Warum Rucksack statt Tasche?

Alles über den Rucksack: Von Kraxe bis Schulranzen

27/05/2017

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Der Rucksack ist für viele von uns ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag, auf Reisen oder beim Sport. Doch haben Sie sich jemals gefragt, woher das Wort stammt oder wie sich dieses praktische Gepäckstück im Laufe der Geschichte entwickelt hat? Die Geschichte des Rucksacks ist lang und beginnt weit vor den modernen Modellen, die wir heute kennen.

Wieso heißt es Rucksack?
Das Wort wurde aus den Alpenmundarten übernommen, deshalb die umlautlose (oberdeutsche) Form von Rücken, und hat auch Eingang ins Englische – rucksack – und slawische Sprachen wie etwa das Ukrainische oder das Russische – in beiden mit gleicher Schreibweise рюкзак/rjuksak – gefunden.

Das Wort „Rucksack“ selbst hat eine interessante Herkunft. Es wurde aus den Alpenmundarten übernommen. Dies erklärt die umlautlose Form von „Rücken“, dem Körperteil, auf dem der Rucksack getragen wird. Diese Bezeichnung hat sich international verbreitet und ist heute sogar im Englischen („rucksack“) und in slawischen Sprachen wie Ukrainisch und Russisch (рюкзак/rjuksak) zu finden.

Übersicht

Die Ursprünge: Von der Kraxe zum Tragegestell

Die allererste Form dessen, was wir heute als Rucksack bezeichnen würden, war die sogenannte Kraxe oder Rückentrage. Stellen Sie sich ein offenes Gestell vor, ursprünglich aus Holz, heute oft aus Leichtmetall, an dem die Last befestigt wurde. Das Gurtsystem trug im Wesentlichen dieses Gestell. Man spricht hier von einem außenliegenden Tragegestell.

Ein beeindruckender archäologischer Beweis für die Nutzung von Kraxen stammt aus der Jungsteinzeit, etwa 3300 v. Chr. – gefunden im Fundkomplex der Gletschermumie Ötzi. Das zeigt, wie alt das Prinzip des Lastentragens auf dem Rücken mithilfe eines Gestells ist. Früher dienten Kraxen nicht nur dem Transport auf Wanderungen, sondern auch dem Handel über weite Strecken, Hausierern und sogar Wasserhändlern.

Auch heute noch finden Kraxen vereinzelt Verwendung, beispielsweise in Universitätsbibliotheken in Österreich für den Transport von Büchern über Treppenhäuser. Eine sehr populäre moderne Form der Rückentrage sind spezielle Tragen für Babys, die besonders bei Wanderungen in den Bergen geschätzt werden. Eine verwandte Entwicklung ist die Kiepe, ein auf dem Rücken getragener Korb.

Die moderne Form der Kraxe ist das Tragegestell. Dieses dient, ähnlich wie die Kraxe, der Stabilisierung und Lastverteilung. An ihm wird die eigentliche Last befestigt. Der Vorteil gegenüber einem einfachen Rucksack kann sein, dass auch größere Lasten gut transportiert und verteilt werden können. Tornister, Rucksäcke, Munitionskisten, Maschinenteile oder Essensbehälter konnten und können daran befestigt werden.

Eine ältere und einfachere Version des Tragegestells war das „Packboard“. Das war im Wesentlichen ein leiterförmiges Holzgestell ab dem 17. Jahrhundert oder später eine Metallplatte. Es war eine grobe Annäherung an die Kraxe. Das Packboard war noch bis in die 1960er/70er Jahre beim Militär in Gebrauch. Manche Ausführungen hatten ein rückwärtiges Stoffmattenpolster und Gurtspannzeug. Es wurde später meist durch das modernere Tragegestell, oft „Frame“ genannt, abgelöst. Dieses moderne Gestell hat oft ein Hüftpolster und eine ausklappbare Querplatte zur Lastaufnahme, ähnlich dem Gestellrucksack.

Der klassische Rucksack mit integriertem Tragegestell

Die Form, die wir heute am häufigsten als Rucksack kennen, ist der Rucksack mit integriertem Tragegestell. Hier ist das Gestell, oft aus Bandmetall oder Kunststoff, offen hinter dem Gurtzeug integriert oder sogar im Rucksack vernäht. Kleinere Rucksäcke haben oft eine Klappe, Karten- oder Außenfächer, Anhängebebänderung, eine Trageschlaufe und eine Standverstärkung.

Ein bogenförmiges Polster in Hüfthöhe sorgt bei vielen Modellen für einen notwendigen Luftraum zwischen Rücken und Rucksack, was das Schwitzen reduziert. Eine weitere Abstandshaltung ist bei einigen modernen Konstruktionen nicht unbedingt notwendig und kann sogar zu Lasten des Rucksackvolumens gehen.

Vielfalt der Rucksäcke: Für jeden Zweck das passende Modell

Die Entwicklung hat eine enorme Vielfalt an Rucksacktypen hervorgebracht, die für spezifische Einsatzzwecke optimiert sind:

Kurierrucksack

Speziell für Fahrradkuriere entwickelt. Diese Rucksäcke sind robust, oft aus wasserdichtem Material wie LKW-Plane gefertigt, lassen sich leicht auf dem Fahrrad tragen und schnell an- und ablegen. Sie bieten viel Platz und dienen oft auch als Werbefläche für das Kurierunternehmen.

Laptop- oder Notebook-Rucksack

Diese Rucksäcke sind darauf ausgelegt, tragbare Computer sicher zu transportieren. Sie verfügen über ein gepolstertes Fach für den Laptop. Sie sind besonders bei Pendlern sowie Motorrad- und Fahrradfahrern beliebt, die ihre Geräte sicher und bequem transportieren möchten.

City-Rucksack (City-Bag)

Der City-Rucksack ist eine leichtere und modischere Variante, die als Alternative zu Einkaufs- oder Aktentaschen auf dem Rücken getragen wird. Sie kamen Mitte der 1980er Jahre auf und brachten den Rucksack aus dem reinen Freizeit- und Outdoorbereich in den urbanen Alltag. Eine moderne Abart ist der dreieckige Triangle City Bag (Bodybag), auch Eingurt-Rucksack oder Crossover-Tasche genannt.

Kofferrucksack

Im Gegensatz zu klassischen Rucksäcken, die meist eine Öffnung oben haben, verfügen Kofferrucksäcke über eine große Öffnung an der Vorderseite. Man kann sie wie einen Koffer hinlegen und öffnen. Das Tragesystem lässt sich bei vielen Modellen verstauen, wodurch der Kofferrucksack auch als Reisetasche genutzt werden kann.

Fotorucksack

Ähnlich dem Kofferrucksack haben Fotorucksäcke oft eine große Frontklappe für schnellen Zugriff auf die Ausrüstung. Sie sind in der Regel doppellagig genäht mit Polsterung aus Schaumplatten und verstellbaren Inneneinteilungen, um Kameraausrüstung sicher zu verstauen. Sie bieten oft mehr Tragekomfort als Fototaschen. Manche Modelle ermöglichen es, einen Tragegurt zu lösen und den Rucksack zur Seite zu schwenken, um schnell auf die Kamera zugreifen zu können, ohne den Rucksack komplett abzusetzen.

Trekkingrucksack

Für lange Wanderungen und Touren konzipiert, zeichnen sich Trekkingrucksäcke durch ein sehr großes Volumen aus. Sie bieten oft Befestigungsmöglichkeiten außen für Ausrüstungsgegenstände wie Isoliermatten, Stöcke, Zeltstangen oder Berghelme, was jedoch die Stabilität beeinträchtigen kann. Viele Modelle haben ein gesondertes Schlafsackfach und sind mit Trinksystemen kompatibel. Hoher Tragekomfort und gute Balance sind entscheidend. Militärisch werden sehr große Trekkingrucksäcke (bis zu 120 Liter) von Spezialeinheiten für den Transport umfangreicher Ausrüstung genutzt. Kletterrucksäcke sind dagegen schmaler und haben weniger Volumen und keine Seitentaschen.

Trinkrucksack

Ein Trinkrucksack, auch nach Markennamen wie CamelBak bekannt, integriert eine Trinkblase in den Rucksack. Über einen Schlauch kann man trinken, ohne den Rucksack abzunehmen oder die Hände zu benutzen. Dies ist besonders praktisch für Ausdauersportler und gehört auch zur Standardausrüstung vieler Soldaten weltweit.

Fluchtrucksack

Ein Fluchtrucksack, im Englischen als Runbag oder Bug-out bag bezeichnet, ist für den Katastrophenfall gedacht. Er soll die sofortige Flucht erleichtern und ist mit überlebenswichtiger Ausrüstung gepackt. Besonders empfohlen wird er für Personen, die in politisch instabilen oder gefährdeten Regionen arbeiten.

Wieso heißt es Rucksack?
Das Wort wurde aus den Alpenmundarten übernommen, deshalb die umlautlose (oberdeutsche) Form von Rücken, und hat auch Eingang ins Englische – rucksack – und slawische Sprachen wie etwa das Ukrainische oder das Russische – in beiden mit gleicher Schreibweise рюкзак/rjuksak – gefunden.

Tornister

Der Tornister ist eine historische Rucksackform, die vor allem beim Militär verbreitet war. Er bestand aus einer Fell- oder Stoffbespannung über einem rechteckigen Holz- oder Kunststoffrahmen. Umgangssprachlich wurde er auch „Affe“ genannt. Er wurde hauptsächlich bei der Infanterie eingesetzt. Heute wird er beim Militär durch den Gefechtsrucksack ersetzt. Bei manchen Pfadfinderschaften ist der Tornister aber immer noch beliebt, oft in modernen Ausführungen mit Kunststoffrahmen. In manchen Regionen Deutschlands bezeichnet „Tornister“ auch einfach einen Schulranzen.

Rolle

Eine sehr alte Form des Gepäcktransports war die Rolle. Hier wurden Habseligkeiten in eine Decke oder Lederhaut eingerollt und diese Rolle mit einem Gurt oder Strick verknotet und umgehängt. Eine bekannte Variante ist die diagonal umgehängte Regenplane mit eingerollter Decke, die lange in der russischen Armee verwendet wurde. Die Gepäckrolle ist heute noch bei wandernden Handwerksgesellen in Gebrauch. Das Tuch, das dafür verwendet wird, heißt „Charlottenburger“.

Seesack

Der Seesack ist eine spezielle, sackförmige Rucksackform aus grobem Segeltuch, die besonders bei Marine und Militär zum Einsatz kommt. Er dient dem einfachen Verstauen großer Mengen persönlicher Gegenstände für längere Schiffspassagen. Der Fokus liegt weniger auf Tragekomfort als auf Volumen und Robustheit. Moderne Seesäcke können oft gut gefaltet und verstaut werden, was sie auch im Yachtsport beliebt macht.

Schulrucksack

Der Schulrucksack ist eine moderne Variation des Wanderrucksacks, optimiert für die Bedürfnisse von Schülern. Er dient als Schulranzen zum Transport von Schulmaterialien. Bei der Entwicklung wird Wert auf gesunde Körperhaltung, optimale Gewichtsverteilung und Tragekomfort gelegt. Sie sind aus widerstandsfähigen und wetterfesten Materialien gefertigt.

Ranzen, Felleisen, Matchbeutel

Der Ranzen ist ebenfalls eine historische Rucksackform, oft aus festem Leder gefertigt. Das Wort „Ranzen“ leitet sich vom slawischen Wort „rame“ für Schulter ab. Die Behälter der Wanderburschen werden Felleisen genannt. Der Matchbeutel ist ein seitlich auf dem Rücken mit nur einem Gurt getragenes Gepäckstück.

Verschlüsse im Wandel der Zeit

Auch die Verschlüsse von Rucksäcken haben sich entwickelt. Früher wurden Rucksäcke oft verschnürt oder mit Lederriemen und Schnallen verschlossen. Heute kommen moderne Verschlüsse wie Klettverschluss, Reißverschluss, Klick-Schnallen, Verstell-Schnallen und Tanka zum Einsatz, die das Öffnen und Schließen erleichtern und sicherer machen.

Warum Rucksack statt Tasche? Der Ergonomie-Vorteil

Besonders deutlich wird der Vorteil eines Rucksacks gegenüber einer Umhängetasche beim Blick auf die Ergonomie. Das getragene Gewicht wird beim Rucksack gleichmäßig auf beide Schultern und idealerweise auch auf die Hüfte verteilt, wenn ein Hüftgurt vorhanden ist. Dies ist besonders wichtig, wenn größere Lasten getragen werden oder wenn der Träger noch im Wachstum ist.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Kindergartenrucksack im Vergleich zu einer Umhängetasche für Kinder. Bei Ausflügen oder im Alltag wird oft mehr Stauraum benötigt – eine Regenjacke, eine zusätzliche Brotdose, eine größere Trinkflasche. Ein Rucksack verteilt dieses Gewicht besser. Zudem hat das Kind die Hände frei, um zu spielen oder kleine Fundstücke aufzuheben. Ein verstellbarer Brustgurt und weiche Schulterpolster sorgen für bequemen und sicheren Sitz. Der Brustgurt verhindert zudem, dass die Träger von den schmalen Kinderschultern rutschen. Die Unterteilung in mehrere Fächer hilft, Ordnung zu halten.

Wichtig ist natürlich, dass der Rucksack zur Körpergröße passt. Ein zu großer Rucksack kann dazu verleiten, ihn zu schwer zu bepacken, was der Haltung schaden kann.

Figurative Bedeutungen des Wortes „Rucksack“

Das Wort „Rucksack“ wird nicht nur für das Gepäckstück verwendet. Es hat auch bildhafte Bedeutungen in verschiedenen Kontexten gefunden:

  • Ökologischer Rucksack: Die Ressourcenmenge, die bei der Herstellung, Nutzung und Entsorgung eines Produkts verbraucht wird.
  • Rucksackbomber: Journalistischer Begriff für Terroristen mit mobilen Sprengsätzen.
  • Rucksackboot: Ein leichtes, oft aufblasbares Boot, das klein zusammengepackt und im Rucksack transportiert werden kann.
  • Rucksackdeutsche: Eine Bezeichnung für Heimatvertriebene deutscher Staatsangehörigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
  • Rucksackfilter: Ein in der Aquaristik verwendeter Außenfilter, der am Beckenrand „hängt“.
  • Rucksackproblem: Ein bekanntes Problem in der Kombinatorik und Informatik.
  • Rucksackjournalismus: Journalismus in schwer zugänglichen Gebieten, bei dem der Journalist seine Ausrüstung selbst trägt.
  • Rucksacklift: Eine Art Skilift.
  • Rucksack-S: Eine bildliche Bezeichnung für das Schriftzeichen ß.
  • Rucksackschnecken: Eine Schneckenart.
  • Rucksackschule: Ein umweltpädagogisches Konzept.
  • Rucksacktourismus: Tourismusform, bei der Reisende mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind und ihre Unterkunft oft spontan wählen.
  • Rucksackverband: Ein medizinischer Verband zur Stabilisierung der Schulter.

Häufig gestellte Fragen zum Rucksack

Hier beantworten wir einige Fragen, die sich aus der Geschichte und den verschiedenen Formen des Rucksacks ergeben:

Was ist der Unterschied zwischen einer Kraxe und einem Rucksack?
Die Kraxe ist die Urform mit einem starren, meist außenliegenden Gestell, an dem die Last direkt befestigt wird. Der Rucksack hat die Last eher in einem Sack, und das Tragegestell (falls vorhanden) ist oft integriert oder weniger dominant.

Woher kommt der Name „Rucksack“?
Das Wort stammt aus den Alpenmundarten und leitet sich direkt vom Wort „Rücken“ ab, dem Körperteil, auf dem das Gepäckstück getragen wird.

Was war ein Tornister?
Der Tornister war eine militärische Rucksackform, die aus einer Bespannung über einem rechteckigen Rahmen bestand. Er wurde hauptsächlich bei der Infanterie genutzt und umgangssprachlich „Affe“ genannt.

Warum ist ein Rucksack für Kinder oft besser als eine Umhängetasche?
Ein Rucksack verteilt das Gewicht gleichmäßig auf beide Schultern und den Rücken, was ergonomischer ist und die Haltung schont. Er lässt dem Kind die Hände frei und kann durch Brustgurte sicherer sitzen.

Was ist ein Trinkrucksack?
Ein Trinkrucksack integriert eine Trinkblase mit Schlauch, sodass man trinken kann, ohne den Rucksack abzunehmen oder eine Flasche in die Hand zu nehmen. Das ist ideal bei Aktivitäten, bei denen man die Hände frei braucht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Trekkingrucksack und einem Kletterrucksack?
Trekkingrucksäcke haben ein sehr großes Volumen für lange Touren und oft Außentaschen und Befestigungen für diverse Ausrüstung. Kletterrucksäcke sind schmaler, haben weniger Volumen und meist keine Seitentaschen, um beim Klettern nicht zu behindern.

Die Entwicklung des Rucksacks ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein einfaches Prinzip – das Tragen von Lasten auf dem Rücken – über Jahrtausende immer wieder neu gedacht und für unterschiedlichste Zwecke optimiert wurde. Von der einfachen Holz-Kraxe bis zum hochtechnisierten Trekking- oder Laptop-Rucksack bleibt der Rucksack ein Symbol für Mobilität und Effizienz beim Transport von Lasten.

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