17/04/2016
Die Beschaffung ist ein zentraler und oft unterschätzter Bereich innerhalb eines Unternehmens. Sie umfasst weit mehr als nur das simple Kaufen von Waren oder Dienstleistungen. Im Kern geht es bei der Beschaffung darum, sicherzustellen, dass ein Unternehmen die benötigten Ressourcen zur richtigen Zeit, in der richtigen Menge, Qualität und zum besten Preis erhält. Dies kann von Rohmaterialien über Softwarelizenzen bis hin zu Büromaterialien wie Papier, Toner oder Stiften reichen. Eine effektive Beschaffung ist entscheidend für die operative Effizienz, die Kostenkontrolle und letztlich den Unternehmenserfolg.

Der Beschaffungsprozess ist ein komplexer Kreislauf, der sich ständig wiederholt. Während die genauen Abläufe von Unternehmen zu Unternehmen variieren können, gibt es doch eine Reihe von universellen Schritten, die den sogenannten Beschaffungslebenszyklus bilden. Das Verständnis und die Optimierung dieser Schritte sind der Schlüssel zu einer leistungsstarken Beschaffungsfunktion.
- Der 12-Schritte-Beschaffungsprozess
- 1. Bedarf ermitteln
- 2. Lieferanten finden
- 3. Bestellanforderung einreichen
- 4. Lieferanten evaluieren und auswählen
- 5. Preis und Bedingungen aushandeln
- 6. Bestellung anlegen
- 7. Waren annehmen und Qualität prüfen
- 8. Rechnung bearbeiten und Zahlungsbedingungen erfüllen
- 9. Gute Beziehungen zu Lieferanten aufbauen und pflegen
- 10. Verträge verwalten
- 11. Risiken verwalten
- 12. Überprüfen und analysieren
- Der Beschaffungslebenszyklus in der Praxis
- Herausforderungen und Lösungsansätze
- Vergleich: Manuelle vs. Automatisierte Beschaffung
- Häufig gestellte Fragen zur Beschaffung
- Fazit
Der 12-Schritte-Beschaffungsprozess
Der Beschaffungslebenszyklus wird oft in zwölf wesentliche Schritte unterteilt. Diese Schritte sind miteinander verbunden und bilden einen fortlaufenden Prozess, der strategische Planung, operative Ausführung und kontinuierliche Analyse erfordert.
1. Bedarf ermitteln
Jeder Beschaffungsprozess beginnt mit der genauen Identifizierung dessen, was benötigt wird. Dies kann durch Engpässe, neue Projekte oder einfach durch den regelmäßigen Verbrauch von Ressourcen ausgelöst werden. In dieser Phase geht es darum, Art, Menge und Spezifikationen der benötigten Güter oder Dienstleistungen präzise festzulegen. Für Büromaterial bedeutet dies beispielsweise, zu erkennen, dass die Bestände an Kopierpapier zur Neige gehen oder neue ergonomische Stühle für einen wachsenden Teams benötigt werden. Absatzplanung und Prognosen spielen hier eine wichtige Rolle, um zukünftigen Bedarf vorauszusehen.
2. Lieferanten finden
Nachdem der Bedarf klar ist, beginnt die Suche nach potenziellen Lieferanten. Dieser Schritt beinhaltet das Recherchieren, Identifizieren und Bewerten von Anbietern, die den spezifischen Anforderungen entsprechen könnten. Es ist ratsam, nicht nur einen, sondern mehrere potenzielle Lieferanten in Betracht zu ziehen. Der Aufbau eines Pools alternativer Lieferanten ist ein wichtiger Aspekt des Risikomanagements. Sollte ein Stammlieferant Lieferprobleme haben oder ausfallen, stehen sofort Alternativen zur Verfügung, was die Geschäftskontinuität sichert. Für den Einkauf von Toner oder Tintenpatronen bedeutet dies, sowohl Originalhersteller als auch kompatible Anbieter zu prüfen.
3. Bestellanforderung einreichen
Sobald der Bedarf ermittelt und potenzielle Lieferanten im Blick sind, wird eine interne Bestellanforderung (oft als Purchase Requisition oder PR bezeichnet) erstellt. Dieses Dokument enthält detaillierte Informationen über die benötigten Artikel, die gewünschte Menge, den geschätzten Preis und den Zeitrahmen. Die Bestellanforderung wird zur internen Prüfung und Genehmigung durch die zuständigen Abteilungen (z. B. Budgetverantwortliche) eingereicht. Erst nach der Genehmigung kann der eigentliche Einkaufsprozess fortgesetzt werden.
4. Lieferanten evaluieren und auswählen
Dies ist ein kritischer Schritt, insbesondere bei größeren oder strategisch wichtigen Beschaffungen. Hier werden die identifizierten potenziellen Lieferanten eingehend bewertet. Die Bewertung erfolgt nicht nur anhand des Preises, sondern auch Kriterien wie Qualität, Lieferzuverlässigkeit, Reputation, Geschwindigkeit, Service und Nachhaltigkeit fließen ein. Unternehmen nutzen verschiedene Methoden zur Lieferantenauswahl, von einfachen informellen Anfragen (z. B. „Drei Angebote einholen“) bis hin zu formellen Ausschreibungsverfahren wie Angebotsanfragen (Request for Quotation, RFQ), Ausschreibungen (Request for Proposal, RFP) oder sogar E-Auktionen. Die Auswahl des richtigen Lieferanten legt den Grundstein für eine erfolgreiche Beschaffung.
5. Preis und Bedingungen aushandeln
Nachdem ein oder mehrere bevorzugte Lieferanten identifiziert wurden, beginnt die Verhandlungsphase. Das Beschaffungsteam verhandelt diefinalen Konditionen. Dazu gehören nicht nur der Stückpreis, sondern auch die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership), Lieferzeitpläne, Zahlungsbedingungen (z. B. Zahlungsziele, Skonti), Garantiebedingungen, Servicelevel Agreements (SLAs) und andere relevante Vertragspunkte. Geschickte Verhandlungen können signifikante Kosteneinsparungen erzielen und die Leistung des Lieferanten optimieren.
6. Bestellung anlegen
Sobald die Verhandlungen abgeschlossen und die Bedingungen vereinbart sind, wird eine formelle Bestellung (oft als Purchase Order oder PO bezeichnet) erstellt und an den ausgewählten Lieferanten gesendet. Die Bestellung ist ein rechtsverbindliches Dokument, das die genauen Artikel, Mengen, vereinbarten Preise, Lieferadressen und -termine sowie die Zahlungsbedingungen klar auflistet. Sie dient als offizielle Bestätigung der Kaufabsicht und bildet die Grundlage für die spätere Rechnungsstellung und Warenannahme. Der Kauf von Bolzen oder Schreibblöcken folgt diesem standardisierten Prozess.
7. Waren annehmen und Qualität prüfen
Nachdem der Lieferant die bestellte Ware versendet hat, erfolgt im Unternehmen die Warenannahme. Dieser Schritt ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Lieferung mit der Bestellung übereinstimmt. Es wird geprüft, ob die richtigen Artikel in der richtigen Menge geliefert wurden. Gleichzeitig erfolgt eine Qualitätsprüfung. Die Ware wird auf Beschädigungen, Mängel oder Abweichungen von den vereinbarten Spezifikationen untersucht. Bei Büromaterial wie Aktenordnern oder Druckertinte muss sichergestellt sein, dass die Produkte unbeschädigt sind und korrekt funktionieren.
8. Rechnung bearbeiten und Zahlungsbedingungen erfüllen
Wenn die gelieferte Ware die Mengen- und Qualitätsprüfung bestanden hat, wird die Rechnung des Lieferanten zur Bearbeitung an die Kreditorenbuchhaltung weitergeleitet. Die Rechnung wird mit der ursprünglichen Bestellung und dem Lieferschein abgeglichen (Dreifachabgleich), um sicherzustellen, dass nur für korrekt gelieferte und akzeptierte Ware bezahlt wird. Die Zahlung wird gemäß den vereinbarten Zahlungsbedingungen veranlasst. Die Nutzung von Skonti für frühzeitige Zahlungen kann in dieser Phase zusätzliche Einsparungen ermöglichen.
9. Gute Beziehungen zu Lieferanten aufbauen und pflegen
Über den einzelnen Transaktionsprozess hinaus ist der Aufbau und die Pflege starker, positiver Beziehungen zu strategisch wichtigen Lieferanten von großer Bedeutung. Eine gute Lieferantenbeziehung kann zu verbesserten Konditionen, Rabatten, bevorzugtem Service, schnellerer Problemlösung und erhöhter Zuverlässigkeit führen. Sie fördert auch die Zusammenarbeit bei Innovationen oder der Lösung von Lieferkettenproblemen. Langfristige Partnerschaften basieren auf Vertrauen und gegenseitigem Nutzen.
10. Verträge verwalten
Bei vielen Beschaffungsprozessen, insbesondere bei wiederkehrenden Bedarfen oder größeren Anschaffungen, werden formelle Verträge mit Lieferanten geschlossen. Die Vertragsverwaltung (Contract Management) umfasst die Überwachung der Einhaltung dieser Verträge, die Verfolgung von Laufzeiten und die Neuverhandlung von Bedingungen bei Bedarf. Ein effektives Vertragsmanagement stellt sicher, dass die vereinbarten Einsparungen und Leistungen tatsächlich realisiert werden und hilft, rechtliche Risiken zu minimieren.
11. Risiken verwalten
Das Risikomanagement ist eine Querschnittsaufgabe, die den gesamten Beschaffungsprozess durchzieht, aber als eigener Schritt hervorgehoben wird, um seine Bedeutung zu unterstreichen. Es geht darum, potenzielle Risiken in der Lieferkette zu identifizieren, zu bewerten und Maßnahmen zu ihrer Minderung zu entwickeln. Zu diesen Risiken gehören Lieferengpässe, Preisschwankungen, Qualitätsmängel, Insolvenz von Lieferanten, politische Instabilität in Produktionsregionen oder Nichteinhaltung von Vorschriften (Compliance). Die proaktive Identifizierung und Bewältigung von Risiken ist essenziell für die Stabilität und Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens.
12. Überprüfen und analysieren
Der letzte Schritt, der gleichzeitig ein fortlaufender Prozess ist, ist die kontinuierliche Überprüfung und Analyse der Beschaffungsleistung. Dies beinhaltet die Erfassung und Auswertung von Kennzahlen (KPIs) wie Lieferpünktlichkeit, Qualität der gelieferten Waren, Kostenentwicklung, Einsparungen, Lieferantenleistung und Einhaltung von Budgets. Die Analyse dieser Daten hilft, Stärken und Schwächen im Beschaffungsprozess zu erkennen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren, neue Einsparmöglichkeiten aufzudecken und das Risikomanagement zu verfeinern. Diese Erkenntnisse fließen zurück in den ersten Schritt (Bedarf ermitteln) und schließen den Kreislauf.
Der Beschaffungslebenszyklus in der Praxis
Die zwölf Schritte beschreiben den idealen Beschaffungsprozess. In der Realität können Schritte zusammengefasst werden, oder der Prozess ist bei der Beschaffung von geringwertigen Artikeln (z. B. ein einzelner Stift) weniger formalisiert als bei strategisch wichtigen Gütern oder Dienstleistungen (z. B. eine neue IT-Infrastruktur). Dennoch sind die zugrundeliegenden Prinzipien in jedem Fall relevant.
Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Beschaffung eng mit anderen Unternehmensbereichen verzahnt sein muss. Eine effektive Beschaffung erfordert die Integration mit der Budgetierung (um sicherzustellen, dass Mittel verfügbar sind), der Absatzplanung und Prognose (um den zukünftigen Bedarf zu verstehen) und dem Supply Chain Management (um die gesamte Lieferkette zu optimieren). Ohne diese Integration kann die Beschaffung nicht ihr volles Potenzial entfalten.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Die Implementierung und Optimierung eines 12-Schritte-Beschaffungsprozesses birgt Herausforderungen. Dazu gehören:
- Komplexität: Die Vielzahl der Schritte und Beteiligten kann den Prozess unübersichtlich machen.
- Datenmanagement: Die Erfassung und Analyse relevanter Daten über Lieferanten, Ausgaben und Leistung ist oft aufwendig.
- Compliance: Die Einhaltung interner Richtlinien und externer Vorschriften erfordert Sorgfalt.
- Technologie: Manuelle Prozesse sind ineffizient. Die Implementierung geeigneter Softwarelösungen ist oft notwendig, aber kostspielig.
Lösungsansätze liegen in der Standardisierung von Prozessen, der Implementierung von Procure-to-Pay (P2P) oder Source-to-Pay (S2P) Softwarelösungen, der Schulung von Mitarbeitern und dem Aufbau einer Kultur der Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen.
Vergleich: Manuelle vs. Automatisierte Beschaffung
Die Digitalisierung hat den Beschaffungsprozess revolutioniert. Viele der Schritte können durch Software unterstützt oder automatisiert werden.
| Schritt | Manuelle Bearbeitung | Automatisierte Bearbeitung (Software) |
|---|---|---|
| Bedarf ermitteln | Anfragen per E-Mail/Telefon, Excel-Listen | Systemgestützte Bedarfsprognose, Integration mit Lagerverwaltung |
| Lieferanten finden/evaluieren | Manuelle Recherche, Papierakten, E-Mail-Anfragen | Lieferantendatenbanken, eSourcing-Tools, automatische Bewertung anhand von Kriterien |
| Bestellanforderung | Papierformulare, manuelle Genehmigungsläufe | Elektronische Formulare, Workflow-basierte Genehmigung |
| Lieferantenauswahl | Manuelle Angebotsvergleiche | eSourcing-Plattformen, automatische Ranglisten |
| Bestellung anlegen | Manuelle Erstellung, Fax/E-Mail-Versand | Automatische PO-Erstellung aus genehmigter PR, elektronischer Versand (EDI) |
| Warenannahme/Prüfung | Manueller Abgleich mit Lieferschein/PO | Mobile Scanner, automatischer Abgleich im System |
| Rechnung bearbeiten | Manueller Dreifachabgleich, Papierablage | Elektronische Rechnungsverarbeitung, automatischer Abgleich (Matching), Workflow-basierte Freigabe |
| Analyse/Reporting | Manuelle Datenerfassung und Berichtserstellung | Automatische Dashboards, Echtzeit-Reporting, KPI-Tracking |
Die Automatisierung kann die Effizienz steigern, Fehler reduzieren, Transparenz erhöhen und die Einhaltung von Richtlinien erleichtern.
Häufig gestellte Fragen zur Beschaffung
Was ist der Unterschied zwischen Einkauf und Beschaffung?
Oft werden die Begriffe synonym verwendet, aber streng genommen ist der Einkauf ein Teil der Beschaffung. Der Einkauf konzentriert sich auf die operative Abwicklung des Kaufprozesses (Schritte 6-8: Bestellung, Warenannahme, Rechnungsbearbeitung). Die Beschaffung ist umfassender und strategischer, sie deckt den gesamten Prozess vom Bedarf bis zur Lieferantenentwicklung und Risikomanagement ab (alle 12 Schritte).
Warum ist Lieferantenmanagement wichtig?
Gutes Lieferantenmanagement (Teil von Schritt 9 und 10) sichert nicht nur die Versorgung, sondern kann auch zu besseren Preisen, höherer Qualität, Innovationen und einer resilienteren Lieferkette führen. Es ist eine strategische Investition in die Zukunft des Unternehmens.
Wie kann man die Beschaffungskosten senken?
Kostensenkung kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden: bessere Verhandlungsergebnisse (Schritt 5), Konsolidierung von Lieferanten, Optimierung der Bestellmengen, Nutzung von Skonti (Schritt 8), Prozessoptimierung durch Automatisierung, strategische Lieferantenauswahl (Schritt 4) und kontinuierliche Analyse der Ausgaben (Schritt 12).
Welche Rolle spielt Technologie in der modernen Beschaffung?
Technologie ist essenziell. Softwarelösungen für eProcurement, eSourcing, Vertragsmanagement und Spend Analysis automatisieren Routineaufgaben, verbessern die Entscheidungsfindung durch Daten und erhöhen die Transparenz sowie die Compliance. Sie ermöglichen eine strategischere Ausrichtung der Beschaffungsfunktion.
Wie wichtig ist Risikomanagement in der Beschaffung?
Extrem wichtig (Schritt 11). Die Lieferkette ist anfällig für verschiedene Risiken (Naturkatastrophen, politische Instabilität, Lieferantenausfälle). Ein robustes Risikomanagement sichert die Geschäftskontinuität und schützt das Unternehmen vor finanziellen und operativen Schäden.
Fazit
Die Beschaffung ist weit mehr als eine administrative Funktion. Sie ist ein strategischer Hebel für den Unternehmenserfolg. Ein gut definierter und effizient ausgeführter Beschaffungsprozess, der alle zwölf Schritte des Lebenszyklus berücksichtigt – von der präzisen Bedarfsermittlung über die sorgfältige Lieferantenauswahl und -pflege bis hin zum aktiven Risiko- und Vertragsmanagement sowie der kontinuierlichen Analyse – ermöglicht Unternehmen, Kosten zu optimieren, die Qualität und Verfügbarkeit von Ressourcen sicherzustellen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Investitionen in die Optimierung der Beschaffungsprozesse, sei es durch Technologie oder Prozessverbesserungen, zahlen sich langfristig aus.
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