Babylon: Geschichte, Bedeutung und Mythen

15/07/2013

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Babylon – allein der Name evoziert Bilder von antiker Pracht, biblischen Erzählungen und einer Stadt von legendärer Größe. Gelegen im Herzen Mesopotamiens, dem fruchtbaren Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris im heutigen Irak, war Babylon über Jahrhunderte hinweg ein Zentrum von Kultur, Macht und Wissenschaft. Doch was verbirgt sich wirklich hinter dem Mythos? Die Archäologie hat vieles enthüllt, während alte Texte wie die Bibel und die Berichte antiker Historiker weitere Puzzleteile liefern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Facetten Babylons, von der Bedeutung seines Namens über seine wechselvolle Geschichte bis hin zu seinem heutigen Zustand.

Was ist die Bedeutung hinter Babylon?
Bab· y· lon ˈba-bə-ˌlän -lən.: eine Stadt, die sich dem Materialismus und den sinnlichen Freuden verschrieben hat .
Übersicht

Die Bedeutung des Namens Babylon

Der Name Babylon selbst birgt eine interessante Geschichte und ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Ursprünglich wurde die Stadt im Sumerischen als KÁ.DINGIR.RAKI bezeichnet, was wörtlich „Tor des Gottes“ bedeutet. Dieses Sumerogramm wurde später ins Akkadische übernommen und dort als Babilla verschriftlicht. Ab dem frühen zweiten Jahrtausend v. Chr. entwickelte sich daraus die babylonische Entsprechung Bābili(m), ebenfalls mit der Bedeutung „Tor des Gottes“ (von bāb ‚Tor‘ und ilim ‚Gottes‘).

Die heute gebräuchliche Form Babylon leitet sich vom altgriechischen Namen Βαβυλών (Babylṓn) ab. Interessanterweise scheint die griechische Form aus einem westsemitischen Dialekt übernommen worden zu sein, da die Vokalisation (ā zu ō) darauf hinweist, dass der Name dort möglicherweise bāb ilōni oder bāb ilōn ausgesprochen wurde. Die klassische mesopotamische Übersetzung als „Tor des Gottes“ oder „Gottestor“ wird von Forschern heute oft als volksetymologische Ableitung der ursprünglichen Form betrachtet, da die ganz alte Bedeutung des akkadischen Stadtnamens nach wie vor nicht eindeutig geklärt ist.

Eine weitere bekannte Namensdeutung stammt aus dem Alten Testament. Im Zusammenhang mit der Erzählung vom Turmbau zu Babel (Gen 11,9 EU) wird der Name mit dem hebräischen Verb balal in Verbindung gebracht, was „verwirren“ bedeutet, im Sinne von „verrühren“ oder „vermischen“. Die darauf basierende Übersetzung Babylons als „Durcheinander“ bezieht sich primär auf die „Sprachverwirrung“ nach dem Turmbau und kann daher nicht als etymologischer Beweis für die ursprüngliche Bedeutung des Stadtnamens herangezogen werden.

Geschichte Babylons: Von den Anfängen bis zum Niedergang

Die frühe Geschichte Babylons im dritten und frühen zweiten Jahrtausend v. Chr., insbesondere der Aufbau der Stadt, ist nur wenig bekannt. Archäologische Forschungen in diesem Zeitraum waren lange Zeit durch den hohen Grundwasserspiegel erschwert und in jüngerer Zeit durch die Sicherheitslage im Irak beeinträchtigt.

Die Neubabylonische Zeit: Blütezeit und Pracht

Seine größte Bekanntheit erlangte Babylon in der Neubabylonischen Zeit, insbesondere unter Herrschern wie Nebukadnezar II. (regierte 605–562 v. Chr.). Antike Berichte, wie die des griechischen Historikers Herodot, schildern Babylon als eine Stadt von unvergleichlicher Größe und Pracht. Herodot beschrieb gigantische Festungsmauern von angeblich 86 Kilometern Länge und einhundert Toren. Er erwähnte auch mehrstöckige Gebäude und einen gewaltigen Turm im Tempelbezirk, den man angeblich bis zum Himmel bauen wollte – eine Anspielung auf den biblischen Turm zu Babel. Die berühmten Hängenden Gärten erwähnte er jedoch nicht.

Die archäologischen Ausgrabungen des deutschen Archäologen Robert Koldewey Anfang des 20. Jahrhunderts relativierten zwar die extremen Größenangaben Herodots, bestätigten aber die beeindruckende Dimension der Stadt. Koldewey stellte fest, dass die Mauern „nur“ etwa 18 Kilometer lang waren – immer noch ein gewaltiger Umfang. Babylon war auf beiden Seiten des Euphrat erbaut und besaß ein komplexes Verteidigungssystem mit einer inneren Doppelmauer und einem äußeren Mauerring auf dem Ostufer, ergänzt durch eine Festung im Norden, die auch als königliche Sommerresidenz diente. Das eigentliche Stadtzentrum lag innerhalb der doppelten Befestigungsmauer und hatte einen rechteckigen Grundriss von etwa 1,5 × 2,5 Kilometern.

Zu den bedeutendsten Bauwerken der Neubabylonischen Zeit, die durch Ausgrabungen identifiziert wurden, gehören:

  • Das Ischtar-Tor: Eines der neun Stadttore, bekannt für seine prächtige Ziegelverkleidung mit Darstellungen von Stieren und Drachen. Ein Wiederaufbau des Ischtar-Tors ist heute im Pergamonmuseum in Berlin zu besichtigen.
  • Die Prozessionsstraße: Eine gepflasterte Straße, die vom Ischtar-Tor in die Stadt führte, vorbei am Königspalast und dem Marduk-Tempel. Sie wurde bei religiösen Prozessionen genutzt.
  • Die Paläste: Der von Nabopolassar erbaute Palast war zunächst von bescheidener Größe. Sein Sohn Nebukadnezar II. ließ ihn erheblich erweitern, fügte drei weitere Gebäude hinzu, verband sie durch Gänge und schuf einen 52 Meter langen Thronsaal. In diesem erweiterten Palastkomplex wurden auch Verwaltungs- und Vorratsräume sowie Wohnräume für Bedienstete gefunden. Es wird vermutet, dass sich hier auch die legendären Hängenden Gärten befanden, falls diese tatsächlich existierten.
  • Der Marduk-Tempel (Esagila): Gelegen im heiligen Bezirk der Stadt, war dieser Tempel dem Hauptgott Marduk gewidmet. Er hatte einen quadratischen Grundriss und ähnelte einer Festung. Im Inneren befand sich die heilige Statue Marduks, aber es wurden auch viele andere Götter verehrt, die Marduk dienen sollten.
  • Der Zikkurat von Etemenanki: Dieser gewaltige Stufenturm, der direkt neben dem Marduk-Tempel aufragte, ist besser bekannt als der biblische Turm zu Babel. Er war Marduk geweiht und stellte eine Verbindung zwischen Himmel und Erde dar.

Auch Wohnbauten der neubabylonischen Zeit wurden ausgegraben, insbesondere im Merkes-Viertel südlich des Ischtar-Tors. Diese Häuser waren oft gut erhalten und zeigten eine typische Struktur mit massiven Lehmziegelmauern und einem Hof im Zentrum.

Was ist die Bedeutung hinter Babylon?
Bab· y· lon ˈba-bə-ˌlän -lən.: eine Stadt, die sich dem Materialismus und den sinnlichen Freuden verschrieben hat .

Hellenistische und Parthische Zeit: Wandel und langsamer Niedergang

Nach der Eroberung durch Alexander den Großen geriet Babylon unter die Herrschaft der Seleukiden (3. bis 2. Jahrhundert v. Chr.). Aus dieser Zeit sind nur wenige Neubauten erhalten, aber es gab zahlreiche Umbauten und Anpassungen in der Stadt. Eine griechische Inschrift bezeichnet Antiochos IV. als Gründer Babylons, was wahrscheinlich bedeutet, dass er einen Teil der Stadt in eine griechisch-makedonische Polis umwandelte. Die neubabylonischen Häuser im Merkes-Viertel wurden nach einer Zeit des Leerstands wieder bewohnt und teilweise an griechische Wohnstile angepasst, beispielsweise durch den Einbau von Peristylen (Innenhöfe mit Säulen) oder Badewannen in Nischen.

Im Osten der Stadt wurde in hellenistischer Zeit ein Theater errichtet. Die alten Paläste wurden weiterhin genutzt, zeigten aber architektonische Elemente griechischen Geschmacks, wie beispielsweise Antefixe auf den Dächern.

Bald nach der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. fiel Babylon unter die Herrschaft der Parther. Literarische Quellen aus dieser Zeit berichten von einem langsamen Niedergang Babylons, während die Stadt Ktesiphon zur wichtigsten Metropole der Region aufstieg. Archäologische Befunde in der Wohnstadt zeigen jedoch, dass Babylon weiterhin bewohnt war, auch wenn die parthischen Schichten oft schlecht erhalten sind, da sie die obersten Schichten bilden. Es gab Veränderungen im Stadtbild, beispielsweise wurde die alte Straßenführung teilweise aufgegeben und durch eine neue ersetzt. Das griechische Theater wurde weiterhin genutzt und sogar renoviert. Charakteristisch für die parthische Zeit sind zahlreiche Bestattungen, die oft unter den Fußböden der Häuser stattfanden.

Die Frage, wann Babylon endgültig verlassen wurde, ist nicht vollständig geklärt. Der spätantike Historiker Prokopios erwähnte im 6. Jahrhundert n. Chr. möglicherweise Babylon noch als bewohnte Stadt, was darauf hindeuten würde, dass der Ort auch unter sassanidischer Herrschaft (3. bis 7. Jahrhundert n. Chr.) noch besiedelt war.

Babylon heute

Die Ruinen des antiken Babylons liegen im heutigen Irak, etwa 85 Kilometer südlich von Bagdad. Nach dem Irakkrieg im Jahr 2003 richteten US-amerikanische und später polnische Truppen einen Militärstützpunkt in und um die antike Stadt ein. Die offizielle Begründung war der Schutz der Stätte vor Plünderern und Grabräubern. Beim Bau des Lagers wurden jedoch Flächen für Park- und Hubschrauberlandeplätze freigeräumt und aufgeschüttet, Schützengräben gezogen und Sandsäcke mit Erde aus den Ausgrabungsstätten gefüllt.

Berichte, unter anderem von John Curtis vom British Museum, dokumentierten erhebliche Schäden an der Ruinenstadt durch die militärische Nutzung. So sollen beispielsweise die Drachen und Stiere am Ischtar-Tor beschädigt worden sein, und die 2600 Jahre alte gepflasterte Prozessionsstraße wurde durch schwere Militärfahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Andere Experten, wie der irakische Archäologe Mohammed Tahir al-Shahk Hussein, relativieren die Kriegsschäden und sehen größere Probleme in den unter Saddam Hussein errichteten Neubauten, die ebenfalls das archäologische Erbe beeinträchtigen.

Heute leben Tausende von Menschen innerhalb der alten äußeren Stadtmauern Babylons, und die Bevölkerung wächst. Zum Schutz der archäologischen Stätte gibt es Gesetze, die den Bau in diesem Gebiet einschränken. In der Vergangenheit besaß Babylon auch einen Bahnhof an der Bahnstrecke Bagdad–Basra.

Häufig gestellte Fragen zu Babylon

Hier finden Sie Antworten auf einige häufig gestellte Fragen zu Babylon:

Was bedeutet der Name Babylon?
Der Name leitet sich vom Akkadischen Bābili(m) ab, was „Tor des Gottes“ bedeutet. Die biblische Verbindung zum hebräischen Wort „balal“ (verwirren) im Zusammenhang mit dem Turmbau zu Babel ist eine volksetymologische Deutung.

Was ist Babylon?
Babylon oder Babel war als Hauptstadt Babyloniens eine der wichtigsten Städte des Altertums. Sie lag am Euphrat, etwa 90 km südlich Bagdads im heutigen Irak (Provinz Babil). Die Ruinen der Stadt sind unter anderem von Robert Koldewey Anfang des 20. Jahrhunderts teilweise freigelegt worden.

Wo liegt Babylon heute?
Die Ruinen des antiken Babylons befinden sich im heutigen Irak, südlich von Bagdad.

War Babylon die größte Stadt der Welt?
Antike Berichte, wie die von Herodot, übertrieben die Größe Babylons stark. Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass die Mauern etwa 18 Kilometer lang waren und die Innenstadt eine Fläche von etwa 1,5 × 2,5 Kilometern hatte. Es war eine sehr große und bedeutende Stadt ihrer Zeit, aber die von Herodot genannten Dimensionen sind nicht korrekt.

Gab es die Hängenden Gärten von Babylon wirklich?
Die Existenz der Hängenden Gärten ist nicht eindeutig archäologisch belegt. Sie werden in einigen antiken Texten beschrieben, fehlen aber in anderen wichtigen Quellen wie den Berichten Herodots und den babylonischen Königsinschriften. Falls sie existierten, wurden sie wahrscheinlich im Bereich des erweiterten Königspalastes von Nebukadnezar II. angelegt.

Was war der Turm zu Babel?
Der biblische Turm zu Babel wird heute meist mit dem Zikkurat Etemenanki in Babylon identifiziert, einem gewaltigen Stufenturm, der dem Gott Marduk geweiht war. Er war ein zentrales Bauwerk der Stadt in neubabylonischer Zeit.

Ist Babylon heute noch bewohnt?
Ja, innerhalb der alten äußeren Stadtmauern leben heute Tausende von Menschen. Es gibt jedoch Bauvorschriften zum Schutz der archäologischen Stätte.

Wurde Babylon durch Kriege beschädigt?
Ja, nach dem Irakkrieg 2003 gab es Berichte über Schäden an der archäologischen Stätte durch die militärische Nutzung. Es gibt jedoch unterschiedliche Einschätzungen über das Ausmaß der Schäden im Vergleich zu anderen Beeinträchtigungen.

Fazit

Babylon bleibt eine Stadt von immenser historischer und kultureller Bedeutung. Von ihren Ursprüngen als „Tor des Gottes“ über ihre Blütezeit als prächtige Hauptstadt eines Großreiches mit legendären Bauwerken wie dem Ischtar-Tor und dem Zikkurat Etemenanki bis hin zu ihrer langsamen Transformation und ihrem Überleben in hellenistischer und parthischer Zeit – Babylon hat unzählige Epochen durchlaufen. Obwohl viele der antiken Mythen durch archäologische Funde relativiert wurden, bleibt die Stadt ein faszinierendes Zeugnis menschlicher Zivilisation, Baukunst und Geschichte, deren Erforschung und Schutz auch heute noch von großer Bedeutung sind.

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