Was ist Eigelstein in Köln?

Der Eigelstein in Köln: Geschichte & Veedel

01/06/2022

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Der Eigelstein ist weit mehr als nur eine Straße in Köln. Er ist eine historische Lebensader, ein pulsierendes Veedel und ein Ort, der tief in der Kölner Geschichte verwurzelt ist. Gelegen nördlich der Innenstadt, verbindet er den Ebertplatz im Norden mit der Marzellenstraße im Süden und bildet das Herzstück des gleichnamigen Eigelstein-Viertels. Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück und spiegelt die Entwicklung Kölns von der römischen Zeit bis heute wider.

Was ist Eigelstein in Köln?
Der Eigelstein ist eine bereits in der römischen Epoche der Stadt nachgewiesene Straße in der Kölner Altstadt-Nord, welche heute die zentrale Achse des nach ihr benannten Eigelstein-Viertels bildet; sie verläuft geradlinig in Süd-Nord-Richtung mit einer Länge von 568 Metern von der Turiner Straße über die ...
Übersicht

Geschichte und Ursprünge

Die Geschichte des Eigelsteins ist eng mit der Stadtentwicklung Kölns verbunden. Der Name selbst hat sich über Jahrhunderte gewandelt. Ursprünglich soll der Bereich als „porta aquilina“ bekannt gewesen sein, was auf eine Verbindung zum Adler (lateinisch aquila) hindeutet – möglicherweise bezogen auf die dortige Torburg. Später wurde daraus „porta eigilis“, im Mittelalter die „Eygelsteynsportzen“ und ab 1812 während der französischen Besatzung „porte l’aigle“, was ebenfalls „Adlertor“ bedeutet. Die heutige Bezeichnung Eigelstein leitet sich vermutlich von diesen früheren Namen ab.

Das älteste und wohl bekannteste Bauwerk, das dem Eigelstein seinen Namen gab, ist die Eigelsteintorburg. Sie wurde als Teil der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer zwischen 1228 und 1260 errichtet. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich jedoch erst im Jahr 1313. Große Teile der ursprünglichen Torburg wurden wahrscheinlich schon 1424 abgerissen, bevor sie 1889 renoviert und ausgebaut wurde, um ihr heutiges Erscheinungsbild zu erhalten. Seit Juni 1990 beherbergt die historische Torburg die Offene Jazz Haus Schule und ist damit ein lebendiger Kulturort.

Historische Bauwerke und markante Orte

Neben der imposanten Torburg prägen zahlreiche weitere historische und bemerkenswerte Gebäude das Bild des Eigelsteins und erzählen Geschichten aus verschiedenen Epochen.

Brauhäuser und Gaststätten

Der Eigelstein war traditionell ein Zentrum des Kölner Brauwesens. Bereits im Jahr 1838 waren hier beeindruckende 18 Brauereien registriert. Die Brauereigeschichte reicht noch weiter zurück: 1170 erwarb Ezelin der Bruer – der erste namentlich bekannte Bierbrauer Kölns – ein halbes Haus in der Nähe des späteren Gaffel-Standorts. Historische Brauhäuser wie „Zur Mühle“ (seit 1359 belegt), „Zum Bierbaum“ (1476) oder „Zum Overstolz“ (1690) zeugen von dieser langen Tradition.

Zwei der heute noch bekannten traditionellen Gaststätten am Eigelstein sind der „Brüsseler Hof“ (seit 1840 als Gaststätte, das Gebäude selbst war ab 1822 ein Hotel an derselben Adresse wie die spätere Gaffel-Brauerei) und „Em halve Mond“ (errichtet 1676). Im „Em halve Mond“ trafen sich im 19. Jahrhundert einflussreiche Bauern und gründeten 1852 die „Carnevals-Gesellschaft Greesberger“. Das Brauhaus Em Kölsche Boor am Eigelstein Nr. 121 ist ein weiteres Stück lebendiger Brauhausgeschichte. Es wird seit September 1760 als Gaststätte geführt, zunächst unter dem Namen „Zum Elephanten“, und trägt seit 1907 seinen heutigen Namen.

Die Privatbrauerei Gaffel Becker & Co hatte ihren Sitz am Eigelstein Nr. 41–43 seit dem 24. Mai 1908. Bis 2015 wurde hier Kölsch gebraut. Die verglaste Fassade ermöglichte einen Blick auf Teile der Brauanlage. Dieser Standort war eng mit der modernen Geschichte der Brauerei verbunden, bevor die Produktion aus Kapazitätsgründen verlagert wurde.

Weitere bemerkenswerte Gebäude

Am Eigelstein gibt es auch architektonische Besonderheiten. Das Wohnhaus am Eigelstein Nr. 115 gilt mit nur 2,56 Metern Breite und einer Länge von 30 Metern als das schmalste Haus Kölns. Es wurde 1997 errichtet und nutzt die Brandmauern der Nachbargebäude als eigene Seitenwände – eine kreative Lösung auf begrenztem Raum.

Das Wohn- und Geschäftshaus am Eigelstein Nr. 101, um 1890 erbaut, steht seit dem 1. Juli 1980 unter Denkmalschutz. Auch das Wohnhaus Nr. 126, ebenfalls um 1890 erbaut, ist Teil des historischen Ensembles der Straße.

Der Eigelstein in der Neuzeit und der Moderne

Die Geschichte des Eigelsteins wurde auch in neuerer Zeit von bedeutenden Ereignissen und städtebaulichen Veränderungen geprägt.

Historische Besuche

Ein prominenter Besucher war Napoleon Bonaparte, der während der Franzosenzeit am 13. September 1804 bei seinem Staatsbesuch feierlich mit Glockengeläut und Kanonendonner durch das Eigelsteintor einzog. Sein Weg führte ihn vom Eigelstein über die Marzellenstraße, Hohe Straße und Schildergasse zum Neumarkt.

Städtebauliche Veränderungen

Eine der größten städtebaulichen Maßnahmen, die den Eigelstein nachhaltig veränderte, war die Höherlegung der Eisenbahngleise im Stadtgebiet ab 1883. Um die vorgeschriebene Lichthöhe unter den entstehenden Viadukten zu erreichen, musste der Eigelstein, der ohnehin zu den höher gelegenen Straßen Kölns gehört, um rund zwei Meter abgesenkt werden. Die Eisenbahnführung vom und zum Kölner Hauptbahnhof verläuft heute überwiegend auf Dämmen, aber die Strecke vom Eigelstein bis zum Hansaring wird auf Viadukten geführt, die das Bild des nördlichen Endes der Straße prägen.

Auch das Verkehrsnetz unterhalb des Eigelsteins wurde angepasst. Durch Untertunnelung wurden die Turiner Straße und Ursulastraße (Teil der Nord-Süd-Fahrt) im Jahr 1972 unter den Eigelstein verlegt. Zusammen mit dem Eisenbahntunnel gibt es an dieser Stelle des Eigelsteins eine Verkehrsführung auf drei Ebenen.

Wandel im Geschäftsleben und Ereignisse

Neben den Brauhäusern gab es am Eigelstein auch andere wichtige Geschäfte und Einrichtungen. Das Olympia-Kino am Eigelstein Nr. 51 öffnete am 10. September 1919 mit 640 Plätzen und wurde 1958 auf 800 Sitze erweitert, bevor es 1971 abgerissen wurde. Die Warenhauskette Tietz unterhielt ab 1929 eine ihrer kleineren Filialen am Eigelstein Nr. 81–83.

Leider gab es auch dunkle Stunden: Am 24. Februar 1933 kam es bei Auseinandersetzungen im Eigelstein-Viertel zu tödlichen Schüssen.

Die jüngste große Veränderung betraf die Gaffel-Brauerei. Im August 2014 wurde entschieden, die gesamte Bierproduktion vom historischen Standort am Eigelstein nach Porz-Gremberghoven zu verlagern. Für das freiwerdende Areal sieht die Stadtplanung nun eine Wohnbebauung vor.

Das Eigelstein-Viertel (Das Veedel)

Die unmittelbare Umgebung des Eigelsteins, einschließlich der in ihn einmündenden Seitenstraßen, wird als Eigelstein-Viertel oder auf Kölsch „Eijelsteinsveedel“ bezeichnet. Es gehört neben dem Severinsviertel zu den ursprünglichsten und authentischsten „Veedeln“ Kölns. Das Veedel beginnt im Norden am Ebertplatz und wird von zahlreichen Straßen durchzogen, die in den Eigelstein münden, darunter die Greesbergstraße, Thürmchenswall, Gereonswall (am Eigelsteintor), Dagobertstraße, Im Stavenhof, Unter Krahnenbäumen, Weidengasse, Eintrachtstraße und Machabäerstraße.

Charakteristische Seitenstraßen

Die Weidengasse („Weidejaß“) hat eine interessante Entwicklung hinter sich. Die erste Kölner Stadtansicht von 1570 zeigte sie noch als abgelegene Straße mit einfachen Hütten, bewohnt von „Kappesburen“ (Kohlbauern), Stadtsoldaten und Wäscherinnen. Heute wird die Weidengasse wegen ihrer überwiegend türkischen Bevölkerung oft als „Klein-Istanbul“ bezeichnet. Hier eröffnete 1974 ein anatolischer Gastarbeiter den ersten türkischen Gemüseladen Kölns.

Der Stavenhof („Stüverhoff“) ist benannt nach der Patrizierfamilie Stabe. Er war früher neben der Kleinen Brinkgasse und der Nächelsgasse eine der drei Kölner Bordellstraßen. Dieses Rotlichtviertel war bis 1972 aktiv, als die gesamte Stadt zum Sperrbezirk erklärt wurde.

Die Straße Unter Krahnenbäumen wurde durch die Trassierung der Nord-Süd-Fahrt getrennt. Ihr Name soll vom mittelhochdeutschen Wort „Kranenboym“ für Wacholderbusch oder von einem Gutshof namens „Zum Krainich“ stammen. Diese Straße ist in vielen kölschen Liedern besungen und war Heimat von „Kölschen Originalen“ wie „Orgels Palm“ und „Fressklötsch“. Heinrich Böll setzte dem Viertel mit seinem Essay „Straßen wie diese“ ein literarisches Denkmal (1958). Willi Ostermann widmete ihr das Heimatlied „Kinddauf-Fess Unger Krahnebäume“ (1936), Toni Steingass besang „Dä Prinz vun Krahnebäume“ (1975) und Wolfgang Niedecken veröffentlichte 2004 ein Lied namens „Unger Krahnebäume“.

Das gesamte Eigelstein-Viertel wurde im April 1989 zum Sanierungsgebiet erklärt. Die umfassende Sanierung wurde am 4. Juli 2012 abgeschlossen, was zur Aufwertung des Viertels beigetragen hat.

Kulturelles Leben und Veranstaltungen

Das Eigelstein-Viertel ist bekannt für sein lebendiges kulturelles Leben und seinen authentischen Kölschen Charakter. Die vielen Gaststätten und Brauhäuser sind Treffpunkte für Einheimische und Besucher. Die literarischen und musikalischen Ehrungen zeigen die tiefe Verbundenheit der Kölner mit diesem Veedel.

Eine besondere Tradition ist das Eigelstein-Straßenfest. Es findet seit 1976 statt und ist damit das älteste Straßenfest Kölns und eines der ältesten in Deutschland. Es ist ein Höhepunkt im Jahreskalender des Veedels und zieht viele Besucher an.

Zusammenfassung

Der Kölner Eigelstein und sein Veedel sind ein faszinierender Mix aus mittelalterlicher Geschichte, industrieller Entwicklung und lebendiger Kölner Kultur. Von der historischen Torburg über die Spuren der Brauereigeschichte bis hin zu den charakteristischen Seitenstraßen wie der Weidengasse und Unter Krahnenbäumen bietet das Viertel eine einzigartige Atmosphäre. Es ist ein Ort, an dem Geschichte lebendig ist und das authentische Kölsche Lebensgefühl spürbar wird. Die Mischung aus Tradition, Vielfalt und stetigem Wandel macht den Eigelstein zu einem besonderen Teil von Köln.

Historische Eckpunkte am Eigelstein

Bauwerk/EreignisJahr(e)Bedeutung
Eigelsteintorburg Bau1228-1260Teil der mittelalterlichen Stadtmauer, namensgebend
Brauhaus "Em halve Mond"1676Traditionelles Brauhaus, Gründungsort der Greesberger
Brauhaus "Em Kölsche Boor"1760 / 1907Ursprünglich "Zum Elephanten", heute bekanntes Brauhaus
Napoleon Einzug1804Historisches Ereignis, feierlicher Einzug durchs Tor
Eisenbahn-Viadukte BauAb 1883Prägte das heutige Bild der Straße, erforderte Straßenabsenkung
Gaffel Brauerei am Eigelstein1908 - 2015Standort der bekannten Brauerei
Sanierungsgebiet Eigelstein-Viertel1989 - 2012Umfassende städtebauliche Erneuerung
Schmalstes Haus Bau1997Architektonische Besonderheit am Eigelstein Nr. 115

Häufig gestellte Fragen zum Eigelstein

Was genau ist der Eigelstein?

Der Eigelstein ist eine historische Straße im Norden der Kölner Innenstadt und gleichzeitig der Name des umliegenden Stadtviertels, des sogenannten Eigelstein-Veedels.

Wo liegt der Eigelstein in Köln?

Er liegt nördlich des Hauptbahnhofs und der Altstadt, verbindet den Ebertplatz im Norden mit der Marzellenstraße im Süden und ist Teil des Stadtbezirks Innenstadt.

Was ist die Eigelsteintorburg?

Die Eigelsteintorburg ist eines der vier erhaltenen mittelalterlichen Stadttore Kölns und das Wahrzeichen des Eigelsteins. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und beherbergt heute die Offene Jazz Haus Schule.

Gibt es am Eigelstein noch traditionelle Brauhäuser?

Ja, das Brauhaus Em Kölsche Boor ist ein bekanntes und traditionelles Brauhaus am Eigelstein, das eine lange Geschichte hat.

Was macht das Eigelstein-Viertel besonders?

Das Eigelstein-Viertel gilt als eines der ursprünglichsten Kölner Veedel. Es zeichnet sich durch seine reiche Geschichte, die Mischung aus traditionellen Geschäften, Brauhäusern und vielfältigen Kulturen, sowie seine lebendige Atmosphäre aus. Straßen wie die Weidengasse oder Unter Krahnenbäumen tragen zum einzigartigen Charakter bei.

Ist das schmalste Haus Kölns am Eigelstein?

Ja, das schmalste Haus Kölns befindet sich am Eigelstein unter der Hausnummer 115.

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