04/11/2014
Viele Menschen in Deutschland kennen den Namen OTTO. Er steht oft für das große Versandhaus und den heutigen Online-Händler. Doch was verbirgt sich hinter dem Namen OTTO Office? Sind die beiden Unternehmen identisch oder gibt es wichtige Unterschiede? Diese Frage taucht häufig auf, und es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die Geschichte und Ausrichtung beider Entitäten zu werfen, denn obwohl sie gemeinsame Wurzeln haben, sind sie heute getrennte Unternehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Um die Beziehung zwischen OTTO und OTTO Office zu verstehen, müssen wir ihre jeweiligen Geschichten betrachten. Die Wurzeln reichen tief in die deutsche Versandhandelsgeschichte zurück.
Die OTTO Group: Ein Handelsriese im Wandel
Die heutige OTTO Group hat ihren Ursprung im Jahr 1949. Am 17. August gründete der damals 40-jährige Werner Otto in Hamburg den „Werner Otto Versandhandel“. Das Unternehmen startete bescheiden mit nur drei Mitarbeitenden. Bereits ein Jahr später, im Jahr 1950, erschien der erste Otto-Katalog. Er umfasste 14 Seiten und präsentierte 28 Schuhmodelle. Eine wegweisende Neuerung für den deutschen Versandhandel war die Einführung der Bezahlung per Rechnung unter dem Motto „Vertrauen gegen Vertrauen“. Dieses Konzept war äußerst erfolgreich.
In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen rasant. Bereits 1953 verfünffachte Otto seinen Umsatz, und die Auflage des Katalogs stieg auf 37.000 Exemplare. Das Wohlergehen der Mitarbeitenden war Werner Otto wichtig, und so führte das Unternehmen bereits 1956 die Fünf-Tage-Woche ein. Im Jahr 1960 zog der Otto-Versand an seinen heutigen Hauptsitz in Hamburg-Bramfeld um. Die technische Entwicklung wurde früh genutzt: Ab 1963 konnten dank integrierter Datenverarbeitung Bestellungen telefonisch aufgegeben werden.
In den 1970er Jahren erreichte Otto eine neue Dimension und erzielte über eine Milliarde D-Mark Umsatz. Die Entwicklung zum Konzern schritt voran, unter anderem durch die Gründung des eigenen Zustelldienstes Hermes im Jahr 1972. Akquisitionen wie die Aktienmehrheit am Schwab Versand 1976 machten den Konzern zum weltweit drittgrößten Versandhändler. Unter der Führung von Dr. Michael Otto, der 1981 den Vorstandsvorsitz übernahm, internationalisierte sich die Otto Group weiter und beteiligte sich an zahlreichen Unternehmen. Umweltbewusstsein wurde bereits 1986 ein offizielles Unternehmensziel. In den 1980er und 90er Jahren kamen zahlreiche deutsche und internationale Händler zur Otto Group, darunter Witt Weiden, Sport Scheck, Moden Müller oder Euronova.

Ein entscheidender Schritt in die digitale Zukunft erfolgte 1995, als otto.de als einer der ersten Versandhändler in Deutschland mit einem großen Angebot online ging. Zu dieser Zeit besaßen nur wenige Menschen in Deutschland einen Internetanschluss. Dennoch wuchs das Online-Geschäft schnell; bereits 1997 machten Internetbestellungen rund sieben Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das Unternehmen nutzte die Chancen der digitalen Welt konsequent. Im Jahr 2007 waren bereits 500.000 Artikel online verfügbar. Ein Jahr später überstieg der Online-Umsatz erstmals den der traditionellen Vertriebskanäle, mit über 50 Prozent des Jahresumsatzes von otto.de.
Die Ära des gedruckten Katalogs endete 2018 nach 68 Jahren. Das Unternehmen fokussierte sich vollständig auf den Online-Handel, was durch das Cover des letzten Katalogs mit einem Smartphone und dem Satz „Ich bin dann mal App“ symbolisiert wurde. Heute kommen über 70 Prozent der Besuche im Shop über mobile Endgeräte. Die Otto Group ist heute eine international tätige Handels- und Dienstleistungsgruppe mit 30 wesentlichen Unternehmensgruppen in verschiedenen Segmenten wie Plattformen, Markenkonzepte, Händler, Services und Finanzdienstleistungen. Sie ist vor allem in Deutschland, dem übrigen Europa und den USA aktiv und verfolgt eine Haltung des verantwortungsvollen Handels.
OTTO Office: Der Spezialist für Bürobedarf
Parallel zur Entwicklung der großen Otto Group entstand ein spezialisiertes Geschäftsfeld. Im Jahr 1994 wurde innerhalb des OTTO Versands das Geschäftsfeld Bürobedarf gegründet, speziell ausgerichtet auf Geschäftskunden. Dies war der Grundstein für OTTO Office. Ziel war es, kleine- bis mittelständische Unternehmen gezielt mit Büromaterial und verwandten Produkten zu beliefern.
Aus diesem Geschäftsfeld entwickelte sich 1997 das Unternehmen Otto Büro+Technik, das erstmals rechtliche Eigenständigkeit erlangte. Es startete mit eigener Logistik und Kundenbetreuung auf dem deutschen Markt. Im Jahr 1999 ging das Unternehmen ein Joint-Venture mit JM Bruneau ein, einem führenden Versandhändler für Bürobedarf in Frankreich. Im Jahr 2000 erfolgte der Markteintritt in Frankreich, und ebenso wichtig war der Startschuss für den eigenen Online-Shop von Otto Büro+Technik. Im Jahr 2001 wurde Otto Büro+Technik schließlich in OTTO Office umbenannt, den Namen, unter dem das Unternehmen bis heute bekannt ist.

In den folgenden Jahren expandierte OTTO Office weiter international. Es erfolgte der Markteintritt in Tschechien (2004), der Slowakei (2005) und Belgien (2007). Allerdings zog sich OTTO Office im Jahr 2012 wieder aus den Märkten Tschechien und Slowakei zurück. Die Finanzkrise wurde als Grund für diesen Schritt genannt.
OTTO Office spezialisierte sich konsequent auf den Versandhandel mit Bürobedarf, Kommunikationstechnik und Büromöbeln. Mit etwa 35.000 Artikeln im Katalog und im Online-Shop richtet sich das Angebot klar an Unternehmen. Das Unternehmen gehört zu den größten Business-to-Business (B2B) Distanzhändlern für Büromaterial in Deutschland. Der Hauptsitz von OTTO Office befindet sich ebenfalls in Hamburg.
Die Trennung: Gemeinsame Wurzeln, getrennte Wege
Der entscheidende Punkt, der erklärt, warum OTTO und OTTO Office heute nicht mehr dasselbe sind, liegt im Jahr 2015. Im Juli 2015 hat sich die Otto Group dazu entschieden, den Bereich Büromaterial für Geschäftskunden, also OTTO Office, zu veräußern. Ein passender Shareholder wurde in der Hans R. Schmid Holding AG gefunden. Demnach wurde OTTO Office im Juli 2015 von der Hans R. Schmid Holding AG übernommen und wurde ein Teil dieser Unternehmensgruppe.
Seit dieser Übernahme ist OTTO Office rechtlich und organisatorisch von der OTTO Group getrennt. OTTO Office agiert nun als Tochterunternehmen der Hans R. Schmid Holding AG. Mit Standorten in Hamburg, Karlsruhe, Ettlingen und Belgien beliefert OTTO Office weiterhin zuverlässig den deutschen und belgischen Markt. Das Unternehmen beschäftigt in der Gruppe (Hans R. Schmid Holding AG) über 1600 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 800 Mio. Euro (Stand 2020).
Zielgruppen und Sortimente im Vergleich
Der Hauptunterschied zwischen der OTTO Group (bzw. ihrer Hauptplattform otto.de) und OTTO Office liegt in ihrer Ausrichtung und Zielgruppe. Die OTTO Group, historisch aus dem klassischen Versandhandel kommend, hat sich zu einem breiten Online-Händler und einer Plattform mit einem sehr vielfältigen Sortiment entwickelt. Sie richtet sich primär an Endverbraucher (Business-to-Consumer, B2C), auch wenn das heutige Modell als Plattform auch andere Händler integriert. Das Sortiment umfasst typischerweise Mode, Möbel, Elektronik, Haushaltswaren und vieles mehr, was für den privaten Konsum relevant ist.

OTTO Office hingegen ist ein reiner Business-to-Business (B2B) Händler. Das Unternehmen konzentriert sich ausschließlich auf die Bedürfnisse von Unternehmen, insbesondere kleinen- bis mittelständischen Betrieben. Das Sortiment ist hochgradig spezialisiert auf Bürobedarf, Bürotechnik und Büromöbel. Mit rund 35.000 Artikeln deckt es die spezifischen Anforderungen des Büroalltags ab, von Papier und Stiften über Druckerzubehör bis hin zu kompletten Büroeinrichtungen. Die gesamte Geschäftslogik, von der Kundenbetreuung bis zur Logistik, ist auf die Prozesse und Anforderungen von Geschäftskunden zugeschnitten.
Obwohl beide Unternehmen den Namen "OTTO" tragen und eine gemeinsame Gründungsgeschichte innerhalb desselben Konzerns teilen, bedienen sie heute unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Produktportfolios und gehören zu unterschiedlichen Unternehmensgruppen. Die Namensähnlichkeit ist ein Relikt der gemeinsamen Vergangenheit, spiegelt aber nicht die aktuelle Unternehmensstruktur wider.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist OTTO Office noch Teil der OTTO Group?
Nein, OTTO Office ist seit Juli 2015 nicht mehr Teil der OTTO Group. Es wurde von der Hans R. Schmid Holding AG übernommen und agiert seitdem als deren Tochterunternehmen.
Was ist die Hauptzielgruppe von OTTO Office?
Die Hauptzielgruppe von OTTO Office sind kleine- bis mittelständische Unternehmen (B2B). Das Angebot ist gezielt auf die Bedürfnisse von Geschäftskunden ausgerichtet.

Wem gehört die OTTO Group heute?
Die OTTO Group ist nach wie vor ein Familienunternehmen. Benjamin Otto, der Enkel des Gründers Werner Otto, hat die Kontrolle über den Konzern als Vorsitzender des Stiftungs- und Gesellschafterrats übernommen.
Was verkauft OTTO Office?
OTTO Office hat sich auf den Versandhandel mit Bürobedarf, Kommunikationstechnik und Büromöbeln spezialisiert. Das Sortiment umfasst rund 35.000 Artikel für den Büroalltag.
Was verkauft die Hauptplattform OTTO (otto.de)?
Die Hauptplattform otto.de der OTTO Group ist ein breiter Online-Händler und Marktplatz. Historisch aus dem Versandhandel mit einem breiten Sortiment entstanden, bietet otto.de heute eine Vielzahl von Produkten für Endverbraucher, darunter Mode, Möbel, Elektronik und mehr.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frage, ob OTTO und OTTO Office dasselbe sind, mit einem klaren Nein beantwortet werden muss, zumindest in Bezug auf die aktuelle Unternehmensstruktur. Während OTTO Office seine Ursprünge im Jahr 1994 als Geschäftsfeld innerhalb der OTTO Group hat und somit eine historische Verbindung besteht, ist es seit 2015 ein rechtlich eigenständiges Unternehmen unter dem Dach der Hans R. Schmid Holding AG. Die OTTO Group ist ein großer, diversifizierter internationaler Handels- und Dienstleistungskonzern, der sich primär an Endverbraucher richtet, während OTTO Office ein spezialisierter B2B-Versandhändler für Bürobedarf ist. Die Namensähnlichkeit ist ein Ergebnis der gemeinsamen Vergangenheit, aber die Unternehmen verfolgen heute getrennte Geschäftsmodelle und gehören unterschiedlichen Eigentümern.
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