04/12/2021
In der von J.R.R. Tolkien erschaffenen Welt Mittelerdes nehmen die Elben eine herausragende Stellung ein. Sie sind nicht nur eine der zentralen Völker seiner Legenden, sondern auch jene Geschöpfe, denen der Autor eine besondere Zuneigung entgegenbrachte und für die er komplexe Sprachen und eine reiche Geschichte entwickelte. Als die „Erstgeborenen Kinder“ Eru Illúvatars, des Schöpfers, gelten sie als die ältesten, edelsten und weisesten sprechenden Wesen auf Arda.

- Herkunft und Wesen der Elben
- Die Große Wanderung und die Teilung der Elben
- Die Geschichte der Elben in Mittelerde
- Leben, Tod und das Schicksal der Elben
- Sprachen der Elben
- Bekannte Elben in Tolkiens Welt
- Warum "Elben" im Deutschen? Die Übersetzung
- Mythologische Wurzeln der Elben
- Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Herkunft und Wesen der Elben
Die Elben wurden von Eru Illúvatar allein im dritten Thema der großen Musik „Ainulindalë“ erschaffen. Sie erwachten in einer vorherbestimmten Zeit am See Cuiviénen, weit im Osten Mittelerdes. Das Erste, was sie sahen, waren die Sterne, die von Varda, der Gebieterin der Gestirne, neu entzündet worden waren. Dieses Ereignis markierte den Beginn des Zeitalters der Sterne und prägte die tiefe Liebe der Elben zu diesen Himmelskörpern. Sie nennen sich selbst Quendi, „die mit Stimmen reden“, oder Eldalië, „Sternenvolk“.
Das prägendste Merkmal der Elben ist ihre Unsterblichkeit. Sie sind an das Sein von Arda gebunden und können die Welt nicht verlassen. Sie erliegen keiner Krankheit und altern nicht im menschlichen Sinne. Ihre Körper sind von Natur aus widerstandsfähig, stark und anmutig. Sie sind großgewachsen, überragen oft andere Völker und besitzen ein altersloses, würdevolles Antlitz. Ihre Sinne, insbesondere Gehör und Sehvermögen, sind außerordentlich scharf. Anstelle von Schlaf ruhen sie im Wachen, genießen Wachträume oder die Betrachtung schöner Dinge.
Tolkien beschrieb sie als dem Menschen ähnlich geschaffen, aber frei von dessen stärksten Beschränkungen. Doch trotz ihrer edlen Natur sind sie nicht einfach „bessere Menschen“. Sie können ebenso stolz, arrogant, skrupellos und jähzornig sein, wie das Beispiel Feanors und seiner Söhne zeigt. Ihre Weisheit und Weitsicht sind tief, und sie besitzen ein besonderes Verständnis für die Natur.
Wichtig ist die Abgrenzung zu den populären Vorstellungen von Elfen als kleinen, geflügelten Naturwesen („Fairies“). Tolkiens Elben sind keine solchen Wesen; sie sind von menschlicher Größe und Gestalt, wenn auch idealisierter.
Die Große Wanderung und die Teilung der Elben
Nach ihrem Erwachen wurden die Elben vom Vala Orome gefunden. Um sie vor Melkors Einfluss zu schützen, beschlossen die Valar, die Elben nach Aman, dem gesegneten Land im Westen, einzuladen. Diese Einladung führte zur ersten großen Teilung des Elbenvolkes:
- Die Eldar: Jene, die dem Ruf der Valar folgten und sich auf die Große Wanderung nach Westen begaben. Sie werden auch als „das Sternenvolk“ oder „Hochelben“ bezeichnet.
- Die Avari: Jene, die es ablehnten, ihre Heimat am See Cuiviénen zu verlassen. Ihr Name bedeutet „Verweigerer“ oder „Ablehner“.
Die Eldar teilten sich während ihrer langen Wanderung in drei große Völker:
- Die Vanyar: Das erste und kleinste Volk, geführt von Ingwë. Sie erreichten als Erste Aman, sahen das Licht der Zwei Bäume und blieben dort. Sie galten als die edelsten, weisesten und hellhäutigsten (Blondelben oder Lichtelben) und kehrten nicht nach Mittelerde zurück.
- Die Noldor: Das zweite Volk, geführt von Finwë. Sie folgten den Vanyar nach Aman, wo sie ihre Künste, insbesondere die Schmiedekunst, entwickelten und große Schätze wie die Silmarilli schufen. Nach dem Diebstahl der Silmarilli und dem Mord an Finwë durch Melkor kehrte ein großer Teil der Noldor im Zorn nach Mittelerde zurück, belegt mit einem Bann der Valar. Sie sind ebenfalls Calaquendi (Lichtelben).
- Die Teleri: Das zahlenmäßig größte und langsamste Volk auf der Wanderung, geführt von Elwë und Olwë. Sie teilten sich mehrmals. Ein Teil erreichte Aman (Falmari oder Meerelben), ein großer Teil blieb jedoch in Beleriand zurück.
Jene Teleri, die in Beleriand blieben, bildeten verschiedene Gruppen. Die bekannteste sind die Sindar (Grauelben), die unter König Elu Thingol das mächtige Reich Doriath gründeten. Andere Teleri, die sich früh von der Wanderung abwandten und östlich des Nebelgebirges blieben, wurden Nandor (Abwender oder Talelben) genannt. Aus ihnen gingen unter anderem die Laiquendi (Grünelben) und die Tawarwaith (Waldelben) hervor.

Die Avari und jene Eldar, die nie das Licht der Zwei Bäume in Aman sahen (Sindar, Nandor), wurden oft als Moriquendi (Dunkelelben) bezeichnet. Diese Bezeichnung bezieht sich auf ihre Herkunft, nicht auf ihre Moral.
Die Geschichte der Elben in Mittelerde
Die Geschichte der Elben ist die Geschichte der Zeitalter von Arda.
Das Erste Zeitalter: Glanz und Fall
Das Erste Zeitalter begann mit dem ersten Sonnenaufgang und dem Erscheinen der Menschen. Es war die große Zeit der Elben in Mittelerde, insbesondere der zurückgekehrten Noldor und der Sindar. Sie gründeten mächtige Reiche in Beleriand, wie Hithlum, Nargothrond, Gondolin und Doriath, und führten lange Kriege gegen Morgoth. Trotz heldenhafter Taten und großer Opfer, wie dem Zweikampf Fingolfins mit Morgoth oder den Schlachten Dagor Bragollach und Nirnaeth Arnoediad, konnten sie Morgoth nicht endgültig besiegen. Viele Reiche fielen, und die Zahl der Elben in Mittelerde verringerte sich drastisch. Erst durch das Eingreifen der Valar im Krieg des Zorns wurde Morgoth besiegt und aus Arda verbannt, doch Beleriand versank dabei im Meer.
Das Zweite Zeitalter: Neue Reiche und der Aufstieg Saurons
Nach dem Untergang Beleriands segelten viele Elben nach Aman oder auf die Insel Tol Eressëa. Die verbliebenen Elben gründeten neue Reiche in den erhalten gebliebenen Gebieten Mittelerdes, wie Lindon an der Westküste, Eregion nahe den Zwergen von Moria, Lothlórien und das Waldlandreich. Dieses Zeitalter war geprägt vom Aufstieg Saurons, einem einstigen Leutnant Morgoths. In Eregion, getäuscht von Sauron, schmiedeten elbische Handwerker unter Celebrimbor die Ringe der Macht. Sauron schmiedete heimlich den Einen Ring, um alle anderen zu beherrschen. Dies führte zu Krieg; Eregion wurde zerstört, aber die Elben konnten ihre drei Ringe retten und vor Sauron verbergen. Das Zeitalter endete mit dem „Letzten Bündnis“ aus Elben und Menschen, das Sauron besiegte, doch der Eine Ring wurde nicht zerstört.
Das Dritte Zeitalter: Das Schwinden der Elben
Das Dritte Zeitalter war die Zeit des langsamen Rückzugs und Schwindens der Elben aus Mittelerde. Ihre Macht nahm ab, und viele segelten in den Westen. Ihre verbliebenen Reiche wie Imladris, Lothlórien und das Waldlandreich wurden zu verborgenen Bollwerken. Obwohl ihre Zahl geringer war, spielten sie eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den wiedererstarkten Sauron, nicht zuletzt durch die Macht der drei Elbenringe. Das Zeitalter gipfelte im Ringkrieg und der Zerstörung des Einen Rings. Nach Saurons endgültiger Niederlage verließ der Großteil der verbliebenen Elben Mittelerde, um nach Aman zu segeln.

Das Vierte Zeitalter: Das Zeitalter der Menschen
Mit dem Beginn des Vierten Zeitalters, dem „Zeitalter der Jüngeren“, spielten die Elben keine tragende Rolle mehr in Mittelerde. Nur wenige blieben zurück und wurden allmählich zu einem schwindenden, vergessenen Volk.
Leben, Tod und das Schicksal der Elben
Die Unsterblichkeit der Elben ist nicht absolut gleichbedeutend mit ewigem Leben in Mittelerde. Sie können durch Gewalt sterben, sei es im Kampf oder durch andere äußere Kräfte. Auch tiefer Kummer, verursacht durch Verlust, Leid oder die Last der Zeitalter, kann dazu führen, dass ihr Geist ihren Körper verlässt. Wenn ein Elb stirbt, wandert sein Fëa (Geist) in die Hallen von Mandos in Aman. Dort können sie auf die Neugestaltung der Welt warten oder in wiederhergestellten Körpern in Aman weiterleben. Eine Rückkehr nach Mittelerde aus Mandos ist nicht vorgesehen.
Im Laufe ihres sehr langen Lebens durchlaufen Elben verschiedene Phasen der Existenz. Nach einer sehr langen Kindheit und Jugend erreichen sie eine Phase, in der sie alterslos erscheinen. Nach Jahrtausenden können sie das Aussehen greiser Menschen annehmen (wie der alte Círdan). Schließlich verblasst ihre Bindung an die physische Welt, und sie werden mehr und mehr zu ätherischen Wesen, die für Sterbliche unsichtbar werden.
Das Schicksal der Elben ist es, an die Kreise der Welt gebunden zu sein. Sie lieben die Schönheit der Welt und sollen sie durch ihre Gaben zum Erblühen bringen. Sie sind dazu bestimmt, den Menschen, den Zweitgeborenen, Platz zu machen und schließlich aus Mittelerde zu weichen und nach Aman zu segeln. Dieses Schicksal ist Teil des großen Entwurfs Erus und unterscheidet sie grundlegend von den Menschen.
Sprachen der Elben
Die Elben sind begnadete Sprachschöpfer. Die beiden wichtigsten Sprachen in Mittelerde waren:
- Quenya: Die alte Sprache der Noldor und Vanyar, die in Aman entwickelt wurde. In Mittelerde wurde sie zur Gelehrtensprache und Sprache des Liedes und der Legende.
- Sindarin: Die Sprache der Sindar, die zur alltäglichen Sprache der Elben in Beleriand und später zur Lingua franca unter den Elben Mittelerdes wurde.
Es gab auch andere Dialekte und Sprachen, wie das Nandorin der Waldelben.
Bekannte Elben in Tolkiens Welt
Viele Elbenfiguren prägten die Geschichte Mittelerdes:
- Feanor: Der genialste Handwerker der Noldor, Schöpfer der Silmarilli.
- Lúthien Tinúviel: Eine Prinzessin der Sindar, deren Liebe zu einem Menschen das Schicksal veränderte.
- Galadriel: Eine mächtige Noldor-Fürstin, Herrin von Lothlórien, Trägerin des Rings Nenya.
- Elrond Halbelb: Herr von Imladris (Bruchtal), weise und ein wichtiger Ratgeber.
- Fingolfin: Hochkönig der Noldor, bekannt für seinen Mut und seinen Kampf gegen Morgoth.
- Thingol (Elwë): König von Doriath, einer der Anführer der Teleri.
- Círdan: Der Schiffbauer, einer der ältesten Elben, Herr der Grauen Anfurten, Träger des Rings Narya.
- Legolas Grünblatt: Ein Prinz der Waldelben aus dem Düsterwald, Mitglied der Gemeinschaft des Rings.
Warum "Elben" im Deutschen? Die Übersetzung
Die Wahl des Begriffs „Elben“ in der deutschen Übersetzung von Tolkiens Werken ist eine bewusste Entscheidung, die auf Tolkiens eigenen Anweisungen basiert. Im Englischen verwendete Tolkien „Elf“ (Plural „elves“). Die gängige deutsche Übersetzung „Elf“ oder „Elfe“ war im 19. und frühen 20. Jahrhundert jedoch stark mit der Vorstellung von kleinen, oft geflügelten Feenwesen besetzt – einer Vorstellung, von der Tolkien seine großen, edlen Geschöpfe ausdrücklich abgrenzen wollte.

Tolkien kannte die älteren germanischen Begriffe „Alb“ und „Elb“, die in der Mythologie oft größere, lichte oder glänzende Wesen bezeichneten. Begriffe wie „Albenrat“ (Alfred) oder „Albenfreund“ (Alwin) weisen auf eine ältere Tradition hin, in der diese Wesen als weise und begehrenswerte Freunde galten. Jacob Grimm beschrieb in seinem Wörterbuch ebenfalls den Begriff „Elb“ als eine Alternative zum aus dem Englischen entlehnten „Elf“, um den Anschluss an ältere Wortstämme und verwandte Begriffe zu bewahren.
Margaret Carroux, die Übersetzerin des „Herrn der Ringe“, wählte auf Tolkiens Anweisung hin die Bezeichnung „Elb“ (Plural „Elben“). Dieser Begriff stellte einen passenden Kompromiss dar, der die Ähnlichkeit zum englischen Original bewahrte, aber gleichzeitig auf die ältere germanische Mythologie verwies und Tolkiens Abgrenzung von den kleinen Feenwesen berücksichtigte. So wurde „Elben“ zum etablierten Begriff für Tolkiens Volk der Erstgeborenen in der deutschen Sprache.
Mythologische Wurzeln der Elben
Tolkiens Elben sind tief in der europäischen Mythologie verwurzelt. Er ließ sich von den germanischen und nordischen Alben (Álfár) inspirieren, die in der Edda als Licht- und Schwarzalben unterschieden werden und oft in Verbindung mit Göttern oder Zwergen (wie bei Gandalf oder Alberich) auftauchen. Er griff auch auf keltische Vorstellungen von jenseitigen Inseln im Westen (wie Tír na nÓg oder das Land der Unsterblichen Ódáinsakr) zurück, die sich in seiner Konzeption von Valinor und Tol Eressëa widerspiegeln.
Dennoch schuf Tolkien aus diesen Elementen etwas Eigenes. Seine Elben sind keine direkten Kopien mythischer Wesen, sondern komplexe Figuren mit einer eigenen Geschichte, Kultur und einem einzigartigen Schicksal, das sie von den Menschen unterscheidet. Er betonte immer wieder, dass sie nicht mit den verspielten, oft klein dargestellten Feen der viktorianischen Ära verwechselt werden dürfen.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Q: Sind Elben unsterblich?
A: Ja, Elben sind von Natur aus unsterblich und altern nicht. Sie können jedoch durch Gewalt sterben oder an Kummer vergehen. Ihr Geist geht dann in die Hallen von Mandos über.

Q: Sind Elben gut oder böse?
A: Elben sind als edel erschaffen, aber wie Menschen können sie eigene Fehler haben, wie Stolz oder Zorn. Sie stehen jedoch grundsätzlich auf der Seite gegen Morgoth und Sauron.
Q: Wer sind einige bekannte Elben?
A: Wichtige Elbenfiguren sind Feanor, Lúthien, Galadriel, Elrond, Fingolfin, Thingol, Círdan und Legolas.
Q: Warum heißen sie im Deutschen "Elben" statt "Elfen"?
A: Der Begriff „Elben“ wurde auf Tolkiens Wunsch in der deutschen Übersetzung gewählt, um seine Wesen von der populären, oft verniedlichenden Vorstellung der kleinen „Elfen“ abzugrenzen und auf ältere germanische Begriffe zurückzugreifen, die besser zu seiner Darstellung passten.
Q: Können Elben altern?
A: Sie altern nicht biologisch wie Menschen, aber ihre Erscheinung kann sich über Jahrtausende verändern, von jugendlich über alterslos bis hin zu greisenhaft, bevor sie schließlich verblassen und ätherisch werden.
Die Elben sind ein faszinierender und integraler Bestandteil von Tolkiens Legendarium, deren Geschichte und Wesen tief in Mythologie und Sprache verwurzelt sind und sie zu unvergesslichen Figuren machen.
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