28/11/2012
In jedem Unternehmen fallen Kosten an, die für den reibungslosen Ablauf unerlässlich sind. Ein zentrales Werkzeug, um diese Kosten zu verstehen, zu kontrollieren und letztlich zu senken, ist die Kostenstellenrechnung. Sie hilft dabei, Kosten dort zu sammeln, wo sie entstehen. Während Produktionsbetriebe offensichtliche Kostenstellen wie Fertigungslinien haben, stellt sich in der Verwaltung oft die Frage: Welche Bereiche sind hier eigentlich als Kostenstellen zu betrachten und warum?
Die Verwaltung ist das Rückgrat eines jeden Unternehmens. Sie stellt die notwendigen Rahmenbedingungen bereit, damit die Kernprozesse – sei es Produktion, Vertrieb oder Dienstleistungserbringung – überhaupt stattfinden können. Ob Personalwesen, Finanzbuchhaltung, IT-Support oder das allgemeine Büromanagement – all diese Bereiche verursachen Kosten, die nicht direkt einem verkauften Produkt oder einer spezifischen Dienstleistung zugeordnet werden können. Hier kommen administrative Kostenstellen ins Spiel. Sie dienen dazu, die Gemeinkosten der Verwaltung zu erfassen und transparent zu machen.

- Was genau ist eine Kostenstelle?
- Warum sind Kostenstellen in der Verwaltung wichtig?
- Konkrete Beispiele für Kostenstellen in der Verwaltung
- Typische Kostenarten auf administrativen Kostenstellen
- Kostenverteilung von administrativen Kostenstellen
- Vorteile der Nutzung von Kostenstellen in der Verwaltung im Überblick
- Tabelle: Beispiele und typische Kosten
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was genau ist eine Kostenstelle?
Eine Kostenstelle ist eine organisatorische oder räumliche Einheit innerhalb eines Unternehmens, der Kosten zugeordnet werden. Ihr Hauptzweck ist die Sammlung und Verteilung von Gemeinkosten. Im Gegensatz zu Kostenträgern (wie Produkten oder Dienstleistungen), die Kosten *tragen*, sind Kostenstellen Orte oder Verantwortungsbereiche, an denen Kosten *entstehen*. Die Kostenstellenrechnung ist somit ein wichtiges Instrument der innerbetrieblichen Leistungsverrechnung und der Kalkulation.
Warum sind Kostenstellen in der Verwaltung wichtig?
Die Verwaltung gilt oft als „Wasserkopf“, dessen Kosten schwer greifbar sind. Durch die Einrichtung von Kostenstellen wird dies geändert:
- Transparenz: Es wird ersichtlich, welche administrativen Bereiche welche Kosten verursachen.
- Kostenkontrolle: Budgets können pro Kostenstelle geplant und überwacht werden. Abweichungen fallen schneller auf.
- Effizienzsteigerung: Bereiche mit überdurchschnittlich hohen Kosten können analysiert und optimiert werden.
- Leistungsmessung: Auch wenn Verwaltungsbereiche selten direkte Umsätze erzielen, kann ihre Effizienz indirekt bewertet werden, z.B. durch Kosten pro Mitarbeiter im Personalwesen.
- Grundlage für die Kalkulation: Die administrativen Gemeinkosten müssen letztlich auf die Kostenträger umgelegt werden, um vollständige Produkt- oder Dienstleistungskosten zu erhalten. Die Kostenstellenrechnung liefert hierfür die notwendigen Daten und Kostenarten.
Konkrete Beispiele für Kostenstellen in der Verwaltung
Die Struktur der administrativen Kostenstellen hängt stark von der Größe und Organisation des Unternehmens ab. Hier sind einige gängige Beispiele:
1. Geschäftsführung / Unternehmensleitung
Diese Kostenstelle umfasst die Kosten, die direkt mit der obersten Führungsebene verbunden sind. Dazu gehören Gehälter der Geschäftsführung, Kosten für Aufsichtsratssitzungen, externe Beratungskosten für strategische Fragen oder auch Repräsentationskosten. Obwohl diese Kosten oft zentral anfallen, ist ihre transparente Erfassung wichtig, um die Kosten der Unternehmensleitung gesondert auszuweisen.
2. Personalabteilung (Human Resources - HR)
Die HR-Abteilung kümmert sich um alle Belange der Mitarbeiter. Kostenstellen hierfür umfassen:
- Gehälter und Sozialleistungen der HR-Mitarbeiter
- Kosten für Recruiting (Stellenanzeigen, Agenturen)
- Weiterbildungskosten
- Kosten für die Lohn- und Gehaltsabrechnung (Software, Dienstleister)
- Kosten für Personalverwaltungssysteme
Diese Kostenstelle ist entscheidend, da Personalkosten den größten Block in vielen Unternehmen darstellen.
3. Finanz- und Rechnungswesen
Dieser Bereich ist für Buchhaltung, Controlling, Treasury und oft auch das Mahnwesen zuständig. Typische Kosten sind:
- Gehälter der Mitarbeiter im Finanzwesen
- Kosten für Buchhaltungs- und Controlling-Software
- Gebühren für Wirtschaftsprüfer und Steuerberater
- Kosten für Bankdienstleistungen
- Kosten für das Berichtswesen und Analysen
Eine exakte Erfassung hier ist grundlegend für die gesamte Unternehmenssteuerung.
4. IT-Abteilung
In der modernen Arbeitswelt ist die IT-Abteilung unverzichtbar und verursacht erhebliche Kosten:
- Gehälter der IT-Mitarbeiter
- Kosten für Hardware (Server, PCs, Laptops, Drucker) und Softwarelizenzen
- Kosten für Netzwerkinfrastruktur und Internetzugang
- Kosten für IT-Sicherheit (Firewalls, Antivirus-Software)
- Wartungs- und Supportkosten
Die IT-Kosten können oft auf die Nutzerabteilungen umgelegt werden, was eine genaue Kostenstellenerfassung erforderlich macht.
5. Einkauf / Beschaffung
Diese Abteilung ist für den strategischen und operativen Einkauf zuständig, einschließlich der Beschaffung von Büromaterial, Rohstoffen, Dienstleistungen etc.
- Gehälter der Einkäufer
- Kosten für Beschaffungssoftware
- Reisekosten zu Lieferanten
- Kosten für die Verwaltung von Lieferantenbeziehungen
Obwohl der Einkauf direkten Einfluss auf die Kosten der beschafften Güter hat, sind die Kosten für die *Tätigkeit* des Einkaufs selbst Gemeinkosten der Verwaltung.
6. Allgemeine Verwaltung / Büromanagement
Diese Kostenstelle sammelt alle übergreifenden administrativen Kosten, die nicht eindeutig anderen spezifischen Bereichen zugeordnet werden können. Dazu gehören:
- Miete und Nebenkosten für Büroflächen
- Kosten für Reinigung und Instandhaltung des Bürogebäudes (sofern nicht separat als Facility Management)
- Kosten für allgemeines Büromaterial (Papier, Stifte, Ordner etc.)
- Kosten für Post- und Kurierdienste
- Kosten für Telefonie und allgemeine Kommunikation
- Kosten für die Büroausstattung (Möbel, etc.)
- Kosten für die Bewirtung von Gästen
Diese Kostenstelle ist oft ein Sammelbecken für diverse Gemeinkosten.
7. Empfang / Rezeption
In größeren Unternehmen kann der Empfang eine eigene Kostenstelle bilden:
- Gehälter des Empfangspersonals
- Kosten für den Empfangsbereich (Einrichtung, Dekoration)
- Kosten für das Management eingehender Post und Pakete
- Kosten für die erste Kontaktaufnahme (Telefonanlage, etc.)
Der Empfang ist die Visitenkarte des Unternehmens und verursacht spezifische Kosten.
8. Rechtsabteilung (sofern vorhanden)
Größere Unternehmen unterhalten oft eine eigene Rechtsabteilung:
- Gehälter der Juristen
- Kosten für juristische Datenbanken und Software
- Kosten für externe Rechtsberatung und Prozesskosten
Diese Kosten sind oft schwer vorhersehbar, aber ihre Erfassung als Kostenstelle ist wichtig.
Typische Kostenarten auf administrativen Kostenstellen
Unabhängig von der spezifischen administrativen Funktion finden sich auf diesen Kostenstellen häufig ähnliche Kostenarten:
- Personalkosten: Gehälter, Löhne, Sozialabgaben, Altersvorsorgebeiträge, Weiterbildung.
- Raumkosten: Miete, Pacht, Heizung, Strom, Wasser, Reinigung, Grundsteuer (oft über Umlageschlüssel zugeordnet).
- Sachkosten:
- Büromaterial: Papier, Stifte, Ordner, Notizblöcke, etc.
- Drucker- und Kopierkosten: Anschaffung/Leasing von Geräten, Toner, Tinte, Wartung.
- IT-Kosten: Hardware, Softwarelizenzen, Wartung, Support.
- Kommunikationskosten: Telefongebühren, Internetzugang, Mobilfunk.
- Reisekosten: Fahrten zu Besprechungen, Konferenzen.
- Versicherungen: Betriebshaftpflicht, Gebäudeversicherungen (anteilig).
- Beratungskosten: Steuerberater, Rechtsanwälte, Unternehmensberater.
- Abschreibungen: Auf Büromöbel, IT-Ausstattung, Fahrzeuge etc.
- Marketing- und Vertriebsgemeinkosten (anteilig): Kosten für übergeordnete Marketingaktivitäten, die nicht direkt dem Vertrieb zugeordnet werden können.
Die genaue Zuordnung der Kostenarten zu den Kostenstellen erfordert eine sorgfältige Definition und Abgrenzung.
Kostenverteilung von administrativen Kostenstellen
Ein wesentlicher Zweck der administrativen Kostenstellen ist es, die dort gesammelten Gemeinkosten transparent zu machen, bevor sie auf die letztendlichen Kostenträger (Produkte, Dienstleistungen) umgelegt werden. Dies geschieht oft über Umlageschlüssel. Beispiele:
- Kosten der Personalabteilung können pro Mitarbeiter auf die anderen Abteilungen (Produktion, Vertrieb, etc.) umgelegt werden.
- Kosten der IT-Abteilung können pro genutztem PC oder pro Mitarbeiter umgelegt werden.
- Kosten der allgemeinen Verwaltung können proportional zum Umsatz oder zu den direkten Kosten der anderen Bereiche umgelegt werden.
- Raumkosten (Miete, Nebenkosten) werden oft pro Quadratmeter Bürofläche auf die dort ansässigen Kostenstellen verteilt.
Dieses Verfahren stellt sicher, dass die Kosten der unterstützenden Verwaltungsfunktionen letztendlich in die vollständigen Kosten der Hauptleistungen des Unternehmens einfließen.
Vorteile der Nutzung von Kostenstellen in der Verwaltung im Überblick
Zusammenfassend bietet die Kostenstellenrechnung für die Verwaltung klare Vorteile:
- Verbesserte Kostenkontrolle durch klare Verantwortlichkeiten.
- Höhere Transparenz über die Ausgaben in verschiedenen administrativen Bereichen.
- Fundierte Entscheidungsfindung für Budgetierung und Einsparmaßnahmen.
- Genaue Grundlage für die Umlage administrativer Gemeinkosten auf Produkte oder Dienstleistungen.
- Identifizierung von Ineffizienzen und Potenzialen zur Prozessoptimierung.
Die Implementierung und Pflege eines detaillierten Kostenstellenplans erfordert zwar Aufwand, zahlt sich aber durch deutlich mehr Klarheit und Kontrolle über die administrativen Ausgaben aus.
Tabelle: Beispiele und typische Kosten
| Kostenstelle | Hauptfunktion | Typische Kostenarten |
|---|---|---|
| Geschäftsführung | Strategische Leitung, Entscheidungsfindung | Personalkosten GF, Beratung, Repräsentation |
| Personalabteilung | Mitarbeiterverwaltung, Recruiting, Schulung | Personalkosten HR, Recruiting, Weiterbildung, HR-Software |
| Finanzwesen | Buchhaltung, Controlling, Zahlungsverkehr | Personalkosten Finanz, Buchhaltungssoftware, Steuerberatergebühren |
| IT-Abteilung | Bereitstellung & Wartung IT-Infrastruktur | Personalkosten IT, Hardware, Softwarelizenzen, Netzwerkkosten, Toner |
| Allgemeine Verwaltung | Übergreifendes Büromanagement, Support | Raumkosten, allgemeines Büromaterial, Kommunikation, Post, Reinigung |
| Einkauf | Beschaffung von Gütern & Dienstleistungen | Personalkosten Einkauf, Beschaffungssoftware, Reisekosten |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einer Kostenstelle und einem Kostenträger?
Eine Kostenstelle ist der Ort, an dem Kosten entstehen (z.B. die Personalabteilung). Ein Kostenträger ist das Objekt, das die Kosten verursacht oder trägt (z.B. ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Auftrag).
Können administrative Kostenstellen auch Erlöse erzielen?
In der Regel nicht. Administrative Kostenstellen sind typischerweise reine Gemeinkostenstellen. Ihre Leistung besteht darin, unterstützende Funktionen für die erlösgenerierenden Bereiche des Unternehmens bereitzustellen.
Wie detailliert sollten administrative Kostenstellen sein?
Das hängt von der Größe und Komplexität des Unternehmens sowie vom gewünschten Grad der Kostenkontrolle und Transparenz ab. Zu wenige Kostenstellen machen die Kostenstruktur unklar, zu viele können den Verwaltungsaufwand erhöhen. Eine sinnvolle Balance ist entscheidend.
Wie werden Kosten, die mehrere Abteilungen betreffen (z.B. Miete), auf die Kostenstellen verteilt?
Solche Kosten werden über sogenannte Umlageschlüssel verteilt. Miete kann z.B. proportional zur genutzten Fläche auf die verschiedenen Kostenstellen umgelegt werden, IT-Kosten pro Nutzer oder PC.
Die Nutzung von Kostenstellen in der Verwaltung ist ein mächtiges Werkzeug zur Steuerung und Optimierung. Sie macht die oft versteckten Gemeinkosten sichtbar und ermöglicht ein proaktives Management der administrativen Ausgaben – von Personalkosten über Raumkosten bis hin zu den Kosten für Büromaterial und Druckerzubehör.
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