Was ist eine Sasse?

Was bedeutete der Begriff Sasse?

29/03/2022

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Der Begriff „Sasse“ bezeichnete im Mittelalter im hochdeutschsprachigen Raum eine spezifische Personengruppe, nämlich die Besitzer von Grund und Boden. Es ist wichtig, diesen Gebrauch streng von der häufigen Verwendung des Namens „Sasse“ oder „Saß“ im niederdeutschen Raum zu unterscheiden, die sich auf Bewohner des alten Stammesherzogtums Sachsen bezog.

Woher kommt Sasse?
Benennung nach Herkunft zu mittelniederdeutsch sasse 'Sachse'. Der Name bezieht sich auf die Stammesbezeichnung der (Nieder-)Sachsen und auf den daraus hervorgegangenen Landschaftsnamen.

Die Herkunft des Wortes „Sasse“ ist eng mit dem Verb „sitzen“ verknüpft, insbesondere mit dessen Präteritumform „saß“. Dies stellt eine Verbindung zum „Sitz“ im Sinne von Wohnsitz oder dem Sitz einer juristischen Person her.

Interessanterweise findet der Begriff auch heute noch Verwendung, wenn auch in abgeleiteten Formen wie „Insasse“ oder „ansässig“. Darüber hinaus gibt es eine gänzlich andere Bedeutung in der Tierwelt: Das Lager eines Hasen wird ebenfalls als Sasse bezeichnet.

Übersicht

Unterscheidung nach Besitzform

Im Mittelalter wurden Sassen je nach der Form ihres Besitzes oder ihrer Stellung im Verhältnis zum Grund und Boden unterschieden. Diese Klassifizierung gab Aufschluss über ihren sozialen Status und ihre Rechte:

  • Freisassen: Dies waren Personen, die Besitzer eines sogenannten Freiguts waren. Ein Freigut war in der Regel von bestimmten Abgaben oder Diensten befreit oder unterstand einer besonderen Rechtsform.
  • Landsassen: Diese Gruppe umfasste die großen Landeigentümer. Ihre umfangreichen Ländereien verliehen ihnen eine besondere Stellung und oft auch politischen Einfluss.
  • Hintersassen: Diese Kategorie war vielfältiger und umfasste verschiedene Arten von Bauern oder Kleinbesitzern, die oft in einem Abhängigkeitsverhältnis standen. Dazu zählten Kotsassen, Kötter und Kossäten. Sie besaßen in der Regel nur kleinere Hofstellen oder waren Pächter.

Unterscheidung nach Gerichtsbarkeit

Eine weitere wichtige Unterscheidung der Sassen erfolgte basierend auf der Gerichtsbarkeit, der sie unterworfen waren. Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf ihre rechtliche Stellung und ihre Privilegien:

  • Schriftsassen: Dies waren Sassen, die das Privileg hatten, nur vor den damaligen Obergerichten belangt werden zu können. Dieses Vorrecht der oberen Gerichtsbarkeit brachte oft weitere persönliche Vorrechte mit sich, die sich mit Rang und Würde entwickelten. Ihre rechtliche Position war somit im Vergleich zu anderen Sassen oft vorteilhafter.
  • Amtssassen: Im Gegensatz dazu waren Amtssassen der ordentlichen Gerichtsbarkeit im jeweiligen Amtsbezirk unterworfen. Sie mussten die Untergerichte im Amtsbezirk als erste Instanz anerkennen. Ihre rechtliche Stellung war weniger privilegiert als die der Schriftsassen.

Die Klassifizierung als Schriftsasse oder Amtsasse war somit ein entscheidendes Merkmal für die rechtliche und soziale Stellung einer Person im mittelalterlichen Rechtssystem.

Was ist eine Sasse?
Als Sasse (auch Saße, Sass oder Saß) wurde im Mittelalter im hochdeutschsprachigen Raum ein Besitzer von Grund und Boden bezeichnet. Davon streng zu unterscheiden ist das häufige niederdeutsche Vorkommen von Familien- und Ortsnamen wie Sasse, Saß u.

Herkunft und Verbreitungshinweise

Bezüglich der Herkunft und historischen Verbreitung des Namens oder Begriffs Sasse gibt es Hinweise auf entsprechende Untersuchungen, wie beispielsweise Namensverbreitungskarten. Solche Karten können Aufschluss darüber geben, in welchen Regionen der Name oder Begriff historisch besonders häufig vorkam.

Die Kategorisierung des Begriffs kann verschiedene Aspekte beleuchten:

  • Herkunft: Woher stammt das Wort? (Wie bereits erwähnt, die Verbindung zu „sitzen“).
  • Volks-/Stammesbezeichnung: Insbesondere im niederdeutschen Kontext, wo „Sasse“ oft Bewohner Sachsens bezeichnete.
  • Landschaftsbezeichnung: Gegebenenfalls die Verbindung zu bestimmten Regionen oder Landschaften.
  • Fachbegriffe: Die mittelalterliche Bedeutung als Grundbesitzer ist ein spezifischer historischer Fachbegriff.

Diese verschiedenen Blickwinkel zeigen die Vielschichtigkeit des Begriffs „Sasse“ und seine unterschiedlichen Kontexte, je nachdem, ob man die hochmittelalterliche Bedeutung als Grundbesitzer im hochdeutschen Raum betrachtet oder die Verwendung als Volks- oder Stammesbezeichnung im niederdeutschen Gebiet.

Häufig gestellte Fragen zum Begriff Sasse

Was genau bedeutet „Sasse“ im mittelalterlichen Kontext?
Im Mittelalter bezeichnete „Sasse“ im hochdeutschen Sprachraum einen Besitzer von Grund und Boden.
Gibt es einen Unterschied zwischen „Sasse“ im hochdeutschen und niederdeutschen Raum?
Ja, eine strenge Unterscheidung ist notwendig. Während es im Hochdeutschen den Grundbesitzer meint, bezieht sich das häufige Vorkommen von Namen wie Sasse im Niederdeutschen auf Bewohner des alten Stammesherzogtums Sachsen.
Woher leitet sich das Wort „Sasse“ ab?
Der Begriff ist mit dem Verb „sitzen“ und dessen Präteritum „saß“ sowie dem Wort „Sitz“ (Wohnsitz) verknüpft.
Wird das Wort „Sasse“ heute noch verwendet?
Direkt in der mittelalterlichen Bedeutung kaum, aber in abgeleiteten Wörtern wie „Insasse“ oder „ansässig“.
Hat „Sasse“ noch eine andere Bedeutung?
Ja, in der Jägersprache wird das Lager eines Hasen als Sasse bezeichnet.
Wie wurden Sassen nach Besitz unterschieden?
Man unterschied Freisassen (Besitzer eines Freiguts), Landsassen (große Landeigentümer) und Hintersassen (Kotsassen, Kötter, Kossäten, Bauern).
Wie wurden Sassen nach Gerichtsbarkeit unterschieden?
Man unterschied Schriftsassen (nur vor Obergerichten belangbar, mit Vorrechten) und Amtssassen (den Untergerichten im Amtsbezirk unterworfen).
Was war der Vorteil eines Schriftsassen?
Schriftsassen konnten nur vor den höheren Gerichten belangt werden und genossen oft weitere persönliche Vorrechte.

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