12/08/2013
Die Wahl des richtigen Bohrers ist entscheidend für den Erfolg eines jeden Projekts, sei es im professionellen Handwerk oder beim Heimwerken. Es gibt eine Vielzahl von Bohrertypen, die sich in Material, Form und Einstecksystem unterscheiden. Zwei der gängigsten Unterscheidungen betreffen das Einstecksystem – wie der Bohrer in die Maschine eingesetzt wird – und das Material, aus dem der Bohrer gefertigt ist, insbesondere bei Metallbohrern.

Ein bekanntes und weit verbreitetes Einstecksystem, insbesondere bei Schlagbohrern und Bohrhämmern, ist das von Bosch entwickelte SDS-System. Dieses System revolutionierte den Bohrerwechsel und die Kraftübertragung im Vergleich zu älteren Methoden.
Das SDS-System: Einfachheit und Effizienz
Der Begriff SDS steht für ein Einstecksystem, das von Bosch entwickelt wurde. Es findet hauptsächlich Anwendung in elektrischen Werkzeugen, die sowohl schlagend als auch drehend arbeiten, wie zum Beispiel Bohrmaschinen und Bohrhämmern. Das charakteristische Merkmal dieses Systems ist der speziell geformte Schaft des Bohrers. Dieser Schaft ist mit besonderen Nuten versehen. Diese Nuten dienen einem doppelten Zweck: Sie ermöglichen eine sehr effiziente Übertragung der Dreh- und Schlagkraft von der Maschine auf den Bohrer und sie erlauben gleichzeitig eine leichte axiale Bewegung des Bohrers im Bohrfutter, was für die Schlagfunktion des Werkzeugs unerlässlich ist.
Ein wesentlicher Vorteil des SDS-Systems gegenüber traditionellen Einstecksystemen ist der schnelle und unkomplizierte Wechsel von Bohrern und Meißeln. Dieser Wechsel kann werkzeuglos erfolgen, was die Arbeit erheblich beschleunigt und vereinfacht. Man muss kein Bohrfutterschlüssel mehr verwenden, um den Bohrer festzuspannen oder zu lösen; stattdessen wird der Bohrer einfach eingesteckt oder herausgezogen, wobei er sicher durch das SDS-Futter gehalten wird.
Die ursprüngliche Bezeichnung von Bosch für dieses System war „Steck-Dreh-Sitz“. Später wurde es als „Spannen durch System“ weiterentwickelt. International verwendet Bosch heute die Bezeichnung „Special Direct System“.

Es ist wichtig zu wissen, dass es innerhalb des SDS-Systems Varianten gibt. Diese Varianten unterscheiden sich hauptsächlich durch den Durchmesser des Schafts. Die verschiedenen Varianten sind nicht miteinander kompatibel. Das bedeutet, ein Bohrer einer SDS-Variante passt nicht in eine Maschine, die für eine andere SDS-Variante ausgelegt ist. Es existieren sowohl Versionen mit kleinerem als auch mit größerem Schaftdurchmesser. Die bekannteste Variante mit kleinerem Durchmesser, die sehr weit verbreitet ist, wird oft als SDS Plus bezeichnet, während Varianten mit größerem Durchmesser als SDS Max bekannt sind. Die Wahl der Variante hängt in der Regel von der Größe und Leistung des Bohrhammers sowie dem Durchmesser des zu bohrenden Lochs ab.
Vergleich verschiedener HSS-Bohrerarten
Neben dem Einstecksystem spielt auch das Material des Bohrers eine große Rolle für seine Leistungsfähigkeit und den Anwendungsbereich. Besonders im Bereich der Metallbearbeitung sind HSS-Bohrer sehr gebräuchlich. HSS steht für High-Speed Steel, zu Deutsch Schnellarbeitsstahl. Innerhalb der HSS-Bohrer gibt es wiederum verschiedene Ausführungen, die sich in Herstellung, Eigenschaften und Eignung für bestimmte Materialien und Maschinen unterscheiden.
HSS-R-Bohrer
Die HSS-R-Bohrer gehören oft zur Basisqualität unter den HSS-Spiralbohrern und sind in der Regel die preiswerteste Option. Das 'R' steht hierbei für rolliert. Das bedeutet, die Spiralnuten werden durch ein Walzverfahren geformt. Mit rollierten HSS-Bohrern können verschiedene Materialien bearbeitet werden, darunter Stahl, Stahlguss, Grauguss, Temperguss, Sintereisen, Bronze, Messing und Aluminium. Diese Bohrer sind gut geeignet für konventionelle, normale Bohrarbeiten. Sie werden typischerweise in Handbohrmaschinen und Bohrständern eingesetzt. Ihre Vorteile liegen in einer guten Spanabführung und einer hohen Bruchfestigkeit, was sie zu robusten Werkzeugen für den Alltagsgebrauch macht.
HSS-G-Bohrer
Der HSS-G-Bohrer unterscheidet sich von den HSS-R-Modellen durch seine Herstellungsweise und sein Aussehen. Das 'G' steht für geschliffen. Diese Bohrer werden aus dem vollen Material gefräst und anschließend gehärtet. Die Spirale und die Schneiden werden nach der Formgebung geschliffen. Dies führt zu einer höheren Genauigkeit im Vergleich zu HSS-R-Bohrern. Die metallisch blank glänzende Spirale ist ein optisches Erkennungsmerkmal. Die höhere Genauigkeit ermöglicht präzisere Arbeiten mit geringeren Toleranzen. HSS-G-Bohrer zeichnen sich außerdem durch hohe Standzeiten aus, das heißt, sie behalten ihre Schärfe länger. Sie verfügen ebenfalls über eine gute Spanabführung und sind oft selbstzentrierend, was das Anbohren erleichtert. Eingesetzt werden HSS-G-Bohrer häufig in Säulenbohrmaschinen, Dreh- und Fräsmaschinen, wo präzises Arbeiten gefragt ist. Sie können eine breite Palette von Werkstoffen bearbeiten, darunter beispielsweise Stahl, Stahlguss, Gusseisen, Sintereisen, Grafit, Messing, Aluminium und Bronze.

HSS-E-Bohrer (Kobaltlegiert)
HSS-E-Bohrer stellen eine Weiterentwicklung der HSS-G-Bohrer dar. Das 'E' steht hier für legiert, meist mit Kobalt. Diese Bohrer unterscheiden sich von HSS-G-Bohrern durch eine Zugabe von Kobalt, typischerweise 5 % oder 8 %. Die Kobalt-Legierung macht das Material höherwertiger und verbessert insbesondere seine Hitzebeständigkeit. Diese erhöhte Hitzebeständigkeit ist entscheidend, wenn Werkstoffe mit hoher Festigkeit bearbeitet werden, da dabei mehr Wärme entsteht. HSS-E-Bohrer eignen sich sehr gut für das Bohren in Edelstahl, einem Material, das für seine Zähigkeit und Hitzebeständigkeit bekannt ist und herkömmliche Bohrer schnell verschleißen lässt. Die Formgebung der HSS-E-Bohrer ist ähnlich wie bei HSS-G-Bohrern, da auch sie geschliffen sind. Sie verfügen jedoch über eine höhere Härte, eine ausgezeichnete Hitzebeständigkeit und dementsprechend gute Standzeiten, besonders bei anspruchsvollen Materialien.
Weitere hochwertige Bohrerarten
Neben den gängigen HSS-Varianten gibt es weitere Bohrerarten, die für spezielle Anwendungen oder höhere Anforderungen entwickelt wurden.
HSS-TiN Bohrer
Eine weitere Variante der HSS-Spiralbohrer sind die HSS-TiN Bohrer. 'TiN' steht für Titannitrid, eine Beschichtung, die auf den Bohrer aufgebracht wird. Diese TiN-Beschichtung ist sehr verschleißfest und erhöht die Standzeit der Bohrer erheblich. HSS-TiN Bohrer gelten als ideal für den Einsatz in Handbohrmaschinen, da die Beschichtung die Reibung reduziert und die Lebensdauer des Bohrers auch bei weniger stabilen Führungen verlängert.
Spezialisierte und professionelle Bohrer
Für höchste Ansprüche und die Bearbeitung extrem harter oder abrasiver Materialien kommen spezialisierte Bohrer zum Einsatz, die HSS-Bohrern in vielen Eigenschaften deutlich überlegen sind. Dazu gehören:
- Titanlegierte Bohrer: Diese Bohrer können aus einer Titanlegierung gefertigt sein oder eine sehr dicke, widerstandsfähige Titanbeschichtung aufweisen, die über die TiN-Beschichtung hinausgeht.
- Diamantbohrer: Diese Bohrer sind an ihren Schneiden mit Diamantpartikeln besetzt und eignen sich hervorragend für das Bohren in sehr harten, spröden Materialien wie Fliesen, Glas, Keramik oder Beton.
- Vollhartmetall-Bohrer (VHM): Diese Bohrer bestehen vollständig aus Hartmetall, einem extrem harten und verschleißfesten Material.
Diese hochleistungsfähigen Bohrer eignen sich jedoch praktisch ausschließlich für den professionellen Einsatz. Sie erfordern in der Regel sehr stabile und präzise Maschinen wie Bearbeitungszentren, Drehbänke oder robuste Säulenbohrmaschinen, da sie bei falscher Anwendung leicht brechen können und die Maschinen eine hohe Stabilität für die Bearbeitung harter Materialien bieten müssen.

Was kostet ein guter Bohrer?
Die Frage nach dem Preis eines „guten“ Bohrers lässt sich nicht pauschal beantworten, da der Preis stark vom Typ des Bohrers, seinem Material, seiner Größe und seiner Qualität abhängt. Bohrer sind unverzichtbare Werkzeuge in jedem Haushalt, in Werkstätten und auf Baustellen. Mit den passenden Aufsätzen lassen sich schnell Löcher in die unterschiedlichsten Materialien bohren, sei es Holz, Metall, Kunststoff oder Mauerwerk.
Oft werden Bohrer als Sets angeboten, die eine Auswahl verschiedener Größen und Typen enthalten. Solche Bohrer-Sets bieten eine gute Grundausstattung für verschiedene Anwendungen. Die Qualität eines Bohrers oder eines Bohrer-Sets zeigt sich in verschiedenen Merkmalen.
Wichtige Kriterien für die Qualität sind:
- Schaft-Typ: Wie bereits erwähnt, beeinflusst das Einstecksystem (z.B. SDS oder Zylinderschaft) die Kompatibilität und Kraftübertragung.
- Körner/Schneiden: Die Schärfe und Form der Schneidkanten sind entscheidend für die Bohrleistung und die Standzeit. Hochwertige Bohrer haben präzise geschliffene Schneiden.
- Maße/Toleranzen: Ein guter Bohrer hält exakte Maße ein, was für präzise Bohrungen wichtig ist.
- Material und Verarbeitung: Die Art des verwendeten Stahls (z.B. HSS-G, HSS-E) und die Qualität der Fertigung (geschliffen vs. rolliert, Beschichtungen) bestimmen die Härte, Hitzebeständigkeit und Verschleißfestigkeit.
Einsteiger-Sets mit HSS-R-Bohrern sind oft schon für wenig Geld erhältlich. Für präzisere Arbeiten oder härtere Materialien sollte man jedoch auf HSS-G oder HSS-E Bohrer zurückgreifen, die entsprechend teurer sind. Spezialbohrer aus Vollhartmetall oder mit Diamantbesatz sind die teuersten Varianten, da sie für extreme Anwendungen konzipiert sind und aus kostspieligen Materialien gefertigt werden.
Die Investition in qualitativ hochwertigere Bohrer zahlt sich oft durch längere Standzeiten, präzisere Ergebnisse und die Fähigkeit, anspruchsvollere Materialien zu bearbeiten, aus. Ein „guter“ Bohrer ist also nicht unbedingt der teuerste, sondern derjenige, der für den jeweiligen Anwendungszweck und das zu bearbeitende Material am besten geeignet ist und eine zuverlässige Leistung bietet.

Vergleichstabelle HSS-Bohrer
| Typ | Herstellung | Merkmale | Geeignete Materialien | Empfohlene Maschinen |
|---|---|---|---|---|
| HSS-R | Rollgewalzt | Gute Spanabfuhr, hohe Bruchfestigkeit, Basisqualität | Stahl, Stahlguss, Grauguss, Temperguss, Sintereisen, Bronze, Messing, Aluminium | Handbohrmaschinen, Bohrständern |
| HSS-G | Gefräst, geschliffen | Höhere Genauigkeit, geringere Toleranzen, hohe Standzeiten, gute Spanabfuhr, selbstzentrierend | Stahl, Stahlguss, Gusseisen, Sintereisen, Grafit, Messing, Aluminium, Bronze | Säulenbohrmaschinen, Dreh- und Fräsmaschinen |
| HSS-E | Gefräst, geschliffen, Kobaltlegierung (5-8%) | Höhere Härte, sehr gute Hitzebeständigkeit, gute Standzeiten | Werkstoffe mit hoher Festigkeit, sehr gut für Edelstahl | Säulenbohrmaschinen, Handbohrmaschinen (für Edelstahl) |
Häufig gestellte Fragen
Im Zusammenhang mit Bohrsystemen und Bohrerarten tauchen oft ähnliche Fragen auf:
Was ist der Unterschied zwischen SDS Bohrer und SDS Plus Bohrer?
Basierend auf den uns vorliegenden Informationen ist SDS der Name eines Einstecksystems von Bosch für schlagende und drehende Elektrowerkzeuge. Dieses System zeichnet sich durch spezielle Nuten am Bohrschaft aus, die einen schnellen, werkzeuglosen Wechsel und eine effiziente Kraftübertragung ermöglichen. Das SDS-System existiert in verschiedenen Varianten, die sich im Schaftdurchmesser unterscheiden und nicht miteinander kompatibel sind. SDS Plus ist eine der gängigen Varianten des SDS-Systems mit einem bestimmten Schaftdurchmesser, der für kleinere bis mittelgroße Bohrhämmer typisch ist, während andere Varianten wie SDS Max größere Durchmesser für leistungsfähigere Maschinen haben. Der Hauptunterschied liegt also im Schaftdurchmesser und der damit verbundenen Anwendung.
Was ist besser als HSS Bohrer?
Die Frage, was „besser“ ist, hängt vom Anwendungsfall ab. HSS-Bohrer sind vielseitig und gut für die Bearbeitung vieler gängiger Metalle geeignet. Für anspruchsvollere Materialien oder höhere Präzision gibt es jedoch Bohrer, die HSS überlegen sein können. HSS-E Bohrer sind durch ihre Kobaltlegierung hitzebeständiger und besser für härtere Materialien wie Edelstahl geeignet als HSS-R oder HSS-G. Darüber hinaus sind spezialisierte Bohrer wie HSS-TiN (mit verschleißfester Beschichtung), titanlegierte Bohrer, Diamantbohrer (für sehr harte, spröde Materialien) und Vollhartmetall-Bohrer (VHM) oft leistungsfähiger und verschleißfester als Standard-HSS-Bohrer, insbesondere bei der Bearbeitung sehr harter oder abrasiver Werkstoffe. Diese sind jedoch meist teurer und erfordern oft stabilere Maschinen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahl des richtigen Bohrers eine fundierte Entscheidung erfordert, die das zu bearbeitende Material, die verfügbare Maschine und die erforderliche Präzision berücksichtigt. Vom einfachen HSS-R für leichte Arbeiten bis zum spezialisierten VHM-Bohrer für industrielle Anwendungen gibt es für jeden Zweck den passenden Bohrer.
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