09/08/2022
Die Marke Bauknecht ist vielen ein Begriff, wenn es um zuverlässige Hausgeräte geht. Mit einer langen Tradition im deutschen Markt hat sich Bauknecht über Jahrzehnte hinweg etabliert. Doch wer steckt eigentlich hinter dieser bekannten Marke, wo werden die Geräte produziert und welche Produktvielfalt bietet Bauknecht heute an? Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte, das Sortiment und die Unternehmensstruktur von Bauknecht.

Die Geschichte von Bauknecht begann im Jahr 1919. In Neckartenzlingen gründete Gottlob Bauknecht eine elektrotechnische Werkstatt. Anfänglich machte sich das Unternehmen einen Namen mit der Entwicklung und Produktion von Elektromotoren. Ein besonders bekanntes Produkt aus dieser Zeit war der Einheits-Elektromotor „Landfreund“, der in der Landwirtschaft viel Anklang fand.
Vom Motor zur Küchenhilfe: Die Anfänge der Hausgeräteproduktion
Nach dem Zweiten Weltkrieg wagte Bauknecht den Schritt in einen neuen Markt: elektrische Küchengeräte. Dieser Übergang begann 1948 mit der Einführung der elektrischen Rührhilfe „Allfix“. Dieser Erfolg ebnete den Weg für weitere Haushaltsgeräte. 1951 folgte der erste Bauknecht-Kühlschrank. Die Produktpalette wuchs schnell, und 1958 wurde die erste Waschmaschine präsentiert, gefolgt von der ersten Geschirrspülmaschine im Jahr 1964.
Die Expansion des Unternehmens setzte sich fort. 1965 übernahm Bauknecht die W. Krefft AG, was die Marktposition weiter stärkte. In den 1970er Jahren hatte sich die Bauknecht-Unternehmensgruppe mit Sitz in Stuttgart zu einem bedeutenden Akteur entwickelt. Sie zählte zu den 100 größten deutschen Industrieunternehmen und gehörte zur Spitzengruppe der europäischen Hersteller von Elektromotoren, Hausgeräten und Einbauküchen. Zu dieser Zeit verfügte das Unternehmen über beeindruckende 13 Fertigungsstätten in Deutschland, Belgien, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Eigene Vertriebsgesellschaften in Europa und Vertretungen in allen wichtigen Staaten zeugen von der internationalen Ausrichtung. Die G. Bauknecht GmbH umfasste insgesamt 39 Einzelgesellschaften. Im Jahr 1981 erzielte Bauknecht einen Jahresumsatz von beachtlichen 1,6 Milliarden DM und beschäftigte weltweit 12.825 Mitarbeiter.
Turbulente Zeiten: Krise und Übergang
Trotz des Erfolgs geriet Bauknecht Anfang der 1980er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten. Verlustträchtige Auslandsinvestitionen und der Rückzug der Banken von weiteren Finanzierungszusagen führten dazu, dass die Geschäftsführung am 20. Mai 1982 beim Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens stellte, um den Konkurs abzuwenden. Volker Grub, ein Stuttgarter Rechtsanwalt, wurde zum Vergleichsverwalter bestellt.
Die Bemühungen, das Unternehmen eigenständig fortzuführen, scheiterten. Die Familie Bauknecht konnte sich nicht mit den beteiligten Banken einigen. Daraufhin wurde am 29. Oktober 1982 das Anschlusskonkursverfahren eröffnet. Dies ermöglichte es dem Konkursverwalter, einzelne Unternehmensteile und -gesellschaften zu veräußern. Das Konkursverfahren für die G. Bauknecht GmbH wurde schließlich 1987 abgeschlossen, wobei eine Zahlungsquote von 57 Prozent für die Konkursgläubiger erzielt wurde.
Unter der Flagge von Whirlpool
Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte von Bauknecht war das Jahr 1989. Seitdem gehört die Bauknecht Hausgeräte GmbH zur US-amerikanischen Whirlpool Corporation. Der ursprüngliche Stammsitz in Schorndorf wurde aufgegeben, und der Sitz des Herstellers wurde nach Stuttgart verlegt. Im Jahr 2006 wurde auch der Sitz des Vertriebsunternehmens nach Stuttgart verlegt.
Unter der Ägide von Whirlpool kam es zu strukturellen Veränderungen, insbesondere bei den Produktionsstandorten in Deutschland. Ende 2012 schloss Whirlpool die verbliebenen Produktionswerke in Deutschland. Dazu gehörten das Werk in Calw, in dem Kühlschränke und Gefriertruhen gefertigt wurden, das Werk in Neunkirchen (Saar), spezialisiert auf Geschirrspülmaschinen, und das Werk in Schorndorf, wo Waschmaschinen und Trockner produziert wurden. Das Werk in Neunkirchen wurde Anfang 2012 teilweise vom Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG übernommen. Das Werk in Schorndorf, einst globales Entwicklungszentrum für Waschautomaten und Trockner und Produktionsort für großvolumige Waschmaschinen, wurde ebenfalls Ende 2012 geschlossen. Pläne zur Übernahme von Mitarbeitern durch andere Unternehmen zerschlugen sich, und die Arbeitsverhältnisse wurden gekündigt. Heute existiert in Deutschland nur noch das Vertriebsunternehmen Bauknecht Hausgeräte GmbH mit Sitz in Stuttgart.
Das Bauknecht Sortiment heute
Trotz der Veränderungen in Eigentümerstruktur und Produktion ist Bauknecht weiterhin stark im deutschen Markt vertreten und bietet ein umfassendes Sortiment an Elektrogeräten an. Der Fokus liegt dabei, passend für den deutschen Markt, auf Einbaugeräten in den unterschiedlichsten Ausführungen, Größen und Qualitätsstufen. Das breite Angebot deckt die wichtigsten Bereiche des Haushalts ab:
- Waschen & Trocknen: Hierzu gehören Waschmaschinen und Wäschetrockner.
- Kochen & Backen: Dieser Bereich umfasst Herde, Backöfen, Induktionskochfelder, Mikrowellen und Dunstabzüge.
- Kühlen & Gefrieren: Bekannt ist Bauknecht vor allem für seine Kühlschränke und Gefriergeräte. Neben klassischen Einbaukühlschränken bietet Bauknecht auch moderne Varianten wie French-Door oder Side-by-Side Kühlschränke an, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen.
- Geschirrspüler: Verschiedene Modelle für die Reinigung von Geschirr.
Die Geräte von Bauknecht, insbesondere Kühlschränke und Backöfen, sind häufig in modernen Küchen zu finden. Neben der Funktionalität legt Bauknecht auch Wert auf die Optik seiner Geräte und konnte dafür bereits Designpreise gewinnen.
Bauknecht seit 2023: Ein neues Kapitel
Die jüngste Entwicklung in der Unternehmensgeschichte von Bauknecht fand im Jahr 2023 statt. Seitdem gehört die Marke Bauknecht zu einem Gemeinschaftsunternehmen, das von der Arçelik Gruppe und der Whirlpool Corporation gegründet wurde. Dieses Joint Venture bündelt die Kräfte beider Unternehmen in bestimmten Regionen und Bereichen, um die Marktposition weiter zu stärken und das Angebot zu erweitern.
Häufig gestellte Fragen zu Bauknecht
Wer hat Bauknecht gekauft?
Die Marke Bauknecht gehörte seit 1989 zur Whirlpool Corporation. Im Jahr 2023 ging die Marke Bauknecht in ein Gemeinschaftsunternehmen der Arçelik Gruppe und der Whirlpool Corporation über. Man kann also sagen, dass die Marke heute Teil dieses Joint Ventures ist.
Wo sitzt die Firma Bauknecht in Deutschland?
Der Sitz der Bauknecht Hausgeräte GmbH, dem deutschen Vertriebsunternehmen, befindet sich in Stuttgart. Die Anschrift lautet Industriestraße 48, 70565 Stuttgart.
Wo lässt Bauknecht produzieren?
Die Produktionsstandorte in Deutschland (Calw, Neunkirchen, Schorndorf) wurden Ende 2012 von Whirlpool geschlossen. Die Produktion von Bauknecht-Geräten findet heute außerhalb Deutschlands statt, innerhalb des Produktionsnetzwerks des Mutterkonzerns Whirlpool bzw. des neuen Gemeinschaftsunternehmens mit Arçelik. Die genauen aktuellen Produktionsorte außerhalb Deutschlands werden in den vorliegenden Informationen nicht detailliert genannt.
Welche Produkte bietet Bauknecht an?
Bauknecht bietet ein breites Sortiment an Elektrogeräten für den Haushalt an. Dazu gehören Geräte aus den Bereichen Waschen & Trocknen, Kochen & Backen (Herde, Backöfen, Induktionskochfelder, Mikrowellen, Dunstabzüge), Kühlen & Gefrieren (Kühlschränke, Gefrierschränke, French-Door, Side-by-Side) und Geschirrspüler. Ein starker Fokus liegt dabei auf Einbaugeräten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bauknecht auf eine bewegte Geschichte zurückblickt, von den Anfängen als Elektrowerkstatt über die erfolgreiche Entwicklung zum Hausgerätehersteller bis hin zu den Eigentümerwechseln und strukturellen Anpassungen der letzten Jahrzehnte. Die Marke bleibt ein wichtiger Anbieter von Hausgeräten auf dem deutschen Markt, auch wenn Produktion und Unternehmensstruktur sich seit der Gründung stark verändert haben und heute Teil eines internationalen Konzerns bzw. Gemeinschaftsunternehmens sind.
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