12/05/2019
Bambus kennen viele vor allem als dekorativen Sichtschutz im Garten oder als Sprossen im Asia-Restaurant. Doch dieses vielseitige Gewächs kann weit mehr: Es dient als bemerkenswert schnell nachwachsender Rohstoff für eine breite Palette von Alltagsgütern, darunter Möbel, Fahrräder, innovative Biokunststoffe und sogar Produkte wie Zahnbürsten. Angesichts dieser vielfältigen Anwendungen und seines rapiden Wachstums stellt sich jedoch die wichtige Frage: Ist Bambus wirklich so nachhaltig, wie es oft scheint?
Was ist Bambus eigentlich?
Entgegen der landläufigen Meinung ist Bambus kein Baum, sondern gehört zur Familie der Süßgräser. Die Vielfalt ist enorm und reicht von nur wenigen Zentimetern hohen Sorten bis hin zu imposanten 'Wäldern', deren Halme Höhen von bis zu 40 Metern erreichen können. Die für industrielle Zwecke genutzten Sorten entwickeln während ihres Wachstums verholzende Halme, die sich hervorragend als Alternative zu traditionellem Baumholz eignen. Ein entscheidender Faktor für die Nachhaltigkeitsdiskussion ist das Wachstumstempo: Viele Bambusarten wachsen extrem schnell, unter optimalen Bedingungen sogar bis zu einem Meter pro Tag! Dies ermöglicht eine Ernte bereits nach nur drei bis fünf Jahren. Geografisch ist Bambus hauptsächlich in tropischen Regionen rund um den Äquator beheimatet, wobei China derzeit das Hauptexportland darstellt.

Umweltvorteile des Bambusanbaus
Einer der größten Pluspunkte von Bambus ist sein außergewöhnlich schnelles Wachstum. Dies erlaubt jährliche Ernten großer Mengen, ohne dass der Bestand gefährdet wird. Viele Bambusarten verfügen über ausgedehnte Wurzelsysteme, aus denen kontinuierlich neue Pflanzen nachwachsen. Dies bedeutet, dass im Gegensatz zu Bäumen das Fällen eines einzelnen Halms nicht zum Absterben der gesamten Pflanze führt. Dieses rasante Wachstum hat noch einen weiteren bedeutenden Umweltvorteil: Bambus kann im Vergleich zu langsam wachsenden Bäumen eine extrem große Menge an Kohlendioxid (CO2) speichern und so zur Bindung von Treibhausgasen beitragen.
Ein weiterer positiver Aspekt ist der vergleichsweise geringe Bedarf an externen Inputs beim Anbau. Bambuspflanzen sind äußerst widerstandsfähig, weshalb beim Anbau kaum Düngemittel, Pestizide oder künstliche Bewässerungsmethoden eingesetzt werden müssen. Die unmittelbaren Auswirkungen des Bambusanbaus auf die Umwelt sind daher oft geringer als bei vielen anderen landwirtschaftlichen Kulturen.
Auch die Industrie schätzt Bambus wegen seiner hervorragenden Materialeigenschaften. Das 'Holz' ist sehr hart und dicht, was es zu einem idealen Material für die Herstellung von robusten und langlebigen Möbeln sowie Bodenbelägen macht. Gleichzeitig ist es überraschend leicht und flexibel, was seine Einsatzmöglichkeiten erweitert, beispielsweise als Baumaterial, für Verkleidungen von Elektrogeräten oder sogar für Fahrradrahmen.
Wie fair ist Bambus? Soziale Aspekte
Ein Großteil des Bambus, der in Europa verkauft wird, stammt derzeit von Plantagen in China. Die Umwelt- und Sozialstandards in dieser Region sind bekanntermaßen nicht immer auf dem höchsten Niveau. Interessanterweise ist der Bambusanbau dort bisher oft weniger industrialisiert als vielmehr kleinstrukturiert und bäuerlich geprägt.
"Momentan sind die Strukturen so, dass viele Bauern jeweils kleine Mengen Bambus anbauen und selbst ernten", erklärt Walter Scheufele, ein Experte auf diesem Gebiet. "Bambus wächst in China vor allem in bergigem Land, dort wird er meistens von Hand geschlagen und dann vom Straßenrand abgeholt und weiter transportiert." Dies deutet auf überwiegend manuelle Arbeitsprozesse hin.
Ein Blick in die Zukunft zeigt potenziell positive Entwicklungen. Scheufele prognostiziert, dass Äthiopien China zukünftig als weltweit wichtigsten Bambuslieferanten ablösen könnte. Dort wird Bambus vermehrt angepflanzt, unter anderem mit dem Ziel, die Ausbreitung der Wüste einzudämmen. Dies bringt einen wichtigen sozialen Nebeneffekt mit sich: "Der Bambusanbau wird dort Arbeitsplätze schaffen, die es bisher nicht gab", so Scheufele. Er sieht großes Potenzial in der Verbindung von Bambusanbau mit diversen Entwicklungsprojekten, die sowohl ökologische als auch soziale Ziele verfolgen.
Da die Bambusbranche in Europa noch relativ jung ist, gibt es bisher nur wenige etablierte Handelsbeziehungen und leider auch kaum verbreitete Zertifizierungen, die faire und nachhaltige Bedingungen garantieren. Das bekannte FSC®-Siegel, das nachhaltige Forstwirtschaft auszeichnet, ist bei Bambusprodukten noch sehr selten zu finden. Prinzipiell wird der Anbau von Bambus als verträglicher für Umwelt und Arbeiter eingeschätzt als die Produktion mancher anderer heikler Agrar-Produkte wie Kaffee, Bananen oder Baumwolle. Um jedoch sicherzustellen, dass für die Plantagen keine wertvollen Primärwälder zerstört wurden, ist es ratsam, auf Hinweise für nachhaltigen Anbau zu achten und sich im Zweifelsfall beim Händler nach den spezifischen Produktionsbedingungen zu erkundigen. Eine kleine Auswahl an Bambusprodukten aus fairem Handel findet man manchmal in Weltläden, bei Organisationen wie GEPA oder in spezialisierten Online-Shops.
Bambus und der Vergleich mit anderen Materialien
Bambus statt Erdöl und Tropenholz
Die Frage, ob Bambus eine bessere Alternative zu Plastik darstellt, lässt sich meist mit Ja beantworten, und das in zweifacher Hinsicht. Bambus wird sowohl als direkter Ersatz für Kunststoff in vielen Produkten verwendet als auch als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Bioplastik. Im Gegensatz zu Erdöl, der Grundlage für herkömmliches Plastik, ist Bambus eine nachwachsende Ressource. Die Gewinnung von Bambus ist zudem deutlich weniger risikoreich und umweltschädlich als die Förderung von Rohöl. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass Bambus im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Kunststoffen biologisch abbaubar ist.
Bioplastik wird oft aus essbaren Pflanzen wie Mais oder Zuckerrohr gewonnen, was potenziell in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen kann. Hier bietet Bambus einen Vorteil. "Es gibt rund 1400 Sorten Bambus und je nach gewünschter Anwendung verwendet man ganz verschiedene", erklärt der Experte. Jene Sorten, die zu Plastik- oder Holzersatz verarbeitet werden, dienen in der Regel nicht als Nahrungsmittel. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die umweltfreundlichste Option, wann immer möglich, darin besteht, Plastik gänzlich zu vermeiden – besser als Bioplastik ist immer noch kein Plastik.
Bambus im Vergleich zu Tropenholz
Ist Bambus besser als Holz aus Tropenwäldern? Auch hier lautet die Antwort in der Regel Ja. Der Vergleich liegt auf der Hand: Tropische Bäume haben oft eine sehr langsame Nachwachsrate, die 70 oder 80 Jahre oder sogar länger dauern kann, bis sie wieder erntereif sind. Bambus hingegen wächst extrem schnell nach und kann, wie erwähnt, bereits nach wenigen Jahren geerntet werden. Die schnelle Bambusernte gefährdet somit nicht das sensible Ökosystem des Regenwalds, das ein überaus wichtiger Lebensraum für unzählige Arten und ein global bedeutender CO2-Speicher ist. Die Nutzung von Bambus als Alternative zu Tropenholz kann daher einen Beitrag zum Schutz dieser wertvollen Wälder leisten.
Bambus im Vergleich zu heimischen Hölzern
Ob Bambus als Holzersatz 'besser' ist als heimische Hölzer, beispielsweise Buche oder Eiche, lässt sich nach gegenwärtigem Stand nicht eindeutig und pauschal beantworten. Einerseits ist Bambus durch seinen extrem schnellen Wuchs, die Möglichkeit häufiger Ernten und seine hohe CO2-Speicherkapazität prinzipiell nachhaltiger als das Holz der meisten Bäume, deren Wachstum deutlich langsamer ist.
Andererseits dürfen die Nachteile nicht ignoriert werden. Die Transportwege für Bambus nach Europa sind lang und verursachen entsprechend große Mengen schädlicher Treibhausgase durch Schiff- und LKW-Verkehr. Zudem sind die deutschen Wälder zu großen Teilen bereits seit langer Zeit auf eine nachhaltige Weise bewirtschaftet. Dies bedeutet, dass die Entnahme von Holz hier oft in einem Tempo erfolgt, das dem Nachwachsen entspricht, und die Wälder entsprechend weniger Schutz benötigen als beispielsweise die bedrohten Tropenwälder.
Letztlich muss man die weitere Entwicklung des noch relativ kleinen Marktes für Bambusprodukte in Europa abwarten. Bis sich klare Standards und Lieferketten etabliert haben, ist die Entscheidung zwischen Bambus und heimischem Holz oft eher eine Frage der Verfügbarkeit, des gewünschten Aussehens und des Geschmacks.
Vorsicht Falle: Der "Bambus" Coffee-to-go-Becher
Hier ist besondere Vorsicht geboten! Coffee-to-go-Becher, die als vermeintlich umweltfreundliche Alternative zu Plastikbechern aus Bambus beworben werden, haben es oft im wahrsten Sinne des Wortes in sich – nämlich Melamin und andere bedenkliche Schadstoffe.
Dieses Problem, das schon länger diskutiert wurde, wurde durch Tests unabhängiger Verbraucherschutzorganisationen eindrucksvoll bestätigt. Stiftung Warentest untersuchte im Sommer 2019 verschiedene dieser Becher mit fatalen Ergebnissen: Aus mehr als der Hälfte der getesteten "Bambus"becher gingen sehr hohe Mengen gesundheitsschädlicher Schadstoffe, insbesondere Melamin und Formaldehyd, ins Getränk über, wenn heiße Flüssigkeit eingefüllt wurde. Diese Stoffe können bei regelmäßiger Aufnahme gesundheitliche Risiken bergen.
Die Tests zeigten auch, dass fast alle dieser Becher mit irreführenden Werbeversprechen den Eindruck erweckten, es handele sich um ein reines Naturprodukt oder zumindest um eine umweltfreundliche Lösung. Faktisch bestanden diese "Bambus"becher aber nur zu einem geringen Teil aus zermahlenen Bambusfasern. Der Hauptbestandteil war oft ein Kunststoff, meist Melamin-Formaldehyd-Harz (MFH), der die Bambusfasern zusammenhält und dem Becher Stabilität verleiht. Genau dieser Kunststoff ist das Problem, da er bei Hitze Schadstoffe freisetzen kann.
Stiftung Warentest sprach daher eine klare Warnung aus: "Lassen Sie die Finger von Bambusbechern, die Melamin enthalten!" Eine Warnung, der sich Umweltschützer und Experten uneingeschränkt anschließen. Wer unterwegs auf Einwegbecher verzichten möchte, sollte besser auf Mehrwegsysteme oder Becher aus unbedenklichen Materialien wie Edelstahl, Glas oder Keramik zurückgreifen.
Häufig gestellte Fragen zur Nachhaltigkeit von Bambus
- Ist Bambus ein Baum?
- Nein, Bambus ist botanisch gesehen ein Gras, genauer gesagt ein Süßgras.
- Wie schnell wächst Bambus?
- Viele Bambusarten wachsen extrem schnell, einige Sorten können unter optimalen Bedingungen bis zu einem Meter pro Tag wachsen.
- Wann kann Bambus geerntet werden?
- Industriell nutzbare Bambusarten können oft schon nach drei bis fünf Jahren geerntet werden, im Gegensatz zu vielen Bäumen, die Jahrzehnte benötigen.
- Stirbt die Pflanze nach der Ernte ab?
- Nein, bei vielen Arten wächst aus dem umfangreichen Wurzelsystem schnell wieder ein neuer Halm nach, sodass die Pflanze als Ganzes erhalten bleibt.
- Braucht Bambus viel Dünger oder Pestizide?
- In der Regel nicht. Bambuspflanzen sind sehr widerstandsfähig, wodurch beim Anbau kaum Düngemittel oder Pestizide eingesetzt werden müssen.
- Woher kommt der meiste Bambus?
- Derzeit stammt der Großteil des weltweit gehandelten Bambus aus China.
- Ist Bambus immer fair gehandelt?
- Nicht zwangsläufig. Die Standards im Hauptexportland China können niedrig sein. Zertifizierungen sind selten, aber es gibt Bemühungen und Potenzial für fairen Anbau, z.B. in Äthiopien. Es ist ratsam, nach der Herkunft und den Bedingungen zu fragen.
- Ist Bambus besser als Plastik?
- Meistens ja. Bambus ist eine nachwachsende Ressource, biologisch abbaubar und die Gewinnung ist weniger schädlich als die von Erdöl. Bambus-basiertes Bioplastik konkurriert oft nicht mit Nahrungsmitteln.
- Ist Bambus besser als Tropenholz?
- Ja, da Bambus viel schneller nachwächst und seine Ernte nicht das sensible Ökosystem der Regenwälder gefährdet.
- Ist Bambus besser als heimisches Holz?
- Das ist nicht pauschal zu beantworten. Bambus wächst zwar schneller und speichert viel CO2, hat aber lange Transportwege. Heimische Wälder werden oft nachhaltig bewirtschaftet. Es kommt auf den Einzelfall und die spezifischen Produkte an.
- Sind Bambus Coffee-to-go-Becher nachhaltig?
- Nein, hier ist große Vorsicht geboten. Viele dieser Becher enthalten Melamin-Kunststoff und können bei Hitze Schadstoffe freisetzen. Sie sind oft irreführend beworben.
Vergleich: Bambus und andere Materialien
| Kriterium | Bambus | Tropenholz | Heimisches Holz | Herkömmliches Plastik |
|---|---|---|---|---|
| Nachwachsrate | Extrem schnell (Jahre) | Sehr langsam (Jahrzehnte) | Langsam (Jahrzehnte) | Nicht nachwachsend (Erdöl) |
| CO2-Speicherung | Sehr hoch (schnell) | Hoch (langsam) | Hoch (langsam) | Keine / CO2-Ausstoß bei Produktion |
| Bedarf an Pestiziden/Düngern | Gering | Kann variieren (oft hoch in Plantagen) | Kann variieren (oft gering in nachhaltiger Forstwirtschaft) | Gering (bei Herstellung) |
| Auswirkung auf Ökosystem (Anbau) | Gering (wenn nicht auf Primärwaldflächen) | Kann sehr hoch sein (Regenwaldabholzung) | Gering (bei nachhaltiger Forstwirtschaft) | Gering (bei Herstellung) |
| Soziale Bedingungen | Kann niedrig sein (China), Potenzial für Verbesserung (Äthiopien) | Kann niedrig sein | Meist gut (in Deutschland) | Kann variieren |
| Transportwege nach Europa | Lang (oft China) | Lang (Tropen) | Kurz | Kann variieren |
| Biologische Abbaubarkeit | Ja | Ja | Ja | Nein (meistens) |
Basierend auf Informationen aus dem vorliegenden Text.
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