23/05/2014
Die Frage, wie alt unsere Stadt Bönnigheim eigentlich ist, lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Oft wird das Jahr 793 n. Chr. genannt, ein Datum, das zweifellos von großer historischer Bedeutung ist. Doch die Geschichte Bönnigheims beginnt nicht erst mit der ersten schriftlichen Erwähnung. Sie reicht Zehntausende, ja Hunderttausende von Jahren zurück und zeugt von einer bemerkenswerten Widerstandsfähigkeit und stetigen Entwicklung, die bis heute anhält.

Spuren der frühesten Bewohner
Lange bevor es auch nur den Hauch einer schriftlichen Aufzeichnung gab, war die Markung Bönnigheims bereits Lebensraum für Menschen. Vor rund 250.000 Jahren durchstreiften altsteinzeitliche Jäger dieses Gebiet. Sie lebten von der Jagd, doch katastrophale Klimaveränderungen entzogen ihnen ihre Nahrungsgrundlage. Es folgten Jahrtausende, in denen drei Kaltzeiten das Land prägten und Fauna sowie Flora grundlegend veränderten. Was in dieser langen Zeit mit den Menschen geschah, bleibt bis heute im Dunkeln.
Erst 246.000 Jahre nach diesen frühen Jägern finden sich wieder gesicherte Spuren menschlicher Anwesenheit auf unserer Markung. Neue Völker wanderten aus dem Osten ein. Diese brachten eine revolutionäre Lebensweise mit sich: Ackerbau und Viehzucht. Sie bauten feste Holzhäuser, beherrschten die Kunst des Töpferns und verzierten ihre Gefäße kunstvoll. Dies war ein gewaltiger kultureller Fortschritt: sesshafte Ackerbauern ersetzten die nomadisierenden Jäger.
Kelten, Römer und die Entstehung des Namens
Fast 3000 Jahre lang lebten und arbeiteten diese frühen Ackerbauern auf dem fruchtbaren Boden Bönnigheims. Dann kamen die Kelten. Sie brachten das Wissen mit, aus Erzen Metalle zu gewinnen und daraus Werkzeuge und Waffen zu schmieden. Bronze und Eisen ermöglichten einen weiteren gigantischen Fortschritt, der jedoch, wie so oft in der Geschichte, auch eine Kehrseite hatte: die Waffen wurden wirkungsvoller. Wir wissen nicht genau, wie es den hier ansässigen Ackerbauern bei der Ankunft der Kelten erging – wurden sie getötet, versklavt? Für sie mag es das Ende ihrer Welt bedeutet haben, doch die neuen Metallwerkzeuge erleichterten die Arbeit und erhöhten den Ertrag. Allerdings stieg im gleichen Maße auch der Tribut, der an die Fürsten auf dem Hohenasperg entrichtet werden musste, während die Bauern ums Überleben kämpften. Dieses harte Los sollte sich über Jahrhunderte hinweg kaum ändern.
Ab 84 n. Chr. wurde Bönnigheim Teil des mächtigen Römischen Weltreichs, gelegen in der Provinz Obergermanien. Wieder herrschten neue Herren über das Land. Die römische Militärverwaltung verteilte die eroberten Ländereien an verdiente Soldaten. Diese errichteten prächtige Villen, ausgestattet mit Annehmlichkeiten wie Fußbodenheizung und Bädern. Sie brachten aber auch die Landwirtschaft voran, da die Armee Brot benötigte. Die einheimische Bevölkerung wurde versklavt. Doch aus der Not dieser Zeit erwuchs auch etwas Positives, wovon Bönnigheim bis heute profitiert: Die Römer brachten den Weinbau in die Region. Eine Tradition, die nach fast 2000 Jahren noch immer das Herz vieler Bönnigheimer höherschlagen lässt und fester Bestandteil des lokalen Lebens ist.
Fast 250 Jahre währte die römische Herrschaft, bis die Alemannen, aus römischer Sicht primitive Barbaren, den Limes überrannten und das Land in Besitz nahmen. Sie siedelten in Sippen und benannten die Siedlungen nach ihren Häuptlingen. So entstand 'Bunningen', die Siedlung der Sippe des Buno.
Der Beginn der schriftlichen Geschichte
Rund 300 Jahre lang, über zehn Generationen hinweg, wirkten die Alemannen auf der Bunninger Flur. Um das Jahr 600 n. Chr. eroberten dann die Franken das Land von Norden her. Ihre Herrschaft manifestierte sich nicht nur in der politischen Struktur, sondern auch in den Ortsnamen und der Sprache. Aus alemannischen Ortsnamen auf die Endung -ingen wurden fränkische Namen auf -ingheim. Aus Bunningen wurde Bunningheim, das heutige Bönnigheim. Auch der lokale Dialekt ist bis heute eine Mischung aus schwäbisch-alemannischen und fränkischen Elementen. Statt eines Stammeshäuptlings regierte nun der Vogt oder Meier des adligen Großgrundbesitzers im Dorf.
Die Christianisierung wurde mit Feuer und Schwert durchgesetzt. Die christliche Kirche zeigte dabei großes Geschick, adelige Grundbesitzer davon zu überzeugen, ihr Seelenheil durch Schenkungen zu sichern – Ländereien, Weinberge, ja ganze Dörfer samt deren Bewohnern wurden Klöstern gestiftet. Genau diesem Vorgehen verdanken wir das Datum, das oft als Beginn der Geschichte Bönnigheims genannt wird.
Am 16. Februar 793 schenkte die Nonne Hiltburg, vermutlich aus Magenheim stammend, unter anderem das Dorf Punninchheim mit allem, was dazugehörte, dem mächtigen Reichskloster Lorsch an der Bergstraße. Mit diesem Datum beginnt die schriftliche Überlieferung der Geschichte Bönnigheims. Seitdem sind 1200 Jahre vergangen (gerechnet bis 1993), in denen 40 Generationen die Geschichte Bönnigheims erlebt und gestaltet haben.
Mittelalterliche Entwicklungen und Herausforderungen
In den folgenden Jahrhunderten entstand der Ortsadel der Herren von Bönnigheim, der ebenfalls für sein Seelenheil sorgte, indem er reichen Grundbesitz an das Kloster Hirsau verschenkte. Es wurden eine Burg und ein Steinhaus errichtet, die Stadt wurde gegründet und planmäßig angelegt.
Als die Hirsauer Mönche hohe Schulden bei jüdischen Geldgebern hatten, mussten sie ihren Besitz in Bönnigheim an das Kloster Bebenhausen verkaufen. Dieses lieh der Stadt Geld für den Bau der Stadtmauer im Jahr 1284. Zu dieser Zeit befand sich Bönnigheim im Besitz der Habsburger, war kurzzeitig freie Reichsstadt, fiel dann aber wieder an das Erzbistum Mainz, den Rechtsnachfolger des Klosters Lorsch. Diese Zugehörigkeit zu Mainz sollte für die nächsten 500 Jahre Bestand haben.
Unter der Oberlehensherrschaft von Mainz bildete sich Ende des 14. Jahrhunderts das Ganerbiat, eine Form der gemeinschaftlichen Herrschaft mehrerer adliger Familien. Dieses Ganerbiat hatte fast 400 Jahre lang Bestand. Im Burgfrieden von 1388 wurden die Rechte und Pflichten der adligen Ganerben und der Bürger festgelegt. Immer wieder musste die Stadtordnung durch neue Paragraphen ergänzt werden, da die Bönnigheimer Bürger Wege fanden, die Obrigkeit zum eigenen Vorteil zu umgehen. Die ritterlichen Ganerben versuchten ihrerseits, so viel wie möglich von den Bürgern einzufordern, bis die Last unerträglich wurde.
Bauernkrieg, Pest und der lange Weg zurück
Die angestaute Unzufriedenheit entlud sich im Bauernkrieg. Am 19. April 1525 zündeten die Bauern und Weingärtner die Burg an. Angeführt wurde der Aufstand vom Pächter des Maierhofs, dem größten Bauern der Stadt. Der Bauernkrieg fand bekanntlich ein blutiges Ende. Die Unterdrückung verschärfte sich. Die Burg wurde auf Kosten und durch Fronarbeit der Bürger wieder aufgebaut. Im Herbst desselben Jahres wurden alle Bönnigheimer gezwungen, den evangelischen Glauben anzunehmen, und eine neue, strenge Stadtordnung trat in Kraft. Mancher Bönnigheimer Bürger mag am Ende des Jahres 1525 geglaubt haben, der Untergang sei nahe. Doch es kam anders – es wurde besser.
In den folgenden 100 Jahren erlebte Bönnigheim einen stetigen Aufschwung. Neue Häuser und ein neues Rathaus wurden gebaut, die Bürger erreichten einen bescheidenen Wohlstand. Doch der Dreißigjähriger Krieg (1618-1648) machte diese positive Entwicklung jäh zunichte. Im Jahr 1626 wütete die Pest in der Stadt und forderte 40% der Einwohner als Opfer. Einquartierungen und immer höhere Kontributionszahlungen belasteten die Bevölkerung schwer. Nach der Schlacht bei Nördlingen im Jahr 1634 verschärfte sich die Lage dramatisch. Felder und Weinberge wurden verwüstet, und die Stadt war überfüllt mit Flüchtlingen aus der gesamten Umgebung. Im Jahr 1635 brach die Pest erneut aus und forderte 1049 Opfer – mehr Menschen, als die Stadt Einwohner hatte. Wieder schien das Ende gekommen zu sein. Doch wieder ging es weiter, und es wurde besser.
Wiederaufbau, Herrschaftswechsel und neue Impulse
Trotz der verheerenden Verluste kam Bönnigheim als evangelische Stadt im katholischen Besitz von Mainz vergleichsweise glimpflich davon. Nach dem Krieg kamen Zuwanderer aus der übervölkerten Schweiz und aus Tirol, die die brachliegenden Äcker und Weinberge wieder bestellten. Auch Handwerker zogen zu. So betrieben im Jahr 1701, nur 50 Jahre nach Kriegsende, zwei Drittel der Bürger ein Handwerk oder Handel. Sogar zwei italienische Handelsmänner waren bereits ansässig. Die Stadt hatte wieder knapp 1000 Einwohner.
Im Jahr 1750 endete die Zeit des Ganerbiats. Bönnigheim fiel als Lehen des Erzbistums Mainz an die Grafen von Stadion. Am Marktplatz entstanden neue Häuser und ein modernes Rathaus. Als der regierende Graf beschloss, ein neues Schloss zu bauen, erhöhte er kurzerhand die Steuerlast, das sogenannte Beet (heute vergleichbar mit Grund- und Vermögenssteuer), um das Sechsfache. Württemberg, das 61 Jahre lang 7/16 der Herrschaft Bönnigheim als Ganerbe innehatte und gerne die gesamte Herrschaft übernommen hätte, ging leer aus und erklärte Bönnigheim zum Ausland. Dies hatte zur Folge, dass der blühende Weinhandel zum Erliegen kam. Erst nach der Zahlung einer enormen Summe von 3300 Gulden, was dem 10.000-fachen Tagelohn eines Handwerkers entsprach, wurde der Handel wieder erlaubt. Diese hohe Summe musste von den Bürgern durch eine außerordentliche Steuer aufgebracht werden – der Graf selbst zahlte keinen Kreuzer. Doch trotz dieser Belastungen war die Stadion'sche Herrschaft für Bönnigheim eine gute Zeit.
Im Jahr 1785 gelang es Württemberg schließlich, die Herrschaft Bönnigheim für die enorme Summe von 463.000 Gulden in Besitz zu nehmen. Am 4. Mai desselben Jahres beehrte Herzog Karl Eugen persönlich, begleitet von Franziska von Hohenheim, die Stadt für einige Stunden, um sich huldigen zu lassen. Bis zum nächsten Besuch eines Landesvaters sollten dann fast 200 Jahre vergehen.
Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Das 19. Jahrhundert war in Bönnigheim, wie auch anderswo im Land, von starkem Bevölkerungswachstum geprägt. Durch die Erbteilung wurden die landwirtschaftlichen Flächen immer kleiner, sodass viele Familien nicht mehr davon leben konnten. Zahlreiche Bönnigheimer wanderten in dieser Zeit nach Amerika aus, auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Unter den Daheimgebliebenen breitete sich der Pietismus stark aus, der für viele Menschen in großer Not ein wichtiger Rettungsanker war. Bönnigheimer wurden zu Missionaren und waren in Grönland, Nord- und Südamerika, Afrika, Indien und der Südsee tätig.
Im Jahr 1854 begann in Bönnigheim das Industriezeitalter. Die Firma Amann und Böhringer schuf neue Arbeitsplätze in der Stadt. Mit dem Lohngeld aus der Fabrik und der Landwirtschaft im Nebenerwerb war das Überleben gesichert – eine neue, bessere Zeit brach an. Nach dem Krieg von 1870/71 erlebte die Wirtschaft einen enormen Aufschwung. Trinkwasser, Gas und elektrisches Licht wurden in die Häuser gebracht. Doch der Erste Weltkrieg und die folgende Inflation machten viele dieser Errungenschaften wieder zunichte. In dieser unsicheren Zeit war der Besitz von Grund und Boden ein wichtiger Wertspeicher.
Das Jahr 1933 markierte den Beginn des sogenannten Tausendjährigen Reiches, das anfangs von vielen bejubelt wurde. Doch es folgte die Gleichschaltung, bei der Vereine in Parteiorganisationen eingegliedert wurden. Das Rathaus war in der Hand von überzeugten Nationalsozialisten. Der Zweiter Weltkrieg endete für Bönnigheim mit der Brandkatastrophe am 7. April 1945. 242 Väter und Söhne verloren im Krieg ihr Leben, viele wurden vermisst oder gerieten in Gefangenschaft. Nach Kriegsende kamen die Heimatvertriebenen aus dem Osten. Bönnigheim musste 818 Personen aufnehmen, bei einer Einwohnerzahl von rund 3000. Wieder einmal schien das Ende gekommen zu sein. Und wieder einmal wurde es besser.
Wiederaufbau und das heutige Bönnigheim
Mit der Währungsreform im Jahr 1948 füllten sich wie durch ein Wunder über Nacht die Schaufenster. Durch die gemeinsame, harte Arbeit der Alt- und Neubürger begann ein Wiederaufstieg, den kaum jemand für möglich gehalten hätte. Es wurde in die Infrastruktur investiert: Schulen, eine Sporthalle, ein Freibad und ein neues Rathaus wurden gebaut. Die umliegenden Orte Hohenstein und Hofen wurden eingemeindet, neue Stadtviertel und Gewerbegebiete entstanden. Die Flur wurde bereinigt, und die Altstadt wird saniert. Handel und Gewerbe blühen. Das alte Städtchen ist quicklebendig und zukunftsorientiert.
Den heutigen Bürgern Bönnigheims geht es so gut wie keiner Generation vor ihnen. Auch wenn in den kommenden Jahren vielleicht Einschränkungen nötig sein mögen, verfügen wir über einen beträchtlichen Wohlstand, zu dem nicht zuletzt auch unsere ausländischen Mitbürger beigetragen haben. Bönnigheim steht in den nächsten Jahren voraussichtlich vor einem Wachstum, wie es die lange Geschichte der Stadt noch nicht gesehen hat. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass Bönnigheim auch für die kommenden Generationen das sein kann, was es für uns heute ist: unser liebenswertes Städtchen.
Wenn du mehr spannende Artikel wie „Bönnigheim: Eine Reise durch Jahrtausende“ entdecken möchtest, schau doch mal in der Kategorie Bürobedarf vorbei!
