10/07/2018
Tuttlingen, gelegen im reizvollen Donaubergland und an der berühmten Schwäbischen Albstraße, mag auf den ersten Blick eine Stadt wie viele andere erscheinen. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt eine Stadt voller kultureller Höhepunkte, beeindruckender Bauwerke und lebendiger Traditionen. Von modernen Veranstaltungsorten bis hin zu historischen Stätten und einer Fülle an jährlichen Ereignissen bietet Tuttlingen seinen Bewohnern und Besuchern ein vielfältiges Programm, das keine Wünsche offen lässt.

Zentrum des kulturellen Lebens: Die Stadthalle
Ein zentraler Anlaufpunkt für Kulturinteressierte in Tuttlingen ist zweifellos die Stadthalle. Als modernes Kulturzentrum konzipiert, ist sie der Hauptschauplatz für eine breite Palette von Veranstaltungen. Hier finden Theateraufführungen und Konzerte statt, die von klassischer Musik bis hin zu modernen Pop- und Rock-Acts reichen. Die Notwendigkeit eines größeren und zeitgemäßen Veranstaltungsortes entstand, als die bisherige Alte Festhalle am Stadtgarten zu klein wurde, um international renommierte Künstler zu beherbergen.
Nach einem Architektenwettbewerb im Jahr 1997 wurde die neue Stadthalle von der Architektenpartnerschaft Heckmann. Kristel. Jung aus Stuttgart entworfen und schließlich zwischen 2002 an der Wöhrdenbrücke erbaut. Heute stellt die Stadthalle einen wichtigen Faktor im kulturellen Angebot der Stadt dar und zieht regelmäßig Besucher aus Tuttlingen und der umliegenden Region an.
Museen und Galerien: Einblick in Geschichte und Kunst
Tuttlingen bietet eine interessante Museumslandschaft, die sowohl die Stadtgeschichte als auch die Welt der Kunst beleuchtet.
Stadtgeschichtliche Museen
Im Herzen der Innenstadt, im Fruchtkasten und im sogenannten Tuttlinger Haus, sind die stadtgeschichtlichen Museen untergebracht. Das Tuttlinger Haus ist ein bemerkenswertes Ackerbürgerhaus, das die für die Stadt typische Dachform, den sogenannten Tuttlinger Hut, aufweist. Diese Museen beherbergen eine beachtliche Sammlung von Exponaten, die die Geschichte und Entwicklung Tuttlingens dokumentieren und lebendig werden lassen.
Deutsches Dampflok- und Modelleisenbahnmuseum
Ein besonderes Highlight, vor allem für Liebhaber der Eisenbahn, ist das Deutsche Dampflok- und Modelleisenbahnmuseum. Es befindet sich im früheren Bahnbetriebswerk des Stadtteils Möhringen, am alten Ringlokschuppen. Dieses pittoreske Museum präsentiert eine Drehscheibe und eine beeindruckende Sammlung von 26 historischen Dampf- und Diesellokomotiven sowie Waggons. Es bietet einen faszinierenden Einblick in die Geschichte des Schienenverkehrs.
Galerie der Stadt Tuttlingen
Die Galerie der Stadt Tuttlingen widmet sich der zeitgenössischen Kunst. In einem architektonisch ansprechenden Ambiente zeigt die Galerie pro Jahr neun wechselnde Ausstellungen. Hier werden Werke vorwiegend zeitgenössischer Kunst aus dem In- und Ausland präsentiert. Die Ausstellungen werden abwechselnd von der Stadt Tuttlingen und dem Kunstkreis Tuttlingen organisiert und bieten eine Plattform für moderne künstlerische Ausdrucksformen.
Weitere Kultureinrichtungen
Neben den Museen und der Galerie verfügt Tuttlingen über weitere wichtige kulturelle Einrichtungen, die das Angebot abrunden:
- Die Stadtbibliothek
- Das Stadtarchiv
- Die Jugendkunstschule ZEBRA der Stadt Tuttlingen
- Die Musikschule der Stadt Tuttlingen
- Das Soziokulturelle Zentrum Rittergarten e. V.
- Das Kulturhaus Altes Krematorium
Diese Institutionen tragen maßgeblich zur kulturellen Bildung und zum gemeinschaftlichen Leben in Tuttlingen bei.
Gedenkstätten
In Tuttlingen gibt es auch Orte des Gedenkens, die an dunkle Kapitel der Geschichte erinnern. Auf dem Friedhof wurde 1947 ein Ehrenmal für Opfer des Nationalsozialismus eingerichtet. Hier wird der Opfer gedacht, unter denen sich auch Opfer der „Euthanasie“-Tötungsaktion T4 befanden. Auf sechs Steintafeln sind ihre Namen verzeichnet. Zahlreiche Leichen, darunter auch ermordete und umgekommene KZ-Häftlinge aus regionalen Außenlagern, wurden damals im städtischen Krematorium verbrannt. Ein Obelisk erinnert an ihr Schicksal.
Seit Mai 2016 werden in der Fußgängerzone Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Weitere Stolpersteine folgten in den Jahren 2017, 2018 und 2019. Insgesamt gibt es 34 Stolpersteine in Tuttlingen, die individuelle Schicksale sichtbar machen.
Architektonische Wahrzeichen und Bauwerke
Das Stadtbild Tuttlingens wurde maßgeblich durch den verheerenden Stadtbrand von 1803 geprägt, der die Innenstadt nahezu vollständig zerstörte. Viele historische Gebäude gingen verloren, doch der Wiederaufbau schuf neue, charakteristische Bauwerke.
Das Rathaus
Das prägendste Gebäude am Marktplatz ist das frühklassizistische Rathaus. Es wurde nach dem Stadtbrand ab 1804 nach Plänen von Landbaumeister Carl Leonard von Uber erbaut. Das Rathaus zeichnet sich durch seine zwei signifikanten Türme aus. Diese Türme waren notwendig, um nach dem Brand die „Hochwache“ unterzubringen, da die Tortürme der Stadtmauer nicht wieder aufgebaut wurden. Am 29. Januar 1806 zog die Stadtschreiberei ein, und einen Tag später tagte das Stadtgericht erstmals im neuen Gebäude. Ende der 1970er Jahre wurde das Rathaus baufällig, was zu Diskussionen über Abriss oder Renovierung führte. Schließlich wurde das kunsthistorisch wertvolle Gebäude ab 1981 umfassend saniert und ab 1983 wieder genutzt.
Kirchen
Die evangelische Stadtkirche verleiht dem Stadtbild ebenfalls einen charakteristischen Zug. Obwohl sie nach dem Brand neu errichtet wurde, prägt ihre reich gegliederte Jugendstilfassade das Erscheinungsbild und gilt als eine der schönsten in Süddeutschland.
Die katholische Pfarrkirche St. Gallus wurde von 1869 bis 1873 von Georg Morlok erbaut und von 1937 bis 1939 umgebaut. Weitere Kirchen in Tuttlingen sind die evangelische Martinskirche (1958), die evangelische Auferstehungskirche (1968) und die evangelische Versöhnungskirche sowie die katholische Kirche Maria Königin (1961/63). Diese Kirchen spiegeln die konfessionelle Vielfalt und die architektonische Entwicklung der Stadt wider.
Burganlagen
Die spätmittelalterliche Burg Honberg wurde im Dreißigjährigen Krieg fast vollständig zerstört. Heute sind die beiden Türme, die durch Spenden auf Initiative eines Fördervereins im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut wurden, das Wahrzeichen der Stadt. Die weitläufigen Mauerreste der Festung dienen heute als Veranstaltungsort, beispielsweise für den bekannten Honberg-Sommer, und bieten einen hervorragenden Ausblick auf die Innenstadt. Eine weitere Burgruine ist die Burgruine Luginsfeld, die im Nordosten der Innenstadt am Leutenberg liegt.
Der Tuttlinger Hut
Eine architektonische Besonderheit Tuttlingens ist der sogenannte Tuttlinger Hut. Diese typische Dachform ist eine Variante des Walmdachs und wurde ursprünglich entwickelt, um besser vor Stadtbränden zu schützen. Bei der Neugestaltung der Innenstadt nach dem Brand von 1803 wurde diese spezielle Dachform zum Standard für die Gebäude in der Innenstadt und prägt bis heute das Erscheinungsbild vieler älterer Häuser.
Regelmäßige Veranstaltungen: Ein lebendiger Festkalender
Tuttlingen ist bekannt für seinen vielfältigen und lebendigen Veranstaltungskalender, der das ganze Jahr über zahlreiche Höhepunkte bietet.
Sommerliche Highlights
Eines der bekanntesten Ereignisse ist der Honberg-Sommer. Dieses Festival findet in den Sommermonaten auf der Burgruine Honberg statt und bietet zwei Wochen lang Konzerte internationaler Künstler aus den Bereichen Jazz, Rock, Pop und Alternative.
Ebenfalls im Sommer, genauer gesagt im Juli und August, findet im Donaupark die Veranstaltungsreihe Sommer im Park statt. Sie bietet eine lockere Atmosphäre für sommerliche Unterhaltung.
Das Southside-Rock-Festival, obwohl auf dem ehemaligen Heeresflugplatz der Nachbargemeinde Neuhausen stattfindend, zieht jährlich im Juni viele Besucher nach Tuttlingen und die Region und präsentiert zahlreiche internationale Bands.
Preise und Messen
Seit 2001 schreibt die Stadt Tuttlingen den südwestdeutschen Kleinkunstpreis „Tuttlinger Krähe“ aus. Dieser mit 7000 € dotierte Preis zieht jährlich über 100 Bewerber für die Finalrunde an und ist ein wichtiger Impuls für die Kleinkunstszene.
Alle zwei Jahre findet im Herbst die Verbrauchermesse Tuttlinger Herbst statt, eine wichtige regionale Messe.
Traditionelle Feste und Märkte
Im Mai/Juni wird jährlich das Volksfest gefeiert. Am Fastnachtssamstag gibt es seit 1976 jährlich einen Fastnachtsumzug, der die fünfte Jahreszeit in Tuttlingen belebt.
Im Dezember lädt der Weihnachtsmarkt an neun Tagen zum Bummeln und Verweilen ein.
Der badische Stadtteil Möhringen ist besonders für seine schwäbisch-alemannische Fasnet bekannt. Sehenswert sind die Scherbelgruppen, die am „Fasnetsunntig“ und „Fasnetsmändig“ abends durch die Lokale ziehen, sowie das traditionelle Hanselerennen am Mittag des „Fasnetszieschdig“.
Weitere kulturelle Ereignisse
Die TuttlingerNachtKultour, die alle zwei Jahre am letzten Samstag der Sommerferien stattfindet, öffnet zahlreiche Kultureinrichtungen, Kirchen, den Buchhandel, das Landratsamt und den Rittergarten. Sie bietet in kurzen „Kulturhäppchen“ ein vielfältiges Programm unter freiem Himmel.
Seit 2004 findet an mehreren Abenden im Oktober/November der Tuttlinger Literaturherbst statt, der Lesungen namhafter Autoren präsentiert.
Die Galerie der Stadt zeigt im monatlichen Wechsel ihre neun jährlichen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.
Die Musikschule veranstaltet jährlich Ende Januar/Anfang Februar in Kooperation mit dem Deutschen Musikrat den Regionalwettbewerb Jugend musiziert für die Landkreise Tuttlingen, Rottweil und Schwarzwald-Baar.
Ebenfalls in Möhringen gibt es den Rundgang der „Nachtwächter mit ihrem Gesinde“, eine traditionsreiche Veranstaltung.
Immer in den Jahren mit gerader Zahl findet Anfang Juli in Möhringen das Städtlefest aller Vereine statt.
Freizeit und Sport
Tuttlingen bietet eine breite Palette an Freizeitmöglichkeiten und eine aktive Sportszene. Im Jahr 2020 zählte die Stadt 56 Sportvereine, die unterschiedlichste Disziplinen abdecken.
Der SC 04 Tuttlingen ist besonders für seine Fußballabteilung bekannt, bietet aber auch Futsal, Gymnastik, Leichtathletik und eine Herzsportgruppe an.
Die Athletik-Sport-Vereinigung 1897 Tuttlingen (ASV) ist mit über 500 Mitgliedern und sieben Abteilungen aktiv, darunter Ringen, Boxen, Gewichtheben, Karate, Sporttauchen, Fitness & Freizeit sowie Kickboxen. Legendär sind die Bundesliga-Derbys im Ringen mit dem ASV Nendingen; heute ist der Verein in der Verbandsliga vertreten.
Die Turngemeinde Tuttlingen 1859 e. V. deckt ein breites Spektrum ab, einschließlich Basketball, Fechten, Handball, Indiaca, Inline-Sport, Leichtathletik, Schwimmen, Sportgymnastik, Tanzsport, Turnen und Volleyball.
Die Tuttlinger Sportfreunde e. V. 1965 sind spezialisiert auf Badminton, Beachvolleyball, Fitness, Gesundheitssport, Lauftreff, Tennis, Triathlon und Volleyball.
Diese Vielzahl an Vereinen und Angeboten zeigt, dass Tuttlingen auch im Bereich Freizeit und Sport bestens aufgestellt ist und zahlreiche Möglichkeiten zur aktiven Betätigung bietet.
Fazit
Tuttlingen präsentiert sich als eine Stadt mit einem reichen kulturellen Erbe und einer lebendigen Gegenwart. Von modernen Veranstaltungsorten über historische Bauwerke, eine vielfältige Museumslandschaft bis hin zu einem prall gefüllten Veranstaltungskalender und zahlreichen Sportmöglichkeiten – die Stadt bietet für jeden etwas. Die Mischung aus Tradition und Moderne, die sich in den Gebäuden wie dem Rathaus oder der evangelischen Stadtkirche sowie in den Veranstaltungen auf der Burg Honberg oder in der Stadthalle zeigt, macht Tuttlingen zu einem attraktiven Ort zum Leben und Besuchen. Die Pflege der Geschichte, beispielsweise durch die Gedenkstätten und Stolpersteine, sowie die aktive Förderung von Kunst und Kultur unterstreichen die Bedeutung, die Tuttlingen diesen Bereichen beimisst.
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