02/07/2016
Die Stadt Rheinbach blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Ihre Wurzeln reichen weit zurück, bis ins frühe Mittelalter. Die erste urkundliche Erwähnung, die den Grundstein für die Existenz des Ortes legte, datiert auf das Jahr 762. Dieses Ereignis markiert den Beginn einer Entwicklung, die Rheinbach über Jahrhunderte hinweg prägen sollte.

I. Unter den Prümer Äbten
Im Jahr 762 schenkten König Pippin und seine Gemahlin Bertrada der Abtei Prüm Ländereien in einer Gegend, die als Reginbach bezeichnet wurde. Durch diese Schenkung wurde die Abtei Prüm zum alleinigen Grundherrn in diesem Gebiet. Dies war ein entscheidender Schritt für die frühe Entwicklung des Ortes, da das Kloster fortan die Geschicke der Menschen und Ländereien lenkte.
Ein wichtiger Einblick in das Leben unter der Herrschaft Prüms bietet das Prümer Urbar aus dem Jahr 893. Dieses Dokument listet detailliert die Abgaben sowie die Hand- und Spanndienste auf, die die Untertanen des Klosters zu leisten hatten. In der Gemarkung Rheinbach wurden zu dieser Zeit 49 bäuerliche Betriebseinheiten gezählt, die sich im Besitz des Klosters befanden. Die geforderten Abgaben waren vielfältig: Jeder Betrieb musste jährlich ein gemästetes Schwein, ein Pfund Leinen, drei Hühner, zehn Eier und sechs Denare entrichten. Zusätzlich waren jährliche Dienste fällig, die unter anderem das Auffahren von zehn Karren Mist auf das Herrenland, die selbständige Bearbeitung von etwa zwei Morgen des Herrenlandes sowie Frondienste für den Herrenhof an zwei Terminen im Jahr für jeweils fünfzehn Tage und Nächte umfassten. Ebenso mussten zweimal im Jahr Wein oder Getreide nach Prüm transportiert werden. Diese Aufzeichnungen verdeutlichen die wirtschaftliche Struktur und die Lasten, die auf der ländlichen Bevölkerung lasteten.
Im Jahr 943 findet sich in einer Prümer Urkunde des Abtes Farabert die erste Erwähnung der Rheinbacher Pfarrkirche. Diese Kirche befand sich auf dem Areal des heutigen St. Martinsfriedhofs. Das wichtige Recht zur Besetzung der Pfarrstelle lag bis zur französischen Herrschaft bei Münstereifel, einer Tochtergründung der Abtei Prüm. Dies zeigt die enge kirchliche und administrative Verbindung zwischen Rheinbach und Prüm bzw. Münstereifel in dieser frühen Periode.
II. Unter den Rittern von Rheinbach
Eine neue Ära begann im Jahr 1178 mit dem erstmaligen Auftreten des Rittergeschlechts von Rheinbach, dessen erster namentlich bekannter Vertreter Emelricus war. Diese Ritterfamilie sollte bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1349 die Geschichte des Ortes maßgeblich bestimmen und prägen.
Im Jahr 1190 wird die Rheinbacher Burg zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Sie diente den Rittern als Herrschaftssitz und strategischer Punkt.
Ein bedeutendes Ereignis fand im Jahr 1246 statt, als der Prümer Vogt, Graf von Hochstaden, seine Rechte – insbesondere die hohe und niedere Gerichtsbarkeit – in Rheinbach an seinen Bruder Konrad übertrug, der zu jener Zeit Erzbischof von Köln war. Dies verlagerte einen Teil der Machtbefugnisse in der Region.
Nach der Niederlage des Kölner Erzbischofs in der Schlacht von Worringen im Jahr 1288 nutzten die Ritter von Rheinbach die Gunst der Stunde. Sie "okkupierten" die zuvor übertragenen Rechte an der Gerichtsbarkeit und übten diese bis zum Jahr 1342 selbst aus. Dies war eine Phase relativer Unabhängigkeit und Stärkung der lokalen Ritterherrschaft.
Ein entscheidender Schritt für die Entwicklung Rheinbachs zur städtischen Siedlung erfolgte im Jahr 1298. In einer Urkunde wird Rheinbach erstmals als „oppidum“, also als befestigte Stadt, bezeichnet. Diese Stadtgründung war das Werk der Ritter von Rheinbach. Die neu errichteten Stadtmauern umschlossen auch die bedeutende Aachen-Frankfurter Heerstraße, die im Stadtbereich dem Verlauf der heutigen Hauptstraße entspricht. Interessanterweise blieb die alte Pfarrkirche auf dem Martinsfriedhof „extra muros“, also außerhalb der Stadtmauern.
Innerhalb der Stadtmauern errichtete das Kloster Himmerod im Jahr 1317 den „Himmeroder Hof“. Die ältere Hofstelle in Rheinbachweiler wurde im Laufe der Zeit aufgegeben. Dies war ein Zeichen dafür, dass sich das Zentrum des klösterlichen Einflusses nun in die neu gegründete Stadt verlagerte.
Um das Jahr 1320 herum wurde innerhalb der Stadtmauern die Kapelle Beatae Mariae Virginis erbaut. Sie befand sich an der Stelle der heutigen St. Martinskirche und markierte die Entstehung eines neuen kirchlichen Mittelpunkts innerhalb der Befestigung.
III. Unter den Kölner Erzbischöfen
Im Jahr 1343 endete die Phase der relativen Eigenständigkeit der Ritter von Rheinbach. Der Erzbischof von Köln erhielt alle Rechte an Burg, Stadt und Amt Rheinbach zurück. Damit fiel die Herrschaft über den Ort wieder unter die Kontrolle des mächtigen Kurfürstentums Köln.
Im Jahr 1345 ist erstmals die Anwesenheit einer jüdischen Familie in der Stadt dokumentiert, die dort Handel trieb. Dies ist ein früher Beleg für die Entwicklung einer vielfältigeren städtischen Gemeinschaft.
Ein Einblick in die Verwaltung und das Leben auf der Rheinbacher Burg im Jahr 1440 zeigt, dass sie als Verwaltungsmittelpunkt des Amtes Rheinbach diente und zwölf Bedienstete beschäftigte. Dazu gehörten ein Kellner bzw. Zöllner, ein Zollschreiber, ein Koch und Bäcker, ein Turmknecht, ein Pförtner, zwei Pflugknechte, zwei Mühlenknechte, ein Schäfer und zwei Mägde. Die letzten sieben Bediensteten waren für die Bewirtschaftung des Burghofs zuständig.
Die Stadt Rheinbach zählte im Jahr 1581 135 Bürger. Eine Zahl, die die Größe der städtischen Gemeinschaft zu dieser Zeit widerspiegelt.
Eine dunkle Periode der Geschichte Rheinbachs waren die Jahre 1631 bis 1636. Unter den Hexenkommissaren Buirmann und Moeden wurden etwa 130 Menschen aus Rheinbach, Flerzheim und Meckenheim als Hexen angeklagt, gefoltert und verbrannt. In Rheinbach entwickelte sich diese Hexenverfolgung zu einem mörderischen Machtkampf innerhalb der städtischen Führungsschicht. Fünf der sieben Schöffen flohen oder wurden sogar ermordet. Hermann Löher, ein ehemaliger Bürgermeister und Chronist dieser schrecklichen Ereignisse, konnte nach Amsterdam fliehen. Der Vogt Schweigel wurde von den Hexenrichtern vor den Stadttoren verbrannt. Diese Ereignisse zeugen von der Brutalität und dem Chaos jener Zeit.
Im Jahr 1644 wurde die Stadt Rheinbach durch einen Brand niedergebrannt. Ein verheerendes Ereignis, das weite Teile der Bebauung zerstörte.
Das erste überlieferte Panorama der Stadt stammt aus dem Jahr 1659 und gibt einen visuellen Eindruck vom Wiederaufbau und Aussehen Rheinbachs nach dem Brand.
Die Stadt zählte im Jahr 1664 167 Familien mit insgesamt 442 Steuerpflichtigen. Davon waren 90 Personen als Knechte und Mägde beschäftigt. Von den 167 Familien betrieben 48 ausschließlich Landwirtschaft, 36 zumindest teilweise. Dies zeigt die weiterhin starke landwirtschaftliche Prägung der Stadtbevölkerung.
Das Jahr 1673 brachte erneut Zerstörung. Der Prinz von Oranien stand mit vier Regimentern vor der Stadt. Nachdem sich Bürgermeister Averdunck weigerte, Rheinbach freiwillig zu übergeben, plünderten die Truppen des Prinzen die Stadt und steckten sie in Brand. Nur etwa 20 der rund 150 Häuser blieben vom Feuer verschont. 25 Rheinbacher Bürger und 23 Bauern aus den umliegenden Ortschaften kamen ums Leben. Vikar Stotzheim wurde in der Filialkirche ermordet. Ein weiteres schreckliches Kapitel in der Geschichte der Stadt.
Bereits 1680 ereignete sich ein weiterer großer Brand in der Stadt, der erneut Schäden verursachte.
Im Jahr 1681 wurde im Rheinbacher Wald eine Buche gefällt, auf deren Spaltfläche das Christusmonogramm IHS zu sehen war. Dieses Ereignis führte zum Bau einer Kapelle an dieser Stelle. Fünf Jahre später stiftete der Kölner Erzbischof dort ein Kloster, was die Entstehung eines neuen religiösen Zentrums außerhalb der Stadtmauern bedeutete.
Ein weiterer schwerer Schlag traf die Stadt 1686. Bei einem Brand wurden rund 70 % der Häuser eingeäschert. Auch die Kirche und das Rathaus wurden in Mitleidenschaft gezogen. Das Stadtarchiv wurde bei diesem Brand vollständig vernichtet, was den Verlust wertvoller historischer Dokumente bedeutete.
Im Jahr 1698 gibt die Stadtstatistik einen Einblick in das städtische Gewerbe. Es gab 10 Krämer, 20 Bäcker, 7 Branntweinbrenner, 7 Bierbrauer und einen Weinzapfer als Gewerbetreibende. Hinzu kamen 12 Gerber und 9 Wollweber als Handwerker. Dies zeigt eine wachsende Diversifizierung der städtischen Wirtschaft.
Kurfürst Clemens August bestätigte der Stadt Rheinbach im Jahr 1727 zwei Jahrmarktstermine. Von nun an fanden diese am 19. März und am 24. August statt, was die Bedeutung Rheinbachs als regionalen Handelsplatz unterstreicht.
Im Jahr 1743 hatte Rheinbach etwa 900 Einwohner, wovon rund 170 das Bürgerrecht besaßen. Dies deutet darauf hin, dass nicht alle Einwohner vollwertige Bürger mit allen Rechten waren.
Im Jahr 1780 lebten 9 jüdische Familien (10 Männer, 10 Frauen und 19 Kinder) in Rheinbach. Der Magistrat beantragte beim Kurfürsten eine Beschränkung auf 3 bis 4 Familien, was die damalige diskriminierende Haltung gegenüber der jüdischen Minderheit zeigt.
Die außerhalb der Stadtmauer am Friedhof gelegene Pfarrkirche wurde 1789 durch einen Blitzschlag zerstört. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Stattdessen wurde die Filialkirche Beatae Mariae Virginis innerhalb der Stadt zur neuen Pfarrkirche erhoben. Dies markierte eine endgültige Verlagerung des kirchlichen Zentrums in die Stadt hinein.
IV. Unter französischer Herrschaft
Die Jahre 1794 bis 1815 standen für Rheinbach im Zeichen der französischen Besatzung. Diese Periode brachte tiefgreifende administrative Veränderungen mit sich.
Rheinbach wurde Hauptort des neugebildeten gleichnamigen Kantons. Gleichzeitig wurde eine Bürgermeisterei Rheinbach gebildet, die aus den Gemeinden Rheinbach, Flerzheim, Hilberath, Neukirchen, Niederdrees, Oberdrees, Queckenberg, Ramershoven, Todenfeld und Wormersdorf bestand. Zuvor hatten diese Ortschaften zu unterschiedlichen Herrschaften gehört, wie beispielsweise dem Herzogtum Jülich. Die französische Neuordnung schuf eine größere Verwaltungseinheit rund um Rheinbach.
Im Jahr 1797 setzte der Publizist Johann Baptist Geich zusammen mit einer Gruppe Rheinbacher Bürger den ersten Freiheitsbaum in Rheinbach. Gleichzeitig rief er als Anhänger einer rheinischen Republik nach französischem Vorbild das „Freie Land Rheinbach“ aus. Diese kurzlebige Episode endete jedoch schnell, da das linksrheinische Rheinland kurz darauf von Frankreich annektiert wurde.
Eva Aleff, die spätere Ehefrau des Maire Peter Nachtsheim, wurde 1798 als „Göttin der Vernunft“ in der Rheinbacher Pfarrkirche gefeiert. Dies war ein Ausdruck der revolutionären Ideen, die während der französischen Besatzung auch in Rheinbach Fuß fassten.
Im Jahr 1802 wurde Rheinbach offiziell Teil des französischen Staates, was die vollständige Integration in das napoleonische Reich bedeutete.
V. Unter den Preußen
Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurde das Rheinland im Jahr 1816 preußische Provinz. Der bisherige Kanton Rheinbach wurde unter preußischer Herrschaft zu einem Kreis umgewandelt. Dieser neue Kreis Rheinbach umfasste die Bürgermeistereien Adendorf, Kuchenheim, Münstereifel, Ollheim und Rheinbach.
Eine Beschreibung von v. Stramberg aus dem Jahr 1816 gibt einen Überblick über die Stadt Rheinbach unter preußischer Herrschaft: „Die Stadt Rheinbach enthält 217 Häuser und 1.250 Menschen (47 Juden), die sich von Ackerbau, Taglohn, und einem kleinen Handel mit Leinen- und Wollentuch, mit Leder und Eisen, nähren.“ Dies zeigt, dass Rheinbach weiterhin stark landwirtschaftlich geprägt war, aber auch erste Ansätze von Handel und Handwerk aufwies.
Ab 1820 begann man mit dem Abriss der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Diese Maßnahme veränderte das Stadtbild grundlegend. Um 1900 verschwanden die letzten Mauern. Die Stadtgräben wurden aus hygienischen Gründen zugeschüttet.
Ab 1822 fanden die Gerichtssitzungen des Friedensgerichtes abwechselnd in Rheinbach und Münstereifel statt, was die Bedeutung beider Orte als regionale Zentren unterstrich.
Im Jahr 1828 wurde Rheinbach Standort einer Postexpedition. Kreissekretär Koch führte diese im Nebenamt, was auf die beginnende Verbesserung der Infrastruktur hindeutet.
Ein verheerender Brand traf Rheinbach im Jahr 1842, dem fast ein Drittel der Häuser zum Opfer fiel. Erneut musste die Stadt einen schweren Rückschlag durch ein Feuer hinnehmen.
Die Bevölkerungsstatistik von 1843 zeigt eine konfessionelle Zusammensetzung: Es lebten 1.587 Katholiken, 10 evangelische Christen und 60 Juden in Rheinbach.
Im Jahr 1852 wurde eine städtische Höhere Lehranstalt gegründet. Diese wurde 1874 zu einem Progymnasium erweitert, was den Beginn einer höheren Schulbildung in Rheinbach markierte.
Die Spar- und Darlehenskasse Rheinbach (heute: Kreissparkasse) wurde 1857 eingerichtet. Erster Rendant war der Rentner Theodor Liertz. Die Geschäfte, also Einlagen und Anleihen, fanden in seiner Wohnung statt. Dies war ein wichtiger Schritt zur Entwicklung des lokalen Finanzwesens.
Nachdem Rheinbach in der Franzosenzeit die Stadtrechte verloren hatte, durfte es sich im Jahr 1862 wieder Stadt nennen. Ein symbolisch wichtiger Schritt für die Identität des Ortes.
Im Jahr 1866 wurde in Rheinbach eine Filiale der armen Dienstmägde Jesu Christi errichtet. Die Schwestern widmeten sich der Krankenpflege und richteten eine Kleinkinderbewahrschule sowie eine Handarbeitsschule für Mädchen ein. Aus dieser Initiative entwickelte sich ab 1869 das Rheinbacher Krankenhaus, eine wichtige Institution für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.
VI. In der Kaiserzeit
Die Kaiserzeit brachte weitere Modernisierungen und Entwicklungen für Rheinbach mit sich.
Im Jahr 1876 wurde die elektrische Telegraphenstation Rheinbach eröffnet. Im ersten Jahr wurden 834 Telegramme empfangen und 670 versendet, was die zunehmende Vernetzung der Stadt zeigt.
Ein besonders bedeutsames Ereignis war der Anschluss Rheinbachs an das Eisenbahnnetz im Jahr 1880. Die neue Bahnlinie Bonn-Rheinbach-Euskirchen verbesserte die Erreichbarkeit erheblich. Dies ermöglichte es vielen „Sommerfrischlern“, in den folgenden Jahrzehnten den „Luftkurort“ Rheinbach zu besuchen, was den Tourismus förderte.
Im Jahr 1882 wurde ein privates Internat für Jungen eingerichtet. Daraus entwickelte sich ab 1890 ein Erzbischöfliches Konvikt. Im Jahr 1935 übernahmen die Pallottiner das Konvikt, was eine lange Verbindung dieses Ordens mit Rheinbach begründete.
Die Gründung des Rheinbacher Darlehenskassenvereins im Jahr 1889, der heutigen Raiffeisenbank Rheinbach, war ein weiterer Schritt im Aufbau lokaler Finanzinstitute.
Das Waldhotel wurde im Jahr 1890 eröffnet und trug zur Entwicklung Rheinbachs als Erholungsort bei.
Im Jahr 1895 zählte die Stadt Rheinbach 2.189 Einwohner, was ein moderates Wachstum seit der Mitte des Jahrhunderts zeigt.
Unter Bürgermeister Emil Neß (Amtszeit 1884-1897) wurden wichtige Infrastrukturprojekte umgesetzt. Es wurde ein städtisches Wasser- und Elektrizitätswerk eingerichtet. Die umliegenden Ortschaften wurden allerdings erst im kommenden Jahrhundert an das Stromnetz angeschlossen.
Im Jahr 1902 wurde das neue Amtsgerichtsgebäude in der Schweigelstraße eröffnet, ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung Rheinbachs als Verwaltungszentrum.
Der erste St. Martinszug in Rheinbach fand im Jahr 1903 statt. Im gleichen Jahr hatte Rheinbach seinen ersten Karnevalsprinzen. Dies sind Beispiele für die Entwicklung des städtischen Brauchtums und gesellschaftlichen Lebens.
Unter Bürgermeister Karl Commeßmann (Amtszeit 1897-1926) wurde das Progymnasium im Jahr 1909 zu einer Vollanstalt ausgebaut. Dies verbesserte das Bildungsangebot in der Stadt erheblich.
Die Grundsteinlegung für das spätere Mädchengymnasium St. Joseph erfolgte im Jahr 1911. Ein weiterer Meilenstein im Ausbau des Schulwesens.
Im Jahr 1914 wurde die Strafanstalt Rheinbach eröffnet. Sie lag nordwestlich der Stadt hinter der Bahnlinie und war in eine Siedlung für die dort beschäftigten Beamten eingebettet. Dies war eine bedeutende neue Institution und Arbeitgeber für die Stadt.
VII. In der Weimarer Republik
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Rheinbach in den Jahren 1918 bis 1929 zunächst von den Engländern, später von den Franzosen besetzt. Diese Besatzungszeit war eine Folge der politischen Umwälzungen nach dem Krieg.
Im Jahr 1927 begannen die Bauarbeiten zum Waldschwimmbad im Stadtpark. Dieses Schwimmbad wurde bis 1982 von den Rheinbachern rege genutzt und war eine wichtige Freizeiteinrichtung.
Unter heftigem Protest der Bevölkerung wurde im Jahr 1932 der Kreis Rheinbach aufgelöst. Rheinbach-Stadt und -Land wurden dem Landkreis Bonn zugeschlagen. Diese administrative Neuordnung war politisch umstritten und stieß auf Widerstand.
VIII. Unter dem Hakenkreuz
Die Zeit des Nationalsozialismus brachte auch für Rheinbach Verfolgung und Zerstörung.
Im Jahr 1933 wurde Joseph Wiertz als neuer Bürgermeister der Stadt Rheinbach eingesetzt. Dies markierte die Übernahme der städtischen Verwaltung durch die Nationalsozialisten.
In der „Reichskristallnacht“ 1938 wurde die 1872 eingeweihte Synagoge in der heutigen Schweigelstraße in Brand gesteckt und daraufhin abgerissen. Dieses Verbrechen war ein Höhepunkt der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Rheinbach.
Im Jahr 1939 hatte die Stadt Rheinbach 4.081 Einwohner.
Die letzten jüdischen Bürger wurden 1942 nach Osteuropa deportiert. Insgesamt 34 Rheinbacher Juden wurden dort ermordet. Ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte.
Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) traf Rheinbach schwer. Durch Bombenangriffe wurde die Stadt zu 70 % zerstört. Am 6. März 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt. Nach Kriegsende gehörte Rheinbach zur Britischen Besatzungszone. Rheinbach-Stadt und Rheinbach-Land hatten nahezu 700 Kriegstote zu beklagen. Die Hälfte davon fiel als Soldaten an der Front, die andere Hälfte starb durch Artilleriebeschuss oder Bombenabwürfe in der Heimat. Die Zerstörungen und Verluste waren immens.
IX. In der Bonner Republik
Die Nachkriegszeit war geprägt vom Wiederaufbau und neuen Entwicklungen.
Ab 1947 fanden sudetendeutsche Glasveredler in Rheinbach eine neue Heimat. Bis September dieses Jahres hatten sich 8 nordböhmische Glasraffinerien in der Stadt niedergelassen. Dies war der Beginn der Entwicklung Rheinbachs zu einem Zentrum der Glasindustrie.
Im Jahr 1948 wurde die Staatliche Glasfachschule Rheinbach eröffnet. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der führenden Spezialschulen für Glas und Keramik in Deutschland und trug maßgeblich zur Bedeutung Rheinbachs für das Glashandwerk bei.
Im Jahr 1950 existierten in Rheinbach bereits 13 Glasveredelungsbetriebe mit 110 Beschäftigten, was das schnelle Wachstum dieses Wirtschaftszweiges zeigt.
Rheinbach wurde 1957 Bundeswehrstandort. Die erste dort aufgestellte Einheit war die Führungsfernmeldekompanie. Die Bundeswehr wurde zu einem wichtigen Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor für die Stadt.
Im Jahr 1961 lebten 7.670 Menschen in der Stadt Rheinbach.
Der Förderverein „Freunde des edlen Glases“ eröffnete 1968 das Glasmuseum Rheinbach. Es war das bundesweit erste Spezialmuseum für böhmisches Hohlglas. Im Jahr 1989 zog es von der Straße „Am Voigtstor“ in den historischen Himmeroder Hof um.
Im Rahmen der kommunale Neuordnung entstand 1969 die neue Stadt Rheinbach. Sie wurde aus der ehemaligen Stadt Rheinbach und den Gemeinden des Amtes Rheinbach-Land (Flerzheim, Hilberath, Neukirchen, Niederdrees, Oberdrees, Queckenberg, Ramershoven, Todenfeld und Wormersdorf) gebildet. Der Landkreis Bonn wurde aufgelöst, und Rheinbach gehört seitdem zum neugebildeten Rhein-Sieg-Kreis. Die Einwohnerzahl der neuen Großgemeinde betrug 18.979, wovon 11.542 auf die Kernstadt entfielen. Dies war eine tiefgreifende administrative Veränderung, die das heutige Stadtgebiet schuf.
Die erste Rheinbacher Herbstmesse fand 1971 statt, ein Zeichen für das wiederauflebende wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben.
Rheinbach wurde 1973 an das Autobahnnetz angeschlossen. Mit der heutigen A 61 ist Rheinbach seitdem schnell für den Erholungs-, Wirtschafts- und Berufsverkehr zu erreichen, was die Attraktivität des Standortes erhöhte.
Im Jahr 1975 wurde das Hallenbad eröffnet. Damit hatten erstmals alle Rheinbacher Schulen die Möglichkeit, regelmäßigen Schwimmunterricht anzubieten.
Der Freizeitpark wurde 1979 offiziell eröffnet und bot neue Möglichkeiten für Freizeit und Erholung.
Die lange herbeigesehnte Umgehungsstraße für die Kernstadt wurde 1983 freigegeben. Dies entlastete die Innenstadt vom Durchgangsverkehr.
X. Im wiedervereinigten Deutschland
Die Wiedervereinigung Deutschlands und die Entscheidung des Bundestages, Berlin zum künftigen Regierungssitz zu bestimmen (1991), bewirkten für das gesamte Bonner Umland und damit auch für Rheinbach weitreichende Strukturveränderungen.
Im Jahr 1992 wurde die Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt Rheinbach gegründet, um die wirtschaftliche Entwicklung aktiv zu gestalten.
Rheinbach wurde 1995 Fachhochschulstandort. Mit 16 Studenten nahm die Abteilung Rheinbach der Fachhochschule Rhein-Sieg (später Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) den Studienbetrieb auf. Später sollten hier über 1200 Studienplätze in den Bereichen Betriebswirtschaft, neue Werkstoffe und Chemieingenieurwesen zur Verfügung stehen. Die Hochschule entwickelte sich zu einem bedeutenden Faktor für die Stadt.
Im Jahr 1996 überschritt Rheinbach erstmals die Marke von 25.000 Einwohnern, ein Zeichen für stetiges Wachstum.
Der Rathauserweiterungsbau und das neue Jugendwohnheim, das über 70 Schülerinnen und Schüler der Glasfachschule beherbergen kann, wurden 1997 eingeweiht. Investitionen in die städtische Infrastruktur und Bildung.
Im Jahr 1999 wählte Rheinbach zum ersten Mal einen hauptamtlichen Bürgermeister. Beigeordneter Stefan Raetz erhielt nach einem leidenschaftlich geführten Wahlkampf die meisten Stimmen.
Das weltweit erste, voll genutzte Gebäude mit tragenden Glaswänden – die Sommerakademie Hans-Schmitz-Haus – wurde im Jahr 2000 im Beisein von NRW-Ministerpräsident Clement eingeweiht. Die Baukosten beliefen sich auf rund 1,2 Millionen DM. Ein architektonisch und technologisch bemerkenswertes Projekt, das den Bezug Rheinbachs zum Werkstoff Glas unterstreicht.
Im 26,7 ha großen Wohnpark Weilerfeld wurde 2001 der erste Spatenstich vollzogen. Hier sollten später rund 2000 Einwohner ein neues Zuhause finden. Ein Beispiel für die fortlaufende Stadtentwicklung und Schaffung von Wohnraum.
Nach fast zweijähriger Umbauzeit wurde das Freizeitbad 2002 unter dem neuen Betreiber „monte mare“ wieder eröffnet. Im gleichen Jahr lud das Glasmuseum der Stadt Rheinbach erstmals europäische Glasfachschulen zur Teilnahme am Internationalen Glaspreis ein, was die internationale Vernetzung im Bereich Glas förderte.
Die neue Sportanlage „Am Stadtpark“ wurde 2004 eingeweiht. Zuvor war der alte Jahnsportplatz aufgegeben und als Baugebiet veräußert worden. Im gleichen Jahr wurde der erste, vom Arbeitskreis Stadtmarketing geleitete Weihnachtsmarkt in der Innenstadt aufgebaut, was zur Belebung des Stadtzentrums beitrug.
Das Jahr 2006 stand im Zeichen der „Rheinbach Classics“. Im Juli fanden erstmals diese Veranstaltungen statt, die seitdem jährlich zehntausende Menschen anziehen, um Oldtimer zu bestaunen und zu klassischem Rock´n Roll zu tanzen. Trotz heftigen Widerstandes der Bürger konnte die Schließung des Rheinbacher Krankenhauses in diesem Jahr nicht verhindert werden, ein schmerzlicher Verlust für die lokale Gesundheitsversorgung.
Die letzten Ordensschwestern der Kongregation „Unserer Lieben Frau“ verließen Rheinbach im Jahr 2007. Sie hatten 1911 ein Lyzeum mit Pensionat für Mädchen errichtet, das sich zum St. Joseph-Gymnasium entwickelte. Die Schule selbst war bereits 2004 vom Erzbistum Köln übernommen worden.
Mit dem Konzept „Rheinbacher Sommerfestival“ gewann Rheinbach 2009 beim Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“. Von Juli bis September wurde die Innenstadt durch Veranstaltungen und gestalterische Maßnahmen belebt und als Kristallisationspunkt städtischen Lebens erlebbar gemacht.
„Rheinbach liest!“ wurde 2011 gegründet. Diese Initiative etablierte sich schnell in der Rheinbacher Vereinslandschaft und fördert mit originellen Aktionen das Lesen bei Kindern und Erwachsenen.
Im Jahr 2014 wurde Rheinbach zur Fairtrade-Town. Durch Aktionen und Veranstaltungen zum fairen Handel stärkt die Glasstadt nun auch Produzenten in Asien, Afrika und Lateinamerika. Rheinbach war die 1.500. Fairtrade-Town weltweit und reihte sich damit in eine Liste mit Städten wie London oder Madrid ein.
Ebenfalls 2014 wurde eine Gesamtschule gegründet. Dies führte dazu, dass die Tomburg-Realschule und die Gemeinschaftshauptschule nur noch bis 2019 weitergeführt werden konnten.
Archäologische Untersuchungen im neuen Gewerbegebiet „Wolbersacker“ führten 2018 zu einem sensationellen Fund: das erste erhaltene Skelett im Rheinland aus der Zeit um 2500 bis 2050 v. Chr. Der in Hockstellung bestattete Mann war etwa 40 Jahre alt und 1,69 m groß. Ein faszinierender Einblick in die prähistorische Besiedlung der Region.
Im Jahr 2019 wurde Rheinbach touristisch deutlich aufgewertet. Die Eröffnung der Apfelroute als attraktive Radstrecke durch die linksrheinischen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises sowie die Errichtung des Römerkanal-Infozentrums trugen dazu bei, Rheinbach als Ziel für Naherholung und Kulturinteressierte attraktiver zu machen.
Zuletzt wurde im Jahr 2021 die Pallotti-Kirche profaniert. Damit zogen sich die Pallottiner nach über 85 Jahren endgültig aus Rheinbach zurück. Das Internat war bereits 2009, das Kolleg 2016 geschlossen worden. Ein Ende einer langen kirchlichen Präsenz in der Stadt.
Wichtige Daten und Ereignisse im Überblick
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 762 | Erste urkundliche Erwähnung als Reginbach |
| 893 | Prümer Urbar listet Abgaben der Rheinbacher Bauern |
| 943 | Erste Erwähnung der Pfarrkirche |
| 1178 | Erstes Auftreten des Rittergeschlechts von Rheinbach |
| 1190 | Erste Erwähnung der Rheinbacher Burg |
| 1298 | Erste Bezeichnung als „oppidum“ (befestigte Stadt) |
| 1343 | Rechte an Burg, Stadt und Amt fallen an Kölner Erzbischof zurück |
| 1631-1636 | Hexenverfolgung unter Buirmann und Moeden |
| 1644 | Stadt brennt nieder |
| 1673 | Plünderung und Brand durch Prinz von Oranien |
| 1686 | Großer Brand (ca. 70% der Häuser zerstört) |
| 1794-1815 | Französische Besatzung, Rheinbach wird Kantonshauptort |
| 1816 | Rheinland wird preußische Provinz, Rheinbach wird Kreishauptort |
| 1862 | Rheinbach erhält wieder Stadtrechte |
| 1880 | Anschluss an das Eisenbahnnetz |
| 1932 | Auflösung des Kreises Rheinbach |
| 1938 | Zerstörung der Synagoge in der Reichskristallnacht |
| 1939-1945 | Zweiter Weltkrieg, 70% Zerstörung der Stadt |
| 1947 | Ansiedlung sudetendeutscher Glasveredler |
| 1948 | Eröffnung der Staatlichen Glasfachschule |
| 1969 | Kommunale Neuordnung, Bildung der neuen Stadt Rheinbach |
| 1995 | Gründung der Fachhochschule Rhein-Sieg (Abteilung Rheinbach) |
| 2000 | Einweihung Sommerakademie (tragende Glaswände) |
| 2014 | Rheinbach wird Fairtrade-Town |
| 2018 | Archäologischer Fund (prähistorisches Skelett) |
Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Rheinbachs
Wann wurde Rheinbach zum ersten Mal urkundlich erwähnt?
Rheinbach wurde erstmals im Jahr 762 urkundlich erwähnt, als König Pippin Ländereien an die Abtei Prüm verschenkte.
Wann wurde Rheinbach eine Stadt?
Rheinbach wurde im Jahr 1298 erstmals als „oppidum“, also als befestigte Stadt, bezeichnet. Diese Stadtgründung erfolgte durch die Ritter von Rheinbach.
Welche Rolle spielten die Ritter von Rheinbach?
Das Rittergeschlecht von Rheinbach tauchte erstmals 1178 auf und bestimmte bis zu seinem Aussterben 1349 maßgeblich die Geschichte des Ortes. Sie ließen unter anderem die Burg errichten und waren für die Stadtgründung im Jahr 1298 verantwortlich.
Was geschah während der Hexenverfolgung in Rheinbach?
Zwischen 1631 und 1636 wurden unter den Hexenkommissaren Buirmann und Moeden etwa 130 Menschen aus Rheinbach und Umgebung als Hexen angeklagt, gefoltert und verbrannt. Die Verfolgung entwickelte sich zu einem Machtkampf innerhalb der städtischen Führung, bei dem Schöffen flohen oder ermordet wurden.
Wie oft wurde Rheinbach durch Brände oder Kriege zerstört?
Die Stadt Rheinbach wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach durch Brände und kriegerische Auseinandersetzungen schwer getroffen. Große Brände gab es 1644, 1680 und 1686. Im Jahr 1673 wurde die Stadt durch Truppen des Prinzen von Oranien geplündert und in Brand gesteckt. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde Rheinbach durch Bomben zu 70 % zerstört.
Wann wurde Rheinbach ein Zentrum der Glasindustrie?
Nach dem Zweiten Weltkrieg, ab 1947, siedelten sich sudetendeutsche Glasveredler in Rheinbach an. Die Eröffnung der Staatlichen Glasfachschule im Jahr 1948 festigte Rheinbachs Ruf als bedeutenden Standort für Glas und Keramik.
Wann wurde die heutige Stadt Rheinbach durch kommunale Neuordnung gebildet?
Die heutige Stadt Rheinbach entstand im Rahmen der kommunalen Neuordnung im Jahr 1969 durch den Zusammenschluss der ehemaligen Stadt Rheinbach und der Gemeinden des Amtes Rheinbach-Land.
Wann wurde die Fachhochschule in Rheinbach gegründet?
Die Fachhochschule Rhein-Sieg (heute Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) nahm ihren Studienbetrieb in Rheinbach im Jahr 1995 auf.
Warum wird Rheinbach manchmal als „Glasstadt“ bezeichnet?
Diese Bezeichnung leitet sich von der Ansiedlung der Glasindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gründung der Staatlichen Glasfachschule im Jahr 1948 ab, die Rheinbach zu einem bedeutenden Zentrum für Glasveredelung, -handwerk und -design gemacht haben.
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