26/10/2012
Als Autor, der sich üblicherweise mit den Feinheiten von Büromaterial und Zubehör beschäftigt, ist es faszinierend zu sehen, wie all diese Produkte ihren Weg zum Kunden finden. Hinter jedem Kugelschreiber, jeder Tonerpatrone und jedem Blatt Papier steht ein komplexer Prozess: der Vertrieb. Vertrieb ist weit mehr als nur das reine Verkaufen. Er ist eine tragende Säule jeder funktionierenden Wirtschaft und umfasst den gesamten Weg eines Produkts oder einer Dienstleistung vom Unternehmen bis zum Kunden.

Dieser Prozess reicht von der ersten Idee, wer das Produkt überhaupt brauchen könnte, bis hin zur Betreuung des Kunden lange nach dem Kauf. Vertrieb ist somit eine Mischung aus strategischem Denken, Kommunikation, Psychologie und administrativen Aufgaben. Um im Vertrieb erfolgreich zu sein, ist es entscheidend, diesen Prozess genau zu verstehen und die einzelnen Schritte systematisch anzugehen.
Der Vertriebsprozess Schritt für Schritt
Wenn Sie sich fragen, wie Sie Produkte oder Dienstleistungen erfolgreich verkaufen, oder wenn Sie eine Karriere im Vertrieb anstreben, ist es unerlässlich, sich mit den einzelnen Phasen des Vertriebs auseinanderzusetzen. Hier gliedern wir den Prozess in seine Kernbereiche, wie im vorliegenden Material beschrieben.
Schritt 1: Die Vertriebsstrategie entwickeln
Jeder erfolgreiche Vertrieb beginnt mit einem Plan. Die Vertriebsstrategie leitet sich aus den übergeordneten Unternehmens- und Vertriebszielen ab. Sie beantwortet die fundamentalen Fragen: WER sind unsere Kunden? WIE erreichen wir sie? WO und WANN verkaufen wir? Und wie lange dauert der gesamte Prozess voraussichtlich?
Die Erarbeitung einer Strategie basiert idealerweise auf Daten und Erfahrungswerten. Es geht darum, die Zielgruppe genau zu definieren. Wer benötigt unser Produkt? Wessen Probleme lösen wir? Dabei sollten Sie nicht nur auf Ihr Bauchgefühl hören, sondern Daten nutzen, um ein detailliertes Bild Ihres potenziellen Kunden zu zeichnen – sowohl auf Unternehmensebene (Branche, Größe) als auch auf Ebene der entscheidenden Personen im Unternehmen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Strategie ist die Wahl des Vertriebswegs. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen direktem und indirektem Vertrieb.
- Direktvertrieb: Das Unternehmen verkauft direkt an den Kunden. Dies kann über eigene Läden (Flagship-Stores), Online-Shops oder ein unternehmenseigenes Vertriebsteam geschehen, das Kunden persönlich oder telefonisch anspricht.
- Indirekter Vertrieb: Der Verkauf erfolgt über eine dritte Partei, wie Zwischenhändler, Handelsvertreter oder Einzelhändler. Die dritte Partei übernimmt dabei einen Großteil des Vertriebs und ein geschäftliches Risiko gegen eine Provision.
Die Wahl des passenden Vertriebswegs hängt stark vom Produkt und der Zielgruppe ab. Für komplexe B2B-Produkte ist oft ein direkter, persönlicher Kontakt durch ein eigenes Vertriebsteam am effektivsten.
Auch die Rolle der Vertriebsmitarbeiter wird in der Strategie festgelegt. Während der Außendienst traditionell den direkten Kundenkontakt vor Ort pflegte, übernehmen Mitarbeiter im Innendienst administrative Aufgaben, bereiten Verträge vor und kümmern sich um die Auftragsabwicklung. Mit der zunehmenden Digitalisierung verschwimmen diese Rollen, und auch Außendienstler verbringen mehr Zeit im Büro oder nutzen Telefon- und Videokonferenzen.
Ein kritischer Faktor in der Strategie ist die Einschätzung der Dauer des Kaufprozesses, des sogenannten Sales Cycle. Dieser beschreibt die Zeit von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Vertragsabschluss und der Bezahlung. Tendenziell gilt: Je größer das Kundenunternehmen und je teurer die Anschaffung, desto länger dauert der Prozess. Kenntnisse über den Sales Cycle sind wichtig für die Planung und den Cashflow.
Schritt 2: Interessenten identifizieren und ansprechen
Nachdem die Strategie steht und die Zielgruppe definiert ist, geht es an die Umsetzung: die Identifikation potenzieller Interessenten (Leads) und deren Ansprache. Hierbei sind einige rechtliche Rahmenbedingungen zu beachten, insbesondere im Hinblick auf die Kaltakquise.

Im B2C-Bereich ist die telefonische Kaltakquise in Deutschland grundsätzlich verboten, es sei denn, der Kunde hat vorher zugestimmt (Opt-in). Im B2B-Bereich ist die Rechtslage etwas komplexer. Eine Kontaktaufnahme ohne vorherige Zustimmung ist nur in sehr engen Grenzen erlaubt, oft wird das Argument des „mutmaßlichen Interesses“ angeführt, dessen rechtliche Bewertung aber noch nicht abschließend geklärt ist. Persönlich adressierte Briefe sind erlaubt, sofern der Empfänger nicht widersprochen hat. Unkritisch ist die Kontaktaufnahme über berufliche soziale Netzwerke wie LinkedIn, insbesondere nach einer bestätigten Kontaktanfrage.
Daten sind das A und O bei der Identifikation von Interessenten. Tiefergehende Informationen über die Zielgruppe, Entscheidungsstrukturen und Einkaufsverhalten erhöhen die Verkaufschancen erheblich. Unternehmen nutzen zunehmend CRM-Systeme (Customer Relationship Management), um Kundendaten systematisch zu erfassen und zu pflegen. Diese Daten helfen, potenzielle Kunden zu finden und maßgeschneiderte Angebote zu erstellen.
Daten können gekauft oder recherchiert werden (z.B. über Google, LinkedIn). Wichtig ist eine gründliche Vorabprüfung, um sich auf die vielversprechendsten Kontakte zu konzentrieren. Je mehr ein Vertriebsmitarbeiter über einen potenziellen Kunden weiß, desto besser kann das Gespräch individualisiert und auf dessen spezifische Probleme eingegangen werden.
Bei der Ansprache unterscheidet man zwischen Kaltakquise (Kontakt ohne vorherige Beziehung) und Warmakquise (Kontakt nach digitaler Interaktion, z.B. über Website, Online-Marketing, Messen). Kaltakquise, insbesondere telefonisch, ist im B2B-Bereich oft unverzichtbar, um neue Märkte oder Kunden zu erschließen, die das Unternehmen noch nicht kennen. Studien zeigen, dass Unternehmen, die auf Kaltanrufe verzichten, signifikant weniger Wachstum verzeichnen.
Schritt 3: Vom Interessenten zum Kunden – Der Weg zum Verkauf
Sobald potenzielle Kunden identifiziert und angesprochen wurden, beginnt die Phase des Verkaufsgesprächs. Hier ist gut geschultes Vertriebspersonal entscheidend. Ob am Telefon, per Videokonferenz oder persönlich – das Ziel ist, eine individuelle Beziehung aufzubauen und vom Angebot zu überzeugen.
Ein wichtiger Grundsatz ist, Verkäufe nicht über den Preis zu generieren. Kunden, die nur wegen des Preises kommen, wechseln leicht zur Konkurrenz. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf eine fundierte Bedarfsanalyse und das Erstellen maßgeschneiderter Lösungen. Vertrauen und das Einlösen von Versprechen sind oft entscheidender als der günstigste Preis und führen zu langfristigen Kundenbeziehungen.
Die telefonische Kaltakquise gilt als Königsdisziplin. Sie erfordert Geduld und Ausdauer. Studien zeigen, dass oft mehrere Kontaktversuche nötig sind, um Entscheider zu erreichen, und die meisten Verkäufe im B2B-Bereich erfordern mindestens fünf Nachfassaktionen. Beim ersten Kontakt geht es darum, Interesse und Vertrauen aufzubauen, nicht direkt zu verkaufen. Seien Sie professionell, kommen Sie schnell auf den Punkt (ca. 5-10 Minuten Zeit), sprechen Sie in angenehmem Tempo und vor allem: Hören Sie zu! Der richtige Ton und menschliche Umgang sind entscheidend.
Auch der Zeitpunkt der Kontaktaufnahme spielt eine Rolle. Studien deuten darauf hin, dass E-Mails am Nachmittag (ca. 15 Uhr) und Telefonate am Vormittag (10-11:30 Uhr) oder frühen Nachmittag (13:30-15 Uhr) am erfolgreichsten sind. Berücksichtigen Sie immer die Branche, den Tagesablauf des Kunden und eventuelle Zeitverschiebungen bei internationalen Kontakten.

Wenn der Interessent überzeugt ist, geht es darum, den Abschluss zu erzielen. Dies kann eine Testphase, eine Vorführung oder direkt das finale Verkaufsgespräch sein, das zum Kaufvertrag führt. Der Innendienst bereitet oft den Vertrag vor und stimmt letzte Details ab. Mit der Unterschrift ist der Verkauf für den Außendienstler zunächst erfolgreich abgeschlossen.
Schritt 4: Die Bedeutung der Bestandskundenbetreuung
Der Vertrieb endet nicht mit dem Verkauf. Die Betreuung von Bestandskunden ist ebenso wichtig wie die Gewinnung neuer Kunden, da die Bindung eines bestehenden Kunden erheblich kostengünstiger ist als die Akquise eines neuen. Innendienst und Außendienst arbeiten hier oft Hand in Hand.
Aufgaben der Bestandskundenbetreuung umfassen die Sicherstellung der Kundenzufriedenheit, das Sammeln von Feedback und Wünschen für Produktentwicklungen sowie die Pflege aller relevanten Informationen im CRM-System. Dies gewährleistet, dass das Unternehmen stets über den Kunden informiert ist und Doppelungen oder Kommunikationsfehler vermieden werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Cross-Selling (Verkauf anderer Produkte aus dem Sortiment) und Up-Selling (Verkauf einer höherwertigen Version des gekauften Produkts). Durch das Verständnis der Kundenbedürfnisse können passende Zusatzangebote unterbreitet werden, was den Umsatz steigert und die Kundenbindung stärkt.
Der Vertriebskreislauf
Zusammenfassend lässt sich der Vertrieb als ein fortlaufender Kreislauf verstehen. Nachdem Bestandskunden betreut sind, beginnt der Prozess von Neuem mit der Identifikation und Ansprache potenzieller Neukunden.
Dieser Kreislauf lässt sich wie folgt beschreiben:
- Entwicklung einer Vertriebsstrategie und Zielgruppendefinition.
- Identifikation und systematische Ansprache möglicher Interessenten (Akquise).
- Führung erfolgreicher Verkaufsgespräche und Abschluss von Kaufverträgen.
- Sicherstellung der Auftragsumsetzung und Lieferung.
- Umfassende Betreuung der gewonnenen Bestandskunden.
- Identifikation neuer Potenziale bei Bestandskunden (Cross-/Up-Selling) oder Suche nach neuen Interessenten (zurück zu Schritt 2).
Erfolg im Vertrieb erfordert daher nicht nur Talent im Verkaufen, sondern auch strategisches Denken, organisatorische Fähigkeiten und vor allem Ausdauer und Geduld.
Vertrieb im B2B: Statistiken im Überblick
Die Realität des B2B-Vertriebs unterscheidet sich oft von den idealen Vorstellungen. Hier einige wichtige Statistiken aus dem vorliegenden Material, die die Notwendigkeit von Ausdauer und Systematik unterstreichen:
| Wunschvorstellung | Realität (B2B) |
|---|---|
| Ein Anruf reicht, um einen potenziellen Kunden zu erreichen. | 93 % der Entscheider werden erst beim 6. Anrufversuch erreicht. |
| Interessenten melden sich, wenn sie kaufen wollen. | 80 % der Verkäufe erfordern mindestens 5 Folgekontakte (Nachfassen). |
| Ein potenzieller Kunde interessiert sich sofort für das Angebot. | 82 % der Einkäufer buchen Vor-Ort-Termine nach Kaltakquise-Anrufen; sofortige Zusagen sind unwahrscheinlich. |
Diese Zahlen machen deutlich: Vertrieb ist ein Marathon, kein Sprint. Systematik, Geduld und Beharrlichkeit sind entscheidend für langfristigen Erfolg.
Häufig gestellte Fragen zum Vertrieb
- Was genau versteht man unter Vertrieb?
- Vertrieb umfasst den gesamten Prozess des Verkaufs eines Produkts oder einer Dienstleistung, von der Identifikation potenzieller Kunden über das Verkaufsgespräch bis zur Nachbetreuung des Kunden. Er ist breiter gefasst als nur der reine Verkauf.
- Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Vertrieb?
- Beim direkten Vertrieb verkauft das Unternehmen direkt an den Endkunden. Beim indirekten Vertrieb wird eine dritte Partei (z.B. Händler, Handelsvertreter) zwischengeschaltet, die den Verkauf an den Kunden übernimmt.
- Ist telefonische Kaltakquise in Deutschland erlaubt?
- Im B2C-Bereich ist sie grundsätzlich verboten, es sei denn, der Kunde hat zugestimmt. Im B2B-Bereich ist sie unter sehr engen Voraussetzungen und bei mutmaßlichem Interesse des Angerufenen möglich, die rechtliche Lage ist jedoch komplex und sollte geprüft werden.
- Warum ist Datenanalyse im Vertrieb wichtig?
- Daten helfen, die Zielgruppe genau zu definieren, potenzielle Kunden zu identifizieren, deren Bedürfnisse zu verstehen und maßgeschneiderte Angebote zu erstellen. Sie erhöhen die Effizienz und Erfolgsquote im Vertrieb.
- Was ist ein CRM-System?
- CRM steht für Customer Relationship Management. Es sind Systeme zur systematischen Erfassung, Pflege und Verwaltung von Informationen über (mögliche) Kunden. Sie unterstützen den Vertrieb, das Marketing und den Kundenservice.
- Was bedeutet Sales Cycle?
- Der Sales Cycle beschreibt die durchschnittliche Zeitspanne, die vom ersten Kontakt mit einem potenziellen Kunden bis zum erfolgreichen Verkaufsabschluss und der Bezahlung vergeht.
- Was sind Cross-Selling und Up-Selling?
- Cross-Selling ist der Verkauf zusätzlicher, anderer Produkte an einen Bestandskunden. Up-Selling ist der Verkauf einer höherwertigen oder erweiterten Version des bereits gekauften Produkts an einen Bestandskunden.
Wir hoffen, dieser Überblick hat Ihnen ein klares Bild davon vermittelt, wie erfolgreicher Vertrieb funktioniert. Viel Erfolg bei der Umsetzung!
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