Warum ist bei Wish alles so billig?

Wish & Co.: Schnäppchen oder versteckte Kosten?

09/06/2018

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Die Verlockung ist groß: Smartwatches für unter 20 Euro, Bekleidung für wenige Euro, Elektronik zu Preisen, die im stationären Handel oder bei etablierten Online-Shops undenkbar scheinen. Plattformen wie Wish, Temu oder AliExpress haben in den letzten Jahren Millionen von Nutzern weltweit angezogen. Sie werben aggressiv, oft über soziale Medien wie TikTok oder Instagram, und versprechen Rabatte von 60 bis 90 Prozent. Doch was steckt wirklich hinter diesen vermeintlichen Schnäppchen? Ist alles Gold, was glänzt, oder lauern hier versteckte Kosten und Risiken, die den günstigen Einkauf schnell teuer machen können?

Die Frage, warum man vielleicht weniger von Wish hört oder warum die Plattform in einem anderen Licht gesehen wird als früher, hat viel mit den Erfahrungen der Kunden und dem Aufstieg neuer, ähnlich agierender Konkurrenten zu tun. Während Wish einst als Synonym für extrem günstige Produkte aus Fernost galt, sind inzwischen neue Player wie Temu auf den Markt getreten und buhlen um die Gunst der Schnäppchenjäger. Doch die grundlegenden Mechanismen und die damit verbundenen Herausforderungen bleiben oft gleich.

Wie seriös ist Wish?
Doch wie seriös sind die Angebote? „Grundsätzlich sind Marktplätze wie AliExpress, Wish und Co. durchaus legitim und keinesfalls Fake-Shops“, urteilt Handelsexpertin Frings. Allerdings blieben immer Restrisiken.
Übersicht

Was ist Wish eigentlich und wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Viele Nutzer glauben, bei Wish direkt in einem Onlineshop einzukaufen, ähnlich wie bei Amazon oder Otto. Doch das stimmt so nicht. Wish ist kein klassischer Händler, der Waren einkauft und weiterverkauft. Stattdessen fungiert das Unternehmen aus Kalifornien lediglich als Vermittler. Die eigentlichen Verkäufer sind oft kleine Händler oder Hersteller, die zumeist in China sitzen. Wish stellt lediglich die Plattform zur Verfügung, auf der diese Anbieter ihre Produkte Millionen potenzieller Kunden präsentieren können.

Dieses Modell hat weitreichende Folgen für die Käufer. Da Wish nur der Vermittler ist, ist das Unternehmen in der Regel nicht Ihr direkter Vertragspartner. Der Kaufvertrag wird zwischen Ihnen und dem einzelnen Verkäufer geschlossen. Das Problem dabei: Die Kontaktaufnahme mit diesen Verkäufern, die oft am anderen Ende der Welt sitzen, kann schwierig oder gar unmöglich sein. Bei Problemen mit der Ware oder der Lieferung stehen Käufer oft allein da und müssen versuchen, sich direkt mit dem ausländischen Händler zu einigen, was kulturelle, sprachliche und rechtliche Hürden mit sich bringen kann.

Warum sind die Preise bei Wish und ähnlichen Plattformen so niedrig?

Der Hauptgrund für die extrem günstigen Preise liegt im Geschäftsmodell: Die Ware wird direkt vom Hersteller oder Großhändler bezogen, oft unter Umgehung mehrerer Zwischenhändler. Dies spart Kosten entlang der Lieferkette. Zudem handelt es sich bei vielen angebotenen Produkten nicht um bekannte Markenartikel, sondern um No-Name-Produkte, deren Herstellungskosten geringer sind.

Die Plattformen profitieren auch von den globalen Logistikstrukturen, die den Versand einzelner kleiner Pakete über weite Distanzen ermöglichen, teilweise zu subventionierten Preisen. Allerdings täuscht der niedrige Artikelpreis oft über die Gesamtkosten hinweg, die erst am Ende des Bestellprozesses oder sogar erst bei der Zustellung sichtbar werden.

Versteckte Kosten: Versand, Zölle und Steuern

Das vermeintliche Schnäppchen kann schnell teuer werden, wenn man die zusätzlichen Kosten nicht einkalkuliert. Da die Verkäufer häufig im Ausland, insbesondere in Asien, sitzen, fallen oft hohe Versandkosten an. Ein besonders tückisches Detail: Selbst wenn Sie mehrere identische Artikel bestellen, kann es vorkommen, dass jeder Artikel einzeln verschickt wird und Sie für jedes einzelne Päckchen Versandkosten zahlen müssen.

Zusätzlich zu den Versandkosten kommen bei internationalen Bestellungen Einfuhrabgaben hinzu. Seit dem 1. Juli 2021 wird für alle Importe aus Nicht-EU-Ländern die Einfuhrumsatzsteuer erhoben, sobald sie mehr als 1 Euro beträgt. Diese Steuer beträgt in Deutschland derzeit 19 Prozent des Warenwerts zuzüglich der Versandkosten. Erst ab einem Warenwert von über 150 Euro (inklusive Versandkosten) fallen zusätzlich Zölle an. Es ist wichtig, sich vor der Bestellung auf den Seiten des deutschen Zolls über die aktuellen Bestimmungen zu informieren, da diese sich ändern können.

Diese zusätzlichen Abgaben können den Gesamtpreis einer Bestellung leicht verdoppeln oder verdreifachen und das vermeintliche Schnäppchen entpuppt sich als teurer als ein vergleichbares Produkt aus dem Inland.

Qualität, Größen und Fälschungen: Die Tücken der Billigprodukte

Ein weiteres häufiges Problem beim Einkauf auf solchen Plattformen ist die Qualität der gelieferten Ware. Oft entsprechen die Produkte nicht den Erwartungen, die durch die Produktbilder und Beschreibungen geweckt werden. Bei Bekleidung stimmen die Größenangaben häufig nicht mit europäischen Standards überein, oder das Material fühlt sich anders an als erwartet. Elektronikartikel können minderwertig verarbeitet sein oder nicht die beworbenen Funktionen erfüllen.

Ein ernstes Risiko stellen auch Produktfälschungen dar. Obwohl Plattformen wie Temu eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Fälschungen betonen und Strafen für Rechtsverletzer androhen, ist der Handel mit Plagiaten auf solchen Marktplätzen ein bekanntes Problem. Werden gefälschte Artikel vom Zoll entdeckt, können diese beschlagnahmt und sogar vernichtet werden. Schlimmer noch: Der Käufer haftet in solchen Fällen und muss unter Umständen sogar die Anwaltskosten des Markeninhabers tragen. Verbraucherschützer listen Dutzende chinesischer Online-Shops auf, bei denen Vorsicht geboten ist – auch wenn die ganz großen Namen wie Temu oder Shein dort nicht immer zu finden sind, was auf einen besseren Service bei diesen Plattformen hindeuten könnte.

Kundenservice und Retouren: Oft eine Herausforderung

Da der eigentliche Verkäufer im Ausland sitzt und die Plattform nur als Vermittler agiert, kann der Kundenservice schwierig sein. Die Kommunikation ist oft kompliziert, und die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen nahezu unmöglich. Auch das Rückgaberecht ist oft eingeschränkt oder mit hohen Kosten für den Käufer verbunden. Während einige neuere Plattformen wie Temu mit einem 90-tägigen Rückgaberecht werben und in manchen Fällen sogar anbieten, den beanstandeten Artikel zu behalten und trotzdem den Kaufpreis zu erstatten, ist dies nicht die Regel für alle Anbieter auf allen Plattformen.

Verbraucherschützer warnen, dass Rücksendungen an Adressen in Übersee teuer sein können oder von den Händlern schlichtweg verweigert werden. Rechtliche Schritte gegen Händler in China sind für einzelne Käufer in der Praxis kaum durchsetzbar.

Warum gibt es Wish nicht mehr?
Beschwerden über Wish häuften sich Auch aus diesen Gründen erreichten die Verbraucherzentralen Beschwerden zur Shopping-App Wish. Immer wieder gab es Probleme nach dem Kauf: Bemängelt wurden nicht nur die oft minderwertige Qualität der Waren, sondern auch die sehr langen Lieferzeiten und nicht erhaltene Ware.

Der Aufstieg neuer Konkurrenten: Temu, Shein und AliExpress

Die Welt des Online-Handels aus Fernost ist ständig in Bewegung. Während Wish lange Zeit eine der bekanntesten Plattformen war, haben in jüngster Zeit neue Akteure wie Temu und Shein massiv an Popularität gewonnen. Sie nutzen ähnliche Geschäftsmodelle – die Vermittlung von Produkten direkt aus China – setzen aber stark auf aggressive Marketingstrategien in sozialen Netzwerken und bieten oft zusätzliche Anreize wie Gutscheine, Rabatte bei höheren Bestellwerten oder sogar ein spielerisches Einkaufserlebnis (Gamification).

Plattformen wie Temu, eine Tochtergesellschaft des chinesischen Giganten Pinduoduo, der an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt wird, sind mit enormen Investitionen in den europäischen Markt eingetreten und konkurrieren direkt mit etablierten Plattformen wie Amazon. Sie bieten ein breites Sortiment von Bekleidung über Elektronik bis hin zu Haushaltswaren, oft versandkostenfrei, und versuchen, mit schnelleren Lieferzeiten und kundenfreundlicheren Rückgabebedingungen zu punkten als ältere Anbieter. Diese Entwicklung zeigt, dass der Markt für extrem günstige Produkte aus China wächst und sich weiterentwickelt, was möglicherweise erklärt, warum Wish im Vergleich zu diesen neuen, aufstrebenden Plattformen weniger im Rampenlicht steht.

Tabelle: Wish/Temu vs. Etablierter Handel

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MerkmalWish / Temu / AliExpressEtablierter Online-Handel (z.B. Amazon, deutsche Händler)
PreiseExtrem niedrig, hohe RabatteVariabel, oft höher als bei Billigplattformen
VerkäuferOft unbekannte Händler/Hersteller aus China (Plattform ist Vermittler)Etablierte Händler, Markenhersteller (Plattform oft direkter Verkäufer oder streng regulierter Marktplatz)
SortimentSehr breit, oft No-Name-Produkte, TrendartikelBreit, Markenprodukte, oft höhere Qualität
VersandkostenVariabel, oft pro Artikel, kann hoch seinoft pauschal oder ab bestimmtem Bestellwert kostenfrei
LieferzeitOft lang (mehrere Wochen), kann variierenIn der Regel kurz (wenige Tage)
Zölle & SteuernMüssen vom Käufer getragen werden (Einfuhrumsatzsteuer immer, Zoll ab 150€ Warenwert)In der Regel im Preis enthalten oder vom Händler abgeführt
QualitätKann stark variieren, oft minderwertigIn der Regel höher und konsistenter
FälschungenRisiko erhöhtRisiko geringer durch strengere Kontrollen
Rückgabe & KundenserviceOft schwierig und teuer, Kommunikation kompliziertIn der Regel unkompliziert und gesetzlich geregelt
RechtssicherheitGering, da Verkäufer im Ausland sitzenHoch, da Vertragspartner im Inland oder EU sitzen

Häufig gestellte Fragen zu Wish und ähnlichen Plattformen

Warum ist bei Wish alles so billig?

Die niedrigen Preise ergeben sich aus dem direkten Bezug vom Hersteller oder Großhändler in Ländern wie China, der Umgehung von Zwischenhändlern und der geringen Herstellungskosten für No-Name-Produkte.

Ist Wish seriös?

Wish und ähnliche Plattformen sind grundsätzlich legitime Marktplätze und keine Fake-Shops im eigentlichen Sinne. Sie sind als Unternehmen registriert (Wish wurde beispielsweise 2010 von Peter Szulczewski und Danny Zhang in Kanada gegründet). Allerdings bergen sie aufgrund ihres Geschäftsmodells (Vermittlerrolle, ausländische Verkäufer) und der Herkunft der Ware (Qualitätsschwankungen, Einfuhrabgaben, schwieriger Kundenservice) erhebliche Risiken für den Käufer, die bei etablierten Händlern seltener auftreten.

Muss ich bei Wish Zoll bezahlen?

Ja, bei Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern fallen Einfuhrabgaben an. Seit Juli 2021 ist für jede Sendung (ab 1 Euro Warenwert) die Einfuhrumsatzsteuer fällig (aktuell 19% in Deutschland). Ab einem Warenwert von 150 Euro (inklusive Versandkosten) kommen zusätzlich Zölle hinzu.

Was passiert, wenn die Ware nicht ankommt oder defekt ist?

Da Wish nur Vermittler ist, müssen Sie sich prinzipiell an den Verkäufer wenden. Dies kann schwierig sein. Die Plattformen bieten zwar oft einen Käuferschutz an, dessen Erfolg aber nicht garantiert ist. Eine Rücksendung kann teuer sein, und rechtliche Schritte gegen ausländische Verkäufer sind kaum möglich.

Gibt es Wish nicht mehr?

Wish existiert weiterhin als Online-Plattform. Die Wahrnehmung, dass man weniger davon hört, kann daran liegen, dass neuere Plattformen wie Temu und Shein mit aggressivem Marketing und teils verbesserten Services stärker in den Vordergrund treten und Wish Marktanteile abnehmen.

Fazit: Schnäppchen mit Bedacht

Plattformen wie Wish, Temu oder AliExpress locken mit unschlagbar niedrigen Preisen und einem riesigen Sortiment. Sie bieten die Möglichkeit, Produkte direkt von Herstellern zu beziehen und so von Kostenvorteilen zu profitieren. Dieses Modell hat ihnen Millionen von Nutzern beschert und den etablierten Handel unter Druck gesetzt.

Allerdings ist es essenziell, sich der potenziellen Nachteile bewusst zu sein. Der niedrige Artikelpreis ist oft nur ein Teil der Gesamtkosten, die durch Versandgebühren, Einfuhrumsatzsteuer und mögliche Zölle in die Höhe getrieben werden können. Zudem bergen Qualitätsschwankungen, das Risiko von Fälschungen und ein erschwerter Kundenservice sowie komplizierte Rückgabeprozesse erhebliche Risiken für den Käufer. Die fehlende Transparenz bezüglich des tatsächlichen Verkäufers und die Schwierigkeit, rechtliche Ansprüche geltend zu machen, erfordern ein hohes Maß an Vorsicht.

Während neuere Plattformen versuchen, durch aggressives Marketing und verbesserte Services die Kundenbindung zu stärken, bleibt das grundlegende Geschäftsmodell bestehen. Für Verbraucher bedeutet dies: Wer auf solchen Plattformen einkauft, sollte sich der Risiken bewusst sein, die Gesamtkosten genau kalkulieren und im Zweifel lieber bei einem Händler kaufen, der mehr Sicherheit und Service bietet. Das extreme Schnäppchen kann sich schnell als teurer Irrtum erweisen.

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