Sind die Tagebücher von Anne Frank echt?

Wie Anne Franks Tagebuch gerettet wurde

21/01/2019

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Das Tagebuch der Anne Frank ist mehr als nur persönliche Aufzeichnungen eines jungen Mädchens. Es ist ein unschätzbares historisches Dokument, das die Schrecken des Krieges aus einer einzigartigen Perspektive beleuchtet. Doch wie überlebten diese wertvollen Papiere die Wirren der Zeit und der Verfolgung? Ihre Erhaltung und spätere Veröffentlichung ist eine Geschichte für sich, beginnend mit der mutigen Tat einer Helferin.

Warum gibt es zwei Versionen von Anne Franks Tagebuch?
Ab 20. Mai 1944 schrieb Anne einen großen Teil ihres Tagebuchs noch einmal neu. Sie wollte den überarbeiteten Text nach dem Krieg als Buch über ihre Zeit im Hinterhaus veröffentlichen.

Nachdem die Familie Frank und die anderen Versteckten im Amsterdamer Hinterhaus verhaftet worden waren, lag Annes Tagebuch, ihre losen Blätter und Notizbücher zurück. Es waren einfache Gegenstände des täglichen Lebens – Papier und Stifte –, die nun in Gefahr waren, verloren oder zerstört zu werden. Doch glücklicherweise gab es Menschen, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren, um zu helfen.

Übersicht

Die Rettung der Aufzeichnungen

Eine dieser mutigen Helferinnen war Miep Gies. Sie war eine der Personen, die den Untergetauchten im Hinterhaus halfen, indem sie sie mit Lebensmitteln, Nachrichten und allem Notwendigen versorgten. Nach der Verhaftung betrat Miep das Hinterhaus und fand Annes Aufzeichnungen verstreut auf dem Boden. Sie sammelte die Papiere ein, voller demütiger Ehrfurcht vor dem, was sie dort fand. Sie wusste, dass diese Schriften wichtig waren, auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht das volle Ausmaß ihrer Bedeutung erahnen konnte.

Miep Gies brachte Annes Tagebuch und die losen Blätter in Sicherheit. Sie bewahrte sie sorgfältig in ihrem Schreibtisch auf, in der Hoffnung, sie Anne nach deren Rückkehr zurückgeben zu können. Es war eine einfache, aber lebenswichtige Geste der Bewahrung von Dokumenten in einer Zeit der Zerstörung.

Otto Frank kehrt zurück

Als Einziger der acht Menschen aus dem Hinterhaus überlebte Otto Frank, Annes Vater, die Konzentrationslager. Nach der Befreiung von Auschwitz machte er sich auf den beschwerlichen Weg zurück nach Amsterdam. Unterwegs erreichte ihn die Nachricht vom Tod seiner Frau Edith. In Amsterdam angekommen, klammerte er sich an die Hoffnung, dass seine Töchter Margot und Anne überlebt hatten. Doch auch diese Hoffnung wurde zerschlagen, als er die traurige Gewissheit erhielt, dass auch sie dem Lager zum Opfer gefallen waren.

In dieser Zeit der tiefsten Trauer übergab Miep Gies Otto Frank Annes Tagebuch. Sie hatte es all die Monate sicher verwahrt. Otto begann langsam zu lesen, Tag für Tag nur wenige Seiten, da die schmerzlichen Erinnerungen ihn überwältigten. Beim Lesen entdeckte er eine Seite an Anne, die er so nicht gekannt hatte. „Eine ganz andere Anne enthüllte sich mir als das Kind, das ich verloren hatte“, sagte er später. „Ich hatte keine Ahnung von der Tiefe ihrer Gedanken und Gefühle gehabt.“ Das Tagebuch offenbarte ihm nicht nur die täglichen Ereignisse im Versteck, sondern auch die reiche innere Welt seiner Tochter, ihre Hoffnungen, Ängste und reifen Überlegungen.

Vom Tagebuch zum Buch

Beim Lesen stellte Otto fest, dass Anne den ausdrücklichen Wunsch hatte, ihre Aufzeichnungen nach dem Krieg als Buch zu veröffentlichen. Sie hatte sogar schon begonnen, Teile ihres Original-Tagebuchs für diesen Zweck zu überarbeiten. Angesichts dieses klaren Wunsches und der tiefen Einblicke, die das Tagebuch bot, entschloss sich Otto Frank, diesen letzten Wunsch seiner Tochter zu erfüllen.

Er begann damit, den Text abzutippen – eine mühsame Arbeit, die die Umwandlung der handschriftlichen Notizen auf Papier in ein maschinenschriftliches Manuskript bedeutete. Über Bekannte gelangte das Manuskript in die Hände der niederländischen Historiker Jan und Annie Romein. Sie waren zutiefst beeindruckt von der Kraft und Reife der kindlichen Stimme, die aus den Seiten sprach.

Jan Romein erkannte sofort die historische Bedeutung des Tagebuchs. Er schrieb einen Artikel darüber, der am 3. April 1946 auf der Titelseite der Tageszeitung „Het Parool“ erschien. Der Artikel trug den Titel „Kinderstem“ („Kinderstimme“). Darin schrieb Romein die viel zitierten Worte: „Für mich bezeugt dieses scheinbar unbedeutende Tagebuch eines Kindes die ganze Abscheulichkeit des Faschismus, mehr als die gesamten Akten der Nürnberger Prozesse.“

Die erste Veröffentlichung

Der Artikel in „Het Parool“ weckte großes Interesse an Annes Tagebuch. Mehrere niederländische Verlage meldeten sich, beeindruckt von der Geschichte und der Qualität der Schrift. Schließlich wurde „Uitgeverij Contact“ in Amsterdam der Verlag, der die Ehre hatte, Annes Werk erstmals zu veröffentlichen.

Am 25. Juni 1947 erschien „Het Achterhuis. Dagboekbrieven van 14 juni 1942 tot 1 augustus 1944“ (Das Hinterhaus. Tagebuchbriefe vom 14. Juni 1942 bis 1. August 1944) in einer ersten Auflage von 3.000 Exemplaren. Otto Frank erinnerte sich später an diesen Tag und sagte: „Wie stolz wäre Anne gewesen, wenn sie dies erlebt hätte.“ Dieser Tag markierte den Beginn der Reise des Tagebuchs aus der Verborgenheit in die Öffentlichkeit.

Die Reise um die Welt

Die Veröffentlichung in den Niederlanden war nur der Anfang. Die universelle Botschaft von Annes Tagebuch, ihre lebendige Stimme und das Zeugnis des menschlichen Geistes unter extremen Bedingungen fanden schnell Widerhall über die Grenzen des Landes hinaus.

Bereits 1950 wurde Annes Tagebuch in Deutschland und Frankreich veröffentlicht, wodurch es einem breiteren europäischen Publikum zugänglich gemacht wurde. Eine englische Übersetzung folgte 1952, was den Weg für seine weltweite Verbreitung ebnete, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Seitdem wurde das Tagebuch in immer mehr Sprachen übersetzt und hat Millionen von Lesern auf der ganzen Welt erreicht. Bis heute wurde Annes Tagebuch in siebzig Sprachen übersetzt, was seine anhaltende Relevanz und seinen Status als globales literarisches und historisches Werk unterstreicht.

Die Bedeutung des Tagebuchs heute

Die Geschichte der Bewahrung und Veröffentlichung von Anne Franks Tagebuch ist ein Zeugnis für die Bedeutung von Dokumenten und die Kraft des geschriebenen Wortes. Was als persönliche Aufzeichnungen eines jungen Mädchens auf Papier begann, wurde durch die Sorgfalt einer Helferin und die Entschlossenheit eines Vaters zu einem Symbol des Widerstands, der Hoffnung und einer Mahnung an die Menschheit. Otto Franks anfängliche Überraschung über die Tiefe der Gedanken seiner Tochter spiegelt die Entdeckung wider, die unzählige Leser seitdem gemacht haben: die außergewöhnliche Weisheit und Einsicht, die in diesen Seiten verborgen liegt. Das Tagebuch bleibt ein lebendiges Denkmal für Anne Frank und die Millionen Opfer des Holocaust und erinnert uns an die Wichtigkeit, aus der Geschichte zu lernen.

Chronologie der Veröffentlichung

EreignisDatum
Verhaftung und Rettung der Papiere durch Miep GiesAugust 1944
Artikel „Kinderstem“ in „Het Parool“3. April 1946
Erste Veröffentlichung in den Niederlanden25. Juni 1947
Veröffentlichung in Deutschland und Frankreich1950
Veröffentlichung in englischer Sprache1952
Übersetzung in siebzig Sprachen (Stand der Information)Nach 1952

Häufig gestellte Fragen

Wer hat Annes Tagebuch gefunden und gerettet?

Nach der Verhaftung der Familie Frank im Hinterhaus fand Miep Gies, eine der Helferinnen, Annes Tagebuch und lose Papiere. Sie sammelte sie ein und bewahrte sie sicher in ihrem Schreibtisch auf.

Wann wurde das Tagebuch zum ersten Mal veröffentlicht?

Das Tagebuch wurde erstmals am 25. Juni 1947 in den Niederlanden vom Verlag „Uitgeverij Contact“ unter dem Titel „Het Achterhuis“ veröffentlicht.

Wie reagierte Otto Frank, als er das Tagebuch las?

Otto Frank war zutiefst bewegt und überrascht von der Tiefe und Reife der Gedanken und Gefühle seiner Tochter, die sich ihm beim Lesen des Tagebuchs offenbarten. Er sagte, er habe eine ganz andere Anne kennengelernt als das Kind, das er gekannt hatte.

In wie vielen Sprachen ist Annes Tagebuch heute übersetzt?

Nach der vorliegenden Information wurde Annes Tagebuch bis zum Zeitpunkt dieser Aufzeichnung in siebzig Sprachen übersetzt.

Welche Rolle spielte der Artikel in „Het Parool“ für die Veröffentlichung?

Der Artikel des Historikers Jan Romein in der Zeitung „Het Parool“ machte eine breitere Öffentlichkeit auf das Tagebuch aufmerksam und weckte das Interesse von Verlagen, was schließlich zur ersten Veröffentlichung führte.

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