Wie viele Einwohner hat Gaildorf?

Die Geschichte der Schenkenstadt Gaildorf

04/03/2018

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Gaildorf, heute bekannt als Schenkenstadt am Fluss Kocher im Nordosten Baden-Württembergs, blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Die Stadt gehört zum Landkreis Schwäbisch Hall und ist dessen drittgrößte Stadt. Ihre Wurzeln reichen weit zurück, und viele historische Spuren sind bis heute sichtbar.

In welchem Jahr wurde Gaildorf gegründet?
Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1404, bauten die Schenken die Stadt aus.
Übersicht

Die Ursprünge und die Schenken von Limpurg

Die frühe Geschichte Gaildorfs ist eng mit dem Adelsgeschlecht der Schenken von Limpurg verbunden. Ihre Geschichte beginnt um das Jahr 1220 mit dem Bau der Limpurg bei Schwäbisch Hall durch Schenk Walter von Schüpf. Zehn Jahre später nannte er sich bereits Walter „von Limpurg“. Die erste urkundliche Verbindung der Schenken zu Gaildorf ist für das Jahr 1260 belegt. In einer Urkunde aus diesem Jahr wird Rabenoldus de Geilendorff, ein Ritter aus dem hiesigen Geschlecht, als Zeuge des Schenken Walter genannt. Dies lässt vermuten, dass die Siedlung Geillendorff, deren Name auf eine frühmittelalterliche Gründung mit Personennamen hindeutet, bereits deutlich älter war als die erste urkundliche Erwähnung der Schenken in Gaildorf selbst, die erst 1374 erfolgte, obwohl sie wohl schon früher die Herrschaft ausübten.

Nachdem die Schenken von Limpurg 1280 eine Niederlage gegen die Haller erlitten hatten, blieben sie dennoch ein wichtiger Holzlieferant für die Salzsiederstadt Hall. Im Jahr 1286 gingen die Besitztümer der Ritter „de Geilendorff“ nach deren Aussterben auf die Schenken von Limpurg über. Dazu gehörte auch die Burg, auf deren Grundmauern das heutige Alte Schloss steht. Die geografische Lage Gaildorfs bot mehrere Vorteile: eine Furt über den Kocher, die Möglichkeit, geflößtes Holz leicht anzuladen, sowie die Kreuzung wichtiger Handelsstraßen (Schwäbisch Gmünd – Hall und die Straße nach Crailsheim/Ellwangen).

Eine herausragende Bedeutung erlangten die Schenken durch die „Goldene Bulle“ Kaiser Karls IV. aus dem Jahr 1356. Ihnen wurde das hohe Hofamt des Erbschenkenamtes zugesichert. Dieses Amt, das insbesondere unter den Staufern hohes Ansehen genoss, machte den Schenken zu einem der engsten Berater des Kaisers, neben Truchsess, Kämmerer und Marschall. Bei feierlichen Reichstagen war es die Aufgabe des Schenken, zu Pferd vor den Kaiser zu treten, ihm einen silbernen Pokal mit Wasser und Wein zu reichen und dafür Pferd und Becher zum Geschenk zu erhalten.

Stadtrechte und Gaildorf als Residenz

Ein entscheidender Moment in der Geschichte Gaildorfs war die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1404 durch König Ruprecht. Dies war eines von mehreren wichtigen Privilegien, die die Schenken in kurzer Zeit erhielten, darunter 1403 die Halsgerichtsbarkeit und 1405 das Recht, die Stadt mit einer Mauer zu umgeben. Nach der Verleihung der Stadtrechte bauten die Schenken die Stadt weiter aus. Von 1482 bis zum Aussterben der beiden Linien der Schenken im Mannesstamm in den Jahren 1690 und 1713 war Gaildorf eine Residenzstadt der Schenken.

Mit dem Aussterben im Mannesstamm erlosch auch die Erbfolge der Schenken. Die letzten erbberechtigten Söhne hinterließen insgesamt zehn Töchter. Dies führte zu einer stetigen Erbteilung der ehemaligen Reichsgrafschaft Limpurg, bei der Grafen und Fürsten aus verschiedenen Richtungen in Gaildorf zusammenkamen, um ihren Anteil am Erbe zu sichern. Besonders der mit der Heirat verbundene Sitz im Reichstag und die damit erlangte relative Macht waren für viele ein wichtiger Grund, nach Gaildorf zu kommen. Nachkommen der Schenken, wie die Familien Pückler, Bentheim, Solms, Waldeck und Bentinck, prägten das Erscheinungsbild der Stadt, auch wenn sie nicht mehr alle im Schloss lebten.

Das Alte Schloss und das Neue Schloss

Das Alte Schloss ist ein zentrales Bauwerk der Stadtgeschichte. Es wurde erstmals 1399 in einem Vertrag zwischen Schenk Friedrich von Limpurg und der Stadt Hall als „Veste“ (Burg) urkundlich erwähnt. Dieser Vertrag regelte die Holzflößerei auf dem Kocher. Das Siegel der Stadt Gaildorf, das 35 Jahre später entstand und noch heute ein Floß zeigt, unterstreicht die damalige Bedeutung der Holzflößerei für Gaildorf.

Das heutige Alte Schloss wurde ab 1482 an der Stelle der früheren Veste errichtet und 1660 in seiner bestehenden Form vollendet. Ein bedeutender Teil des Schlosses ist der Wurmbrandsaal, benannt nach Graf Johann Wilhelm von Wurmbrand, der im Jahr 1700 Juliane Dorothea von Limpurg heiratete. Die eichenhölzerne Renaissancedecke des Saales ist eine bemerkenswerte freitragende Konstruktion unter einer älteren Stuckdecke. Im Wurmbrandsaal fand einst die Hochzeit von Juliane Dorothea statt, die später einen beträchtlichen Teil des Schlosses erbte.

Neben dem Alten Schloss gab es auch das Neue Schloss. Dieses wurde 1778 von den Grafen von Pückler-Limpurg in Gaildorf erbaut. Tragischerweise wurde das Neue Schloss zweimal zerstört: erstmals 1868 beim großen Stadtbrand und endgültig 1945 am Kriegsende durch deutschen Beschuss, zusammen mit der Stadtkirche.

Das Alte Schloss hingegen überstand die Kriegszeit weitgehend unbeschadet und diente in den Nachkriegsjahren als Unterkunft für Flüchtlinge und ausgebombte Familien. Mitte der 1950er Jahre beherbergte der Wurmbrandsaal sogar eine Textilfirma. Seit den 1970er Jahren wird das Alte Schloss schrittweise renoviert und dient heute als Vereinsräume, Ausstellungsräume und Wohnungen. Es ist somit weiterhin ein lebendiger Teil des Stadtlebens.

Hier ein Vergleich der beiden historischen Schlösser:

MerkmalAltes SchlossNeues Schloss
Ersterwähnung/BauVeste 1399, Bau ab 1482, vollendet 1660Erbaut 1778
ErbauerSchenken von LimpurgGrafen von Pückler-Limpurg
BesonderheitWurmbrandsaal mit RenaissancedeckeGalt als stattlich
ZerstörungÜberstand die Kriege1868 (Brand), 1945 (Beschuss)
Heutiger Zustand/NutzungErhalten, renoviert, Vereinsräume, Ausstellungen, WohnungenNicht erhalten

Der berühmte Schenkenbecher

Ein herausragendes Kunstwerk, das eng mit der Geschichte der Schenken von Limpurg und Gaildorf verbunden ist, ist der berühmte Schenkenbecher. Dieser Deckelpokal aus vergoldetem Silber gilt als Meisterwerk der Goldschmiedekunst der deutschen Hochrenaissance und ist einzigartig als erhaltener Pokal, der bei einer Krönungszeremonie verwendet wurde.

Der 58 cm hohe und zwei Kilogramm schwere Becher wurde 1561/62 vom Nürnberger Goldschmied Christoph Ritter gestaltet. Die Cuppa (das Trinkgefäß) in ihrer heutigen Form wurde vermutlich wenig später vom Haller Goldschmied Philipp Bonhöffer gefertigt, wahrscheinlich aufgrund einer Beschädigung. Der vergoldete und emaillierte Deckel stammt wohl aus Augsburg.

In den Besitz der Schenken von Limpurg gelangte das kostbare Objekt 1562 durch Schenk Christof III. Er versah bei der Krönung Maximilians II. in Frankfurt den zeremoniellen Schenkendienst und erhielt den Becher dafür zum Dank. Lange Zeit wurde der Pokal im Neuen Schloss, dem späteren Rathaus, aufbewahrt. Von 1848 bis 1907 war er im gräflichen Sommersitz (Neues Schloss) und wurde später vom Landesmuseum Württemberg als Dauerleihgabe verwahrt. Seit 2014 befindet sich der originale Becher in der Sammlung Würth. Im Stadtmuseum Gaildorf im Alten Schloss ist heute eine überzeugende Nachbildung aus dem Jahr 2000 zu sehen.

Vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert

Neben den Schenken war die Lage Gaildorfs an einer Furt und die Bedeutung der Holzflößerei prägend. Die Siedlung Geillendorff wird, wie erwähnt, erstmals 1255/1260 urkundlich greifbar, wobei eine frühmittelalterliche Gründung anzunehmen ist. Die Verleihung der Stadtrechte 1404 und der Bau des Alten Schlosses ab 1482 markieren wichtige Entwicklungsschritte.

Die Reformation, ausgehend von den angrenzenden evangelischen Territorien (Reichsstadt Hall, Herzogtum Württemberg), erreichte auch Gaildorf. Ab 1540 wurden lutherische Pfarrer eingesetzt, in Eutendorf und Ottendorf etwa 15 Jahre später. Die Reformation prägte die konfessionelle Struktur der Stadt bis weit ins 20. Jahrhundert.

Ein interessantes, wenn auch kurzlebiges Kapitel war das Alaun- und Vitriolbergwerk im heutigen Schlosspark. Es wurde bereits 1763 eröffnet und war eines der ersten in Deutschland. Hier wurden Alaun und Vitriol gefördert und zu Eisenalaun, Eisenvitriol und Eisenrot versotten, Stoffe, die unter anderem zum Färben benötigt wurden. Das Bergwerk, das mit Hochwasserproblemen kämpfte, stellte 1898 aufgrund der Fortschritte in der synthetischen Chemie den Betrieb ein. Eine kleine Siedlung namens Vitriolbergwerk entstand in der Nähe des Stollenlochs, wurde aber nach Ende des Bergbaus aufgegeben.

Gaildorf in der Württembergischen Zeit

Im Zuge der Mediatisierung und Säkularisation wurde das Limpurger Land und damit Gaildorf 1806 dem Königreich Württemberg angegliedert. Gaildorf behielt seine zentralörtliche Funktion und wurde Oberamtsstadt und Sitz des Oberamts Gaildorf.

In dieser Zeit entstanden neue Gebäude, wie das Alte Rathaus von 1812 (bis 1967 genutzt) und das alte Forstamt/Notariat. Das 1778 erbaute Pückler-Schloss (Neues Schloss) war ebenfalls ein bedeutendes herrschaftliches Gebäude dieser Ära, bis zu seiner Zerstörung.

Ein bekannter Gast in Gaildorf war zwischen 1815 und 1819 der Oberamtsarzt Justinus Kerner. In der Gaststätte am Schloss, dem Bräuhaus, verfasste er die heute noch gesungene Württemberger-Hymne „Preisend mit viel schönen Reden“.

Obwohl Gaildorf zu Württemberg gehörte, behielten die Standesherren als Grundbesitzer eine herausgehobene Position. Versuche, die Ablösung von Rechten und Zinsen zu verzögern, führten zwischen 1843 und 1848 zu Unruhen in der Stadtbevölkerung, an denen der Glasfabrikant Gottlieb Rau beteiligt war und die kurzzeitig die Stationierung württembergischen Militärs zur Folge hatten. Die Herrschaft gab schließlich nach und ermäßigte die Abgaben.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Gaildorf als freundliche Stadt beschrieben, mit „nicht zu eng gebauten, meistens größeren und verblendeten Häusern und herrschender Reinlichkeit“. Die Stadt bestand aus einem länglichen Viereck entlang des Kochers mit einer Hauptstraße und vier Gassen. Die massiven Stadtmauern waren größtenteils noch erhalten, die Tore mit Türmen jedoch abgetragen. Es gab einen offenen Marktplatz und einen Platz vor der Kirche. Eine Vorstadt im Süden war fast so groß wie das Städtchen selbst.

Der Stadtbrand von 1868 und seine Folgen

Ein einschneidendes Ereignis war der Stadtbrand 1868. Er brach in der Poststation aus und verbreitete sich durch Funkenflug rasch. Rund ein Viertel der Stadt, 46 Gebäude, fielen den Flammen zum Opfer. Betroffen waren viele Wohnhäuser, aber auch die evangelische Stadtpfarrkirche und das Pücklerschloss an der heutigen Bahnhofstraße. Die Feuerwehren konnten die Ausbreitung nur noch kontrolliert zulassen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft unterstützte den Wiederaufbau.

Der Brand hatte auch städtebauliche Folgen. Die mittelalterliche Bebauung wurde aufgegeben, der Marktplatz und die heutige Bahnhofstraße wurden verbreitert. Die wesentlichen Veränderungen im Stadtgrundriss sind auf dieses Ereignis zurückzuführen.

In welchem Jahr wurde Gaildorf gegründet?
Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1404, bauten die Schenken die Stadt aus.

Ebenfalls 1868 wanderte Hermann Frasch, Sohn des Gaildorfer Bürgermeisters, nach Amerika aus. Er entwickelte chemische Verfahren, darunter die Schwefelverflüssigung, die ihn zum „Schwefelkönig von Louisiana“ machten. Er vergaß seine Heimatstadt nicht und stiftete eine Turn- und Festhalle, die 1945 abbrannte. Sein Mausoleum ist auf dem Stadtfriedhof erhalten, sein Sarkophag ist jedoch leer, da seine sterblichen Überreste 1924 nach Amerika überführt wurden.

Wirtschaftliche Entwicklung und das Krankenhaus

Der wirtschaftliche Aufschwung nach der Reichsgründung 1871 ging weitgehend an Gaildorf vorbei; die Stadt blieb landwirtschaftlich geprägt. Auch die 1879 eröffnete Bahnlinie nach Hessental und Murrhardt, die Gaildorf an das württembergische Eisenbahnnetz anschloss, änderte daran wenig. Eine geplante Verbindung nach Aalen wurde als unrentabel erachtet, lediglich ein Teilabschnitt (Obere Kochertalbahn) wurde 1903 von einer privaten Gesellschaft in Betrieb genommen.

Die zentrale Bedeutung Gaildorfs zeigte sich in der Entwicklung des Krankenhauses. Aus einem Lazarett des Armenhauses wurde 1863 ein Krankenhaus, das in der Folge stark ausgebaut wurde, im Zuge der allgemeinen Entwicklung des Gesundheitswesens im 19. Jahrhundert. Da das alte Gebäude zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr ausreichte, wurde 1907 ein Neubau am Stadtbahnhof eingeweiht. Trotz Renovierungen und Erweiterungen stand das Krankenhaus in den 1990er Jahren im Zentrum von Strukturreformen. Obwohl es 2009 noch eine Außenstelle des Kreiskrankenhauses Schwäbisch Hall war, wurde der Standort 2012 vom Landkreis geschlossen, um andere Kliniken zu stärken. Für die Identität der Stadt war das Krankenhaus jedoch von großer Bedeutung.

Erster Weltkrieg, Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Die Zeit des Ersten Weltkriegs brachte Gaildorf ähnliche Erfahrungen wie andere Orte in Württemberg. Die anfängliche Kriegsbegeisterung wich Ernährungs- und Versorgungskrisen. Die Kriegsniederlage wurde zur Kenntnis genommen. Während der Weimarer Republik wählten die Gaildorfer mehrheitlich liberale Parteien und die SPD.

Gaildorf blieb ländlich geprägt, Land- und Holzwirtschaft waren die wichtigsten Wirtschaftszweige. Um die Landwirtschaft zu verbessern, wurde 1928 der Gaildorfer Pferdemarkt gegründet. Er sollte den Austausch fördern und die Qualität der Pferdezucht erhöhen. Der Pferdemarkt wuchs und wurde in der Zeit des Nationalsozialismus politisiert, unter anderem durch die Beteiligung des SA-Reitersturms und antisemitische Darstellungen im Festzug.

Die Sozialstruktur Gaildorfs trug zum Erfolg des Nationalsozialismus bei. Eine Ortsgruppe wurde bereits Anfang der 1920er Jahre gegründet. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 erzielte die NSDAP in Gaildorf mit über 68 Prozent den zweithöchsten Wert in Württemberg. Dies wird durch die Stadtgesellschaft erklärt: protestantisch, nationalkonservativ, mit überproportional vielen Kleinhändlern und Handwerkern, die unter der Wirtschaftskrise litten und sich von auswärtigen Kaufhäusern und Konsumvereinen bedroht sahen. Der Nationalsozialismus versprach eine Bevorzugung der örtlichen Gewerbetreibenden. Otto Hänle, Kreisleiter und Sohn einer Konditorenfamilie, kannte die Sorgen der Selbstständigen und ging darauf ein. Der Judenhass war zumindest zu Beginn weniger ausgeprägt als anderswo.

Bürgermeister Albert Herrmann, im Amt seit 1929, trat entschieden gegen die nationalsozialistische Weltanschauung auf, trat aber der NSDAP bei, um einen Kandidaten Hänles zu verhindern. Er blieb bis zu seiner Suspendierung durch die Alliierten Bürgermeister und wurde 1948 wiedergewählt, im Amt bis 1966.

Die Forschung zur Zeit des Nationalsozialismus in Gaildorf ist noch nicht abgeschlossen. Es gab Berührungen mit dem Militär (Truppenbesuche), aber wenig ist über Widerständigkeit oder Verbrechen bekannt. Personen wurden ausgegrenzt, angefeindet, aber die Hintergründe sind oft unklar. Der Tod des Malers Ferdinand Konzelmann ist ungeklärt. Eine Abfrage der Yad Vashem Datenbank ergab keine Ergebnisse für Opfer des Nationalsozialismus aus Gaildorf.

Ein Ereignis, das im kollektiven Gedächtnis verankert ist, ist die Kreisreform von 1938. Das 1934 in Kreis Gaildorf umbenannte Oberamt wurde dem Landkreis Backnang zugeordnet und schließlich in den Kreis Schwäbisch Hall eingegliedert. Der Verlust des eigenen Kreissitzes ist bis heute nicht vollständig verarbeitet.

Am Kriegsende kam es zu größeren Zerstörungen in der Stadt, insbesondere durch verzweifelten Beschuss deutscher Truppen angesichts des Vormarsches der Amerikaner. Dabei wurden die Stadtkirche, das Oberrentamt und das Pückler'sche Schloss zerstört. Nach dem Einmarsch nutzten die alliierten Verbände das Neue Schloss als Quartier, dessen Inventar zerstreut wurde. Das Alte Schloss überstand diese Zeit ohne größere Schäden.

Nachkriegszeit und heutige Stadt

Nach 1945 gehörte Gaildorf zur Amerikanischen Besatzungszone und zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden. Mit der Gründung Baden-Württembergs 1952 wurde die Stadt Teil des neuen Bundeslandes.

Im Zuge der Kreisreform von 1973 wurde Gaildorf in den Landkreis Schwäbisch Hall eingegliedert. Die Gebietsreform in den Jahren 1971 bis 1974 führte zur Eingliederung der bis dahin eigenständigen Gemeinden Eutendorf, Unterrot und Ottendorf in die Stadt Gaildorf. Die Stadt gliedert sich heute in die vier Stadtteile Eutendorf, Gaildorf, Ottendorf und Unterrot, die den ehemaligen Gemeinden entsprechen. Eutendorf hat als Ortschaft einen eigenen Ortschaftsrat.

Obwohl Gaildorf seit 1404 Stadt ist, war das Leben lange ländlich geprägt. Die Einwohnerzahl stieg erst im und nach dem Zweiten Weltkrieg stark an. Von 4381 Bewohnern im Jahr 1871 und 4499 im Jahr 1933 wuchs die Bevölkerung bis 1950 auf 7199, bedingt durch Flüchtlinge und die Erweiterung der Industrie, wie die ARWA-Strumpfwerke in Unterrot, die zeitweise bis zu 1600 Arbeiter beschäftigten. 1969 wurde die 10.000-Einwohner-Marke überschritten (10.118). Seitdem wächst die Stadt langsamer, zählt aber heute etwa 12.300 Einwohner. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist stark zurückgegangen, von 190 im Jahr 1979 auf nur noch 83 im Jahr 2003.

Zum 1. Oktober 2022 erhielt Gaildorf den Namenszusatz „Schenkenstadt“, der die historische Bedeutung der Schenken von Limpurg für die Stadtgeschichte hervorhebt.

Häufig gestellte Fragen zur Geschichte Gaildorfs

Hier finden Sie Antworten auf einige häufige Fragen zur Geschichte der Stadt:

Wann wurde Gaildorf gegründet?
Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung Geillendorff wird in einer Kopie aus dem 16. Jahrhundert auf das Jahr 1255 datiert. Eine frühmittelalterliche Gründung wird angenommen. Die erste urkundliche Verbindung der Schenken von Limpurg zu Gaildorf ist für 1260 belegt. Die Stadtrechte wurden Gaildorf im Jahr 1404 verliehen.

Wer waren die Schenken von Limpurg?
Die Schenken von Limpurg waren ein Adelsgeschlecht, das eng mit der Geschichte Gaildorfs verbunden ist. Sie erbauten die Limpurg bei Schwäbisch Hall und erwarben später die Besitztümer der Ritter von Geilendorff, einschließlich der Burg. Durch die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. erhielten sie das Erbschenkenamt, ein hohes Hofamt im Reich. Gaildorf war von 1482 bis zum Aussterben der Linien im Mannesstamm im 17. Jahrhundert eine ihrer Residenzstädte.

Was ist der Schenkenbecher?
Der Schenkenbecher ist ein bedeutender historischer Deckelpokal aus vergoldetem Silber, gefertigt 1561/62. Er ist ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst und einzigartig als erhaltener Pokal, der bei einer Krönungszeremonie (Krönung Maximilians II. 1562) verwendet wurde. Er gelangte als Dank für den zeremoniellen Schenkendienst in den Besitz der Schenken von Limpurg. Heute befindet sich das Original in der Sammlung Würth, eine Nachbildung ist im Stadtmuseum Gaildorf zu sehen.

Warum heißt Gaildorf heute „Schenkenstadt“?
Der Namenszusatz „Schenkenstadt“ wurde Gaildorf am 1. Oktober 2022 verliehen. Er würdigt die jahrhundertelange prägende Rolle des Adelsgeschlechts der Schenken von Limpurg für die Geschichte und Entwicklung der Stadt.

Was geschah beim Stadtbrand 1868?
Beim Stadtbrand am 1. September 1868 wurde etwa ein Viertel der Stadt zerstört, darunter 46 Gebäude. Der Brand brach in der Poststation aus und vernichtete unter anderem die Stadtkirche und das Pückler'sche Schloss. Der Brand führte zu wesentlichen städtebaulichen Veränderungen im Stadtgrundriss, wie der Verbreiterung der heutigen Bahnhofstraße und der Erweiterung des Marktplatzes.

Was ist die Geschichte des Gaildorfer Krankenhauses?
Das Krankenhaus entwickelte sich aus einem Lazarett des Armenhauses (ab 1863 als Krankenhaus bezeichnet). Ein Neubau wurde 1907 am Stadtbahnhof eingeweiht. Obwohl es lange eine wichtige zentrale Einrichtung war, wurde der Standort 2012 vom Landkreis geschlossen.

Die Geschichte Gaildorfs ist reich an Ereignissen und Persönlichkeiten, die die Stadt bis heute prägen. Von den Anfängen als Siedlung unter dem Einfluss der Schenken von Limpurg über die Verleihung der Stadtrechte, den Bau des Alten Schlosses, die Bedeutung des Schenkenbechers, die Zerstörungen durch den Stadtbrand 1868 und am Ende des Zweiten Weltkriegs bis hin zur modernen Schenkenstadt am Kocher – Gaildorf hat eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen.

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