Warum heißt der Alexanderplatz in Berlin Alexanderplatz?

Berlins Alexanderplatz im großen Wandel

12/11/2018

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Der Alexanderplatz in Berlin ist mehr als nur ein Verkehrsknotenpunkt oder ein Ort zum Einkaufen. Er ist ein pulsierendes Herz der Stadt, das seit Jahrzehnten im ständigen Wandel begriffen ist. Seine Geschichte spiegelt die Brüche und Neuanfänge Berlins wider, von den Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg über die DDR-Ära bis hin zur Wiedervereinigung und der Gegenwart. Heute steht der Platz erneut im Fokus massiver Bauprojekte, die sein Erscheinungsbild grundlegend verändern werden.

Warum heißt der Alexanderplatz in Berlin Alexanderplatz?
Seinen heutigen Namen verdankt der Alexanderplatz König Friedrich Wilhelm III., der ihn anlässlich des Besuchs des Zaren Alexander Ende 1805 in Alexanderplatz umbenannte.
Übersicht

Ein Platz im Fluss der Zeit: Von der Verkehrsinsel zum Wahrzeichen-Ensemble

Betrachtet man den Alexanderplatz, wie er sich heute präsentiert, so ist er das Ergebnis zahlreicher Umgestaltungen. Eine besonders prägende Phase begann in den Jahren bis 1969. In dieser Zeit wurden die Straßenbahnlinien, die den Platz einst durchzogen, zunächst entfernt. Gleichzeitig entstanden einige der bis heute markantesten und identitätsstiftenden Gebäude und Objekte des Platzes. Dazu gehören das damalige Centrum-Warenhaus, das heute als Galeria Kaufhof bekannt ist, sowie das ehemalige Hotel Stadt Berlin, das heute unter dem Namen Hotel Park Inn firmiert. Ebenfalls in dieser Zeit wurden die Weltzeituhr und der Brunnen der Völkerfreundschaft installiert, die schnell zu beliebten Treffpunkten und Symbolen des Platzes wurden.

Im selben Jahr, 1969, wurde nach vierjähriger Bauzeit ein weiteres, unübersehbares Wahrzeichen eingeweiht: der Berliner Fernsehturm. Mit seinen 365 Metern Höhe ist er heute das höchste Gebäude Deutschlands und befindet sich in unmittelbarer Nähe des Alexanderplatzes. Eine Fahrt hinauf in die rotierende Kugel des Turms bietet einen unvergleichlichen Panoramablick über die gesamte Stadt und ist für viele Berlin-Besucher ein absolutes Muss.

Nur einen Steinwurf vom Alexanderplatz entfernt liegt das Rote Rathaus, der Sitz des Berliner Senats, mit dem eindrucksvollen Neptunbrunnen davor. Diese historischen Bauten bilden einen Kontrast zu den modernen oder DDR-typischen Strukturen des Platzes selbst. Interessanterweise kehrten die Straßenbahnen, die einst vom Platz verschwanden, ab 1998 wieder zurück und sind heute erneut ein fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs rund um den Alex.

Der Alexanderplatz als Spiegel des Wandels: Zwischen Moloch und Meetingpoint

Kein anderer Platz in Berlin steht mit seiner Geschichte und seinem gegenwärtigen Zustand so sehr für das Thema des ständigen Wandels der deutschen Hauptstadt wie der Alexanderplatz. Er ist in unzähligen Filmen, literarischen Werken und den Nachrichten präsent. Die Meinungen über den Alex gehen dabei weit auseinander und reichen von Begeisterung bis Ablehnung.

Für viele Berliner und Touristen ist der Platz ein lebendiger und beliebter Treffpunkt. Er bietet vielfältige Einkaufsmöglichkeiten im Galeria Kaufhof oder im Einkaufszentrum Alexa, beherbergt touristische Attraktionen wie den bereits erwähnten Fernsehturm und die Weltzeituhr und ist Schauplatz saisonaler Märkte. Er verkörpert für sie das dynamische, moderne Berlin.

Andere wiederum empfinden den Platz als laut, schmutzig und unsicher. Sie fühlen sich an die düstere Beschreibung in Alfred Döblins berühmtem Roman „Berlin Alexanderplatz“ aus den 1920er-Jahren erinnert, in dem die Stadt als ein Moloch dargestellt wird, der seine Bewohner zu verschlingen droht. Döblin schrieb: „Die Stadt ist ein Moloch, der die Menschen verschlingt und sie in seinem unaufhörlichen Treiben zermalmt.“ Diese ambivalente Wahrnehmung prägt bis heute die Diskussion über den Alexanderplatz.

Die nächste Stufe der Transformation: Der Alexanderplatz wird zur Großbaustelle

Ungeachtet der unterschiedlichen Meinungen hat die nächste Phase der städtebaulichen Transformation des Alexanderplatzes längst begonnen. Der Platz und sein Umfeld sind seit einiger Zeit eine einzige Großbaustelle, auf der ambitionierte Hochhausprojekte realisiert werden, die das Stadtbild nachhaltig prägen werden.

Grundlage der Planung: Der Rahmenplan 1993

Die aktuellen Bauvorhaben basieren maßgeblich auf dem Städtebaulichen Rahmenplan 1993, der bereits kurz nach der Wiedervereinigung entwickelt wurde. Ziel dieses Plans von Hans Kollhoff und Helga Timmermann war es, den Alexanderplatz als bedeutenden innerstädtischen Standort für Hochhäuser mit gemischter Nutzung zu etablieren. Die Idee dahinter war, die Stadt zu verdichten und so einer weiteren Ausdehnung ins Umland entgegenzuwirken – ein klares Bekenntnis zur kompakten Stadt gegen die Suburbanisierung.

Der Plan sah ein Ensemble von Hochhäusern vor, die Teil einer Blockstruktur sein sollten. Für neue Investorenprojekte wurde ein Wohnanteil von mindestens 30 Prozent vorgeschrieben, um eine reine Büro- und Geschäftsstadt zu vermeiden und lebendige Quartiere zu schaffen. Dieser Rahmenplan wurde im Laufe der Jahre immer wieder an neue Bedürfnisse und Gegebenheiten angepasst. So wurden beispielsweise ursprüngliche Abrisspläne für prägende DDR-Bauten wie das Haus des Berliner Verlages und das Haus des Reisens revidiert; sie stehen heute unter Denkmalschutz. Bei Projekten wie dem Einkaufszentrum Alexa oder dem Hines-Gelände (mit dem Saturn-Markt) genehmigte die Verwaltung zunächst nur die Sockelgeschosse, da die ursprünglich geplanten Wohnhochhäuser damals nicht realisierbar schienen. Inzwischen ist auch das markante schwarze CUBIX-Kino südlich der S-Bahntrasse hinzugekommen.

Während in der näheren Umgebung des Alexanderplatzes in den letzten Jahren bereits mehrere neue Hochhäuser mittlerer Größe entstanden sind, konzentrieren sich die aktuellen, besonders sichtbaren Bauarbeiten direkt auf den Platz und seine unmittelbare Nachbarschaft. Mehrere Hochhäuser sind gleichzeitig im Bau oder geplant.

Die aktuellen Bauprojekte am Alexanderplatz (Stand März 2025)

Covivio Hybrid-Hochhaus

Direkt neben dem Hotel Park Inn entsteht ein 130 Meter hohes Doppelturm-Hochhaus mit 33 Obergeschossen und drei Untergeschossen. Zum Alexanderplatz hin ist ein mehrgeschossiges Sockelgebäude vorgelagert, das sich im März 2025 im Rohbau befindet. Dieses Sockelgeschoss wird eine gemischte Nutzung beherbergen.

Das gesamte Projekt sieht eine vielfältige Nutzung vor: Neben Wohnungen sind zahlreiche Geschäfte und Gastronomiebetriebe geplant. Ein Kindergarten für 35 Kinder wird ebenfalls integriert. Ein besonderes Highlight soll der 2500 Quadratmeter große Dachgarten in 36 Metern Höhe werden, der öffentlich zugänglich sein und unter anderem Holzpergolen umfassen soll. Unter diesem Dachgarten ist ein Club geplant.

Insgesamt sind in dem Covivio-Projekt rund 60.000 Quadratmeter Mietfläche vorgesehen. Davon entfallen etwa 30.000 Quadratmeter auf Büroflächen, 17.000 Quadratmeter auf Gewerbeflächen (Einzelhandel, Gastronomie etc.) und 11.000 Quadratmeter auf Wohnflächen, die auch Gemeinschaftsküchen umfassen sollen. Zusätzlich sind 1.280 Quadratmeter reine Gemeinschaftsflächen für die Bewohner geplant. Die geplanten Kosten für dieses ambitionierte Projekt beziffert der Investor und Entwickler Covivio auf 530 Millionen Euro. Die Architektur stammt vom Büro Sauerbruch Hutton, der Entwurf für die Dachgärten wurde vom Planungsbüro Sinai erstellt. Die Fertigstellung des Covivio Hybrid-Hochhauses war ursprünglich für das Jahr 2025 geplant. Eine Herausforderung bei den Tiefbauarbeiten war und ist der unter dem Alexanderplatz verlaufende, denkmalgeschützte Bahnhof der U-Bahnlinie 2.

Alexander Berlin’s Capital Tower

Neben dem Einkaufszentrum Alexa sollte der Alexander Berlin’s Capital Tower entstehen. Am 14. September 2021 wurde der Grundstein für diesen 150 Meter hohen Wohnturm mit 35 Geschossen gelegt. Bauherr ist die Moskauer MonArch-Gruppe.

Ist Berlin Alexanderplatz schwer zu lesen?
Berlin Alexanderplatz ist nicht leicht zu lesen. Und wer damit seine Probleme hat, ist mit dem Hörbuch vielleicht besser aufgestellt (Wobei so gewisse Sprachspiele und durch die Schriftlichkeit besondere Textstellen leicht untergehen können).

Der Turm war primär als Wohngebäude konzipiert und sollte 377 Wohnungen, darunter auch Penthäuser, sowie eine Sky-Lounge in den oberen Etagen beherbergen. Im Sockelgeschoss des Turms waren auf drei Etagen Einzelhandelsflächen, ein Spa mit Schwimmbad, ein Fitnessstudio und ein Kino vorgesehen. Die Architektur stammt von O&O Baukunst aus Wien, die zuvor bereits das benachbarte Einkaufszentrum Alexa entworfen hatten. Die Fertigstellung des Capital Towers war ursprünglich für das Jahr 2023 geplant.

Allerdings sind die Bauarbeiten an diesem Projekt aktuell eingestellt. Grund dafür ist die veränderte politische Lage, die die Realisierung des Projekts durch den russischen Investor unmöglich gemacht hat. Die Tiefgeschosse des Turms sind zwar im Rohbau fertiggestellt, doch die weitere Bautätigkeit ruht derzeit.

MYND Hochhaus am Galeria

Ein weiteres bedeutendes Hochhaus-Projekt ist das MYND Hochhaus des Investors Signa an der Karl-Liebknecht-Straße. Dieses Gebäude wird mit einer Höhe von 135 Metern direkt in den Sockel des bestehenden Galeria Kaufhof-Gebäudes integriert, das selbst ein prägnantes Bauwerk der DDR-Moderne ist.

Das MYND Hochhaus ist hauptsächlich für Büroflächen vorgesehen. Darüber hinaus sind 1.000 Quadratmeter Gemeinbedarfsflächen geplant. Ein besonderes Merkmal ist eine öffentlich zugängliche Dachterrasse in 135 Metern Höhe, die einen beeindruckenden Blick über die Stadt bieten soll. Die Architektur für dieses Projekt stammt vom Büro Kleihues + Kleihues, das bereits 2008 den ersten Umbau des ehemaligen Centrum Warenhauses für Galeria plante.

Der Teilabriss des Bestandsgebäudes für die Integration des Turms begann bereits im Oktober 2021. Die Bauarbeiten finden bei laufendem Betrieb des Kaufhauses statt, was eine logistische Herausforderung darstellt. Nach Angaben des ursprünglichen Investors Signa sollte das neue Hochhaus CO2-neutral sein. Die Fertigstellung war ursprünglich für das Jahr 2025 geplant. Inzwischen wurde das Galeria Karstadt Kaufhof Gebäude am Alexanderplatz zusammen mit dem MYND Hochhausprojekt von Signa an die Frankfurter Commerzbank-Tochter Commerz Real verkauft. Commerz Real führt die Bauarbeiten am Hochhaus aktuell fort.

Die Zukunft: Ein weiteres Hochhaus in Planung?

Die Bauprojekte am Alexanderplatz sind mit den genannten Türmen möglicherweise noch nicht abgeschlossen. Es gibt bereits Diskussionen über ein viertes Hochhaus, das hinter der Saturn-Filiale entstehen könnte. Für dieses potenzielle Projekt stehen bereits Entwürfe renommierter Architekten zur Diskussion, darunter Frank O. Gehry, Barkow Leibinger und Kleihues + Kleihues. Dies zeigt, dass die Entwicklung und Transformation des Alexanderplatzes auch in den kommenden Jahren weitergehen wird.

Übersicht der Hochhaus-Projekte am Alexanderplatz (Stand März 2025)

ProjektHöhe (ca.)NutzungStatus (März 2025)Geplante Fertigstellung
Covivio Hybrid-Hochhaus130 mBüro, Gewerbe, Wohnen, Kita, DachgartenIm Rohbau2025 (ursprünglich)
Alexander Berlin’s Capital Tower150 mWohnen, Einzelhandel, Spa, Fitness, KinoArbeiten eingestelltUrsprünglich 2023
MYND Hochhaus am Galeria135 mBüro, Gemeinbedarf, Dachterrasse (öffentlich)Bau läuft (verkauft)Ursprünglich 2025

Häufig gestellte Fragen zum Alexanderplatz

Warum verändert sich der Alexanderplatz so stark?

Der Alexanderplatz gilt als Symbol für den ständigen Wandel Berlins. Nach der Wiedervereinigung wurde er als zentraler Verkehrsknotenpunkt und attraktiver innerstädtischer Standort für die Stadtentwicklung identifiziert. Der Städtebauliche Rahmenplan von 1993 legte die Grundlage für die aktuelle Transformation durch den Bau von Hochhäusern mit gemischter Nutzung, um die Stadt zu verdichten.

Was ist der „Städtebauliche Rahmenplan 1993“?

Dieser Plan wurde von Hans Kollhoff und Helga Timmermann entwickelt und dient als Grundlage für die heutigen Bebauungspläne am Alexanderplatz. Er sah ein Ensemble von Hochhäusern in Blockstrukturen vor, mit einem vorgeschriebenen Wohnanteil von 30% bei neuen Projekten. Ziel war die Verdichtung der Stadt an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt.

Wie viele neue Hochhäuser werden am Alexanderplatz gebaut?

Aktuell sind drei große Hochhaus-Projekte in unmittelbarer Nähe zum Platz in unterschiedlichen Bauphasen: das Covivio Hybrid-Hochhaus, der Alexander Berlin’s Capital Tower (dessen Bau ruht) und das MYND Hochhaus am Galeria. Zusätzlich wird über ein viertes Hochhaus hinter der Saturn-Filiale diskutiert.

Warum stehen die Bauarbeiten am Alexander Berlin’s Capital Tower still?

Die Bauarbeiten an diesem Wohnturm, der von einer russischen Investorengruppe realisiert werden sollte, wurden aufgrund der veränderten politischen Lage eingestellt. Die Tiefgeschosse sind fertiggestellt, aber die weitere Ausführung ruht derzeit.

Welche bekannten Gebäude am Alex stehen unter Denkmalschutz?

Gebäude wie das Haus des Berliner Verlages und das Haus des Reisens, die ursprünglich im Rahmen der Nachwende-Planungen für Abriss und Neubau vorgesehen waren, stehen heute als prägende Bauten der DDR-Zeit unter Denkmalschutz.

Gibt es öffentliche Bereiche in den neuen Gebäuden?

Ja, in den geplanten Hochhäusern sind öffentliche oder halböffentliche Bereiche vorgesehen. Das Covivio Hybrid-Hochhaus plant einen öffentlich zugänglichen Dachgarten. Das MYND Hochhaus am Galeria soll ebenfalls eine öffentlich zugängliche Dachterrasse erhalten. In den Sockelgeschossen aller Projekte sind zudem Einzelhandel, Gastronomie oder andere öffentlich zugängliche Nutzungen wie Spas oder Kinos geplant (teilweise bereits vorhanden oder im Bau).

Der Alexanderplatz bleibt somit ein lebendiges Beispiel für die kontinuierliche Entwicklung und Transformation Berlins. Die aktuellen Bauprojekte werden das Gesicht des Platzes in den kommenden Jahren maßgeblich verändern und eine neue Schicht zur vielschichtigen Geschichte dieses zentralen Ortes hinzufügen.

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