28/03/2019
Gladbeck, eine Stadt im nördlichen Ruhrgebiet, gehört zur sogenannten Emscherzone. Sie liegt im Verbandsgebiet des Regionalverbandes Ruhr und ist naturräumlich im Emscherland angesiedelt. Innerhalb dieses Gebiets liegt der Süden auf den Nördlichen Emscher-Randplatten, während der Norden, insbesondere die Stadtmitte, Schultendorf und Zweckel, auf dem Vestischen Höhenrücken zu finden ist. Die Stadt erreicht auf diesem Rücken eine Höhe von bis zu 84 Metern über Normalnull.

Im Norden grenzt Gladbeck an die Städte Bottrop, Dorsten und Gelsenkirchen. Die Boye bildet hierbei einen Grenzfluss zu Bottrop. Im Süden stößt die Stadt an Essen, genauer gesagt an Essen-Karnap. Die Landschaft ist von verschiedenen Gewässern durchzogen, deren Namen oft eine historische oder geografische Bedeutung haben, wie der Haarbach, der Hahnenbach, der Quälingsbach, die Breiker Becke, der Mehringsbach, der Nattbach, der Wittringer Mühlenbach und die bereits erwähnte Boye.
Das Gladbecker Geiseldrama: Eine Tragödie in der deutschen Kriminalgeschichte
Eines der Ereignisse, das sich tief in das kollektive Gedächtnis Deutschlands eingeschrieben hat, ist das „Gladbecker Geiseldrama“, das am 16. August 1988 begann. An diesem Tag überfielen die Gangster Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner eine Bankfiliale in Gladbeck. Dies war der Beginn eines beispiellosen Kriminalfalls, der sich über mehrere Tage hinzog.
Nach dem Banküberfall fuhren die Täter unbehelligt von der Polizei nach Bremen. Dort kaperten sie einen Bus mit 32 Personen und nahmen diese als Geiseln. Eine Irrfahrt durch Deutschland begann, verfolgt von einem Tross aus Polizisten und Pressevertretern.
Die Situation eskalierte dramatisch. Auf einem Rastplatz ermordeten die Geiselnehmer zuerst den 15-jährigen Emanuele de Giorgi. Einen Tag später, während des Zugriffs der Polizei auf der Autobahn, starb die 18-jährige Silke Bischof durch die Waffe von Rösner. Sie beide waren die tragischen Opfer dieser Entführung und Geiselnahme.
Das Verhalten der Polizei während des Dramas wurde stark kritisiert, da es als überfordert galt und schwere Fehler gemacht wurden. Auch die Rolle der Medien war Gegenstand breiter Diskussionen. Reporter führten Interviews durchs geöffnete Autofenster der Geiselnehmer, was als eine gewissenlose Medienmeute bezeichnet wurde. Das Geiseldrama führte letztlich zum Rücktritt des Bremer Innensenators und einer intensiven Debatte über das Zusammenspiel von Polizei, Medien und Krisensituationen.
Finanzielle Lage: Die Schulden der Stadt Gladbeck
Neben der historischen Aufarbeitung von Ereignissen wie dem Geiseldrama steht Gladbeck auch vor aktuellen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf seine finanzielle Situation. Die Stadt Gladbeck hat mit erheblichen Schulden zu kämpfen. Der Schuldenstand der Stadt beläuft sich auf insgesamt 437 Millionen Euro.
Verteilt auf die rund 76.000 Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt ergibt sich daraus eine Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 5.750 Euro pro Person. Die Ergebnisplanung für den städtischen Haushalt zeigt zudem für das Jahr 2025 ein Defizit von 31,3 Millionen Euro. Für das Jahr 2028 wird sogar ein Defizit von 38,2 Millionen Euro prognostiziert.
Verschiedene Gründe werden für dieses „Schulden-Desaster“ angeführt. Einer der genannten Faktoren ist die deutliche Zunahme der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Zahl von etwas über 800 auf 1.642 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöht.
Weitere Gründe für die finanzielle Belastung sind Ausgaben im Zusammenhang mit Infrastrukturprojekten und Immobilienkäufen. So hat die Stadt Gladbeck etwa 20 Millionen Euro für den Ankauf von Grundstücken entlang der geplanten Autobahn A52 ausgegeben, obwohl der Bau der Autobahn eigentlich in der Zuständigkeit des Bundes liegt. Allein acht Mitarbeiter im Planungsamt arbeiten an der Vorbereitung dieses Autobahnausbaus.
Ein weiteres Projekt, das hohe Kosten verursacht, ist die geplante Abtragung der Halde am Festplatz für rund 20 Millionen Euro, um dort ein Gewerbegebiet zu errichten. Dieses Vorhaben erhält laut den vorliegenden Informationen keine EU- oder Landesförderung. Zudem hat die Stadt in der Innenstadt eine Vielzahl von Immobilien erworben, darunter die Schwarte-Immobilie sowie Ladenlokale und Wohnungen an der Südseite der Humboldtstraße, wo in ferner Zukunft (etwa in 10 Jahren) Umbaumaßnahmen an der Unterführung geplant sind.

Auch der abgebrochene Verkehrsversuch auf der Buerschen Straße hat bereits mehrere Hunderttausend Euro verschlungen. Eine weitere geplante Maßnahme, die Verlegung von Parkplätzen auf den Mittelstreifen, wird ebenfalls als Millionen-Projekt betrachtet, dessen Umsetzung ohne Landesförderung fraglich erscheint und dessen Notwendigkeit angesichts eines geplanten Neubaus der Brücke in etwa 10 Jahren in Frage gestellt wird.
Neben den Ausgaben gibt es auch Mängel bei den Einnahmen. Trotz der hohen Mitarbeiterzahl war die Stadt nicht in der Lage, etwa eine Million Euro an Unterhaltsleistungen einzukassieren, die ihr eigentlich zustehen. Über Jahre hinweg wurde im Jugendamt versäumt, diese Gelder einzufordern.
Die Herkunft der Gladbecker Ortsnamen
Die Namen von Orten, Stadtteilen und Gewässern in Gladbeck haben oft eine lange Geschichte und eine interessante Bedeutung. Der Name „Gladbeck“ selbst ist sehr alt, weit über 1000 Jahre. In alten Urkunden aus Heberegistern finden sich Bezeichnungen wie Gladbeki, Gladbeke, Gelatbeke oder Gladtbeck.
Das Grundwort „beck“ bedeutet Bach und kommt in vielen Orts-, Hof-, Flur- und Gewässernamen vor, beispielsweise in Havixbeck, Lembeck oder Schermbeck. Das Bestimmungswort „glad“ wird als glänzend oder klar gedeutet. Der Heimatforscher Ludwig Bette interpretiert den Ortsnamen Gladbeck als Siedlung am glänzenden, klaren Bach. Eine alternative Deutung, die er für möglich hält, ist „leicht fließender Bach“. Da der Bach in der Ebene mit wenig Gefälle langsam floss, könnte sich die Sonne auf der glatten Oberfläche gespiegelt haben.
Die Gladebecke, ein kleiner Bach, entsprang früher in einer Senke im Park des Vinzenzheimes. Aufgrund von Bergbaueinwirkungen und Baumaßnahmen ist die Quelle versiegt. Der Bach floss in westlicher Richtung nördlich der Lambertikirche – die Bachstraße erinnert noch heute daran – und mündete schließlich nahe der heutigen Uhlandstraße in den Wittringer Mühlenbach. Er war kaum zwei Kilometer lang.
Auch die Namen der Stadtteile haben ihre Ursprünge:
Butendorf: Dieser Name ist relativ einfach zu erklären. Die Bauerschaft lag außerhalb (niederdeutsch: buten) des eigentlichen Dorfes Gladbeck. Dies ist heute noch an der Horster Straße erkennbar. Interessanterweise taucht der Name „Butendorf“ in der ältesten Karte Gladbecks von 1823 nicht auf; stattdessen findet sich der Flurname „Buerfeld“ für das Gebiet südlich der Gartenstraße, gedeutet als „Feld der Gladbecker Bauern“.
Brauck: Brauck ist das niederdeutsche Wort für Bruch oder Sumpfland. Es bezeichnet also eine Siedlung im Sumpfgebiet. Ältere Quellen nennen „Brawbauerschaft“ oder „Brauckbaurschaft“. Das Gebiet an der Boystraße ist mit 31 Metern über NN der tiefste Punkt Gladbecks und gehört zur Emscherniederung mit einem früher ausgedehnten Sumpfgebiet. Die Flurbezeichnung Waterhuk bezeichnet ein etwas höher gelegenes Gelände.
Rosenhügel: Dieser neuere Name beschreibt ebenfalls eine Geländeform. Er wird als neuere Form des alten Namens Waterhuk betrachtet. Der alte Hof Busfort lag nahe einer Furt im Emscherbruch. Beim Bau des Hochhauses am Busfortshof wurde das Skelett eines Waldwisents gefunden.
Ellinghorst: Ellinghorst gilt als der älteste nachgewiesene Siedlungsplatz in Gladbeck. Kösters deutet das Grundwort „horst“ als eine erhöhte, landwirtschaftlich genutzte Stelle im Gelände. Ein Abkömmling der Herren von Hurst soll hier ein Herrenhaus gegründet und es „Horst bei den Erlen“, also Ellinghorst, genannt haben. Eine andere Deutung von Paul Derks besagt, dass „Horst“ Busch oder Gesträuch bedeutet und „Elling“ auf einen Eigennamen hinweist, sodass Ellinghorst „Niederwald der Ellinge“ bedeuten könnte.
Rentfort: Im 13. Jahrhundert tauchen Bezeichnungen wie „Rentvorde“ und „to Ryntvort“ auf. „Fort“ bedeutet Furt, hier durch die Boye-Niederung. Für „ren“ gibt es verschiedene Erklärungen. Ludwig Bette sieht einen Zusammenhang mit Rain und Grenze, deutet Rentfort also als Siedlung an der Grenzfurt. Paul Derks leitet „ren“ von Rind ab und interpretiert Rentfort als Weidegrund nahe einer Furt.

Zweckel: Zweckel, auch Schweckel, erscheint um 1150 als „Sveclo“. Das Grundwort „lo“ deutet auf Wald hin, „eclo“ könnte Eichenwald bedeuten. Eine Deutung von Kösters ist „Schweine-Eichenwald“, ein für die Schweinemast geeignetes Gebiet. Paul Derks schlägt vor, dass in „swek / swik“ das altsächsische Wort für Geruch steckt und Zweckel ein Stück Niederwald war, in dem es nach etwas roch.
Die Namen der Bäche in Gladbeck haben ebenfalls oft einen Bezug zu ihrer Umgebung oder zu Höfen, an denen sie vorbeiflossen. Der Haarbach floss im Wald (Haar = Waldgebiet). Der Hahnenbach wurde nach dem Hof Hahne benannt. Der Quälingsbach, die Breiker Becke und der Mehringsbach sind ebenfalls nach bäuerlichen Anwesen benannt. Der Nattbach entwässerte eine sumpfige Senke. Der Wittringer Mühlenbach ist nach dem Schloss Wittringen benannt, im Oberlauf hieß er auch Rentroper Mühlenbach nach dem Hof Schulte-Rentrop, der eine Mühle betrieb. Der Becksche und der Brabecker Mühlenbach lassen sich ähnlich erklären. Die Boye, älterer Name Boede, bedeutet laut Paul Derks „die Stumme“, wegen ihres ruhigen Fließens.
Stadtteile und ihre Struktur
Seit 1978 ist Gladbeck in sechs Stadtteile unterteilt, die wiederum in Stadtbezirke gegliedert sind. Die alten Bauerschaften, aus denen sich die Stadt entwickelte, waren Zweckel, Rentfort, Ellinghorst, Butendorf und Braubauer. Hier ist eine Übersicht der Stadtteile mit Einwohnerzahlen (Stand Juni 2013) und Fläche:
| Stadtteil | Stadtbezirke | PLZ | Einwohner (Juni 2013) | Fläche in km² |
|---|---|---|---|---|
| Brauck (a) | Brauck | 45968 | 12.268 | 5,08 |
| Rosenhügel | 45968 | 4.968 | 1,05 | |
| Butendorf | Butendorf | 45968 | 11.635 | 2,78 |
| Ellinghorst | Ellinghorst | 45964 | 3.082 | 6,12 |
| Mitte | Mitte 1 | 45964 | 11.027 | 2,27 |
| Mitte 2 | 45964 | 7.301 | 2,50 | |
| Rentfort | Alt-Rentfort | 45966 | 4.457 | 5,64 |
| Rentfort-Nord | 45966 | 7.582 | 3,39 | |
| Schultendorf | 45966 | 2.411 | 0,70 | |
| Zweckel | Zweckel | 45966 | 11.082 | 6,44 |
| Gesamt | 4596 | 75.834 | 35,97 |
(a) Bauerschaft Braubauer
Die Abgrenzung der Stadtteile erfolgt oft durch geografische Merkmale oder Infrastrukturen. Schultendorf wird beispielsweise von Zweckel durch die Eisenbahntrasse zum Bahnhof Zweckel getrennt. Alt-Rentfort und Rentfort-Nord sind durch die Kirchhellener Straße bzw. Sandstraße getrennt. Die Kernbesiedlung von Alt-Rentfort zieht sich schmal entlang der Hegestraße. Die Stadtmitte, geteilt durch Eisenbahntrassen, grenzt im Westen an Schultendorf und Alt-Rentfort. Ellinghorst wird nach Norden teilweise durch eine Bahntrasse und einen Grünstreifen von Alt-Rentfort getrennt. Die südlichen Stadtteile Butendorf und Brauck sind durch die B 224 von Ellinghorst und Mitte sowie durch die A 2 voneinander getrennt. Die Siedlung Rosenhügel im äußersten Südosten ist Teil einer ECA-Siedlung aus den 1950er Jahren.
Weitere Aspekte Gladbecks
Gladbeck war Teil von RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europa und richtete verschiedene kulturelle Beiträge aus. Die Stadt hat auch eine Kinder- und Jugend-Universität, die Kurse in verschiedenen Bereichen anbietet. Zudem hat Gladbeck Patenschaften für zwei Mehrzwecklandungsboote der Deutschen Marine übernommen: L762 Lachs und L765 Schlei. In der Stadt ist auch das Technische Hilfswerk (THW) mit einem Ortsverband stationiert, der über Bergungsgruppen und eine Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen verfügt.
Häufig gestellte Fragen zu Gladbeck
Wer waren die Todesopfer des Gladbecker Geiseldramas?
Die Todesopfer des Geiseldramas waren Silke Bischof, 18 Jahre alt, und Emanuele de Giorgi, 15 Jahre alt.
Wie hoch sind die Schulden der Stadt Gladbeck?
Der Schuldenstand der Stadt Gladbeck beläuft sich auf insgesamt 437 Millionen Euro.
Was bedeutet der Ortsname Gladbeck?
Der Name Gladbeck wird als Siedlung am glänzenden, klaren Bach gedeutet. Alternativ ist auch die Deutung „leicht fließender Bach“ möglich.
Welche alten Bauerschaften gehörten zur Gemeinde Gladbeck?
Die alten Bauerschaften waren Zweckel, Rentfort, Ellinghorst, Butendorf und Braubauer.
Welche Flüsse oder Bäche fließen durch Gladbeck?
Zu den in Gladbeck genannten Bächen gehören die Boye, der Mühlenbach, der Haarbach, der Hahnenbach, der Quälingsbach, die Breiker Becke, der Mehringsbach, der Nattbach und der Wittringer Mühlenbach.
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