Wo produziert Solingen?

Solingen: Bevölkerung, Vielfalt & Klingen

11/08/2013

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Solingen, bekannt als die Klingenstadt, ist eine Stadt im Bergischen Land, die tief in der Geschichte verwurzelt ist und deren Identität maßgeblich von ihrer geografischen Lage an der Wupper und ihrer weltberühmten Schneidwarenproduktion geprägt ist. Doch Solingen ist mehr als nur Stahl und Klingen; es ist auch eine lebendige Gemeinschaft mit einer dynamischen Bevölkerungsstruktur, die sich im Laufe der Zeit stark verändert hat.

Wem gehört Solingen?
Solingen ist eine kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen. Sie gehört zum Bergischen Land und zum Bergischen Städtedreieck und ist Bestandteil der Metropolregion Rheinland und des Landschaftsverbands Rheinland.

Die Geschichte der Bevölkerungsentwicklung Solingens ist eng mit der Industrialisierung verbunden. Jahrhundertelang wuchs die Einwohnerzahl nur sehr langsam. Erst die Anforderungen der Industrie, insbesondere der metallverarbeitenden Betriebe, führten zu einem raschen Anstieg und Urbanisierungseffekt, wie er für viele Städte in Mitteleuropa typisch war.

Übersicht

Historische Bevölkerungsentwicklung und städtische Zusammenschlüsse

Die heutige Größe und Struktur Solingens ist das Ergebnis mehrerer bedeutender Zusammenschlüsse umliegender Gemeinden über viele Jahrzehnte hinweg. Ein entscheidender Schritt war die Erhebung zur kreisfreien Stadt im Jahr 1896.

Bereits im Jahr 1910 hatte die damalige Mittelstadt Solingen die Schwelle von 50.000 Einwohnern überschritten. Der Bedarf an Arbeitskräften für die florierende Schneidwarenindustrie war der Hauptmotor dieses frühen Wachstums.

Der bedeutendste Einschnitt in der Stadtgeschichte und für die Bevölkerungsentwicklung war das Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets im Jahr 1929. Durch diesen politisch gewollten Akt wurden die eigenständigen Städte Ohligs (mit 29.768 Einwohnern), Wald (27.443 Einwohner), Höhscheid (15.854 Einwohner), Gräfrath (10.582 Einwohner) und Solingen selbst (mit 56.353 Einwohnern) zur neuen Großstadt Solingen vereint. Diese Städtevereinigung trat offiziell am 1. August 1929 in Kraft und führte zu einer Einwohnerzahl von circa 140.000.

In den Nachkriegsjahren setzte sich das kräftige Wachstum fort. Solingen erreichte im Jahr 1972 mit 177.899 Einwohnern seinen bisherigen historischen Höchststand.

Aktuelle Bevölkerungszahlen und Struktur

Nach einer Phase des Rückgangs wächst die Solinger Bevölkerung seit 2014 wieder. Am 30. September 2022 zählte die Stadt 164.105 Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnsitz.

Dieser jüngste Bevölkerungszuwachs ist maßgeblich auf Zuwanderung zurückzuführen: Die Zahl der Zuzüge nach Solingen übersteigt die der Wegzüge und Todesfälle. Interessanterweise trägt die Zuwanderung auch dazu bei, dass die Stadt im Durchschnitt jünger wird. Neubürgerinnen und Neubürger haben im Schnitt ein Alter von 32,0 Jahren, während der Altersdurchschnitt der Solinger „Urbevölkerung“ bei 44,1 Jahren liegt.

Seit Beginn der 2010er Jahre ist zudem ein deutlicher Zuzug junger Familien aus dem Düsseldorfer Umland, insbesondere aus den Nachbarstädten Haan und Hilden, zu beobachten.

Die Struktur der Solinger Bevölkerung am Stichtag 30. September 2022, basierend auf den 164.105 gemeldeten Bürgerinnen und Bürgern, gliedert sich wie folgt nach Altersgruppen:

  • 27.906 Personen sind jünger als 18 Jahre.
  • 100.747 Personen sind zwischen 18 und 65 Jahre alt.
  • 35.425 Personen sind 65 Jahre oder älter.

Die überwiegende Mehrheit der 164.105 in Solingen gemeldeten Personen lebt in privaten Haushalten. Ende 2022 gab es circa 80.170 private Haushalte in der Stadt. Rund 3.000 Personen leben in Gemeinschaftseinrichtungen, die keinen privaten Haushaltscharakter haben, wie zum Beispiel Altenheime, Jugendhilfeeinrichtungen, Asylbewerberheime oder Obdachloseneinrichtungen.

Vielfalt der Bevölkerung und Migrationshintergrund

Solingen ist eine Stadt mit einer vielfältigen Bevölkerung. Von den 164.105 Einwohnern im Jahr 2022 hatten 106.658 Personen die deutsche Staatsangehörigkeit und keinen Migrationshintergrund (Stand 30. Juni 2017, bezogen auf die damalige Gesamteinwohnerzahl). Diese Personengruppe hat mindestens in zweiter Generation die deutsche Staatsangehörigkeit und entsprach zu diesem Zeitpunkt 65,0 % der Gesamteinwohnerzahl Solingens.

Gemäß der Definition des Statistischen Bundesamtes hat man in Deutschland einen Migrationshintergrund, wenn man selbst nicht deutscher Staatsbürger ist oder wenn mindestens ein Elternteil nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Die Migrantenstatistik zeigt, dass die Solinger Ausländerquote im Jahr 2020 mit 35,0 % deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 12,7 % lag. Ende 2019 hatten insgesamt 27.575 Menschen in Solingen keine deutsche Staatsangehörigkeit, und über 30.000 Solingerinnen und Solinger besaßen eine doppelte Staatsangehörigkeit.

Die drei größten Migrantengruppen in Solingen im Jahr 2020 waren:

  • Italiener (5.980 Personen)
  • Türken (5.885 Personen)
  • Syrer (1.830 Personen)

Insgesamt leben Menschen aus rund 140 Nationen in der Klingenstadt.

Besonders auffällig ist der Trend, dass der Anteil der Migranten in Solingen mit sinkendem Alter der Bevölkerungsgruppe steigt. Eine Datenauswertung zeigte, dass der Migrationsanteil in der Gruppe der über 75-Jährigen bei 11 % lag, während er in der Gruppe der unter 3-Jährigen bereits 56 % betrug (Tendenz steigend). Dies deutet darauf hin, dass der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung in Zukunft weiter steigen wird, während der Anteil der Solinger Bürgerinnen und Bürger ohne Zuwanderungshintergrund tendenziell abnehmen wird.

Für das Jahr 2040 berechneten Statistiker, dass die Zahl der Migranten voraussichtlich um rund 8.300 zunehmen wird.

Auch in den Schulen spiegelt sich diese Entwicklung wider. Im Schuljahr 2019/20 hatten 45,3 % der Solinger Grundschülerinnen und Grundschüler einen Migrationshintergrund.

Blick in die Zukunft: Bevölkerungsprognose und Seniorenanteil

Die Solinger Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Einwohnerzahl in den nächsten Jahren stabil bleiben wird. Laut Prognose werden im Jahr 2040 mindestens 164.000 Menschen in Solingen leben.

Diese Prognosen basieren auf aktuellen Daten des Solinger Melderegisters und verwenden eine speziell für Kommunen etablierte Software. Diese Datengrundlage wird als präziser und verlässlicher eingeschätzt als die des Landesbetriebs IT.NRW, welcher eine niedrigere Einwohnerzahl ausweist.

Eine wichtige Entwicklung betrifft den Anteil älterer Menschen. Eine Datenerhebung aus dem Jahr 2019 zeigte, dass der Senioren-Anteil (65 Jahre und älter) in der Klingenstadt deutlich ansteigen wird. Demnach werden im Jahr 2040 voraussichtlich über 44.000 Solinger Bürgerinnen und Bürger mindestens 65 Jahre oder älter sein. Dies entspricht einem Wachstum dieser Bevölkerungsgruppe um 32 % im Vergleich zu 2019. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Bevölkerungsgruppe der unter 65-Jährigen in Solingen um mindestens 6.000 Personen schrumpfen wird.

Wem gehört Solingen?
Solingen ist eine kreisfreie Großstadt im Regierungsbezirk Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen. Sie gehört zum Bergischen Land und zum Bergischen Städtedreieck und ist Bestandteil der Metropolregion Rheinland und des Landschaftsverbands Rheinland.

Flüchtlinge und Zuwanderung aus Krisengebieten

Die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen ist ebenfalls ein Aspekt der Bevölkerungsstruktur Solingens. Im Jahr 2020 lebten circa 3.300 Menschen mit einem Flüchtlingsstatus in der Stadt. Davon waren nach Angaben der Stadtverwaltung etwa 2.800 Personen in Privatwohnungen untergebracht und rund 500 in öffentlichen Unterkünften.

Von allen registrierten Flüchtlingen hatten über 2.400 eine gültige Aufenthaltsberechtigung nach einem abgeschlossenen Asylverfahren. Bei über 400 Flüchtlingen lief das Asylverfahren noch oder sie waren befristet geduldet. Im Jahr 2018 gab es 38 freiwillige Ausreisen und 58 Zwangsabschiebungen.

Mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine und dem damit verbundenen Zuzug geflüchteter Menschen seit März 2022 ist die Einwohnerzahl Solingens im Jahr 2022 zusätzlich angestiegen. Knapp 1.400 Ukrainerinnen und Ukrainer (mit einem höheren Anteil an Frauen) kamen nach Solingen. Zum Stichtag 30. September 2022 waren insgesamt 1.617 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit in Solingen gemeldet.

Solingen: Weltzentrum der Schneidwarenproduktion

Die Identität Solingens ist untrennbar mit der Herstellung hochwertiger Klingen verbunden. Solingen ist weltweit als das Zentrum der Schneidwarenproduktion bekannt.

Die Wasserkraft der Wupper spielte dabei seit dem 14. Jahrhundert eine zentrale Rolle. Sie diente als Antrieb für die Maschinen in zahlreichen Klingen- und Messermanufakturen, den sogenannten Schleiferkotten, in denen die Messer- und Scherenschleifer unter oft harten Bedingungen arbeiteten.

Das 17. Jahrhundert gilt als eine Blütezeit der Solinger Schneidwarenherstellung, mit über 100 dokumentierten Kotten im Jahr 1684.

Auch heute noch ist die Industrie präsent. Laut Angaben des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltswaren produzieren etwa 150 Unternehmen mit gut 3.000 Beschäftigten in Solingen die berühmten Schneidwaren.

Die Herstellung vieler Solinger Messer und Scheren erfolgt dabei nicht ausschließlich in vollautomatisierten Fertigungshallen. Tatsächlich werden viele Produkte noch immer von zahlreichen kleinen und mittleren Solinger Betrieben in traditioneller Handarbeit und in mehreren Schritten gefertigt. Die Messer durchlaufen dabei unter anderem die spezialisierten Arbeiten des Schleifers, des Pließters (zum Feinpolieren), des Reiders (zum Montieren der Griffe) und des Ausmachers (zur Endkontrolle und Fertigstellung).

Aufgrund dieser handwerklichen Fertigungsschritte ist im Grunde jedes Messer ein Unikat; jeder Schliff ist minimal anders, und jeder Holzgriff sowieso ein Einzelstück der Natur.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist das Solingen-Zeichen. Alle in Solingen hergestellten Küchenmesser, die den Qualitätsanforderungen entsprechen, tragen dieses Zeichen.

Die Verwendung des Namens Solingen im geschäftlichen Verkehr für Schneidwaren ist streng durch die Solingenverordnung geregelt. Diese Verordnung besagt, dass der Name Solingen nur für solche Schneidwaren benutzt werden darf, die in allen wesentlichen Herstellungsstufen innerhalb des Solinger Industriegebiets bearbeitet und fertig gestellt worden sind und die nach Rohstoff und Bearbeitung geeignet sind, ihren arteigenen Verwendungszweck zu erfüllen. Dies stellt sicher, dass das Solingen-Zeichen ein echtes Gütesiegel für Herkunft und Qualität ist.

Wenn Sie online Solinger Stahlwaren kaufen möchten, empfiehlt es sich, dies direkt dort zu tun, wo sie auch produziert werden – in der Klingenstadt Solingen. Dies hat nicht nur ökologische Vorteile durch kürzere Transportwege und weniger Zwischenhandel, sondern unterstützt auch direkt die Handwerksbetriebe und die Heimatverbundenheit der Produzenten.

Bevölkerungsentwicklung von Solingen (Hauptwohnsitz)

JahrEinwohner
1949146.162
1954157.430
1959167.036
1964173.900
1969177.087
1974174.995
1979169.875
1984162.574
1989162.096
1994165.404
1999164.676
2004163.156
2009160.992
2014156.369
2019163.112
30. Sept. 2022164.105

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viele Einwohner hat Solingen aktuell?

Laut den neuesten verfügbaren Daten vom 30. September 2022 hat Solingen 164.105 Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnsitz.

Warum ist Solingen als "Klingenstadt" bekannt?

Solingen hat diesen Beinamen aufgrund seiner jahrhundertealten Tradition und seiner weltweiten Bedeutung als Zentrum der Herstellung von hochwertigen Schneidwaren wie Messern und Scheren. Die Wasserkraft der Wupper war historisch entscheidend für den Antrieb der Schleifereien.

Was besagt die Solingenverordnung?

Die Solingenverordnung ist eine gesetzliche Regelung, die die Verwendung des Namens Solingen für Schneidwaren schützt. Sie stellt sicher, dass nur Produkte, die in allen wesentlichen Herstellungsstufen im Solinger Industriegebiet gefertigt wurden und bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, als "Solingen" gekennzeichnet werden dürfen.

Wie hat sich die Bevölkerung Solingens historisch entwickelt?

Die Bevölkerungsentwicklung Solingens wurde maßgeblich durch die Industrialisierung vorangetrieben. Nach mehreren städtischen Zusammenschlüssen, insbesondere im Jahr 1929, wuchs die Stadt zur Großstadt. Der historische Höchststand wurde 1972 erreicht. Seit 2014 wächst die Bevölkerung wieder leicht, primär durch Zuwanderung.

Welche Bevölkerungsprognose gibt es für Solingen?

Die Prognose der Stadtverwaltung Solingen geht davon aus, dass die Einwohnerzahl bis 2040 stabil bei mindestens 164.000 Personen bleiben wird. Allerdings wird erwartet, dass der Anteil älterer Menschen (65+) deutlich zunehmen wird, während die Zahl der jüngeren Bevölkerung tendenziell abnimmt.

Was bedeutet "Migrationshintergrund" im Zusammenhang mit der Solinger Bevölkerung?

Der Begriff Migrationshintergrund wird gemäß der Definition des Statistischen Bundesamtes verwendet. Er trifft auf Personen zu, die selbst keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder bei denen mindestens ein Elternteil nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hat. In Solingen ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund relativ hoch und in den jüngeren Altersgruppen besonders ausgeprägt.

Wer produziert heute Schneidwaren in Solingen?

Laut Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren sind heute noch etwa 150 Unternehmen mit rund 3.000 Beschäftigten in Solingen in der Schneidwarenproduktion tätig. Viele davon sind kleinere Betriebe, die weiterhin auf traditionelle Handwerkskunst setzen.

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