01/08/2014
Die Geschichte der Marke Askania ist eine Reise durch mehr als 150 Jahre deutscher Industriegeschichte, geprägt von Innovation, Präzisionstechnik und den Turbulenzen des 20. Jahrhunderts. Von den Anfängen als Manufaktur für wissenschaftliche Instrumente in Berlin entwickelte sich Askania zu einem bedeutenden Unternehmen in verschiedenen Hochtechnologiebereichen, bevor die historische Firma aufgeteilt wurde und schließlich in einer neuen Form als Hersteller feiner Armbanduhren wieder auferstand.

Alles begann im Jahr 1871, als Carl Bamberg, ein erfahrener Uhrmacher und Schützling des berühmten Carl Zeiss, in der Linienstraße 185 in Berlin eine Werkstatt gründete. Sein Ziel war die Herstellung hochwertiger wissenschaftlicher Präzisionsinstrumente. Anfänglich konzentrierte er sich auf nautische, geodätische, erdmagnetische und astronomische Geräte, die für Marine, Observatorien, Forschung und Expeditionen unerlässlich waren. Zu seinen frühen Innovationen gehörten Zeitbälle für die Häfen in Cuxhaven und Hamburg, die zur Synchronisierung von Schiffschronometern dienten. Bamberg präsentierte seine Produkte erfolgreich auf internationalen Messen und erlangte schnell Ansehen für seine zuverlässige Messtechnik und herausragenden Innovationen. Das Unternehmen wuchs, und die Zentrale wurde 1888 nach Friedenau verlegt. Bamberg arbeitete eng mit renommierten Kunden wie Siemens & Halske, Schottwerke Jena und der Kaiserlichen Marine zusammen.
Nach Carl Bambergs frühem Tod im Jahr 1892 übernahmen zunächst seine Witwe Emma und später sein noch minderjähriger Sohn Paul Adolf Bamberg die Leitung. Im Jahr 1912 trat Max Hermann Roux, ein Cousin von Paul Adolf, dem Unternehmen bei. In Friedenau entwickelte und produzierte das Unternehmen weiterhin hochpräzise wissenschaftliche Apparate, darunter Koordinaten-Messgeräte zur Auswertung großer fotografischer Glasnegative, die in Physik, Astronomie und Geodäsie eingesetzt wurden. In diesem Bereich konkurrierte Askania mit namhaften Firmen wie Carl Zeiss Jena und Adam Hilger London und festigte seinen internationalen Ruf.
Während des Ersten Weltkriegs wurde die Firma zu einem wichtigen Lieferanten für die Kaiserliche Marine. Das Produktionsprogramm umfasste nun auch U-Boot-Kompasse, Entfernungsmesser, Visiereinrichtungen und Druckmesser. Nach dem Krieg, im Jahr 1919, fusionierten die Werkstätten mit dem Potsdamer Unternehmen Otto Toepfer & Sohn, und der Firmensitz wurde nach Potsdam verlegt.
Die entscheidende Umbenennung erfolgte 1921 durch den Zusammenschluss mit der Central-Werkstatt für Gasgeräte GmbH aus Dessau zur Askania Werke AG. Der neue Name Askania bezog sich auf das mittelalterliche Adelsgeschlecht der Askanier. Die Askania-Werke expandierten mit Standorten in verschiedenen Berliner Stadtteilen wie Weißensee, Mitte, Friedrichshagen, Mariendorf und Filialen im Umland. Sie entwickelten sich zum bedeutendsten deutschen Unternehmen für Luftfahrt- und Navigationsinstrumente. Ende der 1920er Jahre verfügte die Askania AG neben deutschen Zweigstellen auch über Niederlassungen in Paris, Houston und Chicago.
Ab den 1920er Jahren wagte sich Askania auch in die Filmindustrie und baute Filmprojektoren (wie den Askanino, 1926) und Filmkameras (wie die Askania Universal, 1923, und die Askania Z, 1931). Diese Kameras kamen bei berühmten UFA-Produktionen zum Einsatz, darunter der Film Der Blaue Engel mit Marlene Dietrich, Quax, der Bruchpilot und Leni Riefenstahls Die weiße Hölle vom Piz Palü. Ein Meilenstein war die Vorstellung der weltweit ersten tragbaren Schulterkamera im Jahr 1935, der Askania Schulterkamera. Bei den Olympischen Sommerspielen 1936 wurden Askania-Instrumente zur Zeitmessung und Askania-Kameras zur Aufzeichnung der Wettbewerbe eingesetzt.
Die Schulterkamera wurde während des Zweiten Weltkriegs unter anderem für die Frontberichterstattung und die Deutsche Wochenschau verwendet. Askania-Instrumente wie Nachtfluginstrumente, Bordinstrumente und Pilotenuhren unterstützten Luftfahrtpioniere wie Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld bei seiner Atlantiküberquerung und Elly Beinhorn bei ihren Langstreckenrekorden. Askania-Bordinstrumente waren in zahlreichen Flugzeugen der Lufthansa und anderer eingebaut.
Die deutsche Wiederaufrüstung ab 1933 und besonders ab 1935 führte zu einem enormen Auftragsvolumen für Askania und einer starken Spezialisierung auf die Rüstungsindustrie. Das Unternehmen baute Kreiselinstrumente für Schlachtschiffe und Flugzeuge, Zieloptiken für Flak-Geschütze und U-Boot-Periskope. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung des Flugleitsystems für den deutschen Marschflugkörper V1 sowie von Komponenten für die V2-Rakete. Während der NS-Zeit leitete Max Roux die Firma als Generaldirektor und wurde zum Wehrwirtschaftsführer ernannt.
Die Askania-Werke unterhielten während des Zweiten Weltkriegs Zweigwerke und zahlreiche Barackenlager für Zwangsarbeiter, unter anderem in Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade, um die Rüstungsproduktion sicherzustellen. Die Zahl der Beschäftigten, einschließlich Zwangsarbeiter aus westlichen und östlichen besetzten Gebieten, stieg 1940 auf rund 20.000 an. In den Lagern kam es zu tragischen Ereignissen, darunter der Tod von Zwangsarbeiterinnen und Kindern. Teile der Produktionsanlagen wurden 1944 zum Schutz vor Bombenangriffen in Salzbergwerke bei Helmstedt verlagert, wo Häftlinge des KZ Beendorf Zwangsarbeit leisten mussten, um unter anderem Autopiloten und Steuerungen für Flugzeuge und Raketen zu produzieren. In den Askania-Werken waren auch illegale Betriebszellen aktiv, die Widerstand leisteten, Flugblätter herstellten, Sabotage betrieben und Zwangsarbeiter unterstützten. Viele dieser Widerstandskämpfer wurden verhaftet, verurteilt und hingerichtet. Eine Gedenktafel erinnert heute in Berlin-Mariendorf an sieben von ihnen.

Nach Kriegsende und dem Tod von Generaldirektor Roux wurden die Askania-Werke aufgesplittet. Das Zweigwerk in Teltow wurde 1946 zur Askania-Feinmechanik und Optik GmbH Teltow, die zunächst Reparationsaufträge für die Sowjetunion ausführte. Die Uhrenfabrikation in München wurde als Askania-Reglerwerk weitergeführt und später von Josef Müller übernommen, der sie zu AOA Apparatebau Gauting ausbaute, einem Hersteller von Cockpit-Instrumenten. Dieses Unternehmen gehört heute zur Diehl Stiftung.
Die Werke in Berlin, insbesondere in Friedenau und Mariendorf, wurden im Juli 1947 von amerikanischen Militärpolizisten besetzt und geschlossen, da die Herstellung von Kriegsgeräten für eine fremde Macht befürchtet wurde, obwohl auch wissenschaftliche Geräte produziert wurden. Nach der Beschlagnahmung des Eigentums und Verurteilungen der Geschäftsleitung wurde das Werk in Friedenau schließlich unter amerikanischer Kontrolle weitergeführt. Das Werk in Teltow wurde 1948 enteignet und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt, ebenso ein weiteres Werk in Brieselang. Das Werk in Weißensee wurde stillgelegt. Das Werk in Friedenau produzierte nach dem Krieg weiterhin astronomische Instrumente und verlagerte die Produktion später nach Mariendorf.
Bereits während des Krieges waren Teile der Rüstungsproduktion nach Überlingen am Bodensee ausgelagert worden. Dort wurde 1947 das Askania Werke AG Bodenseewerk Überlingen gegründet. In der Nachkriegszeit produzierte dieses Werk eine Vielzahl von Produkten, von Schraubstöcken und Kompassen bis hin zu Kugelschreibern, Bleistiftspitzern, Tonbandgeräten und Brillen. Auch technische Neuheiten wie ein Gerät zur Flugbahnbestimmung von Raketen wurden entwickelt. Das Bodenseewerk wurde 1949 in eine GmbH umgewandelt, um Kredite und Marshallplan-Gelder zu erhalten. Nach dem Ende der Rüstungsaufträge produzierte es ab 1954 Analysegeräte und entwickelte ab 1958 Flugregler, die später in einem eigenen Unternehmen hergestellt wurden, das heute als Diehl Defence bekannt ist. Im Bodenseewerk gibt es heute ein Besucherzentrum, das an die Traditionen erinnert und unter anderem Brillen, Armbanduhren und Schreibgeräte zeigt.
In den 1960er Jahren gingen erhebliche Teile der historischen Askania-Werke AG in anderen Unternehmen auf. Im Jahr 1971 übernahm die Firma Siemens einen Großteil von Askania.
Doch die Geschichte von Askania endete nicht dort. Im Jahr 2004 wurde in Berlin die Askania AG neu gegründet. Acht Aktionäre belebten die Marke wieder. Seit 2006 werden in einer Manufaktur in Berlin Armbanduhren hergestellt, die die Tradition der Präzision und Technik der ehemaligen Askania Werke aufgreifen. Die neue Askania AG ist Eigentümerin der Wort-Bild-Marke für Luxusprodukte wie Uhren. Im Jahr 2007 zog die Manufaktur und der Flagship-Store in die Hackeschen Höfe in Berlin. 2013 wurde in der Uhlandstraße ein Askania-Museum eröffnet, das historische Instrumente und aktuelle Uhren gegenüberstellt.
Häufig gestellte Fragen zu Askania
Ist Askania pleite?
Die ursprüngliche Askania Werke AG in ihrer historischen Form existiert nicht mehr. Teile des Unternehmens wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aufgesplittet, in Volkseigene Betriebe umgewandelt oder gingen später in anderen Unternehmen auf, wie zum Beispiel Siemens im Jahr 1971. Die moderne Askania AG, die im Jahr 2004 gegründet wurde und Armbanduhren herstellt, ist ein eigenständiges Unternehmen, das die historische Marke wiederbelebt hat. Die vorliegende Information beschreibt die Gründung und Tätigkeit dieser neuen AG und erwähnt keine Insolvenz.
Wo werden Askania Uhren hergestellt?
Seit dem Jahr 2006 werden Askania Armbanduhren in einer eigenen Manufaktur in Berlin hergestellt. Diese Manufaktur hat ihren Sitz in den Hackeschen Höfen in der Rosenthaler Straße.
Fazit
Die Geschichte von Askania ist ein Spiegelbild der deutschen Industriegeschichte von der Kaiserzeit über die Weltkriege bis in die Gegenwart. Von einem Pionier der Präzisionsmechanik und Optik über einen wichtigen Rüstungsbetrieb und Hersteller von Filmkameras bis hin zur Zersplitterung nach dem Krieg. Die Neugründung im Jahr 2004 als Hersteller hochwertiger Armbanduhren in Berlin knüpft bewusst an die lange Tradition der Marke an und führt den Namen Askania in einem neuen Marktsegment fort, basierend auf den Werten Präzision und deutsche Ingenieurskunst.
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