Was kann man am Südkreuz machen?

Bahnhof Berlin Südkreuz: Turmbahnhof erklärt

03/06/2016

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Der Bahnhof Berlin Südkreuz ist weit mehr als nur ein weiterer Halt im Berliner Schienennetz. Oft stellt sich die Frage, ob es sich bei Südkreuz um einen Kopfbahnhof handelt. Die klare Antwort lautet: Nein, Berlin Südkreuz ist von jeher ein klassischer Turmbahnhof. Diese Bauform ist architektonisch faszinierend und für die Funktionsweise des Bahnhofs entscheidend.

Ist Berlin Südkreuz ein Kopfbahnhof?
Der Bahnhof Berlin Südkreuz ist ein Turmbahnhof der Deutschen Bahn am Kreuzungspunkt von Berliner Ringbahn und Anhalter Bahn bzw. Anhalter Vorortbahn sowie Dresdener Bahn.

Ein Turmbahnhof zeichnet sich dadurch aus, dass sich Bahnlinien auf verschiedenen Ebenen kreuzen. Im Gegensatz dazu enden bei einem Kopfbahnhof alle Gleise an einem Ende, wie beispielsweise am Berliner Hauptbahnhof (teilweise) oder am Frankfurter Hauptbahnhof. Die Struktur des Südkreuz ermöglicht es Zügen aus verschiedenen Richtungen und auf unterschiedlichen Ebenen, sich zu begegnen oder zu kreuzen, ohne den Betrieb der jeweils anderen Ebene wesentlich zu beeinträchtigen. Dies macht ihn zu einem leistungsfähigen Knotenpunkt im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr.

Übersicht

Die einzigartige Struktur eines Turmbahnhofs

Die Bauweise des Bahnhofs Südkreuz ist vertikal gegliedert, was typisch für einen Turmbahnhof ist. Er besteht aus zwei Hauptebenen, die jeweils unterschiedlichen Verkehrsarten dienen und in unterschiedliche Himmelsrichtungen ausgerichtet sind:

  • Obere Ebene: Auf dieser Ebene verläuft die Ringbahn in Südost-Nordwest-Richtung. Die S-Bahn-Linien der Ringbahn halten hier an einem Mittelbahnsteig. Dieser Bereich wird von der beeindruckenden Ringbahnhalle überdacht.
  • Untere Ebene: Hier verläuft die Nord-Süd-Fernbahn. Diese Strecke führt als Anhalter Bahn in Richtung Halle (Saale) und Leipzig sowie als Dresdener Bahn in Richtung Dresden weiter. Für den Fern- und Regionalverkehr stehen auf dieser Ebene drei Mittelbahnsteige zur Verfügung. Zusätzlich gibt es hier einen weiteren Bahnsteig speziell für den S-Bahn-Verkehr (die sogenannte Vorortbahn).

Alle Bahnsteige am Bahnhof Südkreuz sind über Aufzüge barrierefrei erreichbar, was einen wichtigen Aspekt der modernen Infrastruktur darstellt. Südlich der Ringbahnhalle führen zwei Gütergleise der Ringbahn ohne Bahnsteig vorbei, was die Komplexität der Gleisanlagen unterstreicht.

Die Dimensionen der Bahnsteige sind beachtlich. Die drei Fernbahnsteige auf der unteren Ebene weisen eine Länge von jeweils 405 Metern auf, was für die Abfertigung auch sehr langer Fernzüge ausreichend ist. Der parallel dazu liegende S-Bahn-Bahnsteig auf der unteren Ebene ist 152 Meter lang. Die S-Bahnsteige, sowohl auf der oberen als auch der unteren Ebene, sind als sogenannte Stammbahnhöfe der Berliner S-Bahn mit örtlicher Aufsicht besetzt, was zur Sicherheit und zum Service für die Fahrgäste beiträgt.

Bau und Entwicklung des Bahnhofs

Die Entwicklung des Bahnhofs Südkreuz ist eine Geschichte der Anpassung und Modernisierung. Ein dritter Fernbahnsteig wurde zunächst nur im Rohbau fertiggestellt. Ursprünglich war geplant, ihn erst nach 2010 mit der Wiederinbetriebnahme der Fernbahngleise der Dresdener Bahn in Betrieb zu nehmen. Ereignisse wie der Orkan Kyrill Anfang 2007, der zu Betriebsstörungen führte, beschleunigten jedoch die Entscheidung. Um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, wurde der Bahnsteig bis Ende 2007 ausgebaut und in Betrieb genommen.

Hat Südkreuz Schließfächer?
Am Bahnhof Südkreuz gibt es an zwei Stellen Schließfächer. Sie befinden sich jeweils in der Nähe der Rolltreppen in der Ost- und Westhalle.

Die Ringbahnhalle selbst ist ein beeindruckendes Bauwerk. Sie ist 183 Meter lang und 47 Meter breit. Für ihren Bau wurden 24.900 Kubikmeter Beton, 2400 Tonnen Stahl und 3700 Quadratmeter Glasfläche verwendet. Östlich und westlich der Halle schließen sich jeweils 2000 Quadratmeter große Eingangshallen an, die Platz für verschiedene Geschäfte bieten und den Bahnhof zu einem lebendigen Ort machen.

Die Gesamtkosten für die Errichtung des Bahnhofs beliefen sich auf 115 Millionen Euro. Angesichts seiner verkehrsgünstigen Lage, insbesondere der Nähe zum Autobahnkreuz Schöneberg, wurden auch Parkmöglichkeiten geschaffen. Ein Parkhaus bietet 202 Parkplätze auf einem Parkdeck mit Zufahrt von der Südseite. Nördlich der Ringbahnhalle entstand ein weiteres Parkdeck, das jedoch noch auf die Zufahrten wartet. Langfristig sind Parkhäuser mit einer Kapazität von rund 2500 Stellplätzen vorgesehen, um dem hohen Verkehrsaufkommen gerecht zu werden.

Von Papestraße zu Südkreuz: Die Namensgeschichte

Die Geschichte des Bahnhofs spiegelt sich auch in seinen Namen wider. Ursprünglich wurde Berlin Südkreuz im Betriebsstellenverzeichnis als „Berlin Papestraße“ geführt. Die Abkürzung dafür war BPAP, mit Varianten wie BPAPR für die Ringbahn und BPAPV für die Vorortbahn. Diese Bezeichnungen zeugen von der früheren Identität des Standorts, benannt nach der nahegelegenen General-Pape-Straße.

Heute finden sich offizielle Bezeichnungen wie BPAF (Berlin Papestraße Fernbahnhof), BSKR (Berlin Südkreuz Ringbahn) und BSKV (Berlin Südkreuz Vorortbahn für den unteren S-Bahnsteig). Der Name „Südkreuz“ etablierte sich im Zuge der umfassenden Umbaumaßnahmen und der Neuausrichtung des Bahnhofs als zentraler Knotenpunkt im Süden Berlins.

Ein weiterer Bahnhof in der Nähe, der ebenfalls eine interessante Namensgeschichte hat, ist der heutige S-Bahnhof Bundesplatz. Ursprünglich 1892 nahe dem bestehenden Bahnhof „Wilmersdorf-Friedenau“ von 1877 erbaut, trug er zunächst denselben Namen. 1938 wurde er in „Wilmersdorf“ umbenannt. Nach einer teilungsbedingten Stilllegung des Personenverkehrs ging der S-Bahnhof 1993 wieder in Betrieb. Zuvor wurde der Bahnsteig verlegt, um eine direkte Umsteigemöglichkeit zum 1971 eröffneten U-Bahnhof Bundesplatz (U9) zu schaffen, der dem Bahnhof schließlich seinen heutigen Namen gab. Der Zugang am Varziner Platz blieb dabei erhalten.

Ist Berlin Südkreuz ein Kopfbahnhof?
Der Bahnhof Berlin Südkreuz ist ein Turmbahnhof der Deutschen Bahn am Kreuzungspunkt von Berliner Ringbahn und Anhalter Bahn bzw. Anhalter Vorortbahn sowie Dresdener Bahn.

Südkreuz als „Zukunftsbahnhof“

Der Bahnhof Südkreuz ist einer von 16 sogenannten „Zukunftsbahnhöfen“ der Deutschen Bahn. An diesen Standorten werden Neuerungen und innovative Konzepte erprobt, um die Bahnhöfe für die Zukunft zu rüsten. Im Mittelpunkt stehen dabei neue Mobilitäts-, Informations- und Energiekonzepte. Der Bahnhof Südkreuz wird hier als Drehscheibe für nachhaltige Mobilität, als intelligenter Wegweiser und als grünes Energiezentrum in der Stadt von morgen verstanden.

Diese Rolle als Innovationsstandort wird durch verschiedene Projekte unterstrichen:

  • Erneuerbare Energien: Anfang Mai 2014 wurde auf dem Dach des Bahnhofs eine Windkraftanlage montiert. Diese Anlage ist die erste ihrer Art auf einem Bahnhofsdach in Deutschland und dient dazu, Strom für die Aufladung von Elektroautos und Elektrofahrrädern zu erzeugen. Im Sommer desselben Jahres folgte eine dem Sonnenlauf nachgeführte Photovoltaikanlage mit 53 m² Modulfläche, die einen Jahresertrag von 8000 kWh liefert. Ein Micro Smart Grid übernimmt die Zwischenspeicherung der erzeugten Energie und deren Verteilung an Ladepunkte sowie an ein induktives Ladesystem für einen Elektrobus der BVG.
  • Fahrgastinformation: Ende Oktober 2014 wurden auf den Bahnsteigen 3/4 elektronische Wagenstandanzeiger installiert, die die Wagenreihung und ergänzende Informationen in Echtzeit anzeigen – nicht nur für Fernzüge, sondern auch für Regionalzüge. Zudem weisen sogenannte „Mobilitäts-Monitore“ an den Bahnsteigzugängen auf weitere Angebote am Bahnhof hin, wie Fern- und Stadtbusse (inklusive Ist-Abfahrtszeiten) sowie Lage und Verfügbarkeit von Carsharing-Plätzen und Miet-Fahrrädern.
  • Orientierung und Sicherheit: Im Frühjahr 2020 wurde ein Farbkonzept umgesetzt, um die Orientierung der Fahrgäste zu erleichtern. Die vier unten liegenden Bahnsteige erhielten jeweils eine Kennfarbe (gelb, grün, rosa, orange in Pastelltönen), die sich an Wänden, Aufzügen und Säulen sowie in der Ringbahnhalle wiederfindet. Piktogramme ergänzen das Konzept. Ab Frühjahr 2022 war der Test einer dynamischen Leuchtanzeige aus speziellen Betonbodenplatten auf Gleis 1 geplant, die Informationen zur Zugbelegung anzeigen sollte. Dieser Test musste jedoch im Juni 2023 aufgrund von Sicherheitsbedenken des Eisenbahn-Bundesamtes eingestellt werden.

Diese Initiativen zeigen, wie der Bahnhof Südkreuz als Testfeld für Technologien dient, die das Reiseerlebnis verbessern und den Bahnhof zu einem nachhaltigeren und intelligenteren Verkehrsknotenpunkt machen sollen.

Das Umfeld des Bahnhofs

Auch das Umfeld des Bahnhofs Südkreuz hat sich entwickelt. Südlich des Bahnhofs befindet sich das Schöneberger Südgelände, das heute den Naturpark Südgelände beherbergt. Dieser Park entstand auf den ehemaligen Gleisanlagen des Rangierbahnhofs Berlin-Tempelhof und bietet eine einzigartige Mischung aus Natur und Industriebrachen-Charme.

Die Vorplätze des Bahnhofs wurden ebenfalls neugestaltet und erhielten bedeutende Namen. Am 17. Dezember 2007 wurde der westliche Bahnhofsvorplatz nach der in Schöneberg aufgewachsenen Schauspielerin und Chansonsängerin Hildegard Knef benannt. Der östliche Vorplatz wurde bis Ende April 2011 im Stil des westlichen Platzes ausgebaut, wofür die General-Pape-Straße verlegt werden musste. Dieser Platz wurde am 25. Mai 2011 nach der Widerstandskämpferin Erika von Brockdorff benannt.

Wie hieß Berlin Südkreuz früher?
Der Bahnhof „Papestraße“ wurde zum „Südkreuz“, der Bahnhof „Gesundbrunnen“ als Nordkreuz neu erbaut und der alte Bahnhof „Ostkreuz“ vom so genannten Rostkreuz zu einem modernen Knotenpunkt.

Verkehrsanbindung

Als wichtiger Knotenpunkt bietet der Bahnhof Südkreuz vielfältige Anschlussmöglichkeiten. Neben dem Fern- und Regionalverkehr sowie der Ringbahn ist er auch durch die S-Bahn-Linie S45 angebunden. Diese Linie fährt im 20-Minuten-Takt direkt vom Bahnhof Südkreuz zu den BER-Bahnhöfen Terminal 1/2 und Terminal 5. Die Fahrzeit beträgt etwa 30 Minuten, was den Bahnhof zu einem wichtigen Zubringer für den Flughafen macht.

Häufig gestellte Fragen

Wie hieß Berlin Südkreuz früher?

Der Bahnhof Berlin Südkreuz hieß früher „Berlin Papestraße“. Diese Bezeichnung wurde im Zuge der umfassenden Umbaumaßnahmen und der Neuausrichtung des Bahnhofs geändert.

Wie komme ich mit der S-Bahn von Südkreuz zum BER?

Sie können die S-Bahn-Linie S45 nutzen, die im 20-Minuten-Takt direkt vom Bahnhof Südkreuz zu den BER-Bahnhöfen Terminal 1/2 und Terminal 5 fährt. Die Fahrzeit beträgt etwa 30 Minuten.

Fazit

Berlin Südkreuz ist kein Kopfbahnhof, sondern ein herausragendes Beispiel für einen modernen Turmbahnhof. Seine Struktur auf zwei Ebenen ermöglicht die effiziente Verknüpfung verschiedener Bahnlinien. Als „Zukunftsbahnhof“ ist er zudem ein Testfeld für innovative Technologien in den Bereichen Energie, Information und Orientierung. Seine Geschichte von Papestraße bis Südkreuz und die Integration in sein städtisches Umfeld, inklusive des Naturparks Südgelände, machen ihn zu einem faszinierenden und zentralen Punkt im Berliner Verkehrsnetz.

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