Für was ist Neu-Isenburg bekannt?

Neu-Isenburg: Hugenottenstadt im Rhein-Main

16/01/2013

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Neu-Isenburg, offiziell als Hugenotten- und Waldenserstadt bekannt, ist eine Mittelstadt im Landkreis Offenbach, die durch ihre unmittelbare Nähe zu den Metropolen Frankfurt am Main und Offenbach am Main sowie zum internationalen Frankfurter Flughafen eine besondere Stellung im Rhein-Main-Gebiet einnimmt. Die Stadt vereint eine reiche historische Vergangenheit als Zufluchtsort für Verfolgte mit der Dynamik eines modernen Wirtschaftsstandortes und einer beliebten Wohngegend für Pendler.

Für was ist Neu-Isenburg bekannt?
Heute ist sie vor allem Standort von Dienstleistungsunternehmen und Wohnstadt für Pendler nach Frankfurt. Regional bekannt ist die Stadt durch das Einkaufszentrum „Isenburg-Zentrum“ (IZ), die Hugenottenhalle, die Stadtbibliothek, das Autokino in Gravenbruch und das Waldschwimmbad.

Ihre Gründung im Jahr 1699 als Planstadt durch Hugenotten, französische Protestanten, die nach der Aufhebung des Edikts von Nantes aus ihrer Heimat fliehen mussten, prägt die Identität Neu-Isenburgs bis heute. Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach bot ihnen Schutz und Religionsfreiheit und erlaubte ihnen die Ansiedlung im Dreieichwald. Als Dank benannten die Siedler die Stadt nach ihm. Der von Andreas Loeber entworfene quadratische Grundriss mit seinen diagonalen und geraden Straßen, die auf den Marktplatz zulaufen, ist ein Zeugnis dieser Planstadtgründung und greift symbolisch das griechische und Andreaskreuz auf. Ursprünglich als Bauern tätig, besannen sich die Hugenotten bald auf ihre Handwerkskünste, insbesondere die Strumpfwirkerei, und legten damit den Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung. Die umliegenden Gemeinden begegneten den Neuankömmlingen zunächst mit Misstrauen und bezeichneten den Ort als „welsches Dorf“, wovon heute noch der Welsche Weg zeugt.

Übersicht

Von der Gründung bis zur Industriestadt

Die frühe Entwicklung der Stadt war eng mit der hugenottischen Gemeinschaft verbunden. Der erste Gottesdienst fand bereits 1700 statt, die erste französisch-reformierte Holzkirche wurde zwischen 1702 und 1706 errichtet. Ebenfalls 1702 entstanden das Rathaus und das Haus zum Löwen, das später zum Heimatmuseum wurde. Es folgten eine Schule (1704) und eine Mühle (1705). Die Holzkirche wurde später durch einen Steinbau ersetzt (1773–1775). Ab dem 18. Jahrhundert zogen auch deutsche Familien zu, was zu einer sprachlichen und kulturellen Annäherung führte. Predigten wurden abwechselnd auf Deutsch und Französisch gehalten, bis Deutsch 1829 zur offiziellen Amtssprache wurde.

In napoleonischer Zeit gehörte Neu-Isenburg kurzzeitig zum Fürstentum Isenburg, bevor es 1815 an das Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) fiel. Die Stadt erlebte im 19. Jahrhundert weiteres Wachstum und infrastrukturelle Fortschritte. 1846 wurde die Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg eröffnet, 1852 erhielt Neu-Isenburg einen eigenen Bahnhof. Die Frankfurter Waldbahn, heute die Straßenbahnlinie 17, verband die Stadt ab 1885 mit Frankfurt. Am 4. Februar 1889 wurden Neu-Isenburg die Stadtrechte verliehen. Die moderne Infrastruktur begann sich ab 1898 mit der Inbetriebnahme des Wasser- und Elektrizitätswerks zu entwickeln.

Das 20. Jahrhundert brachte eine starke industrielle Prägung, vor allem durch chemische verarbeitende Industrie und Nahrungsmittelproduktion. Firmen wie Hans Schwarzkopf, Trapp & Co. und die Kakao- und Schokoladenfabrik Sprengel waren hier ansässig. Später wandelte sich die Stadt zunehmend zum Dienstleistungsstandort.

Lage, Stadtteile und Stadtbild

Neu-Isenburg liegt inmitten eines relativ flachen, geschlossenen Waldgebietes. Die Stadt besteht aus drei Hauptteilen: der alten Kernstadt, dem eingemeindeten Stadtteil Zeppelinheim und der in den 1960er Jahren errichteten Satellitenstadt Gravenbruch. Diese Stadtteile sind durch Waldflächen voneinander getrennt. Während die Kernstadt historische Wurzeln als waldfreie Fläche hat, wurden Zeppelinheim und Gravenbruch auf gerodeten Inseln errichtet. Der verbleibende Wald auf dem Stadtgebiet ist aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte des Rhein-Main-Gebietes als Bannwald ausgewiesen, was weitere Rodungen für Bebauung untersagt und das Wachstum der Stadt begrenzt.

Wirtschaft und Verkehr

Durch ihre exzellente Verkehrslage in unmittelbarer Nähe zu Frankfurt und dem Frankfurter Flughafen hat sich Neu-Isenburg zu einem attraktiven Standort für Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Zahlreiche Firmen, darunter auch Hotels, haben sich hier niedergelassen. Die Stadt verzeichnet eine hohe Anzahl an Übernachtungen. Der Wandel vom Produktionsstandort zum Dienstleistungszentrum ist ein prägendes Merkmal der jüngeren Wirtschaftsgeschichte.

Die Verkehrsanbindung ist hervorragend. Neu-Isenburg verfügt über mehrere Anschlüsse an die Autobahnen A 3, A 5 und A 661. Die Stadt ist in das S-Bahn-System des Rhein-Main-Verkehrsverbundes integriert. Die Kernstadt wird von der S-Bahn-Linie S3/S4 bedient, Zeppelinheim von der S-Bahn-Linie S7. Zusätzlich verbindet die Straßenbahnlinie 17 den nördlichen Stadtrand mit Frankfurt. Zukünftig soll die Innenstadt durch die geplante Zweisystem-Stadtbahnstrecke (Regionaltangente West) noch besser an das Schienennetz angebunden werden. Der Frankfurter Flughafen liegt direkt an der Gemarkungsgrenze.

Kultur, Freizeit und Bekannte Orte

Neu-Isenburg ist regional durch verschiedene Einrichtungen und Veranstaltungen bekannt:

  • Isenburg-Zentrum (IZ): Ein großes Einkaufszentrum, das Besucher aus der gesamten Region anzieht.
  • Hugenottenhalle: Eine wichtige Mehrzweckhalle und regional bekannter Veranstaltungsort für Konzerte, Theateraufführungen und andere Events. Sie wurde 1977 eröffnet und bietet je nach Bestuhlung Platz für Hunderte bis über Tausend Besucher.
  • Stadtbibliothek Neu-Isenburg: Angrenzend an die Hugenottenhalle gelegen, ist sie für ihren umfangreichen Medienbestand und ihre hohe Servicequalität bekannt und hat in Bibliotheksrankings wiederholt gute Platzierungen erreicht. Sie bietet auch Zugang zur Onleihe.
  • Autokino Gravenbruch: Das 1960 eröffnete Autokino in Gravenbruch war das erste seiner Art in Deutschland und ist bis heute ein beliebter Anziehungspunkt.
  • Waldschwimmbad: Ein Freibad im Grünen, das im Sommer Erholung bietet.

Neben diesen kommerziellen und Freizeiteinrichtungen gibt es auch wichtige kulturelle Stätten:

  • Heimatmuseum im Haus zum Löwen: Zeigt Ausstellungen zur Geschichte und Kultur der Stadt.
  • Bertha Pappenheim Haus: Eine Gedenkstätte und Seminarhaus, das Leben und Wirken von Bertha Pappenheim dokumentiert und Veranstaltungen zu relevanten Themen wie jüdischem Leben, Nationalsozialismus, Dialog und Frauenrechten anbietet. Bertha Pappenheims 1907 gegründetes Heim für jüdische Mädchen und Frauen wurde während der NS-Zeit zerstört.
  • Zeppelin-Museum in Zeppelinheim: Erinnert an die Geschichte des Stadtteils als Fliegerquartier und die Ära der Zeppeline.

Ein kulturelles Highlight ist das jährlich stattfindende Musikfestival Open Doors, bei dem zahlreiche Bands und Künstler bei freiem Eintritt auf verschiedenen Bühnen im Stadtzentrum auftreten. Das Neu-Isenburger Mundart-Ensemble hat sich ebenfalls einen Namen gemacht.

Natur und Erholung

Trotz der dichten Besiedlung im Rhein-Main-Gebiet verfügt Neu-Isenburg über bedeutende Naturflächen, insbesondere zwei ausgewiesene Naturschutzgebiete:

Naturschutzgebiet Bruch von Gravenbruch

Dieses Gebiet liegt östlich der Kernstadt und westlich von Gravenbruch und umfasst etwa 93,47 Hektar Wald, hauptsächlich Bruchwälder. Es handelt sich um ein Niedermoor mit hohem Grundwasserstand und zahlreichen Kleingewässern. Die Unterschutzstellung im Jahr 1984 erfolgte zum Erhalt der feuchtigkeitsabhängigen Pflanzen- und Tiergesellschaften. Es ist auch als FFH-Gebiet Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Zu den Besonderheiten zählen seltene Pflanzenarten wie Hartmans Segge, Faden-Segge und Sumpf-Haarstrang sowie Amphibien wie Springfrosch und Laubfrosch und Vogelarten wie Schwarzspecht und Neuntöter.

Naturschutzgebiet Gehspitzweiher bei Neu-Isenburg

Südwestlich von Neu-Isenburg gelegen, ist dieses Gebiet eine ehemalige Abbaugrube für Lehm, Sand und Kies. Nach Einstellung des kommerziellen Betriebs und gescheiterten Plänen für eine touristische Nutzung entwickelte sich das Gebiet zu einem wertvollen Rückzugsort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Es wurde 1981 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Gehspitzweiher ist bekannt für seinen Artenreichtum, insbesondere bei Vögeln (98 Arten beobachtet, darunter Flussuferläufer, Fischadler, Eisvogel), Amphibien (acht Arten wie Kreuzkröte, Laubfrosch) und Insekten (26 Libellenarten, darunter die seltene Zierliche Moosjungfer, 20 Heuschreckenarten). Auch seltene Pflanzenarten sind hier zu finden.

Was kann man heute in der Nähe von Neu-Isenburg machen?
DIE BESTEN SEHENSWÜRDIGKEITEN IN NEU-ISENBURGZeppelin Museum Zeppelinheim. 4,4. ...Isenburg-Zentrum. 3,6. ...WaldSchwimmbad. 4,0. ...FFK - Forum zur Förderung von Kunst und Kultur in Neu-Isenburg. Kunstgalerien.Waldspielpark Tannenwald. Sportanlagen.Stadtmuseum "Haus zum Löwen" 4,0. ...Hugenotten- und Waldenserpfad. ...Robert-Maier-Haus.

Sport und Bildung

Neu-Isenburg bietet seinen Bürgern vielfältige Sportmöglichkeiten im Sportpark und in verschiedenen Vereinen wie der TSG 1885, der SpVgg 03 und dem TC Rot-Weiss. Ein jährliches Sportereignis ist der Hugenottenlauf mit verschiedenen Streckenlängen.

Im Bereich Bildung verfügt die Stadt über mehrere Grundschulen, ein Gymnasium (Goetheschule), eine Gesamtschule (Brüder-Grimm-Schule), eine Förderschule sowie eine Musikschule und eine Volkshochschule.

Städtepartnerschaften

Neu-Isenburg pflegt Städtepartnerschaften mit Alexandria in Minnesota (USA) und Sighișoara in Rumänien, um den internationalen Austausch zu fördern.

Was kann man heute in Neu-Isenburg unternehmen?

Die Stadt bietet eine Reihe von Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten:

  • Besuch des Zeppelin Museums in Zeppelinheim.
  • Einkaufen im Isenburg-Zentrum.
  • Entspannung im WaldSchwimmbad.
  • Erkundung der Kunst im FFK - Forum zur Förderung von Kunst und Kultur.
  • Spaß für Familien im Waldspielpark Tannenwald.
  • Eintauchen in die Stadtgeschichte im Stadtmuseum „Haus zum Löwen“.
  • Wandern auf Teilen des Hugenotten- und Waldenserpfades.
  • Besuch des Robert-Maier-Hauses.

Diese Liste zeigt, dass Neu-Isenburg neben seiner Funktion als Wohn- und Wirtschaftsstandort auch vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und kulturellen Betätigung bietet.

Zusammenfassung der wichtigsten Orte und Attraktionen

Ort / AttraktionTypBesonderheit
Isenburg-ZentrumEinkaufszentrumRegionales Shopping-Ziel
HugenottenhalleVeranstaltungsortKonzerte, Theater, Events
StadtbibliothekBildung/KulturHoher Medienbestand, gute Rankings
Autokino GravenbruchKinoErstes Autokino Deutschlands
WaldschwimmbadFreizeitErholungsbad im Grünen
Haus zum LöwenMuseumHeimatmuseum, Stadtgeschichte
Zeppelin-MuseumMuseumGeschichte Zeppelinheims, Zeppeline
Bruch von GravenbruchNaturschutzgebietFeuchtgebiet, seltene Arten
GehspitzweiherNaturschutzgebietEhemalige Grube, Vogel-/Amphibienparadies
Open DoorsFestivalJährliches Musikfestival

Häufig gestellte Fragen zu Neu-Isenburg

Warum wird Neu-Isenburg als Hugenotten- und Waldenserstadt bezeichnet?

Die Stadt wurde am 24. Juli 1699 von französischen Hugenotten gegründet, die in ihrer Heimat wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgt wurden. Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach bot ihnen hier einen sicheren Zufluchtsort. Dieser historische Ursprung prägt die Identität der Stadt bis heute und wurde 2024 mit dem amtlichen Namenszusatz „Hugenotten- und Waldenserstadt“ gewürdigt.

Welche sind die bekanntesten Attraktionen in Neu-Isenburg?

Zu den überregional bekannten Attraktionen zählen das Einkaufszentrum Isenburg-Zentrum, die Hugenottenhalle als wichtiger Veranstaltungsort, das historische Autokino in Gravenbruch sowie das Waldschwimmbad. Auch die Museen (Heimatmuseum im Haus zum Löwen, Zeppelin-Museum, Bertha Pappenheim Haus) und die Naturschutzgebiete Bruch von Gravenbruch und Gehspitzweiher sind von Bedeutung.

Wie ist Neu-Isenburg verkehrstechnisch angebunden?

Neu-Isenburg ist sehr gut angebunden. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Flughafen und verfügt über Anschlüsse an die Autobahnen A 3, A 5 und A 661. Die Stadt ist per S-Bahn (Linien S3/S4, S7) und Straßenbahn (Linie 17) an das öffentliche Nahverkehrsnetz des Rhein-Main-Gebiets angeschlossen. Eine zukünftige Stadtbahnlinie (Regionaltangente West) ist geplant.

Welche Rolle spielte die Industrie in Neu-Isenburg?

Ab etwa 1900 entwickelte sich Neu-Isenburg stark industriell, insbesondere in der chemischen Verarbeitung und Nahrungsmittelproduktion. Firmen wie Schwarzkopf oder Sprengel waren hier tätig. Heute hat sich die Wirtschaftsstruktur gewandelt, und Neu-Isenburg ist primär ein Standort für Dienstleistungsunternehmen, profitiert aber weiterhin von seiner Geschichte als Industriestandort.

Neu-Isenburg bietet somit eine interessante Mischung aus historischem Erbe, moderner Infrastruktur, wirtschaftlicher Bedeutung und vielfältigen Freizeit- und Naturangeboten, die sie zu einem attraktiven Ort im Herzen des Rhein-Main-Gebiets machen.

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