wie zum Beispiel fette kursive Schrift. Dennoch gab und gibt es spezifische Anwendungen:

  • Vektoren: Früher wurden kleine Frakturbuchstaben (z. B. 𝔄, 𝔅, 𝔆) zur Darstellung von Vektoren verwendet. Der Nullvektor wurde mit 𝔔 bezeichnet. Heute wird meist fette kursive Schrift (F, v) oder magere kursive Schrift mit übergesetztem Pfeil (F, v) empfohlen.
  • Hyperbelfunktionen: Früher wurden Abkürzungen für Hyperbelfunktionen manchmal in Fraktur gesetzt (z. B. 𝔜in x oder 𝔆os x). Heute verwendet man dafür Abkürzungen in aufrechter Grundschrift (z. B. sinh x, cosh x).
  • Matrizen und Tensoren: Auch zur Bezeichnung von Matrizen und Tensoren wurden Frakturbuchstaben eingesetzt.
  • Ideale: Insbesondere Ideale in der Algebra werden auch heute noch in modernen Lehrbüchern zur Unterscheidung von anderen Variablen oft mit Frakturbuchstaben bezeichnet.
  • Z-Transformation: Im Zusammenhang mit international genormten Größen und Einheiten wird das Zeichen (U+2128; englisch black-letter capital z) zur Darstellung der Z-Transformation verwendet.
  • Lie-Algebren: In der Mathematik ist es allgemein üblich, Lie-Algebren, die Lie-Gruppen zugeordnet sind, mit den Namen der Gruppe in kleinen Frakturbuchstaben zu bezeichnen (z. B. G → 𝔎, SLn𝔮𝔥n).

Diese speziellen Verwendungen zeigen, dass die Fraktur in bestimmten Fachgebieten aufgrund ihrer historischen Nutzung oder zur klaren Unterscheidung von Symbolen weiterhin relevant ist, auch wenn sie im allgemeinen Textsatz seltener geworden ist.

Fraktur in der digitalen Welt: Herausforderungen und Lösungen

Mit dem Aufkommen des Desktop-Publishing in den späten 1980er Jahren wurde es erstmals kostengünstig möglich, Schriften digital zu produzieren und zu vertreiben. Große Schriftanbieter digitalisierten ihre Bestände, doch mangels Nachfrage nur wenige Frakturschriften. Zahlreiche selbstständige Schriftgestalter haben weitere Frakturschriften digitalisiert und neu entworfen, deren Qualität jedoch stark variiert.

Für einen traditionellen Fraktursatz sind bestimmte typografische Merkmale unerlässlich, insbesondere wichtige Zwangsligaturen und das lange s. Da die Fraktur kein eigenständiges Schriftsystem im Sinne eines eigenen Alphabets ist, sondern eine Variante des lateinischen Alphabets, werden die Buchstaben in Unicode nicht separat kodiert. Damit eine Fraktur-Schrift in digitalen Texten korrekt dargestellt werden kann, müssen die für traditionelle Fraktur-Typographie erforderlichen Ligaturen (wie ff, fi, fl, ffi, ffl, st mit langem s, st mit rundem s) über fortschrittliche Typographiesysteme wie OpenType realisiert werden. Nur das lange ſ hat als besonderer Buchstabe einen eigenen Unicode-Code (U+017F).

Wie war eine mittelalterliche Burg aufgebaut?
Eine typische mittelalterliche Burg besteht aus mehreren Teilen: einer massiven Steinmauer zur Verteidigung, einem Wohnturm (Bergfried), Wohngebäuden, einer Kapelle und Wirtschaftsgebäuden. Sie befindet sich häufig auf einer Anhöhe zur besseren strategischen Kontrolle.

Viele ältere oder weniger ausgereifte digitale Frakturschriften verfügen entweder nicht über die notwendigen Ligaturen oder verstoßen gegen den Unicode-Standard, indem sie Ligaturen anstelle anderer Zeichen positionieren. Der Unicode-Standard enthält zwar einige Ligaturen (U+FB00 bis U+FB06), diese sind jedoch primär für die Abwärtskompatibilität mit älteren Kodierungen gedacht und sollten für modernen Schriftsatz nicht verwendet werden.

Die Norm ISO 15924 definiert Schriftsysteme und ermöglicht die Unterscheidung zwischen „Latin“ („Latn“) und „Latin (Fraktur variant)“ („Latf“). Theoretisch könnte mit der Angabe des Sprachcodes „de-Latf“ in HTML ein geeigneter Webbrowser automatisch eine passende Fraktur-Schrift anzeigen, falls verfügbar. Eine praktischere Methode im Web ist oft das Herunterladen einer Schrift über Cascading Style Sheets (CSS) vom Server.

Es gibt zwar keinen dedizierten Unicode-Block für Frakturtexte, aber im Unicodeblock „Buchstabenähnliche Symbole“ sind einige Frakturbuchstaben für mathematische Zwecke enthalten (C U+212D, H U+210C, I U+2111, R U+211C, Z U+2128). Später wurden die restlichen Frakturbuchstaben im Block „Mathematische alphanumerische Symbole“ (U+1D504 bis U+1D537) hinzugefügt. Es muss jedoch betont werden, dass diese Zeichen nicht für das Schreiben von fortlaufendem Text konzipiert sind, sondern ausschließlich für den mathematischen Formelsatz. Sie enthalten keine Umlaute, kein ß, kein langes s und keine Ligaturen.

Herausforderungen bei der automatisierten Texterkennung (OCR)

Die automatisierte Erkennung von Texten in Frakturschrift (OCR - Optical Character Recognition) ist wesentlich schwieriger als die Erkennung von Texten in modernen Schriften. Die Besonderheiten der Fraktur, insbesondere die Ähnlichkeit vieler Zeichen und die Verwendung zahlreicher Ligaturen, stellen bis heute eine Herausforderung für die Software dar. Anfänger beim Lesen von Fraktur haben ähnliche Probleme wie die Erkennungsalgorithmen.

Aus diesem Grund gab es erst relativ spät Software, die Fraktur einigermaßen zuverlässig lesen konnte. Ein wichtiger Treiber für diese Entwicklung war der Bedarf an der Digitalisierung von Zeitungen und Büchern aus dem 19. Jahrhundert, die häufig in Fraktur gedruckt waren.

Erst nach 2003 stand mit ABBYY FineReader, einer kommerziellen OCR-Software, die mit EU-Förderung und Unterstützung der Universität Innsbruck um Frakturerkennung erweitert wurde, eine erste brauchbare Lösung zur Verfügung. Diese Software wird bis heute in vielen Digitalisierungsprojekten eingesetzt.

Open-Source-OCR-Software mit zuverlässiger Frakturerkennung entwickelte sich später. Ein wichtiger Meilenstein war 2017 Tesseract 4, das neuronale Netzwerke für die Texterkennung einführte. Seit August 2019 bietet die Universität Innsbruck für ihr Transkribus ein spezielles, hochpräzises Frakturerkennungsmodell an. Das DFG-Projekt OCR-D hat ebenfalls einen erheblichen Beitrag zur Erkennung historischer Schriften geleistet.

Inzwischen gibt es mehrere freie OCR-Alternativen wie Tesseract, eScriptorium (mit kraken) und calamari, die gute bis sehr gute Ergebnisse bei Fraktur liefern können, oft dank spezifischer Trainingsmodelle, beispielsweise von der Universitätsbibliothek Mannheim. Je nach verwendeter Software und Modell werden spezielle Zeichen wie das lange s oder historische Umlaute entweder als solche erkannt oder auf die heute gebräuchlichen Zeichen abgebildet.

Zusammenfassung und heutige Bedeutung

Die Frakturschrift ist eine faszinierende historische Schriftform, die sich Anfang des 16. Jahrhunderts aus gotischen Schriften wie der Textura entwickelte. Sie war über Jahrhunderte die dominierende Druckschrift im deutschsprachigen Raum und erlebte verschiedene stilistische Wandlungen. Obwohl sie im allgemeinen Gebrauch weitgehend von der Antiqua abgelöst wurde, lebt sie in bestimmten Nischen, wie dem mathematischen Formelsatz, fort.

Die Digitalisierung der Fraktur stellt aufgrund ihrer spezifischen Merkmale wie Ligaturen und dem langen s besondere Herausforderungen dar, sowohl für die Darstellung als auch für die automatische Texterkennung. Fortschritte in der Typografietechnologie und bei den OCR-Algorithmen ermöglichen jedoch zunehmend die Zugänglichkeit und Analyse von in Fraktur gesetzten historischen Dokumenten.

Auch wenn die Fraktur heute nicht mehr alltäglich ist, bleibt sie ein wichtiges kulturelles Erbe und ein prägnantes visuelles Element der deutschen Druckgeschichte.

Häufig gestellte Fragen zur Frakturschrift

Ist Fraktur eine mittelalterliche Schrift?
Streng genommen ist Fraktur eine Schrift der frühen Neuzeit. Sie entstand Anfang des 16. Jahrhunderts, entwickelte sich aber aus mittelalterlichen gotischen Schriften wie der Textura. Sie wird oft mit älteren Zeiten assoziiert, ist aber nicht rein mittelalterlich.
Warum ist Fraktur schwer digital zu erkennen?
Die Schwierigkeit liegt an den Besonderheiten der Schrift, insbesondere an der Ähnlichkeit vieler Buchstabenformen und der Verwendung zahlreicher Ligaturen (Verbindungen von Buchstaben). Diese sind für OCR-Software schwer zu interpretieren, da sie oft als einzelne, unbekannte Zeichen erscheinen.
Wird Fraktur heute noch verwendet?
Im allgemeinen Schriftsatz ist Fraktur selten geworden. Sie findet aber noch Anwendung in bestimmten Bereichen, wie z. B. im mathematischen Formelsatz für spezielle Symbole (Ideale, Z-Transformation) oder in historischen Kontexten und für dekorative Zwecke. Auch nach 1945 wurden noch Bücher in Fraktur gesetzt.

Vergleich der Frakturformen

FormZeitraum (ca.)CharakteristikBeispiel / Vertreter
Renaissance-FrakturAnfang 16. Jh.Übergang von Gotik zu Renaissance, erste gedruckte FormenTheuerdank-Fraktur, Hans Schönsperger
Barock-Fraktur17. - 18. Jh.Eleganter, verfeinerter StilBreitkopf-Fraktur
Klassizistische FrakturEnde 18. - 19. Jh.Klarere, oft strengere FormenUnger-Fraktur, Walbaum-Fraktur

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