11/03/2016
Ein Friseursalon ist ein Ort kreativer Arbeit und persönlicher Dienstleistung. Doch hinter den Scheren und Kämmen verbirgt sich ein komplexes Geschäft, das sorgfältige Planung und betriebswirtschaftliches Verständnis erfordert. So wie jedes Unternehmen Büromaterial und eine effiziente Organisation benötigt, erfordert ein Salon klare Strukturen bei Finanzen und Kundenmanagement. Die Frage, wie viele Kunden ein Friseur am Tag bedient oder wie viel Umsatz nötig ist, um rentabel zu sein, sind zentrale Punkte für jeden, der in dieser Branche erfolgreich sein möchte.

Der Markt für Friseurdienstleistungen ist durch intensiven Wettbewerb gekennzeichnet. Über 77.000 Salons konkurrieren allein in Deutschland um die Gunst der Kunden. Um sich in diesem Umfeld zu behaupten, ist es unerlässlich, im Businessplan klar herauszustellen, was den eigenen Salon einzigartig macht. Bietet er spezielle Dienstleistungen an? Hat er ein besonderes Ambiente? Oder zeichnet er sich durch außergewöhnlichen Service aus? Diese Differenzierungsmerkmale sind entscheidend, um sich von der Masse abzuheben und eine stabile Kundenbasis aufzubauen.
Der Businessplan für Ihren Friseursalon: Fundament des Erfolgs
Ein gut durchdachter Businessplan ist das A und O für die Gründung oder Weiterentwicklung eines Friseurgeschäfts. Er dient nicht nur als Leitfaden für den Gründer, sondern ist auch unverzichtbar, um potenzielle Geldgeber oder Banken zu überzeugen. Eine der größten Herausforderungen bei der Erstellung des Plans ist oft die genaue Umsatzprognose.
Da genaue individuelle Zahlen zu Beginn oft fehlen, greift man im Businessplan häufig auf statistische Durchschnittswerte zurück. Diese geben einen ersten Anhaltspunkt, müssen aber stets an den spezifischen Standort, das Einzugsgebiet, die lokale Kaufkraft und die bestehende Konkurrenzdichte angepasst werden.
Statistische Einblicke in Kundenfrequenzen und Umsätze
Die Branche liefert interessante Durchschnittswerte, die als Basis für Kalkulationen dienen können:
- Ein Friseur in einem Damensalon bedient statistisch gesehen durchschnittlich 5,5 Kunden pro Tag.
- In einem Herrensalon liegt dieser Wert mit durchschnittlich 11,8 Kunden pro Tag deutlich höher.
- Frauen besuchen den Friseur im Schnitt 6,5-mal pro Jahr und geben dabei durchschnittlich etwa 43,30 Euro pro Besuch aus.
- Herren gehen mit 5,5-mal pro Jahr nur geringfügig seltener zum Friseur, geben aber mit durchschnittlich 15,50 Euro pro Besuch signifikant weniger aus.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Umsatzgenerierung pro Kunde bei Frauenbesuchen typischerweise höher ist, während Herrensalons potenziell von einer höheren Kundenzahl pro Tag profitieren. Eine Mischung aus beiden Zielgruppen kann daher strategisch vorteilhaft sein.

Ein weiterer wichtiger Trend, der sich in den Statistiken niederschlägt, ist die Zunahme zusätzlicher Leistungen. Färben, Tönen, Strähnchen, spezielle Pflegebehandlungen oder Dauerwellen sind oft margenstärker als reine Schnitt- oder Föhndienstleistungen und tragen erheblich zum Gesamtumsatz bei. Im Businessplan sollte daher nicht nur die Anzahl der Kunden, sondern auch die erwartete Inanspruchnahme dieser Zusatzleistungen realistisch eingeschätzt werden.
Basierend auf diesen statistischen Daten und einer gründlichen Analyse des lokalen Marktes kann eine fundierte Umsatzprognose erstellt werden. Es gilt zu ermitteln, wie viele potenzielle Kunden im Einzugsgebiet leben, wie deren Kaufkraft ist und wie viele Wettbewerber bereits im Markt agieren. Die Verteilung der Salons nach Umsatzklassen zeigt, dass ein beträchtlicher Teil (etwa 36%) einen Jahresumsatz zwischen 17.500 und 50.000 Euro erzielt, während weitere 35% auf 50.000 bis 100.000 Euro kommen. Diese Zahlen geben eine Orientierung, wo sich ein neuer Salon positionieren könnte.
Rentabilität: Wie viel Umsatz muss ein Friseur erwirtschaften?
Eine zentrale betriebswirtschaftliche Frage, insbesondere wenn Mitarbeiter beschäftigt werden, ist die nach dem notwendigen Umsatz pro Angestelltem. Die einfache Annahme, dass die Einnahmen eines Mitarbeiters dessen Bruttolohn decken müssen, ist falsch. Tatsächlich muss ein Mitarbeiter deutlich mehr Umsatz generieren, um für das Geschäft rentabel zu sein. Hier kommt der sogenannte Lohnfaktor ins Spiel.
Der Lohnfaktor beschreibt, wie viel Umsatz ein Mitarbeiter im Verhältnis zu seinem Bruttolohn erwirtschaften muss, damit sich seine Anstellung für den Salon lohnt. Dieser Faktor liegt in der Friseurbranche typischerweise bei etwa 4,0 oder höher. Das bedeutet, ein Mitarbeiter muss rund das Vierfache seines Bruttogehalts an Umsatz erzielen.

Warum ist der Lohnfaktor so hoch?
Der Grund liegt in den zahlreichen Kosten, die zusätzlich zum Bruttolohn anfallen und vom Umsatz gedeckt werden müssen:
- Umsatzsteuer: Ein erheblicher Teil der Einnahmen (derzeit 19%) muss als Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt werden. Diese ist im Bruttoumsatz enthalten und kein Teil des Nettoertrags für den Salon.
- Arbeitgeberanteile Sozialversicherung: Zusätzlich zum Bruttolohn des Mitarbeiters muss der Arbeitgeber Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung leisten. Diese erhöhen die tatsächlichen Personalkosten erheblich.
- Gehaltsfortzahlung ohne direkte Gegenleistung: Mitarbeiter erhalten Lohn für 12 Monate, arbeiten aber aufgrund von Urlaub, Krankheit, Weiterbildung etc. oft nur etwa 10 Monate produktiv. Die Kosten für die unproduktive Zeit müssen in den produktiven Monaten mit erwirtschaftet werden.
- Anteilige Betriebskosten: Jeder Mitarbeiter nutzt die Infrastruktur des Salons. Mietkosten, Nebenkosten (Strom, Wasser, Heizung), Kosten für Arbeitsmaterialien (Shampoo, Farbe, Stylingprodukte), Versicherungen, Marketingaufwendungen, Gebühren (Handwerkskammer, Berufsgenossenschaft) und Kosten für Weiterbildung müssen auf die Mitarbeiter umgelegt werden.
Wenn ein Mitarbeiter beispielsweise 1.500 Euro Bruttolohn erhält, muss er bei einem Lohnfaktor von 4,0 etwa 6.000 Euro Umsatz generieren, damit seine Kosten gedeckt sind und er zur Rentabilität des Salons beiträgt. Liegt der individuelle Umsatz deutlich darunter, kostet der Mitarbeiter den Salon Geld. Der genaue Lohnfaktor variiert je nach Salonstruktur und Kostenintensität; in manchen Betrieben kann er auch bei 5,0 oder 6,0 liegen.
Für angestellte Friseure kann das Verständnis des Lohnfaktors hilfreich sein, um den Zusammenhang zwischen eigener Leistung (Umsatz) und Gehalt nachzuvollziehen. Durch Teilen des eigenen monatlichen Bruttoumsatzes durch den Lohnfaktor des Salons (sofern bekannt) kann man eine Vorstellung davon bekommen, welcher Betrag übrig bleibt, um das eigene Gehalt und die anteiligen Kosten zu decken.
Die Finanzen im Griff: Welche Kosten hat ein Friseursalon?
Die Kostenstruktur eines Friseursalons lässt sich grob in Gründungskosten (Investitionen) und laufende monatliche Kosten unterteilen. Die Höhe der Kosten hängt stark von der gewählten Strategie ab – wird ein neuer Salon komplett aufgebaut oder ein bestehender übernommen?
Kosten der Gründung/Eröffnung
Die Eröffnung eines Friseursalons erfordert eine nicht unerhebliche Anfangsinvestition von mehreren zehntausend Euro. Die genauen Kosten variieren stark, beeinflusst durch Standort, Größe der Räumlichkeiten und Ausstattungswünsche.
- Räumlichkeiten: Die Wahl des Standorts ist entscheidend. Miete oder Kaufpreis variieren stark je nach Lage.
- Umbau und Renovierung: Wenn die Räumlichkeiten noch kein Friseursalon waren, sind oft umfangreiche Umbaumaßnahmen nötig. Dazu gehören Änderungen der Nutzungserklärung (Baurecht), eventuell neue Verlegung von Wasser- und Stromleitungen (wichtig für Waschplätze), Bodenbeläge, Wandgestaltung und Beleuchtung.
- Inventar und Ausstattung: Dies ist ein großer Posten. Benötigt werden Friseurstühle, Waschbecken, Spiegel, Trockenhauben, Klimazone/Heißwassergerät, Bedienplätze, Empfangstheke, Wartebereichsmöbel, Schränke, Regale, Handtücher, Umhänge etc. Die Kosten können durch den Kauf von Gebrauchtinventar reduziert werden.
- Anfangsware (Verbrauchsmaterialien): Eine Erstausstattung mit Shampoos, Conditionern, Haarfarben, Tönungen, Blondierungen, Stylingprodukten, Dauerwellmitteln etc. ist notwendig.
- Werkzeuge und Geräte: Scheren, Kämme, Bürsten, Föhne, Glätteisen, Lockenstäbe, elektrische Haarschneider.
- Behörden und Gebühren: Kosten für Gewerbeanmeldung, Eintragung in die Handwerksrolle, eventuelle Genehmigungen.
- Beratungskosten: Honorare für Steuerberater, Rechtsanwalt oder Unternehmensberater für die Erstellung des Businessplans und Klärung rechtlicher Fragen.
- Anfangsmarketing: Kosten für Logo-Entwicklung, Geschäftsausstattung (Visitenkarten, Briefpapier, Terminblöcke – hier kommt wieder das Bürobedarf ins Spiel), Außenwerbung (Schilder), Erstellung einer Website.
Wird ein bestehender Salon übernommen, fallen die Umbaukosten oft geringer aus, da die Infrastruktur meist vorhanden ist. Allerdings ist dann oft eine Ablösesumme für das vorhandene Inventar und den aufgebauten Kundenstamm zu zahlen. Dies kann ebenfalls eine hohe Investition darstellen, birgt aber auch den Vorteil, sofort mit einem bestehenden Geschäft und potenziell vorhandenen Kunden starten zu können.

Laufende monatliche Kosten
Neben den einmaligen Gründungskosten fallen jeden Monat wiederkehrende Ausgaben an, die kontinuierlich erwirtschaftet werden müssen:
- Miete und Nebenkosten: Die Miete ist oft der größte Posten. Nebenkosten wie Strom, Wasser, Heizung sind in einem Salon durch den Verbrauch (Warmwasser, Föhne, Beleuchtung) deutlich höher als in privaten Haushalten.
- Personalkosten: Gehälter für Angestellte plus die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Auch Minijobber verursachen Kosten (Pauschalen an die Minijobzentrale).
- Einkauf von Verbrauchsmaterialien: Laufender Bedarf an Shampoos, Farben, Stylingprodukten, Handtuchwaschmittel etc.
- Kammerbeiträge: Obligatorische Beiträge zur Handwerkskammer.
- Beiträge zur Berufsgenossenschaft: Wichtig für die Unfallversicherung der Mitarbeiter und des Inhabers.
- Versicherungen: Betriebshaftpflichtversicherung (unerlässlich bei Personenschäden oder Sachschäden am Kunden), Geschäftsversicherung (für Inventar), eventuell Rechtsschutzversicherung.
- Steuerberaterhonorar: Laufende Kosten für Buchhaltung, Lohnabrechnung und Steuererklärungen.
- Marketingbudget: Kosten für laufende Werbung, Online-Marketing (Website-Pflege, Social Media), Flyeraktionen.
- Kosten für Weiterbildung: Wichtig, um fachlich auf dem Laufenden zu bleiben.
- Eigene Absicherung: Als Selbstständiger müssen Sie sich selbst kranken- und rentenversichern (oft obligatorisch in der gesetzlichen KV als Handwerksmeister). Dies sind erhebliche monatliche Kosten, die vom Umsatz gedeckt werden müssen, bevor ein „Gewinn“ für den Inhaber entsteht.
- Tilgung von Krediten: Falls die Gründung fremdfinanziert wurde, fallen monatliche Raten an.
Diese laufenden Kosten addieren sich schnell zu einem erheblichen Betrag (oft 1.000 Euro und mehr, allein für Miete und einige Grundgebühren). Es ist daher entscheidend, die Kosten realistisch zu kalkulieren und nicht zu optimistisch zu planen. Gerade in der Anfangsphase, wenn der Kundenstamm erst aufgebaut wird, sind die Einnahmen oft noch geringer als die Ausgaben. Ein ausreichend hohes finanzielles Polster (Liquiditätsreserve) ist daher unerlässlich, um die ersten Monate oder sogar Jahre überbrücken zu können.
Marketing und Kundengewinnung
In einem wettbewerbsintensiven Markt reicht es nicht mehr aus, einfach nur ein Schild aufzuhängen. Effektives Marketing ist entscheidend, um neue Kunden zu gewinnen und bestehende zu binden. Eine professionelle Website ist heutzutage fast schon Pflicht. Kunden suchen online nach Friseuren, informieren sich über Leistungen und Preise und buchen idealerweise direkt online Termine. Eine gut gestaltete und suchmaschinenoptimierte Website hilft dabei, von potenziellen Kunden gefunden zu werden. Auch lokale Werbung, Social-Media-Aktivitäten und Kundenbindungsprogramme tragen zum Erfolg bei.
Häufig gestellte Fragen
- Wie viele Kunden bedient ein Friseur durchschnittlich pro Tag?
- Statistisch gesehen bedient ein Friseur in einem Damensalon durchschnittlich 5,5 Kunden pro Tag und in einem Herrensalon 11,8 Kunden pro Tag.
- Wie hoch ist der durchschnittliche Umsatz pro Friseurbesuch?
- Frauen geben durchschnittlich 43,30 Euro pro Besuch aus, Herren durchschnittlich 15,50 Euro.
- Was bedeutet der „Lohnfaktor“ im Friseurhandwerk?
- Der Lohnfaktor gibt an, wie viel Umsatz ein Mitarbeiter im Verhältnis zu seinem Bruttolohn erwirtschaften muss, um für den Salon rentabel zu sein. Er liegt oft bei 4,0 oder höher, um alle Kosten (Steuern, Sozialabgaben, anteilige Betriebskosten etc.) zu decken.
- Welche Hauptkosten fallen bei der Eröffnung eines Friseursalons an?
- Wichtige Gründungskosten sind Umbau/Renovierung der Räumlichkeiten, Anschaffung des Inventars (Stühle, Waschbecken etc.), Erstausstattung mit Verbrauchsmaterialien und Werkzeugen sowie Gebühren für Behörden und Beratungen.
- Welche laufenden Kosten muss ein Friseurgeschäft decken?
- Zu den wichtigsten laufenden Kosten zählen Miete und Nebenkosten, Personalkosten (Gehälter, Sozialabgaben), Einkauf von Verbrauchsmaterialien, Beiträge zu Kammern und Berufsgenossenschaft, Versicherungen, Steuerberaterhonorar und Marketingkosten.
Fazit
Der Weg zum erfolgreichen Friseursalon führt über exzellentes Handwerk und fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen. Die Analyse von Kundenzahlen und Umsätzen, die sorgfältige Kalkulation aller Gründungskosten und laufenden Ausgaben sowie das Verständnis des Lohnfaktors sind entscheidend. Ein solider Businessplan, ein ausreichendes finanzielles Polster und gezieltes Marketing legen den Grundstein für nachhaltigen Erfolg in einem wettbewerbsintensiven Markt. Wer diese Aspekte beherrscht, kann sein kreatives Talent langfristig und profitabel ausüben.
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