21/06/2019
Bachem ist ein global agierendes Unternehmen mit Schweizer Wurzeln, das sich als führender Spezialist in der Entwicklung und Herstellung von Peptiden und komplexen organischen Molekülen etabliert hat. Mit Hauptsitz in Bubendorf, Schweiz, und weiteren Standorten in Europa und den USA, bietet Bachem ein umfassendes Portfolio an Dienstleistungen und Produkten für die Pharma- und Biotech-Industrie. Das Unternehmen ist bekannt für seine technologiebasierten Lösungen in der Peptidchemie und gilt als zuverlässiger Partner für Kunden weltweit.

Die Kernkompetenz von Bachem liegt in der Synthese und Produktion hochwertiger Peptide. Peptide sind kleine Ketten von Aminosäuren, die eine entscheidende Rolle in vielen biologischen Prozessen spielen. Aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften werden sie zunehmend als aktive pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) in einer Vielzahl von Medikamenten eingesetzt. Bachem deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Forschung über die klinische Entwicklung bis hin zur kommerziellen Produktion.
Was genau produziert Bachem? Ein detaillierter Blick
Bachem bietet ein breites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen an, die sich grob in mehrere Geschäftsbereiche unterteilen lassen:
Forschungschemikalien und kundenspezifische Synthesen
Im Bereich der Forschungschemikalien bietet Bachem eine umfangreiche Palette an Produkten an, die in Forschungslaboren weltweit eingesetzt werden. Dazu gehören Peptid-Bausteine, natürliche und unnatürliche Spezialaminosäuren, Peptidfragmente sowie eine beeindruckende Liste von Neuropeptiden, Peptidinhibitoren, Peptidsubstraten und komplexen organischen Molekülen. Auch Harze und Linker für die Peptidsynthese gehören zum Sortiment. Bachem unterhält einen Katalog mit über 9000 lieferbaren Produkten und bietet zudem kundenspezifische Peptidsynthesen für Forschungszwecke an. Dieser Geschäftsbereich macht etwa 20% des Umsatzes aus.
Kundenspezifische Peptidherstellung (Custom Manufacturing)
Dies ist der bedeutendste Geschäftsbereich von Bachem und trägt rund 50% zum Umsatz bei. Bachem agiert hier als Auftragsfertiger für die Biotech- und Pharmaindustrie. Das Unternehmen verfügt über die notwendigen Kapazitäten und das Know-how, um neue Wirkstoffe (New Chemical Entities, NCEs), die sich in der klinischen Entwicklung befinden oder bereits zugelassen sind, herzustellen. Die Produktion erfolgt nach strengen GMP-Regeln (Good Manufacturing Practice), um höchste Qualität und Reinheit der pharmazeutischen Wirkstoffe zu gewährleisten. Bachem begleitet seine Kunden von der frühen präklinischen Phase an und strebt eine langfristige Partnerschaft bis zur Marktzulassung und darüber hinaus an. Die Herstellung in Reinräumen ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der Produktion, insbesondere am Hauptsitz in Bubendorf.
Generische Wirkstoffe (Generic APIs)
Bachem liefert auch Peptide und organische Wirkstoffe, deren Patentschutz abgelaufen ist. Dieser Bereich macht etwa 30% des Umsatzes aus. Zu den generischen Peptiden, die Bachem anbietet, gehören bekannte Namen wie Leuprolid, Goserelin, Calcitonin, Glucagon, GLP-1, Somatostatin, Octreotid, Desmopressin und viele mehr. Darüber hinaus werden auch generische organische Wirkstoffe wie Carbidopa, Etomidat oder Propofol hergestellt. Bachem sieht hier weitere Wachstumschancen, insbesondere in Verbindung mit innovativen Darreichungsformen wie Depotformulierungen, für die Kunden wiederum Patentschutz beantragen können.
Fertige Darreichungsformen (Finished Dosage Form, FDF)
Über seine deutsche Tochtergesellschaft Clinalfa® bietet Bachem nicht nur den reinen Wirkstoff (API) an, sondern auch fertige Darreichungsformen. Dies umfasst klinisches Studienmaterial in Vials, Ampullen und vorgefüllten Spritzen, das von einer qualifizierten Person (QP) freigegeben wird. Dieser Service unterstützt Kunden dabei, die Markteinführungszeit zu verkürzen, indem ein integrierter Service von der Forschung bis zum fertigen Produkt bereitgestellt wird.
Herstellung zytostatischer und zytotoxischer Verbindungen
Bachem hat sein Angebot um die kundenspezifische Herstellung zytostatischer und zytotoxischer Peptide und komplexer organischer Moleküle erweitert. Diese Substanzen werden als Wirkstoffe in der Krebstherapie eingesetzt und erfordern aufgrund ihrer Toxizität höchste Sicherheitsstandards für Mitarbeiter und Umwelt während der Herstellung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bachem ein vielseitiger Anbieter in der Peptidchemie ist, der Produkte und Dienstleistungen für unterschiedliche Stadien der Arzneimittelentwicklung und -produktion anbietet, von der Grundlagenforschung bis zum fertigen Medikamentenmaterial für klinische Studien. Die Spezialisierung auf Peptide ist dabei das zentrale Element.
Enormes Wachstum durch Peptid-Nachfrage
Das Unternehmen verzeichnet derzeit ein enormes Wachstum, das massgeblich von der stark steigenden Nachfrage nach Medikamenten gegen Fettleibigkeit angetrieben wird. Peptide wie GLP-1-Analoga sind entscheidende Bestandteile dieser neuen Generation von hochwirksamen Adipositas-Medikamenten. Die Pharmaindustrie erlebt bei Peptiden eine nie dagewesene Hochphase, und Bachem profitiert als führender Auftragsfertiger direkt von diesem Trend.
Die finanziellen Kennzahlen unterstreichen dieses Wachstum. Der Umsatz von Bachem hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt und wird voraussichtlich weiter stark steigen. Analysten prognostizieren eine weitere Verdoppelung des Umsatzes in den kommenden Jahren, basierend auf neu abgeschlossenen strategischen Verträgen mit grossen Pharmakonzernen, darunter auch eine Zusammenarbeit mit Eli Lilly. Diese Verträge sichern dem Unternehmen nach eigenen Angaben das Geschäft für die nächsten zehn Jahre.
Investitionen in die Zukunft und Kapazitätserweiterung
Um die riesigen Mengen, die im Rahmen dieser Verträge zugesichert wurden, überhaupt produzieren zu können, muss Bachem seine Produktionskapazitäten massiv ausbauen. Am Hauptsitz in Bubendorf entsteht bereits ein weiteres Produktionsgebäude, das die Kapazitäten dort verdoppeln wird. Die Inbetriebnahme ist für 2024 geplant, mit einer Erweiterung bis 2026. Die Investitionskosten für dieses Projekt belaufen sich auf 360 Millionen Franken.
Darüber hinaus plant Bachem den Bau eines komplett neuen Werks im aargauischen Fricktal (Sisslerfeld). Für diesen Zweck wurde bereits ein grosses Grundstück erworben. Der erste Teil dieser neuen Fabrik wird voraussichtlich nicht vor 2030 in Betrieb gehen. Diese langfristigen Investitionen zeigen das Vertrauen des Unternehmens in das anhaltende Wachstum der Peptid-Nachfrage.
Die Finanzierung dieser ehrgeizigen Expansionspläne erfolgte unter anderem durch Kapitalerhöhungen, die Bachem in den letzten Jahren fast 700 Millionen Franken eingebracht haben. Ein Teil der Mittel wird auch für den Ausbau bestehender ausländischer Standorte verwendet.

Herausforderungen beim Personal
Das schnelle Wachstum bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich, insbesondere bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal. Die Life-Sciences-Branche, zu der Bachem als Zulieferer gehört, verzeichnet weltweit eine hohe Nachfrage nach Fachkräften. Bachem plant, allein am Hauptsitz in Bubendorf 700 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, und am neuen Standort im Fricktal könnten mittel- bis längerfristig sogar bis zu 3000 weitere hinzukommen.
Die Suche nach diesen Mitarbeitern wird durch mehrere Faktoren erschwert. Erstens herrscht ein allgemeiner Mangel an Fachkräften in der Branche. Zweitens erfordert die Produktion oft Schichtarbeit, einschliesslich Nacht- und Wochenendschichten, die bei Arbeitnehmern in der Schweiz zunehmend unbeliebter werden. Drittens fehlt es Bachem, verglichen mit den grossen Pharmakonzernen wie Novartis und Roche oder auch Lonza, an Bekanntheit in der Region Basel, obwohl das Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Viertens wird in der Branche gemunkelt, dass die Gehälter bei Bachem tendenziell unter denen vergleichbarer Positionen bei den grossen Pharmamultis liegen, was die Rekrutierung zusätzlich erschweren kann.
Trotz dieser Herausforderungen profitiert Bachem von einer als familiär beschriebenen Unternehmenskultur und einer spürbaren Aufbruchstimmung, die auf das starke Wachstum zurückzuführen ist. Zudem kann das Unternehmen von Restrukturierungen bei grösseren Konzernen profitieren, bei denen Fachkräfte freigesetzt werden.
Geschäftssegmente und Umsatzanteile
Um die Struktur von Bachem besser zu verstehen, kann man die Geschäftsbereiche und ihre ungefähren Umsatzanteile betrachten:
| Geschäftssegment | Beschreibung | Geschätzter Umsatzanteil |
|---|---|---|
| Forschungschemikalien | Peptide, Aminosäuren, Reagenzien für die Forschung; kundenspezifische Synthesen | ~20% |
| Kundenspezifische Peptidherstellung (Custom Manufacturing) | GMP-Herstellung von neuen Wirkstoffen (NCEs) für klinische und kommerzielle Zwecke | ~50% |
| Generische Wirkstoffe (Generic APIs) | Herstellung von Peptiden und organischen Wirkstoffen nach Patentablauf | ~30% |
| Fertige Darreichungsformen (FDF) | Bereitstellung von Material für klinische Studien in fertigen Formen (z.B. Vials) | Teil des Angebots, genauer Anteil nicht spezifiziert |
| Zytostatika/Zytotoxika | Kundenspezifische Herstellung von Wirkstoffen für die Krebstherapie | Neueres Segment, Anteil nicht spezifiziert |
Dieses Portfolio ermöglicht es Bachem, Kunden in verschiedenen Phasen ihrer Arzneimittelentwicklung und -produktion zu bedienen und sich flexibel an die Bedürfnisse des Marktes anzupassen.
Häufig gestellte Fragen zu Bachem
Was ist Bachem?
Bachem ist ein Schweizer Unternehmen, das auf die Entwicklung und Herstellung von Peptiden und komplexen organischen Molekülen spezialisiert ist. Es agiert als Auftragsfertiger und Anbieter von Chemikalien für die globale Pharma- und Biotech-Industrie.
Welche Produkte stellt Bachem her?
Bachem produziert eine breite Palette von Peptiden, Peptid-Bausteinen, speziellen Aminosäuren und komplexen organischen Molekülen. Dazu gehören Wirkstoffe für Medikamente (neue und generische APIs), Chemikalien für die Forschung, Material für klinische Studien in fertigen Darreichungsformen sowie zytostatische/zytotoxische Verbindungen.

Warum wächst Bachem so stark?
Das Wachstum von Bachem wird hauptsächlich durch die hohe Nachfrage nach Peptiden als Wirkstoffe in neuen, sehr erfolgreichen Medikamenten getrieben, insbesondere im Bereich der Adipositastherapie. Strategische Langzeitverträge mit grossen Pharmakonzernen sichern und beschleunigen dieses Wachstum.
Wo produziert Bachem?
Bachems Hauptproduktionsstandort ist Bubendorf in der Schweiz. Das Unternehmen baut zudem ein grosses neues Werk im Sisslerfeld (Fricktal, Schweiz) und verfügt über weitere Produktions- und Vertriebsstandorte in Europa und den USA.
Wie viele Mitarbeiter hat Bachem?
Weltweit beschäftigt Bachem rund 1800 Mitarbeiter (Stand des Textes). Allein am Hauptsitz in Bubendorf sind es etwa 1300, und es sind umfangreiche Neueinstellungen geplant, sowohl in Bubendorf als auch am zukünftigen Standort im Fricktal.
Für welche Art von Medikamenten werden Bachem-Produkte verwendet?
Peptide von Bachem finden breite Anwendung in Medikamenten gegen Krebs, Diabetes und Fettleibigkeit. Sie werden aber auch in vielen anderen Therapiebereichen eingesetzt.
Zusammenfassung und Ausblick
Bachem hat sich als unverzichtbarer Partner in der Peptidchemie positioniert. Das Unternehmen profitiert massiv vom aktuellen Boom bei Peptid-basierten Medikamenten und investiert stark in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Obwohl die Rekrutierung von qualifiziertem Personal eine Herausforderung darstellt, scheint Bachem gut aufgestellt zu sein, um von der weiterhin steigenden Nachfrage in der Life-Sciences-Branche zu profitieren. Die strategischen Investitionen und die gesicherten Aufträge legen den Grundstein für weiteres signifikantes Wachstum in den kommenden Jahren. Bachem ist mehr als nur ein Chemieunternehmen; es ist ein Schlüsselakteur bei der Entwicklung und Herstellung lebensverändernder Medikamente.
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