25/01/2013
Jeder kennt sie, jeder bekommt sie: Kassenbons. Sie sind ein alltäglicher Begleiter unseres Konsums, von kleinen Einkäufen bis hin zu größeren Besorgungen. Doch was steckt wirklich in diesen kleinen Zetteln, und welche Auswirkungen haben sie auf unsere Gesundheit und die Umwelt? Die scheinbar einfachen Belege bergen eine komplexere Geschichte, insbesondere wenn es um das verwendete Material und die darin enthaltenen Chemikalien geht.

Auf den ersten Blick erscheinen Kassenbons wie gewöhnliches Papier. Tatsächlich bestehen sie meist aus sogenanntem Thermopapier. Dieses Spezialpapier unterscheidet sich grundlegend von normalem Schreib- oder Druckpapier. Während gewöhnliches Papier durch Tinte oder Toner bedruckt wird, reagiert Thermopapier auf Wärme. Eine spezielle Beschichtung ermöglicht es Thermodruckern, durch gezieltes Erhitzen bestimmte Stellen des Papiers schwarz zu färben und so Informationen sichtbar zu machen.
Diese spezielle Beschichtung enthält Farbentwickler. Diese Stoffe machen etwa 0,5 bis 3 Prozent des Papiers aus und lösen unter Temperatureinfluss eine chemische Reaktion aus, die zur Schwarzfärbung führt. Lange Zeit und zum Teil auch heute noch kommen hierfür bedenkliche Chemikalien zum Einsatz, die nicht nur Fragen zur Umweltverträglichkeit aufwerfen, sondern auch potenziell gesundheitsschädlich sind.
- Die Bonpflicht und ihre Umweltperspektive
- Bedenkliche Stoffe in Thermopapier: Bisphenol A und Bisphenol S
- Umweltprobleme durch Chemikalien im Thermopapier
- Die richtige Entsorgung von Kassenbons
- Alternativen zum klassischen Kassenbon
- Vergleich der Alternativen
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Fazit: Bewusster Umgang mit Kassenbons
Die Bonpflicht und ihre Umweltperspektive
Die Einführung der Bonpflicht in vielen Ländern hat die Menge der ausgegebenen Kassenbons naturgemäß erhöht. Aus Umweltsicht ist diese Regelung durchaus problematisch. Zwar werden Kassenbons aus Frischfaserpapier hergestellt, was den Verbrauch von Ressourcen wie Holz, Wasser und Energie bedeutet. Die eigentliche Problematik liegt jedoch weniger in der Menge des Papiers selbst – diese ist im Vergleich zum gesamten Papierverbrauch eher gering – sondern vielmehr in der chemischen Zusammensetzung des Thermopapiers.
Die in den Farbentwicklern enthaltenen Chemikalien können negative Auswirkungen auf die Umwelt haben, insbesondere wenn die Bons falsch entsorgt werden und ins Recycling gelangen. Dies führt uns direkt zur Frage, welche Stoffe in Thermopapier überhaupt stecken können und warum sie Bedenken hervorrufen.
Bedenkliche Stoffe in Thermopapier: Bisphenol A und Bisphenol S
Wie bereits erwähnt, enthält Thermopapier Farbentwickler. Die am weitesten verbreiteten Stoffe waren und sind Bisphenol A (BPA) und Bisphenol S (BPS).
Bisphenol A (BPA): Ein Stoff mit weitreichenden Folgen
Bisphenol A ist vielen Menschen mittlerweile ein Begriff, oft in Verbindung mit Kunststoffverpackungen. Doch auch in Thermopapier wurde es lange Zeit eingesetzt. BPA wurde EU-weit als „besonders besorgniserregender Stoff“ (Substance of Very High Concern, SVHC) im Rahmen der REACH-Verordnung identifiziert. Diese Einstufung erfolgte sowohl für den Bereich der menschlichen Gesundheit als auch für die Umwelt.
Die Besorgnis rührt von der endokrinen Wirkung von BPA her. Das bedeutet, dass der Stoff in das Hormonsystem eingreifen und so die Gesundheit schädigen kann. Darüber hinaus wird BPA als reproduktionstoxisch eingestuft, was die Sexualfunktion und Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen beeinträchtigen kann.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im April 2023 einen neuen, drastisch gesenkten TDI-Wert (maximal zulässige tägliche Aufnahmemenge) für Bisphenol A veröffentlicht. Der neue TDI liegt bei nur noch 0,2 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Zum Vergleich: Der alte Grenzwert betrug 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Senkung um den Faktor 20.000 verdeutlicht die wachsende Besorgnis hinsichtlich der potenziellen Gesundheitsrisiken durch BPA.
Unter bestimmten Bedingungen kann sich BPA aus dem Thermopapier lösen und über die Haut in den menschlichen Körper gelangen. Dort kann die Substanz ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen wirken. Neuere Studien zeigen, dass die Aufnahme über die Haut aus Thermopapieren die zweitwichtigste Expositionsquelle nach Lebensmitteln sein kann, insbesondere für Kinder ab 3 Jahren, Jugendliche und Erwachsene. Für Kinder unter 3 Jahren spielt diese Aufnahmeroute zwar keine Rolle, dennoch sollten kleine Kinder nicht mit Kassenzetteln spielen, da sie diese in den Mund nehmen könnten und so BPA oral aufnehmen würden.
Die Regulierung von BPA in Thermopapier
Aufgrund dieser Bedenken besteht bereits seit Längerem eine Beschränkung für BPA in Thermopapier. Seit dem 2. Januar 2020 dürfen Thermopapiere, die 0,02 Gewichtsprozent oder mehr BPA enthalten, innerhalb der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Das bedeutet, sie dürfen weder verkauft noch an Kunden ausgegeben werden. Auch Restbestände alten Papiers, das den Grenzwert überschreitet, dürfen nicht mehr verwendet werden.
Bisphenol S (BPS): Eine Alternative mit eigenen Problemen?
Nachdem BPA in Thermopapier eingeschränkt wurde, wird vermehrt auf alternative Farbentwickler ausgewichen. Eine dieser Alternativen ist Bisphenol S (BPS). Leider liegen auch für BPS Daten vor, die belegen, dass der Stoff gefährlich für Mensch und Umwelt ist.
Bisphenol S ist ebenfalls als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B) eingestuft und wird im Rahmen der REACH-Verordnung als besonders besorgniserregend (SVHC) geführt. Die Besorgnis resultiert aus seiner endokrinen Wirkung auf Mensch und Umwelt sowie seinen reproduktionstoxischen Eigenschaften. Im Jahr 2018 wurden in der EU 104.000 Tonnen BPS-haltiges Thermopapier in Verkehr gebracht, was einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr bedeutete. Es wird erwartet, dass BPS, neben Stoffen wie Pergafast 201 und D8, weiterhin eine Hauptalternative zu BPA bleiben wird.
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) prüft bereits Aktivitäten unter REACH für BPS, da ähnliche Bedenken bestehen wie bei BPA.
Umweltprobleme durch Chemikalien im Thermopapier
Die in Thermopapier enthaltenen Farbentwickler stellen nicht nur ein potenzielles Gesundheitsrisiko dar, sondern sind auch ein Problem für das Papier-Recycling. Wenn Thermopapier im Altpapier entsorgt wird, können sich die enthaltenen Chemikalien, wie Bisphenol S, im Papierrecyclingprozess verteilen. Diese kritischen Inhaltsstoffe können dann über Recyclingprodukte, wie beispielsweise Toilettenpapier oder Küchenrollen, zurück zum Verbraucher oder in die Umwelt gelangen. Dies untergräbt die Idee des Wertstoffkreislaufs und zeigt, dass nicht jedes Papier bedenkenlos recycelt werden kann.
Die richtige Entsorgung von Kassenbons
Angesichts der potenziell bedenklichen Inhaltsstoffe und der Schwierigkeiten im Recycling gibt das Umweltbundesamt (UBA) eine klare Empfehlung zur Entsorgung von Thermopapier-Kassenbons. Da Verbraucher die verschiedenen Arten von Thermopapier – insbesondere ob sie phenolhaltige Farbentwickler enthalten oder nicht – in der Regel nicht unterscheiden können und immer noch phenolhaltige Stoffe wie BPS verwendet werden, empfiehlt das UBA aus Vorsorgegründen, alle Thermopapiere im Restmüll zu entsorgen.
Die Entsorgung im Restmüll verhindert, dass die Chemikalien in den Altpapierkreislauf gelangen und Recyclingprodukte kontaminieren. Auch wenn kleinere Mengen im Altpapier privater Haushalte (Blaue Tonne) das Recycling wohl nicht stark beeinträchtigen, sollten größere Mengen, wie sie beispielsweise in Supermärkten anfallen, nicht im Papiercontainer landen.
Alternativen zum klassischen Kassenbon
Die Bedenken hinsichtlich der Chemikalien in Thermopapier und dessen Entsorgung rufen nach Alternativen. Glücklicherweise gibt es bereits verschiedene Ansätze, um die negativen Auswirkungen zu minimieren oder ganz zu vermeiden.
Elektronische Belegausgabe
Die umweltfreundlichste Alternative zum ausgedruckten Kassenbon ist die elektronische Belegausgabe. Laut Abgabenordnung ist dies möglich, wenn der Kunde zustimmt. Diese Zustimmung bedarf keiner besonderen Form und kann auch stillschweigend erfolgen. Es gibt keine festen Vorgaben, wie der elektronische Beleg zur Verfügung gestellt werden muss.
Mehrere Unternehmen bieten bereits digitale Lösungen an. Dazu gehören der Versand des Belegs per E-Mail, die Bereitstellung über eine App mittels QR-Code, die Speicherung in Kundenkonten oder die Übertragung direkt auf das Mobiltelefon über „Near Field Communication“ (NFC). Die elektronische Lösung spart nicht nur Papier und Chemikalien, sondern ist auch für den Kunden oft praktischer, da Belege nicht verloren gehen und digital archiviert werden können.
Farbentwicklerfreie Thermopapiere
Neben der digitalen Lösung gibt es auch Fortschritte bei der Entwicklung von umweltfreundlicherem Thermopapier. Es gibt bereits farbentwicklerfreie Papiere. Diese Papiere funktionieren ohne die problematischen chemischen Farbentwickler.
Sie bestehen aus einem Basispapier, das mit einem schwarzen Pigment beschichtet ist. Darüber liegt eine Schicht aus kleinen Polymerkugeln. Wenn diese Kugeln durch Wärme kollabieren, wird das schwarze Pigment darunter sichtbar und erzeugt den Aufdruck.
Sowohl das Pigment als auch das Polymer werden auch in anderen Anwendungen in der Papierindustrie eingesetzt und gelten als weniger problematisch. Ein Beispiel für solches Papier ist das von der ECHA erwähnte Blue4est®. Diese Papiere unterscheiden sich optisch von herkömmlichem Thermopapier, da sie insgesamt dunkler gefärbt aussehen, was sie für Verbraucher gut erkennbar macht. Das UBA bewertet farbentwicklerfreie Thermopapiere besonders positiv.
Ein Vorteil dieser Papiere ist, dass sie in kleinen Mengen (im Haushaltsaltpapier) entsorgt werden können, da sie keine bedenklichen Farbentwickler enthalten. Bei größeren Mengen, die z.B. im Einzelhandel anfallen, sollte jedoch Vorsicht geboten sein, da das schwarze Pigment das Recyclingpapier dunkler färben kann. Hier wird empfohlen, größere Mengen entweder im Verpackungsaltpapier oder im Restmüll zu entsorgen, um die Qualität des grafischen Papierrecyclings nicht zu beeinträchtigen.
Vergleich der Alternativen
| Merkmal | Herkömmliches Thermopapier | Farbentwicklerfreies Thermopapier | Elektronischer Beleg |
|---|---|---|---|
| Material | Papier mit chem. Farbentwicklern (BPA, BPS etc.) | Papier mit Pigmenten & Polymeren | Digital |
| Umweltbelastung (Chemikalien) | Hoch (SVHC Stoffe mögl.) | Gering (Pigmente & Polymere) | Keine (direkt) |
| Gesundheitsrisiko | Möglich (Hormon-/Reproduktionstoxisch) | Gering | Keine |
| Entsorgung (UBA Empfehlung) | Restmüll | Haushalts-Altpapier (kleine Mengen), sonst Restmüll/Verpackungsaltpapier | Keine physische Entsorgung |
| Recyclingfähigkeit | Nicht empfohlen im Altpapier | Möglich (kl. Mengen), Pigment färbt Papier | Nicht relevant |
| Verfügbarkeit | Sehr hoch | Wächst, noch teurer | Wächst, abhängig vom Händler |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind Kassenbons aus Papier? Ja, Kassenbons bestehen in der Regel aus Spezialpapier, dem sogenannten Thermopapier, das beschichtet ist.
Wie ist die Bonpflicht aus Umweltsicht zu bewerten? Die Bonpflicht ist aus Umweltsicht problematisch, weniger wegen der Papiermenge, sondern wegen der chemischen Zusammensetzung des Thermopapiers, das bedenkliche Farbentwickler enthalten kann.
Welche bedenklichen Stoffe können in Thermopapier stecken? Hauptsächlich Bisphenol A (BPA) und Bisphenol S (BPS) als Farbentwickler, aber auch andere alternative phenolische Stoffe, die ebenfalls Bedenken hervorrufen können.
Welche Eigenschaften hat Bisphenol A? BPA ist ein „besonders besorgniserregender Stoff“ mit endokriner (hormoneller) Wirkung und wird als reproduktionstoxisch eingestuft. Es kann über die Haut aufgenommen werden.
Wie bedenklich ist Bisphenol A? BPA kann über die Haut aufgenommen werden und wie Östrogen wirken. Die dermale Aufnahme aus Thermopapier gilt als zweitwichtigste Expositionsquelle nach Lebensmitteln, insbesondere für Personen ab 3 Jahren. Es gibt Bedenken hinsichtlich hormoneller und reproduktiver Auswirkungen.
Bis wann durften BPA-haltige Kassenbons verwendet werden? Seit dem 2. Januar 2020 dürfen Thermopapiere mit 0,02 Gewichtsprozent oder mehr BPA nicht mehr in der EU in Verkehr gebracht, also auch nicht mehr ausgegeben werden.
Ist Bisphenol S-haltiges Thermopapier besser für Mensch und Umwelt? Nein, Bisphenol S (BPS) wird ebenfalls als besonders besorgniserregend eingestuft, ist reproduktionstoxisch und hat endokrine Wirkungen. Es stellt eine ähnliche Besorgnis dar wie BPA.
Wie sollte Thermopapier entsorgt werden? Das Umweltbundesamt empfiehlt, aus Vorsorgegründen alle Thermopapiere im Restmüll zu entsorgen, da man sie optisch nicht unterscheiden kann und sie bedenkliche Chemikalien enthalten können, die das Recycling stören.
Was ist eine umweltfreundliche Alternative zu ausgedruckten Kassenbons? Die Nutzung der elektronischen Belegausgabe (per E-Mail, App, QR-Code, NFC etc.) ist die umweltfreundlichste Alternative.
Gibt es Kenntnisse zu Restbeständen alten Kassenbon-Papiers mit Bisphenol A – und dürfen diese weiterverkauft werden? Über die Menge an Restbeständen gibt es keine Übersicht. Restbestände von BPA-haltigem Thermopapier, die den Grenzwert überschreiten, dürfen seit dem 2. Januar 2020 nicht mehr an Kunden ausgegeben werden.
Welche unbedenklichen Ersatzstoffe für BPA gibt es? Es gibt phenol-freie Farbentwickler und sogar Thermopapiere, die ganz ohne Farbentwickler funktionieren (z.B. Blue4est®). Allerdings haben sich diese aus Preis- und Verfügbarkeitsgründen noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Viele aktuell eingesetzte phenolische Ersatzstoffe für BPA sind ebenfalls von Besorgnis.
Gibt es farbentwicklerfreie Thermopapiere? Ja, es gibt Papiere, die ohne chemische Farbentwickler auskommen. Sie verwenden Pigmente und Polymere, die durch Wärme sichtbar werden. Sie sind optisch anders (dunkler) und gelten als umweltfreundlicher.
Sind farbentwicklerfreie Thermopapiere besser? Das UBA bewertet farbentwicklerfreie Thermopapiere positiv. Sie enthalten keine bedenklichen Farbentwickler wie BPA oder BPS. Ihre Entsorgung im Altpapier ist in kleinen Mengen unproblematischer, auch wenn das Pigment das Recyclingpapier dunkler färben kann.
Fazit: Bewusster Umgang mit Kassenbons
Kassenbons sind mehr als nur einfache Zettel. Die Verwendung von Thermopapier, insbesondere mit bedenklichen chemischen Farbentwicklern wie BPA und BPS, wirft wichtige Fragen bezüglich Gesundheit und Umwelt auf. Während die Regulierung von BPA ein Schritt in die richtige Richtung war, sind viele der Ersatzstoffe ebenfalls nicht unbedenklich. Die richtige Entsorgung im Restmüll ist entscheidend, um eine Kontamination des Papierrecyclings zu verhindern.
Die vielversprechendsten Alternativen sind die digitale Belegausgabe und die zunehmend verfügbaren farbentwicklerfreien Thermopapiere. Als Verbraucher können wir einen Beitrag leisten, indem wir, wo immer möglich, elektronische Belege wählen oder darauf achten, dass Geschäfte umweltfreundlichere Papieralternativen nutzen. Ein bewusster Umgang mit Kassenbons ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt hin zu einem nachhaltigeren Konsumalltag.
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