24/09/2016
In einer Welt, die sich zunehmend der Notwendigkeit von Nachhaltigkeit bewusst wird, hinterfragen wir immer mehr die Umweltauswirkungen alltäglicher Gegenstände. Selbst etwas so Simples wie das Werkzeug, mit dem wir schreiben – sei es für die Einkaufsliste, Notizen oder ein Tagebuch – hat einen ökologischen Fußabdruck. Die Frage, die sich stellt, ist: Was ist umweltfreundlicher, ein Bleistift oder ein Kugelschreiber?
Der Bleistift: Ein Klassiker mit Wurzeln
Der Bleistift, von Forbes einst als viertwichtigstes Werkzeug der Menschheitsgeschichte bezeichnet, ist eine scheinbar einfache, aber geniale Erfindung. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1564 in England zurück, die Massenproduktion begann ein Jahrhundert später in Deutschland. Er besteht im Wesentlichen aus einer Mine, umhüllt von Holz, meist Lindenholz, und einer Lackschicht.

Heute kommt ein erheblicher Teil der Bleistifte aus China, dem weltweit größten Produzenten von Lindenholzbleistiften. Die Mine selbst besteht aus Graphit, einer Kohlenstoffart, die mit Ton vermischt wird. Obwohl der Abbau von Rohstoffen immer Auswirkungen hat, gehört der Graphitabbau nicht zu den umweltschädlichsten Bergbauaktivitäten.
Die größte ökologische Stärke des Bleistifts liegt darin, dass er keinen Kunststoff verwendet. Die Holzspäne, die beim Anspitzen entstehen, können sogar kompostiert werden. Allerdings erfordert die Herstellung von Bleistiften das Fällen von Bäumen – ein ausgewachsener Baum kann etwa 170.000 Bleistifte ergeben. Dieser Schaden kann jedoch reduziert werden, wenn Bleistifte aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft stammen oder aus recyceltem Material hergestellt sind.
Ein weiterer Pluspunkt des Bleistifts ist seine beeindruckende Lebensdauer. Wenn er nicht verloren geht, kann ein Bleistift eine gerade Linie von 56 Kilometern ziehen und bis zu 45.000 Wörter schreiben. Zum Vergleich: Ein Kugelschreiber schafft nur etwa drei Kilometer. Das bedeutet, dass man für die gleiche Schreibmenge, die ein Bleistift leistet, etwa 18 Kugelschreiber benötigen würde.
Der Kugelschreiber: Ein Produkt des Kunststoffs
Der Kugelschreiber ist untrennbar mit Kunststoff verbunden. Ein typischer Kugelschreiber besteht aus verschiedenen Kunststoffarten. Das Gehäuse ist oft aus Polystyrol, einem Material, das zwar Einblick in den Tintenstand gewährt, aber nicht so leicht zu recyceln ist wie beispielsweise PET.

Die Produktion von Kugelschreibern setzt zudem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) frei, Gase, die bis zu 1.200 Mal stärker zum Treibhauseffekt beitragen als Kohlendioxid.
Die Kappe und die Tintenröhre bestehen hingegen häufig aus Polypropylen, einem widerstandsfähigeren und leichter zu recycelnden Kunststoff. Allerdings wird auch bei dessen Herstellung CO2 freigesetzt.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Spitze des Kugelschreibers, die aus Messing gefertigt ist, einer Legierung aus Kupfer und Zink. Der Abbau von Kupfer kann erhebliche Umweltschäden verursachen, insbesondere durch saure Abflüsse aus Tagebauen, die Gewässer und Ökosysteme schädigen können.
Obwohl ein Kugelschreiber laut einer britischen Studie für etwa 6.207 Unterschriften, 5.114 Telefonnummern, 971 Weihnachtskarten oder 169 Zeitungsseiten ausreicht, ist das Recycling nach Ende seiner Nutzungsdauer nicht einfach, da er aus verschiedenen Materialien besteht.
Nachhaltige Alternativen und weitere Schreibutensilien
Glücklicherweise gibt es umweltfreundlichere Alternativen zum Einweg-Kugelschreiber. Eine der besten Optionen ist ein wiederbefüllbarer Kugelschreiber, bei dem nur die Mine ausgetauscht wird. Dies reduziert den Plastikmüll erheblich im Vergleich zum Wegwerfen des gesamten Stifts. Selbst populäre Modelle wie der BIC 4-Colour oder Pilot G2 sind oft nachfüllbar.

Es gibt auch Kugelschreiber, die aus recycelten Materialien hergestellt werden, was eine weitere Verbesserung darstellt. Wenn diese dann auch noch wiederbefüllbar sind, wird die Einsparung an neuem Kunststoff besonders groß.
Mechanische Bleistifte (Druckbleistifte) sind ebenfalls eine interessante Alternative zum klassischen Holzbleistift. Sie bestehen oft aus Kunststoff, aber einmal hergestellt, können sie über viele Jahre hinweg mit Minen nachgefüllt werden, ohne dass ständig neues Holz verbraucht wird. Ob sie umweltfreundlicher sind als Holzbleistifte, hängt von vielen Faktoren ab, aber sie stellen definitiv eine langlebige Option dar.
Füllfederhalter, insbesondere solche, die mit Tinte aus dem Fass gefüllt werden, gelten oft als die nachhaltigste Option unter den Stiften. Während Patronen ebenfalls Plastikmüll erzeugen, fallen beim Nachfüllen aus dem Tintenfass kaum Abfälle an. Tintenfässer sind oft aus Glas und wiederbefüllbare Füller können bei guter Pflege ein Leben lang oder sogar länger halten.
Weitere nachhaltige Schreibwaren
Über Bleistifte und Kugelschreiber hinaus gibt es weitere Schreibutensilien, bei denen man auf Nachhaltigkeit achten kann:
- Radiergummis: Viele bunte Radiergummis bestehen aus Kunststoff. Eine umweltfreundlichere Wahl sind Radiergummis aus Naturkautschuk. Die blaue Seite von rot-blauen Radiergummis kann sogar Tinte entfernen, indem sie die oberste Papierschicht abträgt.
- Anspitzer: Metallanspitzer sind langlebig und leicht zu recyceln. Sie gehen selten kaputt und sind daher eine sehr nachhaltige Wahl im Vergleich zu Plastikmodellen.
- Lineale und Geodreiecke: Während Geodreiecke aus Transparenzgründen oft aus Kunststoff sein müssen (idealerweise aus Bio- oder recyceltem Kunststoff), sind Lineale aus Holz eine umweltfreundlichere und oft stabilere Alternative zu Plastiklinealen.
- Tintenkiller: Diese enthalten chemische Stoffe und bestehen aus Kunststoff. Sie sollten gemieden werden, wenn man auf Nachhaltigkeit Wert legt.
- Tuschkästen und Filzstifte: Achten Sie auf nachfüllbare Varianten, bei denen einzelne Farben oder die Tinte ersetzt werden können, anstatt den gesamten Kasten oder Stift wegzuwerfen. Es gibt auch Filzstifte, die mit Wasser nachfüllbar sind.
- Textmarker: Auch hier gibt es nachfüllbare Modelle sowie solche aus recycelten oder nachwachsenden Rohstoffen. Dicke Buntstifte können alternativ zum Markieren verwendet werden.
- Papier und Hefte: Die Nutzung von Recyclingpapier, idealerweise mit dem „Blauer Engel“-Siegel, ist ein wichtiger Schritt. Auch das beidseitige Verwenden von Papier, das nur einseitig bedruckt ist, spart Ressourcen.
Vergleich: Bleistift vs. Kugelschreiber
Um die Unterschiede zu verdeutlichen, hier ein kleiner Vergleich:
| Merkmal | Bleistift | Kugelschreiber |
|---|---|---|
| Hauptmaterial | Holz, Graphit | Kunststoff, Metall (Spitze), Tinte |
| Rohstoffgewinnung | Holz (Fällen von Bäumen), Graphitabbau | Öl (Kunststoff), Kupfer-/Zinkabbau (Spitze) |
| Umweltbelastung Produktion | Abhängig von Holzwirtschaft, Lacke | FCKW-Emissionen, CO2-Freisetzung, saure Abflüsse aus Kupferabbau |
| Lebensdauer (Schreibweg) | Ca. 56 km | Ca. 3 km |
| Recycling/Entsorgung | Holzspäne kompostierbar, Mine unproblematisch, Lacke problematisch | Schwierig aufgrund Materialmix, Kunststoffmüll |
| Nachhaltige Varianten | Zertifiziertes Holz, recyceltes Material | Wiederbefüllbar, recyceltes Material, aus Bioplastik |
Häufig gestellte Fragen
Welcher Stift ist insgesamt am umweltfreundlichsten?
Basierend auf der verfügbaren Information scheint ein Füllfederhalter, der mit Tinte aus dem Fass nachgefüllt wird, eine der nachhaltigsten Optionen zu sein, da er sehr langlebig ist und kaum Abfall produziert. Unter den direkten Konkurrenten (Bleistift vs. Kugelschreiber) hat der Bleistift Vorteile durch das Fehlen von Kunststoff und die Kompostierbarkeit der Späne, während der Kugelschreiber durch seine kurze Lebensdauer und den Materialmix Nachteile hat. Wiederbefüllbare Kugelschreiber aus recyceltem Kunststoff verbessern jedoch deren Ökobilanz erheblich.

Sind mechanische Bleistifte besser als Holzbleistifte?
Das ist nicht eindeutig zu beantworten und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Mechanische Bleistifte verbrauchen kein Holz mehr, sobald sie hergestellt sind, nutzen aber Kunststoff für das Gehäuse. Holzbleistifte verbrauchen Holz, dessen Herkunft wichtig ist, und Lacke können problematisch sein. Wenn ein mechanischer Bleistift sehr lange genutzt wird, könnte er eine gute Alternative sein, insbesondere wenn er aus recyceltem Kunststoff besteht.
Machen recycelte Kugelschreiber einen Unterschied?
Ja, definitiv. Kugelschreiber aus recyceltem Kunststoff reduzieren die Notwendigkeit, neuen Kunststoff herzustellen. Wenn sie zusätzlich wiederbefüllbar sind, wird der ökologische Vorteil noch größer.
Wie kann ich die Umweltauswirkungen meiner Stifte reduzieren, auch wenn ich keinen Füller nutzen möchte?
Der wichtigste Schritt ist, Einwegstifte zu vermeiden. Nutzen Sie wiederbefüllbare Kugelschreiber und Bleistifte so lange wie möglich. Achten Sie beim Kauf von Bleistiften auf zertifiziertes Holz oder recyceltes Material. Vermeiden Sie unnötige Werbekugelschreiber. Selbst bei Einwegstiften macht es einen Unterschied, sie vollständig zu nutzen, bevor sie entsorgt werden.
Fazit
Die Wahl des richtigen Schreibutensils mag wie eine Kleinigkeit erscheinen, aber viele kleine Entscheidungen können in Summe eine große Wirkung erzielen. Während der klassische Bleistift in puncto Kunststoffvermeidung und Lebensdauer (pro Stift) punktet, bringt seine Produktion den Holzverbrauch mit sich. Der Kugelschreiber hat durch Kunststoff, kurze Lebensdauer und Produktionsschadstoffe eine schlechtere Ausgangsbilanz. Die umweltfreundlichsten Optionen sind in der Regel langlebige, wiederbefüllbare Stifte wie Füllfederhalter mit Tintenfass oder wiederbefüllbare Kugelschreiber und mechanische Bleistifte, idealerweise aus recycelten Materialien oder nachhaltiger Produktion. Jeder Schritt weg vom Einwegprodukt hin zur längeren Nutzung und Nachfüllbarkeit ist ein Gewinn für die Umwelt.
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